Altersgemischt, ohne Tests, keine Noten: An der Jenaplan-Privatschule läuft vieles anders (aber nicht alles…)

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NÜRNBERG. Keine Klassen, kein fester Stundenplan, keine Noten. Das soll Schule sein? Wir sprachen mit Christian Schuster, Schulleiter der privaten Jenaplan-Grundschule in Nürnberg, über den Alltag und die Besonderheiten des rund 100 Jahre alten reformpädagogischen Konzepts.

In Jenaplan-Schulen gibt es „Stammgruppen“ statt Klassen. (Symbolbild). Foto: Shutterstock

Wenn Christian Schuster zur Arbeit geht, dann wird oft gefeiert. Und damit sind nicht nur Ostern, Sommerfest oder Weihnachten gemeint. „Auch kleine Feiern sind bei uns ganz wichtig“, sagt der Schulleiter der Jenaplan Grundschule in Nürnberg. „Heute hatten zum Beispiel einige Kinder ihr Arbeitsheft fertig“, erzählt er. „Dafür gab es Applaus und das tut den Kindern gut – gerade jetzt, denn in den letzten zwei Jahren war es ja ein bisschen schwierig zu feiern.“

Schuster ist vor 14 Jahren als „ganz normaler Grundschullehrer“ an die 2003 gegründete freie Schule gekommen. Davor hatte er die Gelegenheit, verschiedene Schulformen kennenzulernen. Doch die alternative Pädagogik blieb für ihn am interessantesten und im Jenaplan fand er schließlich das passende Konzept.

Was bedeutet Jenaplan?

Auch wenn jede Schule den Jenaplan anders mit Leben füllt, bleiben die vier Grundsäulen des in den 1920er Jahren von Peter Petersen entwickelten Konzepts immer gleich: Arbeit, Gespräch, Spiel und Feier tragen das sogenannte Jenaplan-Haus. Der Jenaer Erziehungswissenschaftler und Schulleiter nannte sein Konzept nach amerikanischem Muster „Plan“. Im Zentrum seiner Pädagogik steht das Kind in der sozialen Gemeinschaft, dem die Schule Raum zum entdeckenden, forschenden Lernen geben soll. In Deutschland gibt es heute 68 Schulen, die nach diesem Konzept arbeiten. Die meisten Jenaplan Schulen, etwa 230, sind in den Niederlanden zu finden. In Nürnberg gibt es neben der Grundschule noch ein Jenaplan-Gymnasium und insgesamt mit knapp 15% einen hohen Anteil von Schüler*innen, die eine Schule in freier Trägerschaft besuchen.

Die Jenaplan-Grundschule Nürnberg besuchen in diesem Jahr 123 Kinder in fünf jahrgangsübergreifenden Stammgruppen. Neben der Kernzeit, in der die Kinder frei arbeiten, findet Fachunterricht in kleinen Gruppen statt. „Einen Pausen- oder Stundengong gibt es bei uns nicht“, erklärt Schulleiter Schuster. Und auch sonst habe die Schule einen freien Umgang mit Zeit: „Das Kind bekommt bei uns Zeit anzukommen, in Beziehung mit den anderen Kindern und den Pädagog*innen zu treten. Weil wir der Meinung sind, erst dann wenn das Kind sich wohl und sicher fühlt, kann es auch frei sein fürs Lernen“, so der Lehrer.

Leistung oder Laissez-faire? Beides!

Es gebe Kinder, die in der ersten Klasse noch überhaupt kein Interesse an Buchstaben und Lesen hätten, erzählt Schuster. Dafür seien sie vielleicht in Mathe schon weiter. „Wir vertrauen und arbeiten mit dem Kind, so dass der Knoten irgendwann platzen wird“, erklärt er. „Und wir freuen uns, wenn auch die Eltern dieses Vertrauen haben und gelassen bleiben.“ Diese Geduld aufzubringen, sei sicherlich nicht jedermanns Sache.

Entspannung statt Druck? Kann das gutgehen? Christian Schuster lacht. „Ich habe noch keines unserer Kinder an die weiterführende Schule entlassen, das nicht lesen, schreiben, rechnen konnte. Wir sind sicherlich keine Kaderschmiede fürs Gymnasium, aber unsere Schüler*innen liegen im ganz normalen Durchschnitt. Manche sind akademisch besser, manche sind nicht so gut in der Schule“, so der Schulleiter. Noten gibt es an Jenaplan-Schulen übrigens bis zum Schluss nicht. Am Ende der 4. Klasse müssen die Kinder, die nicht an eine freie Schule wechseln, deshalb einen externen Probeunterricht ablegen um ihre Befähigung fürs Gymnasium oder die Realschule unter Beweis zu stellen.

„Wenn Kinder die Fähigkeit haben, zum Beispiel auf ein Gymnasium zu gehen, dann packen sie auch diese Prüfung“, weiß Schuster. „Diese Erfahrung machen wir jedes Jahr. Es braucht zusätzliche Übung, das ist klar. Denn die Prüfungsaufgaben kennen sie nicht, und sie kennen auch den Druck nicht, weil sie bei uns keine Prüfungen in dem Sinne schreiben.“

Klassenarbeiten oder Tests sieht der Jenaplan nicht vor. Stattdessen arbeiten Schuster und sein Team mit Wochenplänen und geben individuelles Feedback, wenn ein Kind zum Beispiel Probleme hat, seinen Aufsatz fertigzustellen. Jeder darf im eigenen Tempo arbeiten. Erledigt werden müssen die Aufgaben aber schon.

„Laissez-faire ist auch bei uns nicht angesagt“, so Schuster. „Wenn ein Kind zum Beispiel mit einer Aufgabe nicht fertig wird oder sie nicht machen will, nützt es aber nichts Druck aufzubauen. Es gibt immer Gründe für das Verhalten. Und wenn sich im Gespräch herausstellt, dass ein Kind gerade absolut keine Geschichte schreiben möchte, dann gibt es Alternativen, für die ich es motivieren kann. Ob das jetzt ein Brief an die Mama ist oder ein Rezept oder andere Möglichkeiten, die ja sowieso auch in der Schule durchgenommen werden. Wir begleiten und ermutigen die Kinder und zeigen Wege auf. Aber gehen muss den Weg dann das Kind.“

Mit den Eltern stehen die Pädagog*innen immer im engen Austausch über den Lernprozess ihres Kindes. Diese regelmäßige Kommunikation und vertrauensvolle Zusammenarbeit sei ein wichtiger Punkt und stelle sicher, dass immer klar ist, was und warum etwas in der Schule geschieht.

Feedback statt Noten

Grundsätzlich gehört Feedback zu den wesentlichen Elementen der Jenaplan-Pädagogik und erklärt vielleicht auch, weshalb Noten nicht nötig sind. An der Nürnberger Grundschule gibt es darüber hinaus die Besonderheit, dass jede Gruppe von einem Dreier-Team aus Lehrkraft und Sozialpädagog*innen oder Erzieher*innen betreut wird. Mindestens zwei Pädagog*innen sind immer zeitgleich im Einsatz und können ihre eigene Perspektive auf das Kind und das soziale Verhalten der Gruppe beisteuern, wenn es um Rückmeldungen an Eltern und/oder Kind geht. Lehrkraft und Sozialpädagog*in unterhalten sich in Schusters Gruppe zum Beispiel etwa alle vier Wochen mit dem Schüler oder der Schülerin und schreiben ihr Feedback dann so auf, dass sowohl Eltern als auch Kind es nachvollziehen können.

Auch darüber hinaus sind Kinder für die Lehrkräfte Gesprächspartner auf Augenhöhe. „Wenn ich zum Kind eine gute Beziehung habe, kann ich auch mal streng sein, und wir sind uns trotzdem grün. Aber wichtig ist, es ihm zu erläutern und nicht einfach auf Regeln zu beharren“, ist Schuster überzeugt.

Demokratische Bildung gehört dazu

Die Kinder dürfen an seiner Schule deshalb auch viel mitreden und mitbestimmen. „Wenn die Kinder ihre Anliegen begründen können, dann können wir darüber reden“, so der Pädagoge. „Dazu müssen wir Lehrkräfte natürlich auch schon mal flexibel sein und unsere Unterrichtsplanung anpassen. Es gibt aber natürlich Sachen, die werden nicht diskutiert. Im Schulklo die Wand zu beschmieren, macht vielleicht Spaß, geht aber nicht. Punkt. Jemanden auf die Nase hauen oder über die rote Ampel laufen auch nicht. Das sind Regeln, die gelten für alle in der Gesellschaft.“

Manchmal ist Christian Schuster auch nur Beobachter und die Kinder übernehmen. Dann gehen die Gruppensprecher*innen mit ihren Mitschülern und Mitschülerinnen im morgendlichen Sitzkreis den Tagesplan durch oder die Viertklässler machen mit den Erstklässlern ein Mathetraining. „Sich zurücknehmen können ist ganz wichtig. Das musste ich auch erst einmal lernen“, so Schuster. „Ich glaube aber, dass das im Lehrerberuf immer mehr gefragt ist. In meiner Ausbildung damals war noch eher die führende Rolle verlangt. Hier an der Jenaplan-Schule sind wir Lehrpersonen hingegen Beobachter, Partner, Trainer und Entertainer – je nach Persönlichkeit in unterschiedlicher Ausprägung.“

Voraussetzung sei aber die notwendige Zeit für die Beschäftigung mit dem Kind. An Regelschulen fehle die oft. „Wir müssen zwar auch nach dem bayerischen Lehrplan unterrichten und werden vom Schulministerium regelmäßig überprüft, haben aber viel mehr Freiräume. Und wir hetzen nicht von einer Probe beziehungsweise Klassenarbeit zur nächsten“, so der Schulleiter. Die Kollegen und Kolleginnen an staatlichen Schulen würden auch in Sachen Digitalisierung immer wieder ausgebremst durch bürokratische Hürden.

Digitalität und Reformpädagogik? Passt gut!

„Auch hier können wir als private Schule viel freier unsere Entscheidungen treffen. Die Zukunft wird nicht weniger digital werden und deshalb müssen wir einen praktikablen Weg finden“, sagt Schuster, der seine Schule in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt sieht. „Digitale Medien kommen uns im Endeffekt zugute. Sie haben einen ganz anderen Aufforderungscharakter und wenn ich sehe, wie manche Apps und Tools Kinder unterstützen, die beispielsweise beim Lesen oder Schreiben Probleme haben, dann sind sie vielleicht nicht unbedingt ein Segen aber durchaus eine große Hilfe“, so Schuster weiter. Seine Devise: Hin zu einem sinnvollen und bewussten Umgang mit Digitalität, weg von dogmatischen Glaubenssätzen wie „Jedes Kind muss den Füllerführerschein machen“. Auch das gehöre zum Auftrag, Kinder zu mündigen Menschen zu erziehen.

„Wir versuchen, das Kind in all seinen Facetten zu sehen und die Schulzeit, die ja ganz viel Lebenszeit einnimmt, so zu gestalten, dass Lernen Spaß macht“, sagt der Schulleiter. „Das gelingt uns auch nicht immer. Auch wir schweben schließlich nicht auf Wolken. Aber dieses Menschenbild hinter Jenaplan, für sich selbst und andere offen zu sein und sich in der Gemeinschaft mit anderen weiterzuentwickeln, das ist glaube ich auch das, was uns als Pädagogen und Pädagoginnen ausmacht.“ Sonja Mankowsky / Agentur für Bildungsjournalismus

Mehr zum Menschenbild der Jenaplan Schule Nürnberg sowie eine deutliche Distanzierung von politischen Ansichten und Äußerungen des Jenaplan-Begründers Peter Petersen (s. Kasten u.) finden Sie unter dem Titel „Unsere Schule – ein Ort der Menschenwürde“ auf der Website der Schule zum Download.

Umstritten: Peter Petersen

Seit 1927 gibt es Jenaplan-Schulen in Deutschland. Sie sind nach dem Reformpädagogen Peter Petersen benannt, der seit 1923 eine Professur am Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft an der Universität Jena innehatte. Seit einigen Jahren wird Kritik am Begründer des Jenaplan-Konzepts laut. Peter Petersen wird eine Nähe zum Nationalsozialismus nachgesagt.

Petersen gehörte zwar nicht der NSDAP an, hielt aber während des Krieges Vorlesungen vor der Nazi-Elite und Vorträge im KZ Buchenwald. Der Frankfurter Antisemitismusforscher Benjamin Ortmeyer veröffentlichte im Jahr 2009 das Werk „Mythos und Pathos statt Logos und Ethos“. Darin finden sich Texte von Peter Petersen, die auf nationalsozialistisches Gedankengut schließen lassen. Im Jahr 1941 hatte Petersen einen Text mit dem Titel „Es gibt rassische Hochwertigkeit. Sie verpflichtet!“ veröffentlicht. Nach 1933 integrierte Petersen das nationalsozialistische Rassenkonzept in seine Pädagogik. Für die Hitlerjugend fand er anerkennende Worte. Sie diene der „Leistungssteigerung des Volkes.“

In seinem 1941 erschienenen Text schreibt Peter Petersen von „Herrenvölkern.“ Es sei die Pflicht hochwertiger Völker und Rassen, ihr Erbgut reinzuhalten. Andere Äußerungen Petersens richten sich gegen Juden. Auch in seinem Buch „Der Mensch in seiner Erziehungswirklichkeit“ klagt Peter Petersen 1949 darüber, dass das deutsche Volk „rassisch verunreinigt“ sei.

Die Verteidiger des Konzepts der Jenaplan-Schulen halten dagegen, dass Petersens Reformpädagogik in ihren humanistischen Grundzügen nichts mit der NS-Ideologie zu tun habe. Petersens Verhalten ist ihrer Auffassung zufolge eine Art politischer Pragmatismus gewesen, mit dessen Hilfe er sein pädagogisches Konzept durch schwierige Zeiten gebracht habe. Der Jenaer Historiker Jürgen John hingegen wirft den Petersen-Verteidigern Verdrängungstendenzen vor. Die NS-Zeit würde von ihnen einfach ausgeblendet.

Peter Petersen wurde 1884 nahe Flensburg geboren und starb 1952 in Jena.

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Georg
7 Monate zuvor

Keine Kaderschmiede für das Gymnasium -> geringes Niveau, aber auch nicht gewollt
Probeunterricht an Gymnasium

Die armen Kinder werden sich am von den Eltern gewünschten Gymnasium sehr wundern, zumal der Druck in den zwei Wochen Probeunterricht immens hoch ist.

Carsten60
7 Monate zuvor

Schwer erträglich finde ich inzwischen die Lobhudelei hier bei news4teachers in Sachen Privatschulen aller Art und das gleichzeitige Schimpfen der GEW auf die Privatschulen wegen der „sozialen Segregation“ und der Umgehung des Sonderungsverbot im Grundgesetz, zumal wiederum die GEW-Funktionäre hier ständig viel Raum erhalten, um ihre jeweiligen Sprüche zur Geltung zu bringen.
Ich finde, die Vor- und Nachteile der Privatschulen sollten etwas offener diskutiert werden, auch mal von Leuten, die da nicht direkt Partei sind, also weder Funktionäre der einen noch der anderen Seite. Letztlich hilft es nicht, immer die Vorteile des einen Systems neben die Nachteile des anderen Systems ins Schaufenster zu stellen. Man müsste abwägen, und zwar mit allen Vor- und Nachteilen. Das wird im obigen Artikel auch nicht annähernd versucht. Stattdessen geht’s mal wieder um die politischen Ansichten von Petersen, von den politischen Ansichten von Montessori ist nie die Rede. Sie wurde immerhin von Mussolini unterstützt. Was Rudolf Steiner (ohne dem Zwang einer Diktatur ausgesetzt zu sein) verzapft hat, darüber wird kaum geredet. Nie erfährt man hier etwas über objektiv gemessene Leistungen an den Reformschulen, alles bleibt im Anekdotischen stecken. Zu den staatlichen Schulen werden immer die Zahlen von Abbrechern oder Risikoschülern ausgepackt und negativ angekreidet. Privatschulen haben offenbar nie irgendwelche Fehlentwicklungen bei ihren Schülern zu verantworten. Die werden hier als die pädagogischen Helden dargestellt, die staatlichen Schulen eher als die Deppen.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

„200.000 Sitzenbleiber“
Sie vergessen, dass die staatlichen Gemeinschaftsschulen die Sitzenbleiber schon dadurch abgeschafft haben, dass das Sitzenbleiben als solches abgeschafft wurde. Genial, nicht wahr? Ob die Schüler deswegen mehr können, bleibt im dunkeln.
Ich bin auch nicht gegen Privatschulen: wir könnten uns ja mal theoretisch vorstellen, wie es wäre, wenn es nur noch Privatschulen gäbe, die dann vom Steuerzahler „subventioniert“ würden. Dann kämen alle Vorzüge aus dem obigen Artikel zur Geltung, und die Schulen könnten sich ihre Schüler aussuchen. Und bestimmt würden dann die progressiven Leute genau darauf schimpfen. Nicht einmal die Eltern sollen sich ja die Schule für ihr Kind aussuchen dürfen, schon das gilt als „unsoziale Segregation“, als „rassistisch“ usw. Also braucht’s dann wieder staatliche Vorschriften, um die Privatschulen „an die kurze Leine zu legen“. Die Folge: Nix Eigenständigkei, nix „so gestalten, wie es ihren pädagogischen Vorstellungen entspricht“.

Carsten60
7 Monate zuvor

Sowas erzählen die GEW-Funktionäre pauschal zu Privatschulen:
https://www.gew-hamburg.de/themen/schule/schluss-mit-der-legendenbildung-ueber-privatschulen
Aber pauschalisieren, das machen immer nur die anderen. -:)

simmiansen
7 Monate zuvor

Naja, ich bekam einmal ein Kind, das von von einer Jena-Plan-Schule auf unsere normale Grundschule wechselte.
Es stellte sich heraus, dass es erst einmal das Lernen lernen musste, weil es 2 Jahre nur machen brauchte, wozu es Lust hatte. Wenn das Kind zur Anstrengungsvermeidung Arbeitsblätter mehrmals erledigte, fiel das nicht auf usw.
Soviel zu theoretischem Anspruch und Praxis, die bei motivierten Kindern mit Unterstützung sicher zusammengehen können, aber ansonsten nicht wirklich funktionieren – so wie im wahren Leben halt!

Bla
7 Monate zuvor
Antwortet  simmiansen

Wird im Beitrag ja auch nicht behauptet, dass das Konzept für alle SuS klappt? Das tut es nirgends meiner Meinung und persönlichen Erfahrung nach. An Regelschulen gibt es – oh Wunder – auch SuS, welche „wenig Bock“ haben, mitzumachen. Das merkt man dann auch an der weiterführenden Schule.
Ich denke die Beispiele kann man für alle Konzepte raus suchen. In beide Richtungen („Negativ“ und „Positiv“).

Achin
7 Monate zuvor

Den Unmut der vorherigen Kommtatorinnen und Kommentatoren kann ich gut nachvollziehen. Es wäre schade, wenn auf news4teachers.de in den „Themenwochen Privatschulen“ ein Narrativ gezeichnet würde, das „die fortschrittlichen Privatschulen“ dem „rückständigen öffentlichen Schulsystem“ gegenüberstellt. Ein Beispiel aus diesem Artikel:

„Auch kleine Feiern sind bei uns ganz wichtig“, sagt der Schulleiter der Jenaplan Grundschule in Nürnberg. „Heute hatten zum Beispiel einige Kinder ihr Arbeitsheft fertig“, erzählt er. „Dafür gab es Applaus und das tut den Kindern gut – gerade jetzt, denn in den letzten zwei Jahren war es ja ein bisschen schwierig zu feiern.“

Das machen doch zahllose Kolleginnen und Kollegen in staatlichen Schulen doch auch. Wir leben doch nicht in der Adenauer-Zeit oder gar im Kaiserreich.

Die Privatschulen sind bestimmt nicht über einen Kamm zu scheren und bisweilen werden in ihnen Ideen erprobt, aber sie stehen in aller Regel nicht für gesellschaftliche Vielfalt, Bildungsgerechtigkeit oder wissenschaftliche Evaluierung. Bedenkenswert ist auch, dass viele einen Guru (Steiner, Petersen, Montessori…) brauchen.

Achin
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Liebes Redaktionsteam,

sie sind doch Profis, was ich sehr schätze, solche Sätze stehen doch nicht zufällig am Anfang eines derartigen Artikels, der Sound ist damit gesetzt.

Bitte unterschätzen Sie Menschen aus dem staatlichen Schuldienst nicht… 🙂

Unabhängig davon: Vielen Dank für die informative Plattform.

Bla
7 Monate zuvor
Antwortet  Achin

Das hätte ich so nicht rausgelesen. Für mich ist das völlig klar, dass das auch Kolleg(inn)en an der Regelschule machen.
Vielleicht liegt es aber auch an der Perspektive der Betrachtung?
Wenn Ihre Schule einen Beitrag/Text verfasst und das so schreiben würde – wenn es auch so ist – dann passt das doch (auch).

Ich verstehe das “ ‚Wir‘ werden angegriffen“-Gefühl von vielen nur bedingt. (Oder mir kommt es einfach nur so vor?)
Wo schreibt jemand, dass Regelschullehrer „schlechter“ oder weniger engagiert sind? Da braucht sich keiner persönlich als LuL angegriffen fühlen. Meiner Meinung nach braucht sich auch keiner zu rechtfertigen, dass/ob man „genauso gut“ ist …
Viele schreiben doch selbst, dass das System kränkelt. Die Rahmenbedingungen nicht gut sind usw. Und dann will man aber doch irgendwie die Regelschule (als System) komplett verteidigen? Kannst du (@Achin) mir das mal erklären?

Klar kann und soll man Privatschulen und ihre Konzepte hinterfragen. Genauso, wie Regelschulen. Das ist meines Erachtens nach sinnvoll, um etwas dazu zu lernen und auch mal „abzuschauen“ – soweit möglich zumindest. Dass es an jeder Privatschule super läuft bezweifel ich auch stark. Sonst hätten einige Privatschulen nicht so eine hohe Fluktuationsrate.

Oben steht bspw. „Mindestens zwei Pädagog*innen sind immer zeitgleich im Einsatz“. Das ist an den meisten Regelschulen einfach nicht der Fall. Auch an Privatschulen nicht. Da können die LuL aber auch nichts dafür. Das ist halt systematisch einfach so. Hinterfragen kann man natürlich, ob es immer Sinn macht, dass zwei Pädagog*innen IMMER anwesend sind … Oder man das vielleicht „sinnvoller“ verteilen könnte. Ebenfalls, ob und wie das bei Vertretungen dort an der Schule dann bewerkstelligt wird. Das würde mich bspw. auch interessieren.

Indra Rupp
7 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Ist doch ganz offensichtlich! Jeder, der hier seine Privatschule vorgestellt hat, hat sich einmal in irgendeiner Weise mit den Regelschulen verglichen um den eigenen angeblichen Vorteil und somit den Nachteil der Regelschulen anzuprangern . Man könnte sich ja auch mit einer anderen Privatschule ( Waldorf, Montessori ect) vergleichen – aber das ist wohl nicht die Konkurrenz, sondern die Regelschulen und es war ja auch ursprünglich die Idee etwas ANDERS als eben diese Regelschulen zu machen und nicht speziell anders als eine andere Privatschule zu sein. Dann ist da noch der Unterschied, dass Privatschulen Werbung machen und sich somit gut darstellen müssen/ für ihren guten Ruf sorgen müssen, während Regelschulen diese „Lobby“ nicht haben bzw eher das Gegenteil tun müssen um die Kumis auf Missstände hinzuweisen, damit diese etwas unternehmen und so entsteht ein Ungleichgewicht, dass zu einer Mogelpackung wird mit dem Ruf von angeblich besseren Privatschulen und schlechteren Regelschulen . Das Regelschullehrkräfte trotz ihres Unmutes über das Regelschulsystem diese Scheinheiligkeit nicht mitmachen wollen, das gegen ihren Stolz geht und sie auch zu klug sind darauf herein zu fallen sowie es diesen Privatschulen nicht gönnen unverdient in einem besseren Licht zu stehen, bedingt durch eben beschriebenes (Ruf – Werbung vs Verbesserungsforderungen ect) kann ich gut verstehen.

Bla
7 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

@Indra Rupp
Ja, das ist auch ganz normal und meiner Meinung nach logisch erklärbar.
Regelschulen stellen „den Standard“ der (Gesellschafts)Schulen dar. Auch wenn diese sich schulisch (Möglichkeiten, Kollegium, „Spiel“ durch Rektoren/Rektorinnen – also „was darf LuL hier“, Räumlichkeiten/Materialien) unterscheiden, ist das System eben das Verstaatlichte.
Das hat einen bestimmten Rahmen.
Privatschulen sind meist eher individueller und es gibt unterschiedliche Konzepte. Sollte man hier jedes Konzept vergleichen? Das geht bei einer Schulvorstellung kaum.

Natürlich „konkurrieren“ auch Privatschulen untereinander. Das teilweise sogar mehr als Regelschulen. Bspw. SuS+Eltern entscheiden sich, „das“ Regelschulsystem zu verlassen. Dann suchen sie eine Privatschule – hier konkurrieren die Privatschulen miteinander. Die SuS/Eltern sollten sich dann eben verschiedene Privatschulen ansehen und vergleichen. Hier konkurrieren die jeweiligen Privatschulkonzepte dann meines Erachtens nach sogar mehr, als die der Regelschulen. Als Vergleich können die Eltern/SuS die Regelschule oder ihre bisherige Privatschule heranziehen bzw. auch die Konzepte der potentiellen „neuen“ Schulen.

Anders als andere Privatschulen zu sein, ist meistens sowieso gegeben. Sonst wäre man v. A. bei Waldorf oder Montessori eben auch in dem „Verbund“. Es geht eben um alternative Schulen zum staatlichen Konzept. Hier ist ein „Vergleich“ auch wesentlich leichter, als Waldorf und Montessori mit einer konfessionellen Schule zu vergleichen. Dazu müssten alle dann genau diese Konzepte kennen. Tun die wenigsten aber in der Tiefe. Regelschulen stellen hier „den Standard“ in der Gesellschaft dar und sind daher ein Ankerpunkt eines Vergleiches.
Als LuL an einer Privatschule vergleiche ich – soweit für mich möglich – natürlich auch andere Privatschulen.

Privatschulen werben – bestenfalls durch Erfahrung der schon vorhandenen Eltern/SuS an der eigenen Schule. Das ist für die Privatschule meistens auch sehr wichtig, da zufriedene „Kunden“ eben auch für die Schule selbst werben. (Wie in der Wirtschaft)
[Auf den Punkt der „Verbesserungsforderungen“ gehe ich im kommenden Beitrag unten ein]

Den Punkt finde ich etwas schwierig. Es geht um vereinzelte Privatschulen/Konzepte. Was heißt „Scheinheiligkeit“ in diesem Kontext? Ich sehe Regelschulprojekte auch als „Erfolgswerbung“. Klar stellen sich die meisten Unternehmen/Schulen als besonders und gut dar und zeigen durchaus, was sie machen. Ob das dann immer so ist oder nur ein „Zeitausschnitt“ ist wieder eine andere Sache.

Konstruktive Kritik sollte man ab können als (Privat-)Schule. Auch das Anprangern des Systems ist in Ordnung. Das hilft auch bei der Verbesserung – falls Interesse.
Hier ist ab und an nur die Frage, warum man anprangert. Und dort sind die Beweggründe meines Erachtens nach unterschiedlich. Bspw. „Verteidigungshaltung“, „Neid“ oder eben den von Ihnen genannten Punkten.
Grundlegende „Verteidigungshaltung“ des staatlichen Systems finde ich fragwürdig, wenn man selbst nicht zufrieden ist. Das ist eher kontraproduktiv für die eigenen Forderungen.
„Neid“ kann ich nachvollziehen, aber auch hier können Privatschulen (meistens) nichts für die staatlichen Rahmenbedingungen. Die muss/sollte der Staat auch verbessern.
„Unverdient besseres Licht“ -> Das müsste man im Einzelfall halt nachschauen oder eben im Konzeptfall. Was „gönnt“ man denn hier nicht? Den Ruf?
Auch als/gegenüber Privatschullehrer(n) (und den Eltern/SuS) gibt es genug Vorurteile und Klischees. Damit muss man eben leben können, wenn man an einer Privatschule arbeitet. Dazu das, der unterschiedlichen Konzepte. Zusätzlich zu den üblichen LuL Vorurteilen, die hinzu kommen.

Indra Rupp
7 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Ergänzung zu meinem vorherigen Post :
Privatschulen klären Verbesserungsforderungen intern und wahren nach außen den guten Ruf.
Regelschulen MÜSSEN Verbesserungsforderungen nach außen richten und würden diesbezüglich garnichts erreichen, wenn sie gleichzeitig Friede-Freude-Eierkuchen signalisieren würden.

Eine so leicht (un)verdiente bessere Note würde ich als Regelschullehrerin den Privatschulen auch nicht gönnen… 😉

Bla
7 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ja, so sehe ich das auch. Viele Privatschulen klären das intern. Das machen viele Wirtschaftsunternehmen ebenfalls. Sollte das nicht auch so sein?
Mir ist aber auch klar, dass die Möglichkeit nicht jede Regelschule hat bzw. nur im kleineren Rahmen. Das hat eben mitunter mit dem mehr an Bürokratie und anderer „Hierarchie“ zu tun. Das lernt man auch sehr schnell im Regelschulsystem kennen – so war es zumindest bei mir.
Diesen Vorteil den Privatschulen jetzt als „die Verstecken ja nur den Mangel“ dazustellen … Weiß ich nicht. Warum sollte man das anders machen? Hätte das einen Nutzen?
Gerade durch Lehrermangel kann man hier (an Privatschulen als LuL) durchaus auch mal Forderungen stellen, um bessere Rahmenbedingungen herzustellen. Das hilft meines Erachtens nach der Schule und allen Beteiligten.
Wenn der Arbeitgeber die Bedingungen langfristig schlecht hält, dann konkurriert er eben mitunter mit der freien Wirtschaft und anderen Schulen im Bereich des Personals und der SuS/Eltern.
Das sehe ich aber jetzt auch nicht als Nachteil für Eltern/SuS? Außer vllt. das Kollegium bleibt „in einer extremen Bubble“.

Warum würden Sie das nicht „gönnen“? Das ist dann aber wieder das, was ich mit „Neid“ meinte oben? Das würde Ihnen nichts bringen, wenn man die „leicht (un)verdiente bessere Note“ nicht hätte?

Warum sollte ich als Angestellter an einer Privatschule meine Privatschule bei Unzufriedenheit nicht kritisieren? Ändert sich dann was? Oder sollte man dann nur drauf hoffen? Natürlich gehört ein Feedback (Positives/Negatives) dazu. Das holt sich meine Schule auch durch Umfragen (bspw. SuS, LuL, Eltern). Oder bekommt es direkt. Ja … Auch Eltern fordern an Privatschulen durchaus was ;).
Warum sollte man hier „Friede-Freude-Eierkuchen“ signalisieren, wenn man unzufrieden ist? Aus Angst vor dem Jobverlust? Bei dem Lehrermangel hat man als LuL nicht unbedingt immer die schlechteren Karten. Aber das können viele an der Regelschule leider nicht ausspielen. An der Privatschule geht das auch nicht immer … Da man auch hier wirtschaften muss. Das kann man verstehen oder eben auch nicht. Daher häufig eben auch mit dem geringeren Lohn leben muss oder eben wechselt. Mitunter gibt es daher auch die Lehrerfluktuation oftmals. Letztendlich entscheide aber ich, ob ich unter den Rahmenbedingungen arbeiten will/kann – nicht muss.

Können Sie sich vorstellen, dass es bei Lehrermangel auch für viele Rektor(innen)/Vorstände an Privatschulen nicht gaaaanz so einfach ist? Und man durchaus auch Verbesserungsforderungen mit anderen Sachen abwägen muss? (Bspw. Lehrerlohn – Rahmenbedingungen – Elternbeiträge -> Lehrerlohn vieeel zu gering? – springen LuL ab … Rahmenbedingungen zu schlecht? – springen LuL und SuS/Eltern ab … Elternbeiträge stark erhöhen, damit beides leistbarer ist? – springen SuS/Eltern ab …)
Das sollte man auch irgendwie im Hinterkopf haben, finde ich.

Alla
7 Monate zuvor
Antwortet  Achin

Den Unmut teile ich so nicht.
Beim Lesen der blumigen Worte der Privatschulleiter muss ich so oft schmunzeln, denn was diese bewerben ist – zumindest an den meisten GS – Standard.
Der wöchentliche Klassenrat, den Schüler ab Klasse 3 selbst leiten, Spiele zur Stärkung der Klassengemeinschaft, Streitschlichterausbildung, Applaus für dargebracht Leistungen, Patenschaften zwischen Erst- und Viertklässlern, Draußenschule, Schulgarten oder Hochbeete, keine Noten sondern schriftliche Rückmeldungen in Klasse 1 und 2…….

Andere Dinge, die so bejubelt werden, wie: wenn das Kind nicht lesen lernen will macht es eben mehr Mathe (oder evtl auch Kunst?) halte ich auch gar nicht für sinnvoll, unterstützt es doch ein gewisses Ausweichverhalten.

Also für mich ist es völlig ok, diese Werbebotschaften zu lesen. Höchstens die tolle Personalausstattung erweckt etwas Neid. Andererseits weiß ich von der Waldorfschule bei uns, dass es auch dort nur klappt, wenn Mütter mitarbeiten. Auch dort sind ausgebildete Lehrer Mangelware!

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Alla

„Der wöchentliche Klassenrat, Spiele zur Stärkung der Klassengemeinschaft, Streitschlichterausbildung, usw.“
Wieviel Zeit kostet das eigentlich? Wird nicht immer geklagt, es sei nicht genug Zeit da, um Lesen, Schreiben, Rechnen zu lernen? Hieß es nicht gerade in der Corona-Krise, die Basiskompetenzen seien wichtiger als alles andere?

Achin
7 Monate zuvor
Antwortet  Achin

Dank an @Bla und @Alla für den kollegialen Austausch. Natürlich kann es kein kollektives „Wir“ geben, dafür liegt zu viel im öffentlichen Schulwesen im Argen und leider gibt es auch einige Lehrerinnen und Lehrer, die manche Vorurteile geradezu personifizieren.

Ärgerlich bleibt für mich der Habitus, mit dem Vertreter vieler Privatschulen auftreten: Auf allen bewohnten Erdteilen (z. B. Hattie in Australien) wird nach der „guten“ Schule gesucht und wenige „geniale“ und „achtsame“ Menschen haben in Nürnberg, in Salem oder (früher) im Odenwald den „pädagogischen Stein der Weisen“ gefunden? Geht es nicht eine Spur gelassener? Jedes Schulleben ist doch immer von vielen Ungleichzeitigkeiten geprägt.

Außerdem geht es noch um die soziale Gerechtigkeit, eine Schule kann nur ein Vorbild für andere sein, wenn Ihr Konzept auch so in der Fläche (zumindest eines Bundeslandes) umgesetzt werden kann, ohne Schulgeld und mit der gleichen Schüler-Lehrer-Mitarbeiter-Relation. Ansonsten bitte nicht mehr von „Chancengleichheit“ sprechen.

Bla
7 Monate zuvor
Antwortet  Achin

Die Kosten in Salem sind etwa 30.000 Euro im Jahr pro SuS … Das verdienen einige als Gehalt oder sogar weniger. Darüber hinaus habe ich auch schon negatives über Salem gehört. Was ich weder bestätigen, noch dementieren kann. Ich kenne die Schule selbst ja nicht. Gerüchte/Beispiele gibt es zu jeder Schulart und Konzept. Hatte mir aber die Homepage angesehen … Für mich wäre das wohl nichts.

Privatschulen (müssen) werben. Das macht fast jeder Betrieb genauso. Manche weniger und manche mehr. Der Trend geht immer mehr Richtung Privatschule. Das hat sicherlich verschiedene Gründe.

Das mit der Chancengleichheit sehe ich etwas anders. Privatschulen setzen normalerweise auf kleinere Klassen. Meiner Meinung nach vollkommen zurecht. Wenn der Staat/die Regelschulen sich das leisten könnten/würden, wäre das super. Das ist aber nicht so. Sollten aber deshalb die Privatschulen auf dieses Konzept verzichten und somit schlechtere Lernbedingungen bilden? Nein, da sollte bzw. muss „die Regelschule“ (=hier die Politik) nachziehen und für bessere Rahmenbedingungen sorgen.
Da auch viele Privatschulen das niemals ohne Elternbeiträge (und Elternmitarbeit – EMA Stunden!) sich leisten könnten, gibt es eben die Elternbeiträge. Man muss auch hier hauswirtschaften. Es kann auch nicht jede/r SuS angenommen werden. Dafür fehlt häufig sowohl der Platz/die Räumlichkeiten, als auch die Lehrkräfte. Die konkurrieren oft mit der Wirtschaft und/oder dem Staat. Vor allem im Gehalt. Auch die Eltern wären weniger bereit zu zahlen, wenn man schlechtere Rahmenbedingungen stellt – bspw. größere Klassen/weniger Raum. Das ist einfach mitunter auch eine Kostenabwägung. Für ihr Geld erwarten die Eltern aber eben auch etwas.
Natürlich kann man hier die Kritik anbringen: „Aber die suchen sich die SuS doch bestimmt alle aus.“ Auch hier geht es um Angebot und Nachfrage. Wenn eine Privatschule überlaufen wird, dann kann man sich die SuS eben mehr aussuchen, als wenn nicht. Und hier steht oft eher das Verhalten und „die Konzepttauglichkeit“ im Vordergrund. Dieses Privileg haben Regelschulen einfach nicht. Dort muss man arbeiten mit dem, was man bekommt. (Material, SuS, Schule …)
Wieviel die Eltern verdienen und ob sie mehr oder weniger Zahlen (je nach Schulkonzept und Förderkonzept) interessiert mich als LuL an einer Privatschule nicht. Ich arbeite ja nicht für die Eltern als Angestellter, sondern bin an der Schule angestellt, welche eine Dienstleistung bietet. Die Eltern sind Kunden und nicht meine Arbeitgeber. Ich behandel die SuS alle gleich bzw. versuche es zumindest.

Dass viele Konzepte nicht in der Regelschule aktuell funktionieren würden – mitunter wegen Geld, Lehrermangel, Bürokratisierung, Räumlichkeiten, Ausbildung und Konzeptskepsis, fehlender EMA usw. – sehe ich ebenfalls als gegeben. Das könnte man aber ändern. Und wenn man eben nur Sachen rauspickt aus „Vorbildschulen“ (egal ob Regel- oder Privatschule) und Konzepten, um die Rahmenbedingungen an anderen Schulen zu verbessern, wäre es schonmal ein sinnvoller Schritt meiner Meinung nach.

@Alla, ja vieles gibt es auch an Regelschulen. Aber eben nicht flächendeckend. Das hat oft auch was mit den engagierten Lehrern zu tun und weniger mit dem (staatlichen) Bildungskonzept. Viele Schulen und LuL (auch Hausmeister, Sekräter/innen, Soz.-Päds, Schulleitungen, Schulbegleiter usw.) versuchen im Rahmen der Möglichkeiten einfach das Beste draus zu machen.

Das mit dem „jeder macht, was er will“ passt auch nicht für jeden SuS. Ganz klar. Dass man als LuL hier auch je nach Konzept mitsteuern kann und muss sehe ich auch so. Das kann auf verschiedenen Arten geschehen. Aber grundlegend ist es daher eben sehr wichtig, dass man (Eltern, LuL, SuS) sich seine Privatschule auch zuvor ansieht und dann selbst überlegt, ob das Konzept passt. Vertrauen ist dort – wenn auch oft schwer – einfach ein wichtiger Punkt. Die Eltern werden sich schon was dabei denken bzw. ihre Gründe haben, warum sie ein anderes Konzept wollen. Was sie – zumindest theoretisch (vom Konzept her) bekommen – sollten sie dann wissen.

Und die Personalausstattung macht an einigen Punkten einfach sinn. Genauso wie kleinere Klassen und mehr Platz.

Waldorfschule ist noch einmal eine andere Nummer. Für Waldorflehrer gibt es einen extra Studiengang. Dort braucht man zur Anrechnung nicht zwingend ein staatliches Lehramtsstudium. Wie die Waldorfschulen genau vom Personal bzw. der Personaleinstellung aufgestellt sind weiß ich nicht genauer. Aber auch hier würden die „staatlich“ ausgebildeten LuL wieder konkurrieren. (Siehe oben)
Lehrermangel ist Lehrermangel. Auch viele Privatschulen haben natürlich damit zu kämpfen. (Konzeptbereitschaft, keine Verbeamtung, weniger Gehalt, Wunschort, Zusatzqualifikationen – bspw. Montessoridiplom, falsche/andere Erwartungen, Unkenntnis -> hier gemeint als „gibt noch Alternativen zur Regelschule“, Clientel, anderer Elternumgang, Erwartungen, auch hier evtl. der „Praxisschock“ -> auch an der Privatschule unterrichtet man, hat mit Menschen zu tun und hat genug Arbeit zu erledigen, Anrechenbarkeit, Bewerbungsgespräch (beidseitig), usw.)

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

In dem Artikel „Privatschulen sind zunehmend gefragt — nimmt Deutschland Kurs auf ein Zwei-Klassen-Bildungssystem?“ von 2019 wurden Privatschulen schon mal grundlegend kritisiert. Da ist von einer „sozial privilegierten Schülerschaft“ die Rede, und Schloss Salem ist abgebildet. Neu scheint eine gewisse „Werbung“ für Privatschulen durch Interviews mit Privatschul-Begeisterten zu sein.

Carsten60
7 Monate zuvor

Für eines muss man der Redaktion wirklich dankbar sein: Wenn ein ehemaliger Pressesprecher eines Schulministeriums so vehement auf alle möglichen Fehlentscheidungen der Schulministerien schimpft, dann muss da einfach was dran sein. Um allerdings ein echter Whistleblower zu werden, könnte Herr Priboschek vielleicht noch ein paar präzisere Details liefern, die nur Insider kennen können: Mit welchen Tricks wird die Öffentlichkeit über Fehlleistungen aus den Schulministerien getäuscht, wie werden Fehler vertuscht, welche Rolle spielen dabei die Parteiideologen, welche Rolle spielen unfähige Bürokraten, welche Profis bedienen sich da der professionellen Techniken aus der Reklamewelt, wie wird systematisch auf den Internetseiten gelogen und schöngeredet usw.
Whistleblower liegen doch voll im Trend, und das Schicksal eines Assange ist in diesem Fall nicht zu befürchten. Die verantwortlichen Politiker werden bestimmt Publizität scheuen und keine Gerichtsverfahren einleiten, denn die Berichterstattung darüber würde ein peinliches Rauschen im Blätterwald zur Folge haben.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

@ Redaktion: Sie mögen ja die Situation ungefähr treffend beschreiben, aber stolz die Demokratie dafür in Anspruch zu nehmen, halte ich für verfehlt. Für mich ist Demokratie was anderes als ein Tauziehen mit Propagandalügen der einen, der anderen und der dritten usw. Genau diese Propagandalügen sind typisch für die chinesische Regierung, für die russische und andere. Auch der AfD wurde da einiges (zu Recht) als „populistisch“ vorgehalten. Das heißt doch aber nicht, dass die selbsternannten „demokratischen Kräfte“ jetzt nach Belieben die Wahrheit zurechtbiegen können.
Wenn wir mal beim Bildungsbereich bleiben, dann hat sich in letzter Zeit eine unerträglich tendenziöse Wortwahl eingebürgert (merkwürdigerweise wird das nie „populistisch“ genannt). Wenn man irgendwas abwerten will (egal ob vom Ministerium aus, von der GEW oder von ZEIT-Journalisten oder auch bei news4teachers) dann sagt man: damit sind wir noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen, das ist veraltet, das ist nicht kindgerecht usw. Wenn man größere Änderungen vorschlagen will, dann werden die angestrebten Reformen mit Vokabeln wie „Demokratie, sozial, gerecht, modern und digital, pädagogisch, der heterogenen Migrationsgesellschaft angemessen“ usw. rhetorisch „garniert“, als sei das kommerzielle Reklame. Das hergebrachte System wird dann mit Vokabeln wie „Standesgesellschaft, unsozial, ungerecht, unmodern, Kreidezeit, Gymnasialeltern, fremdenfeindlich,“ usw. verächtlich gemacht, und die Begründung ist dann oft so dünn wie Seidenpapier (Allerweltsformulierung: „PISA hat gezeigt, dass …“).
Für mich heißt Demokratie immer noch, dass der Wille des Volkes ohne propagandistische Verfälschungen umgesetzt wird, natürlich im Rahmen des Grundgesetzes. Im Grundgesetz steht, dass die Bundestagsabgeordneten nur ihrem Gewissen unterworfen sind und eben nicht ihren Parteivorsitzenden. Schwer erträglich ist es zum Beispiel, wenn 70 % des Volkes in Umfragen für Sterbehilfe sind und die Ober-Parlamentarier dies aus Rücksicht auf die Pfaffen verweigern. Der Hamburger Volksentscheid von 2010 (mit sehr hoher Beteiligung) hat gezeigt, dass das Volk auch über die Schule anders denkt als so manche Politiker, die zwar gewählt wurden, aber wegen anderer Themen (etwa die Grünen wegen „Atomkraft, nein danke“, SPD und Linke wegen sozialer Sicherheit und Mindestlohn). Das Volk derer mit Schulkindern möchte gerade bei der Schule zwar behutsame Reformen, aber keine plötzlichen und ruckartigen „Abenteuer“ mit ungewissem Ausgang, besonders weil viele Schulministerien keinen fähigen Eindruck machen. Die waren schon mit G8 überfordert, und etwa die Einführung einer 6-jährigen Grundschule würde ein riesiges organisatorisches Chaos auslösen, weil die Grundschulen plötzlich um 50 % erweitert werden müssten bei eklatantem Lehrer- und Raummangel.
„Aus Perspektive der Beschäftigten“: Ich habe Zweifel, ob die individuelle Beschulung in inklusiven und heterogenen Schulklassen wirklich aus Sicht der Lehrenden so großartig und erstrebenswert sein kann. Die Belastungen nehmen dadurch zu, die Beliebtheit des Lehrerberufs nimmt ab. Die wirkliche Perspektive der Lehrenden ist nicht das, was hier vertreten und propagiert wird. Eher schon der moralische Zeigefinger aus politischer Perspektive. Warum eigentlich?

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich meinte einen demokratisch legitimierten und auch zweifelsfrei dokumentierten und nicht-manipulierten Volkswillen, nicht das, was politische Scharfmacher dazu behaupten. In Frankreich sehen wir gerade bei der Präsidentenwahl, wohin die „Bonzen-Demokratie“ führt: Da wird behauptet, das Volk habe nur die Wahl zwischen Pest und Cholera gehabt, jedenfalls haben das viele offenbar so empfunden. Wenn das so weitergeht, wird beim nächsten mal Le Pen gewinnen, einfach durch Protestwähler.
Ich denke (offenbar im Gegensatz zu Ihnen), ein Schulministerium müsste mal durch Umfragen und auch Präsenz vor Ort erkunden, was das Volk der Eltern und Lehrer so meint, anstatt in abgehobener Arroganz Reklame-Profis damit zu beauftragen, alles geschickt durch Halbwahrheiten so hinzubiegen, dass es im Sinne irgendwelcher Parteitagsbeschlüsse ist. Die Parteien haben da keine Kompetenz, die Parteienherrschaft ist durch das Grundgesetz NICHT legitimiert. Da denke ich auch an die unerträglich salbungsvolle Reklame für die neuen Gemeinschaftsschulen, denen – jedenfalls in Berlin – wahre Wunderwirkungen unterstellt werden, aber aus politischem Kalkül, nicht weil das wirklich nachgewiesen wäre. Auch G8 ist so ein Beispiel: Niemand scheint mehr zu wissen, warum G8 eigentlich eingeführt wurde. Es waren Bürgerinitiativen (!), die das teilweise wieder zurückgedrängt haben, die Parteibonzen wollten es eigentlich beibehalten, teils mit der Begründung, das würde die Gesamtschulen „stärken“.

gehtsnoch
7 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60
  • Kritische Berichterstattung kommt Whistleblower gleich?
  • Wieviele Berichterstatter gibt es in Deutschland denn überhaupt, die sich ausschließlich dem Bereich von Schule und KiTa widmen?

Wer seinen Finger in die Wunde legt, der weist auf Missstände hin – und verursacht damit Aufwand, Mehrarbeit vielleicht oder auch Streit, so wie Herr Priboschek.
* Weiter so! *

Wer verschiedene Medien konsumiert wird i.d.R. auch unzähligen Werbeversprechen (nur so konkret und wahr wie nötig) bei z. B. Konsumprodukten nicht völlig blauäugig vertrauen. Den Wahrheitsgehalt aus dem Informationsfluss aus Schulministerien stellen Sie in Ihrem Kommentar ja schon selbst in Frage.

Btw. habe ich an keiner Stelle je lesen müssen, dass es einen Konsumzwang zum völlig kostenfreien n4t-Angebot ohne Mitgliedschaftszwang gibt. Ihren Angriffs-modus im Vergleich zu älteren Kommentaren – hier zur Themenwoche Privatschulen- verstehe ich da momentan nicht so wirklich.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  gehtsnoch

Mich stört einfach die als selbstverständlich (oder alternativlos) hingeworfene Unterstellung, ein vom Steuerzahler finanziertes Ministerium habe doch das Recht, dem Volk die Wahrheit vorzuenthalten und bewusst Halbwahrheiten zu verbreiten, für die dann bezahlte PR-Profis engagiert werden. Für eine Korrektur gebe es dann ja die Opposition und die Presse. DAS soll das Wesen der Demokratie sein? So habe ich es in dem Beitrag von Herrn Priboschek herausgelesen. Ein Angriffsmodus meinerseits war das nicht (über Privatschulen wurde allerdings vor ein paar Jahren kritischer berichtet, die GEW schimpft darüber kräftig, die Diskrepanz scheint kein Thema zu sein). Ich denke auch, wir könnten mehr Whistleblower gut gebrauchen. Es würde der Wahrheit guttun
Sind wir schon so weit, dass das Volk am Stammtisch sagt: „Na, was aus dem Hause unserer Schulministerin gemeldet wird, ist bestimmt nicht wahr“, gefolgt von Witzen über die Schulministerin ? Genau sowas würde doch die Extremisten und Populisten stärken und die Demokratie schwächen.
Übrigens: Internet-Foren sind auch bei der Tagesschau und bei Zeitungen kostenfrei. Das trägt aber auch dazu bei, dass mehr davon gelesen wird.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

„Aussagen verzerren“
Ich habe die Aussagen natürlich zugespitzt und versucht, auf den Punkt zu bringen. Ist das nicht legitim?
Gerade hier bei news4teachers wurde doch in Sachen Corona-Virus endlos geschimpft auf die Schulminister. Und jetzt heißt es plötzlich aus der Redaktion, es sei ja geradezu deren Rolle in der Demokratie, sich selbst positiv darzustellen, ALSO AUCH HINSICHTLICH CORONA! Na so was! Wenn das so ist, dann sehe ich jedenfalls nicht, dass das eine Tugend in der Demokratie sein soll, denn eine undemokratische Regierung wird das genauso machen. Was der Unterschied zwischen „positiv darstellen“ und „schönreden“ sein soll, ist mir auch nicht ersichtlich.
Ich denke einfach, wir brauchen nicht diese phrasenhafte Reklamesprache aus dem Hause der Schulministerien. Niemand hat was davon, am wenigsten Lehrer, Schüler, Eltern, angehende Lehrer. Ist das vielleicht was Positives, wenn am Ende alle denken, na die reden ohnehin immer das Blaue vom Himmel herunter, dem kann man nicht trauen. So wird das nicht besser mit der viel beklagten Politikverdrossenheit, und genau das ist auch der Nährboden für Erfolge der Populisten. Sich ehrlich machen wäre angesagt.