„Bin ein lernender Organismus“: Busse wehrt sich gegen die (unfaire?) Kritik

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BERLIN. Astrid-Sabine Busse ist als Schulleiterin ins Amt der Berliner Bildungssenatorin berufen worden – und gilt als Außenseiterin in der Landespolitik. Sie zieht als unerfahrene Politikerin immer wieder Kritik auf sich – nicht immer fair. Die CDU erhebt schwere Vorwürfe. Wird das der Bildungssenatorin gefährlich? Immerhin kommt Kritik auch von Lehrerseite. Sie wehrt sich allerdings.

Unter Druck: Berlins Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD). Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Manch einer aus der Opposition hat sich auf die Berliner Bildungssenatorin längst eingeschossen. Bei ihrem Start im Dezember galt Astrid-Sabine Busse als die erfahrene Praktikerin, der nach fast 30 Jahren als Leiterin einer Grundschule in Neukölln kein Problem zwischen Lehrerzimmer, Hort und Turnhalle fremd ist.

Inzwischen ist die 64-Jährige aber immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, bildungspolitisch zu wenig auf die Reihe zu bekommen. Die CDU hat sogar einen Antrag ins Abgeordnetenhaus eingebracht, Busses Amtsführung zu missbilligen. Darüber soll voraussichtlich am Donnerstag abgestimmt werden. Aber auch wenn der Antrag mit den Stimmen der rot-grün-roten Mehrheit abgeschmettert werden sollte, dürfte die Kritik an der SPD-Senatorin nicht abreißen.

Die CDU wirft Busse vor, sie lasse jegliche Vision für die Berliner Bildungslandschaft vermissen und zeichne sich durch Desinteresse, Ideenlosigkeit und komplett fehlendes Engagement für Schulen, Pädagogen, Schüler und deren Familien aus. Versagen hält sie ihr insbesondere beim Lehrermangel, beim Schulbau und bei der Integration der ukrainischen Kinder und Jugendlichen in Berliner Schulen vor. «Es ist ziemlich absurd, was man mir vorwirft. Wer mich kennt, weiß, dass mir gute Bildungspolitik und angemessene, kindgerechte Pädagogik sehr am Herzen liegen», sagt Busse.

«Dass sie politisch unerfahren ist, macht sie zum geeigneten Opfer solcher Angriffe»

Die FDP im Abgeordnetenhaus hat an der Bildungspolitik des Senats ebenfalls vieles auszusetzen. Den Missbilligungsantrag hält der bildungspolitische Sprecher der Partei, Paul Fresdorf, allerdings für nicht angebracht. «Die Missstände sind wesentlich älter als Busses Amtszeit», argumentiert er. Der Senat habe seit Jahren versagt, dem Lehrkräftemangel vorausschauend entgegenzuwirken.

«Es ist zu kurz gesprungen, das an Frau Busse festzumachen», findet der FDP-Bildungsexperte. «Dass sie politisch unerfahren ist, macht sie allerdings zum geeigneten Opfer solcher Angriffe.» Und Busse zeige nicht immer Geschick, etwa wenn sie Fragen zu ihrer Arbeit beantworten müsse. Dann sei zu merken, dass sie eben keine Politikerin sei – und sich manchmal auch vorführen lasse.

Aus Sicht der Bildungsexpertin der Linksfraktion, Franziska Brychcy, sind die Probleme, die die CDU anspricht, durchaus real: «Wir haben tatsächlich einen Schulplatzmangel und einen Lehrkräftemangel wie noch nie.» Aber die Kritik treffe die Falsche: «Man muss ehrlich sagen, dass Frau Busse beides nicht zu verantworten hat.»

Beim Thema Lehrkräftemangel sei ihr sogar zu verdanken, dass sie die Zahlen über die zum nächsten Schuljahr voraussichtlich fehlenden Lehrerinnen und Lehrer offen gelegt habe – anders als ihre Vorgängerin Sandra Scheeres (SPD). «Sie hat sich da ehrlich gemacht, das sollte man ihr zugute halten.»

Der Vorsitzende der Berliner GEW, Tom Erdmann, spart ebenfalls nicht mit Kritik an der Bildungspolitik des Senats. Der Missbilligungsantrag sei allerdings ein typisches Instrument der Opposition. Gerade beim Lehrkräftemangel zeigten sich die Fehler des vorigen Senats. Und der Bedarf in einer wachsenden Stadt wie Berlin sei auch größer als in anderen Bundesländern.

«Das grundsätzliche Problem ist: Sie hat von Verwaltungshandeln wenig Ahnung»

Erdmann findet aber ebenfalls, dass Busse ideenlos auf die Frage reagiere, wie genügend Lehrer für die Berliner Schulen gefunden werden können. «Bis auf die Verbeamtung sehe ich keine Langzeitstrategie.» Dass Busse aus der Schulpraxis kommt, hat aus seiner Sicht außerdem auch Nachteile: «Das grundsätzliche Problem ist: Sie hat von Verwaltungshandeln wenig Ahnung», so der Gewerkschafter. Und ihr fehlten die politischen Netzwerke anderer Senatsmitglieder mit jahrelanger Parteikarriere.

Busse selbst sagte zu ihrer Arbeit als Senatorin: «Jeder Start in ein neues Berufsfeld ist schwierig. Ich bin aber ein lernender Organismus.» Den politischen Betrieb habe sie zwar bereits als Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen kennengelernt. «Aber natürlich ist es ein Unterschied, ob man jahrzehntelang in der Berliner Politik unterwegs war oder recht neu dazukommt. Ich lerne jeden Tag die Spielregeln aufs Neue, es schreckt mich auch nicht ab, und es macht mir weiterhin großen Spaß.»

Dass der Antrag der CDU im Abgeordnetenhaus eine Mehrheit bekommt, gilt als unwahrscheinlich. Aber Busse hat es als Quereinsteigerin im Politgeschäft erkennbar nicht leicht. Nach Medienberichten, der Stuhl der Bildungssenatorin wackle bereits, hatte ihr Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) kürzlich ausdrücklich den Rücken gestärkt und betont, es gebe keinen Anlass, über irgendwelche Rücktrittsszenarien zu sprechen. Das war im Fall anderer Senatsmitglieder allerdings bisher noch nicht nötig. Von Andreas Heimann, dpa

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AndiBandi
2 Monate zuvor

„ Sie hat von Verwaltungshandeln wenig Ahnung», so der Gewerkschafter. Und ihr fehlten die politischen Netzwerke anderer Senatsmitglieder mit jahrelanger Parteikarriere.“

Was für ein Witzbold! Gerade Politiker mit Parteikarriere kriegen gar nix auf die Reihe und haben von nichts eine Ahnung! Sonst würde in Deutschland überall nur Milch und Honig fließen! Und durch „verwalten“ wird nichts, absolut nichts besser oder einfacher! Auch ein Grund, warum in Deutschland soviel NICHT funktioniert!

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  AndiBandi

„Dass Busse aus der Schulpraxis kommt, hat aus seiner Sicht [Erdmann, GEW] außerdem auch Nachteile: «Das grundsätzliche Problem ist: Sie hat von Verwaltungshandeln wenig Ahnung», so der Gewerkschafter.““

Das verrät doch alles darüber, wie die GEW tickt. Diese sogenannte „Gewerkschaft“ hat es noch nie interessiert, wie sich ihre Ideologien (Ganztag, Integration und Inklusion) in der Praxis verwirklichen lassen. Gerade bei der Inklusion war die GEW die stärkste Befürworterin von „Inklusion. Jetzt. Sofort. Für alle.“ ohne darüber nachzudenken, wie sich das ohne zusätzliches Ressourcen (vor allem Personal) realisieren lässt. Und jetzt jammer die gleiche GEW herum, dass die Inklusion ja so belastend sei…

Die GEW ist an der jetzigen Bildungsmisere genauso schuldig wie die Politik mit ihrem „Verwaltungshandeln“. Kein Wunder, dass deren Vorsitzender jetzt den Kumpanen aus der „Verwaltungspolitik“ zur Seite springt und eine Praktikerin kritisiert. Sie ist eben nicht Teil dieser GEW-Politik-Seilschaften (meine natürlich „Netzwerke“).

Indra Rupp
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Wiederum scheint sie hier auch nur aus diesem Grund verteidigt zu werden. Man hält also zu seiner Sippe.

Frau Busses Klatschpressenaussagen sind manipulierend und suggerierend. Ich habe mir jetzt auch mal die Mühe gemacht und den ins Netz gestellten Buchausschnitt gelesen. Sie stellt alles bewusst so ins Licht, dass die einen schwarz und die anderen weiß dastehen.

Die Armen sind ihre Küchenfrauen, die sieben Euro Brutto bekommen. Ja, kann sein, dass die arm sind. Wenn die weniger als Hartz IV haben, dürfen die aber aufstocken ( die meisten Hartz IV – Empfänger sind Aufstocker !) und gehören damit zu den ihr verhassten Hartz IV – Empfängern und haben zum Leben auch genauso viel. Gibt natürlich auch Idealisten, die prinzipiell lieber weniger haben und keine Empfänger sein wollen, das sind meist aber eher Künstler oder Selbständige, viele Straßenmusiker! Die Küchenfrauen haben dort wahrscheinlich keinen Vollzeitjob. Viele haben vermutlich einen Mann, der das „eigentliche“ verdient und sie verdienen sich ein Taschengeld dazu aber unter 400 monatlich, damit der Mann nicht in eine andere Steuerklasse rutscht.

Manche versuchen aber tatsächlich von sowas zu leben und haben drei verschiedene Jobs. Mit sieben Euro Brutto müssten sie etwa 40h pro Woche arbeiten um auf Hartz IV Niveau zu kommen. Dann gehören sie aber immer noch zu den gesellschaftlich verhassten Leuten, die keine Steuern zahlen und keine Kigabeiträge zahlen können und später zu wenig Rente haben. Also immer noch Abhängige und das man so viele Putz Jobs ect findet, dass man damit 40h füllen kann ist unrealistisch. Da meldet sich hier einer zum Hemden bügeln 1h pro Woche (sind ja nur sieben Euro) und dann 30km weiter einer zum Fenster putzen für zwei Stunden und dann gibt es noch zeitliche Wünsche, so dass man zwischendurch eine Stunde Leerlauf hat und außerdem ein Auto braucht. Ein Auto ist wiederum mit Hartz IV – Niveau nicht bezahlbar/unterhaltbar , also gehen 40 % des Tages für Buswege drauf. Kurz, es ist unrealistisch, dass die Leute von sieben Euro leben, es sei denn sie leben unter der Brücke oder sparen anderweitig die Miete und sind auch nicht krankenversichert.
Realistisch ist, dass sie eben Hausfrauen sind, die einen verdienenden Mann haben. Oder Hartz IV – Aufstocker und da kommen sie mit einem sieben Euro-Job ja schon besser weg als die Ein-Euro-Jobber… ach ne, kommt ja alles aufs selbe raus, weil verrechnet wird.

Und nun zu den „Hartz IV – Empfängern“, die offiziell Hartz IV Empfänger sind und angeblich nicht aufstocken. Da rechnet Frau Busse einfach das Geld von ganz vielen Personen zusammen, damit das ganz viel klingt.

Um auf ihre benannten 3000-3500 Euro Brutto (incl Kindergeld ) monatlich zu kommen, müsste man etwa zwei Erwachsene und sieben Kinder mit kleiner Wohnung rechnen. Klingt dann als Summe viel, ändert aber nichts daran, dass pro Erwachsenen weniger als fünf Euro pro Tag für Lebensmittel berechnet wurden. Nach jetzigen Stand wäre das zB pro Tag ein abgepacktes billig Mischbrot (9 Scheiben) 1, 19Euro, plus Butter 2,30 Euro (etwas davon) plus eine Packung Salamiaufschnitt 1,79 Euro, plus Nudeln 0,89 Euro (ein Drittel Packung) , plus Ketchup 0,89 Euro (etwas davon). Plus Mineralwasser – Alles von Gut&Günstig versteht sich. Das wäre mit das billigste und gleichzeitig sättigenste, mit dem man dann auf etwa 2.400 Kalorien käme, die meinem 1,90m großen Sohn in der Vollpubertät nebenbei nicht reichen!

Rechnen wir noch hinzu, dass man draufzahlt, wenn man nicht eine entsprechend billige Wohnung findet und das man draufzahlt, wenn man eine billige Wohnung findet, die aber schlecht isoliert ist und immens hohe Heizkosten verursacht, ohne dass es warm wird. Die Gesellschaft weiß nicht, dass der H4ler das dann selber zahlen muss. Und das muss er woanders hernehmen, zB vom Essensgeld. Rechnen wir noch hinzu, dass man in der Not zum Amt kam und mitunter noch Schulden zu begleichen hat, zB für Versicherungen des gescheiterten Unternehmens. Rechnen wir noch hinzu, dass mit jedem Zahlungsverzug sich die Kosten erhöhen. Rechnen wir noch hinzu, dass Väter doch inoffiziell sehr lange mit Nichtzahlung des Unterhalts durchkommen : Mein Kindsvater hatte nach Ende meiner H4-Zeit bei denen 5.000 Euro Schulden und ich hatte sie ein Jahr lang überzeugen müssen, dass ich das nicht mittragen kann. Rechnen wir noch hinzu, dass man dem Kind eine normal – glückliche Kindheit bereiten will und das Filz-und bastelangebote in der Schule öde sind. Bildung und Teilhabe übernimmt 10 Euro für ein Hobby pro Monat – reiten kostet leider 50 Euro! Rechnet man noch hinzu, dass es einen krank macht, H4-Empfänger zu sein, dass man gesellschaftlich ausgeschlossen und verachtet wird, keine Aussicht auf Veränderung hat und dass das Highlight pro Woche der Supermarkteinkauf incl unter die Menschen kommen ist und wir nun mal nicht perfekt sind, so dass man sich mitunter Ersatz sucht für Liebe, Gesellschaft, Freundschaft zB in Form von Medien, Nikotin, Schokolade, Alkohol oder….. einem Haustier! Da fällt der wütenden Bevölkerung nichts besseres ein als lauthals zu fordern, denen die Tiere wegzunehmen! Rechnen wir noch hinzu, dass man bei so knapp bemessenem Geld ein organisatorischer Profi sein muss, nichts darf schief gehen, nichts darf vom Weg abweichen und man muss sich mutig der deutschen Bürokratie stellen und darf da nichts falsch machen – solche Profis haben meist einen gut bezahlten Job!

Rechnen wir noch hinzu, dass manche lieber arm sind als ihr Kind den ganzen Tag fremdbetreuen zu lassen. Rechnen wir noch hinzu, dass sich überproportional viele Menschen mit Krankheiten, Behinderungen, Beeinträchtigungen in diesen Familien befinden und seien es auch nur Angehörige und nicht man selber.

All das ist keine Aufforderung nach mehr Geld! Das alleine löst es nicht, dann müsste es schon deutlich mehr sein und wo soll das herkommen? Und wie soll man damit Teil der Gesellschaft werden? Auch soll Hartz IV kein Schlaraffenland sein, denn wo soll das hinführen?

Problem ist nicht, dass die Situation arm zu sein so ist, wie sie ist. Problem ist, dass Leute einem das arm sein absprechen und somit Hass in der Gesellschaft schüren. Klischees, Vorurteile, Gerüchte von den H4 – Empfängern, die angeblich „alles“ kriegen und nichts tun und die Gesellschaft mit ihrem dasein und ihren schlimmen Kindern runterziehen. Die Politik will sich gerne mit ihrer Hilfsbereitschaft gut darstellen und lässt das die Armen ausbaden. Die Politik sind dann also die guten, die zB Hobbys durch Bildung und Teilhabe ermöglichen und stehen gut dar. Die H4 – Empfänger haben davon nichts (siehe „reiten“) und werden wegen der schlappen 10 Euro Zuschuß das Kind beim reiten nicht als H4-Empfänger outen. Aus gutem Grund! Denn die Gesellschaft hasst die Hartz IV – Empfänger dafür, dass sie einfach so gratis reiten dürfen – finde den Fehler! Nur ein Beispiel von vielen…

Und wie verpackt Frau Busse das jetzt kurz und knapp um sich am Hass schüren zu beteiligen?
“ Die armen Küchenfrauen bekommen 7 Euro brutto. Die H4-Empfänger tun nichts und kriegen mehr. Wissen Sie, wieviel allein die Familien meiner Schule monatlich bekommen? 400.000 Euro!!!“

Ich wünsche Frau Busse Langzeitarbeitslosigkeit ohne Aussicht auf Verbesserung, damit auch die Psyche involviert ist und zwar so lange, bis ihr vorheriges Leben sie nicht mehr vor Diskriminierung und Stigmatisierung und Verachtung schützen kann, damit sie das Ganze auch ganzheitlich erlebt – quasi als Ausbildung. Danach könnte sie eine richtig gute Schulleiterin werden!

Indra Rupp
2 Monate zuvor

Woher weiß Frau Busse, dass die Familien ihrer Schule alle zusammen 400.000 Euro Sozialleistungen bekommen?
Sie hat den Taschen Rechner genommen und die H4-Bescheide, die für die Schulbuchausleihe vorgelegt werden müssen und eifrig alles zusammengetippt, was bei hunderten Familien ziemlich dauern kann und das dann der Presse vorgelegt.
Mir scheint, die Aufgaben von Schulleitungen waren mir bislang garnicht bekannt…. ^^

Indra Rupp
2 Monate zuvor

Die Grundschule hat etwa 650 Schulkinder. Die wiederum werden aufgrund der kinderreichen Familien noch Geschwister haben die älter oder jünger sind als Grundschulalter. Man kann also locker sagen, dass diese Familien auf tausend Kinder oder mehr kommen. Eltern noch hinzu rechnen und ich bin nur noch bei 300 Euro pro Nase! Ja, das ist realistisch, entspricht dem, was andere auch bekommen und ist kein Grund den Leuten Armut abzusprechen. Aber 400.000 Euro Sozialhilfe klingt ja so schön reißerisch viel. Geeignet um Hass beim Steuerzahler zu schüren und geeignet für eine Karriere bei der Klatschpresse!

Indra Rupp
2 Monate zuvor

Hier nochmal ein bisschen Realität für unerfahrene Schulleiterinnen und Co :

Kleine Kinder – kleiner Geldbeutel – kein Problem! Man merkt kaum, dass die etwas mitverbrauchen, man stillt vielleicht auch lange. Spielzeug und Kleidung gibt’s Second Hand und von Verwandten mehr als man brauchen kann und alles kann ans Geschwisterchen weitervererbt werden. Kigaplatz auch noch umsonst und in ihrem Zimmer wollen sie garnicht für sich sein und holen ihr Spielzeug lieber in die Küche oder Stube – halt da wo die Anderen sind. Schlafen auch lieber bei den Anderen, man braucht die erste Zeit nicht wirklich ein Kinderzimmer,schon garnicht pro Kind.

15 Jahre später sieht es anders aus. Jugendliche sind im Wachstum und essen für zwei, brauchen mehr Kalorien als Erwachsene. Das Amt rechnet aber nicht für zwei – OK, dafür hatte man es im Kigaalter entsprechend gut, da hätte man ja was zurücklegen können – ach nee, das wäre dann Wertbesitz und würde einkassiert. Also nun Verbrauch für zwei und ab Schuhgröße 40 gibt’s für Jugendliche auch kaum noch was Secondhand. Alte Herrenschuhe will man dem Jungen auch nicht antun. Ab Schuhgröße 45 wird es dann richtig schwierig. Wie oft habe ich schon morgens vor der Schule die Turnhallenschuhe geschrubbt, weil wir die eben nicht nur für die Turnhalle reservieren können. Die sind nämlich heile und die bequemsten, die wir haben. Aber heute ziehst du die kaputten an, nach dem Sportunterricht kannst du dann diese an lassen. Gibt natürlich Gemecker „Ey, die darf man nicht draußen anziehen!“.
Aber letzten Winter war auch das keine Lösung mehr, denn da wurden alle zwei Monate die Schuhe zu klein. Bis das Kind 1,90m war und Schuhgröße 47 hatte. Jetzt ist es schon eine Kunst, welche in neu zu kaufen. Da gebe ich auch nochmal 10 Euro für ne Buskarte in die nächstgrößere Stadt aus. Straßenschuhe, Winterschuhe, Sommerschuhe, Hallenschuhe für Sport, Turnschuhe für den Sport draußen, Gummistiefel, Hausschuhe, am besten noch Wanderschuhe für den Schulausflug… geht’s noch Leute? Aber jetzt muss ich erstmal Rechnungen bezahlen, sonst gibt’s Minusgrade im Haus!
Endergebnis : Eine schlechte Note in Sport – weil das Kind so oft keine Hallenschuhe dabei hatte. Ständig „vergessen“….

Und jetzt nochmal gaaaanz viel Realität, Leute : Ich hätte das der Lehrerin sagen können, mein Sohn wollte aber lieber die schlechte Note!