Aus für „Sprach-Kitas“ schlägt jetzt auch im Bundestag Wellen: Union protestiert

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BERLIN. Eigentlich sind Kitas und die Sprachförderung dort Ländersache. Doch seit sechs Jahren gibt es ein Förderprogramm «Sprach-Kitas», das der Bund finanziert. Jetzt will er es zum Jahresende auslaufen lassen. Das hat vor kurzem schon die Länder erzürnt – und nun auch die Union.

„Unverantwortlich“: die ehemalige Digitalministerin Dorothee Bär (CSU). Foto: Tobias Koch / Bundesregierung

CDU und CSU laufen Sturm gegen die vom Bund geplante Beendigung seines Förderprogramms zur Sprachentwicklung an Kitas. Wieder einmal halte die Ampel ihre Versprechen nicht ein, sagte die Vizevorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Dorothee Bär. «Entgegen vollmundiger Ankündigungen im Koalitionsvertrag, wonach die Sprach-Kitas „weiterentwickelt und verstetigt“ werden sollen, folgt nur sieben Monate später der Förderstopp zum Jahresende.»

«Wer eine solche Politik der Rückabwicklung für gut heißt, kann es mit der Integration und Teilhabe für die Jüngsten und Schwächsten unserer Gesellschaft nicht ernst meinen», kritisierte Bär weiter. CDU-Generalsekretär Mario Czaja wies darauf hin, dass frühkindliche Bildung entscheidend für Bildungsgerechtigkeit sei – insbesondere bei Kindern mit sprachlichem Unterstützungsbedarf. Später lasse sich das nur ungleich schwerer und mühsamer sowie zu deutlich höheren Kosten für den Staat aufholen. «Es ist daher kurzsichtig, unverantwortlich und vor allem sozial ungerecht, wenn die Ampel das Programm „Sprach-Kitas“ ohne Übergangslösung auslaufen lässt.»

«Es ist wichtig, dass alle Länder die Bedeutung der sprachlichen Bildung in den Kitas erkennen»

Das Bundesfamilienministerium wies jedoch darauf hin, dass das zuletzt mit rund 200 Millionen Euro jährlich ausgestattete Programm von Anfang an als zeitlich befristetes Modell angelegt gewesen sei. «Der Bund hat es auf den Weg gebracht, um bundesweit die Aufmerksamkeit stärker auf die Bedeutung der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung zu lenken», sagte eine Sprecherin auf Anfrage. «Es ist wichtig, dass alle Länder die Bedeutung der sprachlichen Bildung in den Kitas erkennen, sie in ihren Landesgesetzen verankern und eigene Landesprogramme auflegen.» Einige hätten das schon getan.

Die Sprecherin wies zugleich den Vorwurf zurück, dass der Bund vom kommenden Jahr an kein Geld mehr für die sprachliche Förderung von Kindern bereitstellen werde. «Wir werden die sprachliche Bildung zum prioritären Handlungsfeld im Gute-Kita-Gesetz machen, wofür wir 2023 und 2024 jeweils zwei Milliarden Euro im Bundeshaushalt bereitstellen.» Das Gesetz werde zu einem «Kita-Qualitätsgesetz» weiterentwickelt. «So stärken wir die Sprachförderung weiter, indem wir sie gesetzlich verankern und finanziell weiter stärken.»

Mit dem Programm «Sprach-Kitas» fördert der Bund seit 2016 die sprachliche Bildung in der Kindertagesbetreuung. Es richtet sich vor allem an Kitas mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit sprachlichem Förderbedarf. Etwa jede achte der bundesweit rund 58.500 Einrichtungen ist eine Sprach-Kita. Nach Angaben der Bundesregierung werden mit dem Geld derzeit etwa 8000 halbe Stellen für Sprachbildung und Beratung gefördert. Im laufenden Jahr sind dafür Kosten von 248 Millionen Euro veranschlagt. Anfang Juli hatte das Familienministerium den Ländern schriftlich mitgeteilt, dass die Bundesfinanzierung zum Jahresende eingestellt wird. Der Entwurf für den Bundeshaushalt 2023 sieht für das Programm keine Mittel mehr vor.

Czaja warnte mit Blick auf die derzeit finanzierten 8.000 Fachkräfte: «Wenn sie jetzt keine Perspektive haben, suchen sie sich einen neuen Job.» Schon jetzt steuerten Kitas und Schulen auf einen beispiellosen Personalengpass zu. Bär kündigte an, dass sich die CDU/CSU-Fraktion bei den bevorstehenden Haushaltsberatungen mit aller Kraft dafür einsetzen werde, das Streichen der Mittel rückgängig zu machen. News4teachers / mit Material der dpa

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