Durchseuchung: Jeder 4. Grundschüler (in Bayern) hatte seit Schuljahresbeginn Corona

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MÜNCHEN. Die letzten beiden Corona-Wellen haben besonders bei den Kindern im Schulalter für viele Infektionen gesorgt. In einer Altersgruppe hat sich alleine seit Schuljahresbeginn etwa jedes vierte Kind in Bayern infiziert.

Schulen bleiben weiter offen – ohne wirkungsvollen Corona-Schutz. Foto: Shutterstock

Seit Beginn des laufenden Schuljahres im September hat sich in Bayern etwa jedes vierte junge Schulkind mit Corona infiziert. Das ergibt sich aus den vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit veröffentlichten Inzidenzzahlen. Keine andere Altersgruppe ist demnach stärker betroffen. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist es mehr als das Doppelte.

Basis der Berechnung sind die wöchentlich vom LGL veröffentlichten Inzidenzen nach Altersgruppen. Addiert man sie auf, lässt sich aus ihnen die Häufigkeit von Infektionen in den Altersgruppen errechnen. Das Verfahren hat zwar den Schwachpunkt, dass es Mehrfachinfektionen bei einzelnen Personen nicht berücksichtigt. Epidemiologin und Statistikerin Ursula Berger aus der Covid-19 Datenanalyse Gruppe der LMU hält es dennoch für einen brauchbaren Weg, um eine Abschätzung des Anteils der seit Schuljahresbeginn infizierten Kinder zu erreichen.

Einerseits sei in dieser Zeit an den Schulen durchweg getestet worden. Andererseits sei der Anteil der Kinder, die sich innerhalb dieses relativ kurzen Zeitraums mehrfach angesteckt hätten und daher auch mehrfach gezählt würden, vermutlich gering, sagt sie. Auch Alterungseffekte, also dass ein Teil der Kinder aus der Gruppe während des Betrachtungszeitraums älter als elf Jahre wird und damit aus der Gruppe herausfällt, während andere Kinder von unten nachrücken, hält sie in dieser Betrachtung für eher unbedeutend. «Ich glaube nicht, dass das hier viel ausmacht», sagt die Expertin.

«Mit einer gewissen Unsicherheit muss man immer rechnen», betont Berger. So gebe es auch immer eine Dunkelziffer von unerkannten Fällen oder solchen, die in den Herbst- und Weihnachtsferien durchgerutscht sind.

Seit Schuljahresbeginn errechnet sich für die Altersgruppe der Sechs- bis Elfjährigen, mit aufaddierten Inzidenzen ein Anteil von 27,4 Prozent infizierter Kinder. Selbst wenn man mögliche Mehrfachinfektionen abzieht, ergibt das eine Wert im Bereich eines Viertels dieser Gruppe – auch weil mit 17,4 Prozent der Großteil der Infektionen auf die relativ kurze Zeitspanne ab Kalenderwoche eins entfällt.

Die Sechs- bis Elfjährigen sind mit einer Inzidenz von 4.445 Neuinfektionen auch aktuell am stärksten betroffen

Die am zweitstärksten betroffene Altersgruppe ist ebenfalls im Schulalter: Bei den 12- bis 15-Jährigen sind es knapp 22 Prozent seit Schuljahresbeginn, davon 13,5 Prozent seit der ersten Kalenderwoche. Dahinter folgt die Gruppe 16 bis 19 mit 18,9 Prozent im laufenden Schuljahr. Zum Vergleich: Die Altersgruppen 60 bis 79 und ab 80 kommen nur auf Werte von 4,9 und 4,3 Prozent. In der Gesamtbevölkerung sind es in diesem Zeitraum 12 Prozent.

In der vergangenen Woche haben sich in den meisten Altersgruppen in Bayern leicht sinkende Inzidenzen gezeigt. Ob es sich dabei bereits um eine Wende im Infektionsgeschehen oder die Folge eines überlasteten Melde- und Testsystems handelt, ist derzeit aber nicht klar.. Die Sechs- bis Elfjährigen sind mit einem Wert von 4.445 Neuinfektionen pro 100.000 Personen binnen sieben Tagen auch bei dieser Betrachtung am stärksten betroffen. Die niedrigsten Werte ergeben sich auch hier für die Altersgruppe ab 80. Mit 551 ist es nur ein Achtel der jungen Schüler. Allerdings steigt die Inzidenz bei den Alten noch leicht.

Bayernweit meldete das Robert Koch-Institut am Montag eine Inzidenz von 1772. Das ist etwas weniger als am Sonntag und der vierte Rückgang binnen fünf Tagen. Bundesweit weist Bayern aktuell die zweithöchste Inzidenz hinter Brandenburg auf. News4teachers / mit Material der dpa

Durchseuchung – und was dann? Kinder sind nach der Omikron-Welle offenbar kaum vor weiteren Infektionen geschützt

 

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John Rambo
3 Monate zuvor

Wenn die Durchseuchung das Politikziel ist, dann soll es klar formuliert und kommuniziert werden.

Wenn die Durchseuchung das Ergebnis von Fehlentscheidung der Politiker ist, dann KuMis mussen Konzequenzen tragen und rückziehen.

Es gibt hier keine graue Zone, aber natürlich, es wird nichts passieren.

Wir sind Zeugen eine unerliche und unethische Politik.

Viele Eltern haben einfach blaue Pille genommen.
Ich habe, wie Neo in Matrix, rote Pille genommen und ich sehe den Code….

Realist
3 Monate zuvor
Antwortet  John Rambo

Das Ziel der Durchseuchung wird niemand zugeben. Dann wäre nämlich eine Flut von Schadensersatzklagen und juristischer Verantwortlichkeit die Folge.

Im Zweifel wird es immer heißen: Hat sich privat auf den allabendlichen Corona-Party ohne Maske infiziert. Aber doch nicht in der Schule! Unmöglich!

JEDER Schritt, der gegangen wird, wird von Juristen vorher rigoros geprüft, jedes Schreiben wird auf juristische Fallstricke geprüft, und nicht nur von einer Person, sondern von einem ganzen Team, das genau dafür bezahlt wird. Da sitzen doch keine Anfänger!

S.
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Deswegen sind die KuMi-Posten ja auch mehrheitlich mit Jurist*innen besetzt.
Hubig bspw. hat mehr Einsatz gezeigt, sich selbst und ihr Ministerium rechtlich abzusichern als Coronaschutz in Schulen zu etablieren.
Insofern: die KuMis sind auf Erfolgskurs!

Unethische Sauerei!
3 Monate zuvor

Wir leben in einer Demokratie, gut so! (?)
Was haben wir nun davon?
Ich als Oma mit acht Enkeln erlebe das Leid der Kinder. Eins nach dem anderen wird positiv getestet und muß sich laut Ordnungsamt absondern!
Diese erschreckend hohe Inzidenz unter den Kindern ist eine unethische Sauerei!!!

Ich bin stinksauer!

Wir lästern über Diktaturen, aber wenn man mal einen Blick z.B. nach China wirft, stellt man fest, dass die anscheinend die Pandemie besser im Griff haben.

Zum Vergleich:
Infektionslage in Volksrepublik China
In Volksrepublik China wurden bislang 107.014 COVID-19 Infektionen erfasst, bei 4.636 Todesfällen an oder mit Corona

(Stand: 14.02.2022).

Dies entspricht einer Infektionsrate von 0,01% sowie eine Todes- bzw. Letalitätsrate von 4,33%.Neuinfektionen und Inzidenz
Die Anzahl der Neuinfektionen in Volksrepublik China liegt aktuell bei 84. Im Durchschnitt der letzten 7 Tage wurden 85 Neuinfektionen pro Tag erfasst. Innerhalb der letzten Woche wurden in Volksrepublik China

0,0 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet („7-Tage-Inzidenz“).

Hier in Deutschland werden alle Kinder mit dem Virus konfrontiert und nicht nur Kinder, alle, aber auch alle werden infiziert werden.
Beschämend und wie gesagt eine unethische SAUEREI!

DerDip
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

@Redaktion: Danke für diesen wichtigen Hinweis. Man sollte auch nicht vergessen, wie gerade China zu Beginn in Wuhan und Umgebung mit Ärzten umgegangen worden ist, die von diesem neuen Virus und dessen Ausbreitung erzählten. Eine Sehnsucht nach Chinesischen Zuständen ist sehr gefährlich, aber leider führt Angst bei gewissen Menschen zu solchen Verhaltensweisen.

Elly
3 Monate zuvor

Nun ja, das sind natürlich alles Einzelfälle. Eine uns bekannte Grundschullehrerin hat in zwei Monaten nun bereits das zweite Mal Omikron. Einzelfälle, alles bedauerliche Einzelfälle. Die Schulen sind sicher.
Zur Sicherheit: Ironie off.

DerDip
3 Monate zuvor

Wenn man nun noch bedenkt, dass es eine hohe Dunkelziffer an Infektionen gibt, die in D meist mit dem Doppelten angegeben wurde, wären demnach mehr als 50 Prozent der Kinder in Bayern zwischenzeitlich infiziert. Wenn man dann noch die geimpften Kinder hinzuninmt, dürfte die Gesamtsumme der Kinder mit einer gewissen Immunität schon recht hoch sein. Aus dieser Perspektive ist Söders Öffnungsstratiegie sogar nachvollziehbar. (Nicht dass ich Söder als Politiker schätzen würde, aber die aktuelle Vorgehensweise schon).

DerDip
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ja, die sterile Immunität funktioniert nicht. Das ist auch bei den Impfstoffen der Fall. Eigentlich nichts neues, schon lange bekannt. Es reicht aber schon aus, wenn das Virus durch die bereits erfolgten Infektionen in Zukunft nicht mehr so schnell zirkulieren kann und die Krankheitslast zukünftig geringer wird (durch Impfungen und Genesungen) um das Gesundheitssystem nicht zu Überlasten.