Frauentag! Zig-Tausende Erzieherinnen (und Erzieher) folgen dem Streikaufruf von Verdi

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BERLIN. In Deutschlands Kitas ist Erziehungsarbeit immer noch weitgehend Frauensache. Aus Sicht der Gewerkschaften fehlt es dabei an Wertschätzung. Deshalb haben sie am Frauentag zu Warnstreiks aufgerufen – Tausende sind gefolgt.

Es reicht! Kita-Fachkräfte fordern mehr Wertschätzung. Illustration: Shutterstock

Tausende Erzieherinnen und Erzieher an kommunalen Kitas und andere Beschäftigte sozialer Berufe sind am Dienstag bundesweit für mehr Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte zum Weltfrauentag am 8. März zu Warnstreiks und Protestkundgebungen aufgerufen, um damit den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen für die sozialen Dienste zu erhöhen. Nach Angaben einer Verdi-Sprecherin beteiligten sich daran bundesweit mehr als 22.000 Beschäftigte. Zu Warnstreiks aufgerufen waren auch kommunale Mitarbeiter der sozialen Dienste und der Behindertenhilfe. Zum Teil wurden Notbetreuungen eingerichtet.

Auch in zahlreichen Städten Baden-Württembergs blieben am Dienstag Hunderte Kitas wegen Warnstreiks im Erziehungs- und Sozialdienst geschlossen. Nach Angaben von Verdi beteiligten sich 5000 Beschäftigte an den Protestaktionen.

Es sei bedauerlich, dass für solche Forderungen Kitas bestreikt werden müssten, sagte Verdi-Landeschef Martin Gross in Stuttgart. Aber die pädagogischen Fachkräfte müssten jede Verbesserung selbst erkämpfen. In der Pandemie hätten sich zahlreiche Mitarbeiter angesteckt, aber die Beschäftigten von Kitas, Schulkindbetreuung, sozialen Diensten und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung hätten keine Corona-Prämien vom Staat erhalten. «Jetzt sind sie dran», betonte Gross.

Nach Angaben eines Sprechers des Verdi-Landesbezirks Niedersachsen und Bremen beteiligten sich rund 3000 Beschäftigte in den beiden Bundesländern an den Aktionen. In Sachsen nahmen Hunderte an ähnlichen Veranstaltungen teil. Auch aus anderen Bundesländern wurden zahlreiche bestreikte Einrichtungen gemeldet.

«Der Internationale Frauentag ist perfekt, um zu streiken, nachdem die erste Verhandlungsrunde eine einzige Enttäuschung war»

Die Tarifverhandlungen für die sozialen Dienste waren eigentlich für das Frühjahr 2020 geplant, nach dem Beginn der Corona-Pandemie jedoch auf Eis gelegt worden. Die Gewerkschaften argumentieren, dass die Erzieherinnen und Erzieher insbesondere nach zwei Jahren Pandemie mehr Wertschätzung erfahren sollten. Verdi fordert für die rund 330.000 betroffenen Beschäftigten keine prozentuale Lohnerhöhung, sondern höhere Eingruppierungen der sozialen Berufe in den Besoldungsstufen. Die kommunalen Arbeitgeber argumentieren, dass Erzieherinnen und Erzieher bereits jetzt besser verdienten als vergleichbare Berufe.

Verdi wirft der Arbeitgebervereinigung VKA mangelndes Entgegenkommen bei den Gesprächen vor. Derzeit sind noch zwei Gesprächsrunden geplant. Die nach bisherigem Stand voraussichtlich entscheidende soll am 16. und 17. Mai in Potsdam stattfinden. «Der Internationale Frauentag ist perfekt, um zu streiken, nachdem die erste Verhandlungsrunde eine einzige Enttäuschung war», betonte Verdi.

In den sozialen Berufen seien insgesamt rund 83 Prozent Frauen tätig, bei den Erzieherinnen in Kitas sogar 94 Prozent. Es gehe also auch um die Gleichstellung von Frauen im Arbeitsleben – deshalb der Termin für die Warnstreiks am internationalen Frauentag. News4teachers / mit Material der dpa

Zig-Tausende Kita-Beschäftigte bundesweit legen am Frauentag die Arbeit nieder

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Rosa
2 Monate zuvor

Wo bleibt die Wertschätzung? Die Arbeitsbedingungen ist für das Personal in den Einrichtungen nicht vertrebar mehr und die Kinder erfahren keine liebevolle Umgebung mehr. Es ist leider nur noch Aufbewahrung und Verwahrung. Das Personal ist oft nur noch mit einer Person besetzt und die Kinder nur Stundenweise die Einrichtung besuchen.https://www.mannheimer-morgen.de/politik_artikel,-laender-hunderte-kitas-bleiben-wegen-erzieherinnen-protesten-geschlossen-_arid,1922891.html

Angelika
2 Monate zuvor

Rosa, wie viel Wertschätzung verdient das „Personal“, wenn es sich zum Opfer machen lässt und nicht mehr die Zeit und Energie für die Kinder hat, die nötig wären, um in einer überwiegend entspannten Armosphäre auf sie einzugehen? Fachkräfte sind verpflichtet GEFÄHRDUNGSANZEIGEN zu stellen!

Nachdem vieles schief gelaufen ist, sollte auch gegen den Widerstand der „lieben Kolleginnen“ einmal klargestellt werden, dass vorauseilender Gehorsam und ein enorm ausgeprägter Drang, es allen Seiten recht machen zu wollen, die Misere begünstigt haben. Erzieherinnen waren doch lieber feminin als feministisch. Hätten sich Männer scharenweise bereitwillig und ohne deutliche Gehaltsanhebung auf Dokumentationspflichten eingelassen? – Wohl kaum. Frauen aber glaubten, dass ihre Berufsgruppe wegen der aufoktroyierten Bürokratie zugunsten der frühkindlichen Bildung nun bald den Status akademisch ausgebildeter Grundschullehrerinnen haben würden. – Davon aber sind wir weit entfernt.

Was war eigentlich zuerst da: Der Wunsch nach „Wertschätzung“ oder dieser aus zwei Wörtern zusammengesetzte Begriff, den es früher nicht gab – oder der allenfalls extrem selten benutzt wurde?

Hoffentlich besitzen die Kräfte des TVöD einen langen Atem und die Chuzpe sich von verdi nicht wieder zu einem Tarifabschluss bewegen zu lassen, der symbolisch gesehen nur ein Trostpflästerchen, aber keine Linderung bringt.

Angelika
2 Monate zuvor
Antwortet  Angelika

Korrektur: Die „Kräfte des Sozial- und Erziehungsdienstes“ muss es selbstverständlich heißen. – Vielleicht kann die Redaktion es gleich ändern. (Danke!)

Rosa
2 Monate zuvor

Dekan aus Mannheim spricht klare Worte und hegt keine falschen Hoffnungen bei Eltern und heranwachsenden Kindern.https://www.mannheimer-morgen.de/videos_video,-kita-schliessungen-dekan-ralph-hartmann-ueber-fachkraeftemangel-und-die-kriterien-der-platzvergabe-_videoid,9774.html

Rosa
2 Monate zuvor

In BW und soziale Einrichtungen und kleine familäre Einrichtungen sind nicht mehr wirtschaftlich „LEIDER“. Neue große Häuser werden eröffnet und zieht die kleinen Richtungen vor und dafür wird dringen Personal benötigt und ist wirtschaftlicher“LEIDER“.https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/mannheim/kitas-schliessen-mannheim-evangelische-kirche-personalmangel-kosten-100.html

Rosa
2 Monate zuvor

Es hat sich viel Frust bei den Erzieherinnen angestaut und die Pandemie hat die Notlage der Einrichtungen noch zusätzlich verschärft. https://www.rnf.de/baden-wuerttemberg-mannheim-kritik-von-arbeitgebern-an-geplanten-kita-warnstreiks-284018/

Rosa
2 Monate zuvor

Klaren Überblick zur Situation von Kindergarteneinrichtungen und Persoanlmangel!https://kitas.ekma.de/neuigkeiten/Die-Bildungsarbeit-in-den-Kitas-sichern-und-strken_179/