Schulen sind überlastet: Philologen fordern von Hubig, „Prestige-Projekt“ zurückzustellen

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MAINZ. Der Philologenverband hat die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) aufgefordert, ihre Initiative „Schule der Zukunft“ zurückzustellen. Angesichts der aktuellen Herausforderungen durch geflüchtete Kinder aus der Ukraine und Corona sei es notwendig, Ressourcen im Bildungswesen zu konzentrieren – statt für ein Prestige-Projekt auszugeben.

„Kompetenzen, die heute benötigt werden, sind andere“: die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) Foto: Georg Banek / Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

„Der Krieg gegen die Ukraine macht uns eines deutlich: Wir wollen helfen. Wir wollen gute Bildung auch für geflüchtete Kinder und Jugendliche an unseren Schulen, aber wir sind nach zwei Jahren Corona mit unserer Kraft fast am Ende.“ Mit diesen Worten appelliert die Landesvorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, Cornelia Schwartz, an die Landesregierung, finanziell umzusteuern.

Schwartz: „Anstatt Finanzmittel in Höhe von 27 Millionen Euro für das Projekt ‚Schule der Zukunft’ aufzuwenden, obwohl noch niemand weiß, was genau man sich darunter vorstellen soll, sollten die drängendsten Probleme der Gegenwart gelöst werden. Jetzt Finanzen, Zeit und Energie durch ein publicity-wirksames Projekt mit ungewissem Ausgang zu binden, schwächt die Schule, statt sie zu stärken.“

„Wir fragen uns: Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten brauchen Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert?“

Der Philologenverband sieht weiterhin grundsätzliche Probleme im Bildungsbereich. Es kann nicht sein, dass Unterricht gerade in Mangelfächern weiterhin gekürzt laufen muss. Es kann nicht sein, dass die Klassen weiterhin mit teilweise 30 und über 30 Schülerinnen und Schülern viel zu groß sind. So funktioniert auch keine „Schule der Zukunft“.

Aus diesem Grund plädiert der Philologenverband Rheinland-Pfalz für eine Konzentration auf das Notwendige und ein Aussetzen des Projekts „Schule der Zukunft“, bevor im April nun die Bewerbungsphase der Schulen für das Projekt beginnt. Stattdessen muss genau jetzt, nämlich vor Beginn der Planungsphase für die Neueinstellungen für das kommende Schuljahr, genügend Geld für eine gute Unterrichtsversorgung und kleinere Lerngruppen bereitgestellt werden.

„Wenn derzeit“, so Schwartz weiter, „ukrainische Kinder und Jugendliche ihr Land verlassen müssen und zu uns fliehen, gilt es vorzusorgen. Die 27 Millionen Euro für eine ‚Schule der Zukunft‘ würden letztlich nur versickern.“

Mit einem Zukunftskongress im November in Mainz hatte Hubig den Startschuss für das Projekt gegeben, bei dem „die gesamte Schulgemeinschaft“ eingebunden werden soll – und für das sich Schulen bald bewerben können.

«Wir fragen uns: Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten brauchen Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert? Das sind andere als im 19. oder 20. Jahrhundert», so hatte Hubig erklärt. Die Schulen seien früher die zentrale Säule der Wissensvermittlung gewesen, aber dies habe sich verändert. Heute gebe es viele weitere Wege der Wissensvermittlung, die miteinander vernetzt werden sollten. Tradition und Beständigkeit sollen in den Schulen weiter ihre Berechtigung haben. «Aber die Kompetenzen, die heute benötigt werden, sind andere als noch vor 20 Jahren: Es geht heute auch um Kreativität, kritisches Denken, Zusammenarbeit oder Kommunikationsfähigkeit.» News4teachers

„Schlag ins Gesicht jeder Lehrkraft“: Philologen kritisieren Hubigs „Schule der Zukunft“

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Lakon
1 Monat zuvor

Oh, dass das 27 Millionen kostet, wurde in den mir bekannten Verlautbarungen bisher nicht erwähnt.

Julia
1 Monat zuvor

Ja, das wird dann reflexartig gefordert. Aber ist es nicht so, dass es gerade offensichtlich ist, dass unser Schulsystem eben nicht zukunftsfähig, weil nicht krisenfest ist? Und wenn ich als Lehrkraft nur jammere und klage, aber die Gelegenheit zur Mitgestaltung nicht nutze, dann läuft es eben so- dann entscheiden andere für und über mich.

dauerlüfterin
1 Monat zuvor

Ja genau liebe Julia. Dann gestalten Sie doch mal mit und machen Sie das Schulsystem mit diesem großartigen Projekt der weitsichtigen Hausspitze krisenfest. Und die anderen Blöden, die können ja nichts als jammern und sind (schon deshalb) nicht so toll wie Sie. Deshalb wird über die auch entschieden (und über Sie nicht).