Handschreiben: Philologenverband fordert zwei zusätzliche Förderstunden für 5. und 6. Klasse

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MAINZ. Zum internationalen Tag der Handschrift erinnert der Philologenverband Rheinland-Pfalz an die große Bedeutung der Handschrift für das Lernen – und fordert mehr Zeit für die Förderung.

Fast einhellig stellen Lehrer fest: Die Schwierigkeiten beim Handschreiben nehmen zu. Foto: Shutterstock

„Die Handschrift, und insbesondere die verbundene Schrift, ermöglicht uns das Lernen durch verschiedene Kanäle, den optischen, den motorischen und (beim Mitlautieren, also beim leisen, später oft nur gedachten Mitsprechen) auch den auditiven Lernkanal“, erläutert die Vorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, Cornelia Schwartz.

„Der Einfluss der flüssigen und verbundenen Hand- bzw. Schreibschrift darf nicht unterschätzt werden: Sie bestimmt letztlich mit darüber, wie erfolgreich wir lernen können. Sie nutzt den motorischen und weitere Lernkanäle, und es ist wichtig, eine ganze Palette an Lernkanälen zur Verfügung zu haben: Niemand ist nur ein auditiver, niemand nur ein visueller, haptischer, kinästhetischer, motorischer, kognitiver oder kommunikativer Lerntyp. Wir alle lernen und verstärken das Lernen auf vielen verschiedenen Kanälen. Stützt man sich nur auf einen Kanal, dann wird das Lernen mühsamer, und es ist weniger nachhaltig. Für das schulische Lernen sollten daher so viele Optionen wie möglich offengehalten werden.“

„Nicht erst durch den pandemiebedingten Unterrichtsausfall sind im Hinblick auf das Schreiben gravierende Defizite deutlich geworden“, so Schwartz. „Daher ist es notwendig, dass das Bildungsministerium den weiterführenden Schulen für die fünften und sechsten Klassen pro Woche jeweils zwei Förderstunden pro Klasse zur Verfügung stellt, so dass hier ohne Stress, ohne Vorwürfe und ohne Zeitdruck geübt werden kann.“ News4teachers

Leidet das Handschreiben in der Corona-Krise? VBE und Schreibmotorik Institut fragen Lehrkräfte

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klexel
3 Monate zuvor

Das Bild zeigt ein Paradebeispiel für falsche und nicht korrigierte Handhaltung. Schlechte Bildauswahl…

frame
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Und warum Laotisch?

Anne
3 Monate zuvor

Also wenn die Handschrift das größte Problem bei den Fünft- und Sechstklässlern ist, scheinen Coronarückstände doch nicht so gravierend zu sein.

Monika Niemann
3 Monate zuvor
Antwortet  Anne

Sie verkennen die Probleme, die mit unzureichender Schriftmotorik einhergehen: 1) Quälend langsames Schreiben –> frustriert im Unterricht und bei den Hausaufgaben 2) Nichteinprägen von Wortbildern —>desaströse Rechtschreibung 3) Verfehlen der zeitlichen Vorgabe bei schriftlichen Leistungsüberprüfungen + schlechte Rechtschreibung 4) Verlust des Überblicks und Unfähigkeit, Informationen schriftlich leserlich zu sortieren —-> führt zu allerlei Schwierigkeiten.

Anne
3 Monate zuvor
Antwortet  Monika Niemann

Ich kenne die Probleme, die gab es aber vor Corona auch schon. In der aktuellen Lage hätte ich aber eher die Forderung nach 2 fachlichen Förderstunden erwartet.

AvL
3 Monate zuvor
Antwortet  Anne

Und warum werden dann in den Grundschulen immer noch primär unverbundene Schriftsysteme wie die Druckschrift oder jetzt neu die Grundschrift als Schriftsysteme vermittelt ?

Quacksalber
3 Monate zuvor

In Klasse 5 und 6 die Handschrift besonders üben zu wollen, geht an der Realität vorbei. In Klasse 5 und 6 ist die Handschrift „schon fertig“. Sie ändert sich dann kaum noch, egal, ob wir mit dieser Handschrift die Schreibschrift oder die Druckschrift meinen. Die Kinder bleiben dabei.

Es muss deshalb viel früher angesetzt werden. Eine Schreibschrift muss spätestens in Klasse 2 gelernt werden und dann konsequent durchgesetzt werden. Dazu gehören auch Lehrer, die mit Schreibschrift an die Tafel schreiben und Schreibschrift auch außerhalb des Deutschunterrichts einfordern und dazu gehören insbesondere für die Grundschule Arbeitsmaterialien in Schreibschrift (Problem, in welcher? In Deutschland gibt es ja mindestens 3 verschiedene.)

Petra
3 Monate zuvor

Ist ja kein Wunder. An vielen Grundschulen wird erstmal Druckschrift gelernt. Und dann sollen Schüler parallel dazu Schreibschrift lernen. Das ist für viele einfach überfordernd, dann mit zwei Schriften gleichzeitig umzugehen. Man müßte von Anfang an Schreibschrift lernen, wie früher auch.

AvL
3 Monate zuvor
Antwortet  Petra

Es geht auch anders, indem das Lesen der Druckschrift zuerst erfolgt und leicht versetzt eine verbunden Schreibschrift mit der Anbindung an die Grundlinie vermittelt wird.

Die Bewegungsabläufe der Grundelemente einzelner Buchstaben wiederholen sich, so dass diese Bewegungsabläufe einfacher erlernt werden können wie bei der Lateinischen Ausgangsschrift die kleinen c, a, d, g und das o, die kleinen i, u/y, t, die kleinen n, m oder die kleinen l, h und k alle in ihrer Gruppe gleiche bereits erlernte Bewegungsabläufe abrufen.

Chorleiterin
3 Monate zuvor

Richtig, Petra, dem kann ich nur zustimmen..
Wer sich den Quatsch ausgedacht hat, dass Kinder zuerst Druckschrift schreiben lernen sollen, hat null Ahnung und gehört bestraft.
Wenn ich dran denke, welche Probleme mein Pflegesohn hatte, dann auf Schreibschrift umzustellen…..einfach unnötig!
Viele Kinder absolvieren diese Umstellung einfach nicht, sie haben dann ein Mischmasch aus Druck- und Schreibschrift, entwickeln ihre eigene Normschrift. Einige bleiben bei Druckschrift und verbinden die Buchstaben einfach….
Unsere Schreibschrift ist auch eine Kulturleistung, es geht hier auch um Klarheit und Ästhetik.Dass man das heute so vernachlässigt, ist mir ein Rätsel.
In meiner Schulzeit ( Mitte/ Ende 60ger)haben wir in der Unterstufe (Grundschule) regelmäßig Schönschreibstunden gehabt und dafür auch Zensuren bekommen.
Es gibt immer mehr Schüler, die in der 5.Klasse vollkommen unleserlich schreiben, vielleicht sollte man diese verbindlich im Ganztagsschulbetrieb fördern.
Aber ich bin auch der Meinung, dass das dann eigentlich schon zu spät ist und man viel früher, 2./3.Klasse, ansetzen muss.

Lanayah
3 Monate zuvor
Antwortet  Chorleiterin

In den 60er-Jahren gab es jeden Tag eine Stunde Schönschreiben, also 5 Wochenstunden. Mir persönlich ist es trotzdem lange nicht gelungen, mit der damals gängigen lateinischen Ausgangsschrift ein gut lesbares Schriftbild zu entwickeln, sodass ich später auf Druckschrift ausgewichen bin.
Später als Lehrerin habe ich mir dann verschiedene Ausgangsschriften angeeignet.
An meiner derzeitigen Schule arbeiten wir mit der vieldiskutierten Grundschrift, also einer verbundenen Druckschrift. Ich finde das sehr gut. Alle Kinder schreiben zumindest leserlich und zügig.
Ich habe verschiedene Schriftproben von 4. Klassen aufbewahrt, die als Ausgangsschrift LA, VA oder Grundschrift hatten. Am Ende der Klasse 4 sind hier keine wesentlichen Unterschiede mehr erkennbar.
Wer Kalligraphie liebt, sollte dies als Hobby machen. Für den Schrifterwerb ist das nicht notwendig.

Sandra Wolters
3 Monate zuvor

Vielleicht sollte einfach auch mehr geschrieben werden? Meine Kinder arbeiten in der GS beinahe ausschließlich mit Lückentexten. Mich wundert es nicht, dass es beim Handschreiben Probleme gibt.

Hildermann
3 Monate zuvor

Mein Sohn geht in die 6 Klasse und ich glaube es ist zu spät an seiner Schrift zu arbeiten .Ich könnte es schon in der 1 Klasse und wir haben nur in Schreibschrift geschrieben .Und ganz viel in Deutschland bekommt man kopierte Blätter und man muß nix tun .Wir haben alles abgeschrieben und jeden Tag die Schreibschrift verbessert.

Edel
3 Monate zuvor

Völlig unberücksichtigt bliebt zumeist im Unterricht dabei das Einüben der Handschrift für Linkshänder.
Immer wieder fallen die völlig absurden Handhaltungen und seltsamen Verrenkungen der linkshändig schreibenden Menschen auf, die ein Zeugnis davon ablegen, daß ein erheblicher Anteil unserer Schüler und Schülerinnen beim Erlernen der Handschrift sich völlig selbst überlassen bleibt, oder aber von nicht entsprechend ausgebildetem Lehrpersonal nur unzureichend angeleitet wird.
Es handelt sich bei der beschriebenen Personengruppe um immerhin etwa 10 % der Bevölkerung, die früher der Umerziehung ausgesetzt, auch heute noch keine angemessene
Förderung erfahren.

Otto
3 Monate zuvor

Das Gymnasium bei uns beginnt bereits in Klasse 5 nur noch ohne Bücher, ohne Hefte und nur mit dem ipad zu arbeiten. Die Notwendigkeit des Schreibprozesses mit der Hand oder was es heißt, mit einem kompakten Buch, das nicht nur scheibchenweise geliefert wird zu arbeiten, scheint dem Berufszweig, die von allen Lehrämtern die stärkste fachliche und schwächste pädagogisch didaktische Ausbildung haben nicht mehr erkannt zu werden.

Damaris Kretzek
3 Monate zuvor

Das Problem der Graphomotorik habe ich schon früh erkannt und als Ergotherapeutin ein Konzept entwicklet, mit dem Vorschüler bis hin zu Erwachsenen mit unleserlicher Schrift schnell ihre eigene Schrift entwickeln können, unverkrampft, leserlicher und schneller Schreiben und das alles mit Spaß und schnellem Erfolg – die schnellste Anpassung bei einem Erwachsen dauerte 5 min. Seine Frau war sprachlos und konnte endlich die Notizen ihres Mannes lesen. Kinder begannen mehr zu malen und zu schreiben und Lehrerinnen stellten es den Schülern frei, die sich alle für das gleiche Schreibkonzept entschieden und erfolgreich in die weiterführende Klasse wechselten. Dies ist keine Eigenwerbung, sondern eine mutmachende Nachricht, dass alles möglich ist- egal welchen Alters. Hunderten von Patienten mit Graphomitorikproblemen konnte ich bereits weiterhelfen und sie brauchten danach nie wieder Unterstützung. Sie waren erfolgreich und stolz auf ihre individuelle Schrift.