Schul-Massaker: Kritik an US-Polizei – Täter schoss eine Stunde im Klassenraum

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WASHINGTON. 21 Menschen hat ein Schütze in einem Klassenraum in einer Schule getötet. Nun stellt sich heraus, dass es eine Stunde dauerte, bis die Polizei eingriff. Grausige Details: Die meisten Schüsse fielen am Anfang – danach versuchte die Polizei, mit dem Täter zu verhandeln. Und: Eine der beiden getöteten Lehrerinnen hielt Schülerinnen und Schüler in ihren Armen.

Die Polizei gerät nach dem Blutbad in einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas wegen ihres Vorgehens während des Massakers unter Druck. Eltern werfen den Einsatzkräften vor, zu lange untätig gewesen zu sein und nicht rechtzeitig eingegriffen zu haben. Die Behörden bestätigten am Donnerstag, dass der Schütze rund eine Stunde in dem Klassenzimmer verbracht habe, in dem er auf die Schulkinder und zwei Lehrerinnen schoss. Erst dann habe die Polizei den Raum betreten und den 18-Jährigen erschossen.

Nach den Schüssen an der Grundschule sei Irma Garcias Leiche in einem Klassenraum gefunden worden; sie habe Kinder in ihren Armen gehalten, berichtet die BBC.

Bei einer Pressekonferenz in der Gemeinde Uvalde gab Victor Escalon vom Ministerium für öffentliche Sicherheit in Texas weitere Details zum Ablauf der Tat bekannt und sprach von einer «komplexen Situation». Der Angreifer Salvador Ramos habe etwa um 11.40 Uhr (Ortszeit) am Dienstag die Grundschule und schließlich ein Klassenzimmer in der Nähe eines Eingangs betreten, sagte er. Polizei sei innerhalb weniger Minuten vor Ort gewesen, weil Zeugen den bewaffneten Schützen vor der Schule gesehen hätten.

Der Mann der erschossenen Lehrerin Irma Garcia starb gestern an einem Herzinfarkt. Das Paar hinterlässt vier Kinder

Auf die Frage, warum die Polizei nicht direkt versucht habe, in den Klassenraum einzudringen, sagte Escalon, es hätte den Polizisten an Spezialausrüstung gefehlt. Die Tür sei «verbarrikadiert» gewesen. Die Polizei hatte dann Verstärkung angefordert und Schulkinder und Lehrkräfte in Sicherheit gebracht. Außerdem hätte sie versucht, mit dem Schützen zu verhandeln. Dieser habe einen Großteil der Schüsse ganz zu Anfang abgefeuert. «Während der Verhandlungen wurde nicht viel geschossen, außer dass er versuchte, die Polizisten auf Abstand zu halten», sagte Escalon. Nach rund einer Stunden seien Spezialkräfte eingetroffen, die den 18-Jährigen erschossen hätten.

Darüber, wie genau sich die Tat abgespielt hat, hatte es in den vergangenen Tagen widersprüchliche Angaben von der Polizei gegeben. Zunächst hieß es, der Schütze sei bereits vor der Schule von einer Sicherheitskraft konfrontiert worden. Das bestätigte Escalon nun nicht. Stattdessen konnte der 18-Jährige ungehindert durch eine unverschlossene Tür in die Schule laufen. Bei der Pressekonferenz am Donnerstag gerieten die Behörden unter Rechtfertigungsdruck. «Warum klären Sie das nicht auf und erklären uns, wie es sein kann, dass Ihre Beamten eine Stunde lang drin waren (…), aber niemand in der Lage, in diesen Raum zu gelangen?», fragte ein Journalist.

Zuletzt wurden immer mehr kritische Stimmen von Eltern aus Uvalde laut. Sie werfen der Polizei vor, zu zögerlich gehandelt zu haben. «Ich habe einem der Beamten selbst gesagt, wenn sie nicht reingehen wollen, sollen sie mir seine Waffe und eine Weste leihen und ich werde selbst reingehen, um die Sache zu regeln», sagte Victor Luna dem Sender CNN. Sein Sohn Jayden habe das Massaker überlebt. Die Polizei habe ihren Job gemacht, sagte Luna. Aber sie hätte es schneller tun können. Andere Eltern äußerten sich ähnlich in US-Medien.

Unterdessen geht die Tragödie weiter: Der Mann der erschossenen Lehrerin Irma Garcia starb gestern an einem Herzinfarkt, wie die BBC berichtet. Das Paar hinterlässt vier Kinder. News4teachers / mit Material der dpa

Schul-Massaker in Texas: Zwei Lehrerinnen starben beim Versuch, ihre Schüler zu retten – eine andere täuschte den Täter

 

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tachelesme
1 Monat zuvor

So sad. Change the gun law.