Bildung in Singapur: Wenn die Kinder in die Schule kommen, können sie bereits lesen (aber von Drill keine Spur)

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SINGAPUR. Warum schneiden einige asiatische Länder immer wieder so viel besser bei PISA ab als Deutschland? Der Politikberater und Autor Dr. Wolfgang Sachsenröder, der über Parteien und Politik in dieser Region publiziert*, lebt seit fast 25 Jahren in Singapur, wo er ein regionales Büro für Ost- und Südostasien geleitet hat. In seinem Gastbeitrag zieht er einen aufschlussreichen Vergleich – der den Wert frühkindlicher Bildung erkennen lässt.

Nur Drill? In den Schulen von Singapur steht Freude am Entdecken und Lernen im Mittelpunkt. Foto: Shutterstock

Talent Plus und „Eager Learners“: Der Zusammenhang von Vorschulerziehung und PISA-Erfolgen in Singapur

Talent Plus und Eager Learners heißen die beiden Playgroups in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, einem Vorort Singapurs mit vielen jungen Familien und Kindern. Dem entspricht die Dichte an Vorschulen und Kindergärten, die aber auch untereinander konkurrieren, die etwa durch Transparente um die Aufmerksamkeit der Eltern werben und regelmäßig auf den nächsten Anmeldetermin hinweisen. Die Träger sind überwiegend Vereine, Stiftungen, religiöse Gruppen und kommerzielle Unternehmen, die sich durch die nach Einkommen gestaffelt subventionierten Gebühren finanzieren.

Wie oft in Asien kann Pädagogik auch ein erfolgreiches Geschäft sein, in Singapur beispielsweise mit dem exklusiv auftretenden Großunternehmen „Eton House“, das mit eleganten Kindergartenpalästen schon architektonisch Akzente setzt und mit dem Prestige des legendären britischen Upper Class-Internats Eton wirbt. In den 1980er Jahren und nach einer Auslandserfahrung in London von einer Mutter von zwei kleinen Kindern in Singapur gegründet, ist Eton House inzwischen ein Konzern mit 120 Vorschulen weltweit, aber mit Schwerpunkt in Asien und fünf Einrichtungen allein in Singapur.

Vergleiche zwischen historisch gewachsenen Systemen sind immer schwierig. Zwischen einem föderalen und an vielen Stellen umstrittenen Flickenteppich von Bildungssystemen in Deutschland, das sich oft durch eine ausgeuferte Bürokratie selbst die Chance zu notwendigen schnellen Anpassungen verbaut einerseits und andererseits einem Stadtstaat mit ausgesprochen pragmatischer Führung und einem permanenten Reform- und Optimierungswillen in Singapur liegen natürlich Welten.

Trotzdem ist die Frage berechtigt, warum Singapur und weitere asiatische Länder immer wieder so viel besser bei PISA abschneiden als wir. In den Kernkompetenzen Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften schnitten die Singapurer Schüler über die letzten fünfzehn Jahre weit vor Deutschland und auch vor Hongkong, Japan, Taiwan und Korea immer ganz vorn in der Spitzengruppe ab. Die üblichen Argumente wie Tigermütter, autoritärer Unterricht, Faktenhuberei, Nachhilfestunden und ähnliches kann man sich sparen, denn asiatische Schüler schneiden auch in Europa besser ab als die Einheimischen, von der Kluft in den USA ganz zu schweigen. Denn es geht vor allem um die intrinsische Motivation zum Lernen und wie diese systematisch geweckt und gefördert werden kann.

In Deutschland scheint die Zahl der Warn- und Alarmrufe von Pädagogen aller Stufen zwischen Kindergarten und Universität nur noch von der Kaskade der Schuldzuweisungen übertroffen zu werden. Die Kindergartenkinder seien nicht reif genug für die Grundschule, die meisten dann nicht geeignet für die weiterführenden Schulen und schließlich die Abiturienten nicht studierfähig, so hört man es allenthalben. Um möglicherweise einige Fehler im System besser analysieren zu können, seien hier einige Aspekte der Vorschulerziehung in Singapur angesprochen, denn etwas wie die besagten deutschen Klagelieder hört man hier überhaupt nicht.

Gerade die Vielfalt der jeweiligen Schülerjahrgänge macht eine Vorbereitung auf die Schule notwendig

Singapur hat außer seiner Bevölkerung von 3,4 Millionen Einheimischen noch weniger Rohstoffe als Deutschland, nämlich gar keine, und war deshalb von Anfang an darauf angewiesen, massiv in die Aus- und Weiterbildung zu investieren. Die ethnischen, sprachlichen, kulturellen und religiösen Unterschiede stellten dabei eine besondere Herausforderung dar, weil die vier amtlichen Sprachen, Englisch, Mandarin, Malaiisch und Tamil im Unterricht sowohl differenziert als auch gegeneinander ausbalanciert unterrichtet werden mussten. Auch hier könnte Deutschland bei zunehmender Immigration vielleicht einiges abgucken.

Gerade die Vielfalt der jeweiligen Schülerjahrgänge machte eine Vorbereitung auf die Schule und einen durchstrukturierten pädagogischen Ansatz der frühkindlichen Förderung und Erziehung notwendig, weit entfernt von Aufbewahrung und locker mal spielen lassen. Gleichzeitig erleichterte dies die Integration der Mütter in den Arbeitsmarkt, denn die hohe Eigentumsquote bei Wohnungen, die inzwischen bei rund 90 Prozent liegt, verlangt trotz staatlicher Subventionen für Ersterwerber natürlich auch spürbare Eigenleistungen beim Tilgen der Hypotheken. Aber eine Mehrheit junger Paare kann recht schnell in eine Eigentumswohnung des sozialen Wohnungsbaus einziehen, in denen 79 Prozent der Bevölkerung leben.

Wie sieht nun das Singapurer System der Vorschulerziehung in der Praxis aus? Seit 2013 wird der gesamte Sektor von der „Early Childhood Development Agency“ (ECDA) betreut und gesteuert, die den Ministerien für Bildung und Familie untersteht. Unter dem Motto „Ein guter Start für jedes Kind“ sorgt die ECDA dafür, dass Infrastruktur, qualifiziertes Personal und ständig weiterentwickelte pädagogische Programme zur Verfügung stehen und für jede Familie finanzierbar sind. Dazu gehören auch die Aus- und Weiterbildung der Erzieher, die Qualitätskontrolle der Lehrpläne sowie die Beratung freier Träger, die eine Playgroup oder einen Kindergarten einrichten möchten. Die Bandbreite des Angebots ist ein Spiegel der Bevölkerungsvielfalt, von religiösen oder ethnisch orientierten Trägern bis zu zahlreichen Einrichtungen der PAP Community Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung der Regierungspartei, die etwa die Hälfte aller 495 Kindergärten bereitstellt.

Insgesamt gibt es über 200 unterschiedliche Träger. Für Deutschland besonders interessant ist eins der Aufgabenfelder der ECDA, seit 2016 ausgelagert an eine Unterorganisation mit dem Namen KidSTART, die sich um die Einbeziehung und Kommunikation mit den Eltern kümmert, die beraten oder auch von Sozialarbeitern besucht werden, wenn Sie ihre Kinder nicht anmelden und zu Hause behalten. Es geht bei KidSTART um eine Zusammenarbeit mit Eltern, Erziehern, Schulen und Sozialarbeitern, um den betroffenen Kindern, auch den aus Problemfamilien, eine erfolgreiche Schullaufbahn zu ermöglichen. Dies ist ein langfristiges und erfolgversprechendes Entwicklungsprojekt mit internationaler Zusammenarbeit, das Expertenwissen auf Problembereiche anwendet und vom Bildungsministerium finanziell unterstützt wird. Dessen Jahresausgaben für die Vorschulerziehung liegen deutlich über einer Milliarde S$ (720 Millionen Euro).

Das Betreuungsangebot ist sehr differenziert und steht weitgehend flächendeckend allen Eltern zur Verfügung. Es gibt Kleinkinderbetreuung (infant care für 2 bis 18 Monate alte Kinder), danach childcare oder playgroups ab 18 Monaten, und Kindergärten mit Vorschulprogramm für 2 bis 6-Jährige. Insgesamt stehen 1800 Vorschulangebote (preschools) zur Verfügung. Auch wegen der stagnierenden Geburtenrate übersteigt die Zahl der angebotenen Plätze die tatsächlichen Anmeldungen, insofern kann jedes Kind betreut werden, meist auch in unmittelbarer Nähe zum Wohnort. Beim Eintritt in die Grundschule mit sechs Jahren haben mehr als 99 Prozent aller Kinder mindestens ein Jahr Vorschule absolviert und können bereits weitgehend lesen, schreiben und rechnen.

Wie weit diese Vorkenntnisse gehen, ist im Internet mit den standardisierten Lehrplänen nachzulesen. Es geht nicht um ein „Eintrichtern“, sondern Freude am Entdecken und Lernen sowie das soziale Verhalten in der Gruppe. Einen sehr interessanten Einblick in die Lerninhalte und wann sie bewältigt werden sollen, bietet die Website https://sg.ixl.com, ausführliche Informationen über die ECD findet man unter www.ecda.gov.sg. Die Abstimmung mit den Lerninhalten der Grund- und weiterführenden Schulen zielt auf eine Erleichterung des Übergangs hin und eine möglichst passgenaue Vorbereitung darauf. Ein Vergleich mit den angestrebten und tatsächlichen Ergebnissen in deutschen Kindergärten sei den Eltern und Erziehern dort überlassen.

Für finanziell schlechter gestellte Familien, die es auch im reichen Singapur gibt, werden die monatlichen Gebühren erheblich subventioniert, aber auch für im Vergleich recht gutverdienende Eltern. Bei einem Haushalts-Bruttoeinkommen von monatlich unter 3000 S$ (im Juli 2022 rund 2.100 Euro) wird für die ganztägige Kinderbetreuung zwischen 7 und 19 Uhr ein Zuschuss von 467 S$ gezahlt bei einer Mindest-Selbstbeteiligung von eher symbolischen 3 S$. Die Förderung endet erst bei einem Haushaltseinkommen von über 12.000 S$, zwischen 11.500 und 12.000 gibt es noch einen Zuschuss von 80 und eine Mindest-Selbstbeteiligung von 390 S$. In Deutschland sind die Kindergartengebühren ebenfalls nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt, aber der Singapurer Ansatz, auch und gerade die Kinder aus finanzschwachen Familien einzubeziehen, geht deutlich weiter. Die Subventionen gelten für einheimische Kinder, Ausländer mit Dauer-Aufenthaltsgenehmigung, die in der Regel auch besser verdienen, zahlen die doppelten Gebühren.

Die Vorschulerziehung soll vor allem die Kompetenz zum Lernen und die Freude am Lernen vermitteln

Basierend auf der Erkenntnis, dass die kognitive Entwicklung des Menschen im Kleinkindalter entscheidenden Einfluss auf den weiteren Bildungsweg hat, soll die Vorschulerziehung vor allem die Kompetenz zum Lernen und die Freude am Lernen vermitteln. Zu diesen Kompetenzen zählt die ECDA vor allem:

  • Den natürlichen Trieb zu lernen, zu entdecken und auszuprobieren, auch außerhalb der normalen Routine (out oft the box).
  • Die Fähigkeit, kritisch zu denken, Optionen abzuwägen und sinnvolle Entscheidungen zu treffen.
  • Die Fähigkeit, mit Kindern aus anderen Kulturkreisen zusammen zu arbeiten, sie zu verstehen und ihre unterschiedlichen Sichtweisen zu akzeptieren.

Die Kinder sollen selbstbewusste, flexible und belastbare Persönlichkeiten werden, die Situationen einschätzen, ihre Gefühle kommunizieren und ihre Reaktionen kontrollieren können. Sie sollen selbstbestimmt lernen, Dinge hinterfragen, mit anderen teilen und gut in Teams arbeiten können oder selbst kleine Gruppen anführen. Eine holistische Entwicklungsförderung soll sie darauf vorbereiten, dass es auf ein lebenslanges Lernen ankommt. Die Ziele sind ehrgeizig, aber die Umsetzung des Systems durch die Ministerien, die ECDA, KidSTART, die Lehrer und die Träger der Vorschuleinrichtungen als eine nur partnerschaftlich erfolgversprechende Gemeinschaftsaufgabe ist eine bemerkenswerte politische Leistung. Die Ausbildung und die gesellschaftliche Anerkennung der Lehrkräfte in der Vorschulerziehung tragen zur Qualität und zum Erfolg erheblich bei. Sie sind in Singapur „teacher“, weitgehend ohne hierarchische Abwertung gegenüber den Kolleginnen und Kollegen an den Grund- und Sekundarschulen. Ihr Engagement und Enthusiasmus im Unterricht wird geachtet und auch entsprechend honoriert.

Kein Politiker würde es wagen, ihre Arbeit herabzuwürdigen, wie es einmal ein deutscher Spitzenpolitiker getan hat. Im Gegenteil, das Bildungsministerium verleiht regelmäßig Auszeichnungen an besonders verdiente Pädagogen und ehrt den gesamten Berufsstand, indem es dessen Verantwortung für die Zukunft des Landes und jedes einzelne Kind hervorhebt. Die Preisträger werden in einem Jahrbuch mit Darstellung ihrer besonderen Beiträge veröffentlicht. Neben diesen offiziellen Ehrungen gibt es den „Teacher Appreciation Day“ und einen entwickelten Geschäftszweig für kleine Geschenke und Urkunden, mit denen Kinder und Eltern sich bei den Lehrerinnen (in den Vorschulen so gut wie alle) und den Lehrern bedanken können. Otto von Bismarck hat einmal treffend formuliert, dass die Haltung eines Staates gegenüber seinen Lehrern verrät, wie stark oder wie schwach er ist. Das ist leider lange her.

*Wolfgang Sachsenröder beschreibt in seinem jüngsten Buch die Geschichte des Opiumhandels und seine politischen Folgen: From Opium to Amphetamines. The Nine Lives of the Narcotics Industry in Southeast Asia, erschienen im April bei WorldScientific.   

Schleicher im Interview: „Eine Technologie des 21. Jahrhunderts passt nicht mit einer Pädagogik aus dem 20. Jahrhundert zusammen“

 

 

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Kurz
1 Monat zuvor

Natürlich kann in einem Land, das noch Erziehung statt grenzenlose Verwöhnung kennt, von Drill keine Rede sein. Ich bin überzeugt, dass sich die Kinder bei starken Erwachsenen und klaren Regeln viel wohler und zuversichtlicher fühlen als bei unserem Kuschen vor ihren Wünschen und Launen.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Kurz

Dazu kommen die sicherlich als im Mittel sehr bildungsnah sozialisierten Eltern, die das auch an ihre Kinder weitergeben.

Last edited 1 Monat zuvor by Georg
tachelesme
1 Monat zuvor
Antwortet  Kurz

Sehr problematisch. Siehe mein Beitrag oben. Nach Japan das Land mit der höchsten Selbstmordrate unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Kein Extrem macht glücklich.

Soso
1 Monat zuvor
Antwortet  tachelesme

Dann schauen wir doch mal nach dem immer wieder gepriesenen Kinder- und Jugendparadies Skandinavien:

https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/die-ganze-wahrheit-ueber-skandinavien

dauerlüfterin
1 Monat zuvor
Antwortet  Soso

Der Artikel ist 8 Jahre alt. Gibt es auch etwas aktuelleres?

Tachelesme
1 Monat zuvor
Antwortet  Soso

Ich kenne auch das finnische System sehr gut und finde es auch nicht vorteilhaft, allerdings hat es andere Ursachen als in Singapur. Und wenn man schon junge Schweden bei Klassenfahrt im Ausland erlebt hatte, weiss man warum. Dennoch bestehe ich drauf, dass gerade der Schulstress in Singapur viel Menschenleben kostet und Lebensqualitaet. Ich spreche nicht von Disziplin.

Emil
1 Monat zuvor

Tja, hierzulande verstehen Kindergärtnerinnen nicht mal den Unterschied zwischen externer Qualitätskontrolle, wie hier des öfteren von mir gefordert, und einem selbstgeschriebenem Konzept in der Schublade. Alles hier in vergangenen Post nachzulesen.
Vielleicht liege ich ja doch nicht so falsch?!

Lanayah
1 Monat zuvor
Antwortet  Emil

Manche wissen auch nicht, dass die Berufsbezeichnung Erzieher/in heißt.

Emil
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

Wenn Bezeichnungen wichtiger sind als die Qualität der Leistung….
Und weiterhin: In Kindergärten sind Kindergärtnerinnen!

Emil
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

Und manche meinen, Worthülsen verbessern die Qualität der Arbeit.

gehtsnoch
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

Nicht die Baumschullehrer vergessen!

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Emil

Ja, Emil. Sie müssen es nicht immer widerholen. Alle wissen es inzwischen, sogar wir „Kindergärtnerinnen“ selbst.
Wir sind wie die Lehrer: faul, blöd, geldgierig und schuld am Elend dieser Welt.

Emil
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Was für eine dämliche Antwort auf eine sachliche Forderung nach externer Qualitätsanalyse von Kitas.

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Emil

Ich habe von ihnen in diesem Forum noch keine einzige sachliche Äußerung zuThemen die Kindergarten und Erzieherinnen betreffen, gelesen.
Sie diffamieren Erzieher pauschal als faule, ewig nur Kaffetrinkende Schwatztanten, dene die Belange der Kinder egal sind. Gleichzeitig regen sie sich auf, wenn jemand Grundschullehrer kritisiert. Machen sie das hier zum Spaß?
Wollen sie aus Langeweile ein bißchen provozieren?
Sitzen sie zu Hause und lachen sich ins Fäustchen, weil sie es wieder mal geschafft haben, daß sich ein paar blöde Erzieherinnen über ihre unsagbar dümmlichen Kommentare aufregen?
Sie können das doch nicht tatsächlich ernst meinen, was sie da ständig von sich geben.
Kein Mensch, der es geschafft hat Lehrer zu werden und der tagtäglich mit Kindern arbeitet, kann so strunzdumm sein.
So. Jetzt hab ich fertig. Flasche leer.

Ben
1 Monat zuvor
Antwortet  Emil

Na und, unterm Strich kommt beides Mal dasselbe dabei raus!

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Ben

Die Bezeichnung „Kindergärter:in“ ist schlichtweg unzutrefffend, weil das Berufsfeld sich nicht auf Arbeit mit Kindern beschränken lässt. Diverse Institutionen unter “ Garten“ subsummieren zu wollen ist ebenfalls Quark.
Eine Lehrkraft, die Erwachsene unterrichtet kann ebenso wenig einem Grundschulkollegium zugeordnet werden.
Wie wird eine Berufsbezeichnungung zum Synonym für „Worthülsen“?
Allein aus Schikane, wie armselig.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Ben

Nee, Kinder muss man nicht gießen! 😉

Carsten60
1 Monat zuvor

Hier wird das mit dem Nachhilfeunterricht (oder zusätzlichen Privatlehrern) aber anders geschildert:
https://www.sueddeutsche.de/bildung/singapur-wenn-du-in-der-schule-nichts-leistest-verspielst-du-deine-zukunft-1.3360288
Es ist sogar von einem „Paralleluniversum“ die Rede. Das oben geschilderte Paradies bezieht sich wohl auf die Zeit vor der Einschulung. Irgendwo steht, dass Schulklassen auch mal 40 Schüler haben können.
Man könnte ja in Deutschland einführen, dass die Kinder bei Einschulung mit 6 Jahren (nach einem Jahr Vorschule) bereits weitgehend lesen, schreiben und rechnen können, was würde uns daran hindern? Vielleicht ein Protest der Eltern oder auch der GEW?

Fakten sind Hate
1 Monat zuvor

Singapur ist laut Wikipedia ein Stadtstaat mit etwa 5,6 Mio Einwohnern, deren Bevölkerung zum Großteil im arbeitsfähigen Alter ist (siehe Bevölkerungspyramide 2016, Wiki).

Hinsichtlich der Bevölkerung und/oder der wirtschaftlicher Relevanz kann man Singapur lediglich mit Großstädten wie z. B. Hamburg, Berlin, München und Frankfurt vergleichen.

Berlin ist bildungstechnisch (Gender Studies) und wirtschaftlich („Startups“) irrelevant. Es lebt quasi nur noch durch die Subventionen anderer Bundesländer.

Frankfurt als Finanzzentrum hat seit der Finanzkrise 2008 Probleme, die sich durch die Insolvenz des dortigen Flughafens weiter verschärft haben.

Hamburg ist zwar Deutschlands Dreh- und Angelpunkt für Handel, kann aber alleine dadurch keinen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erreichen. Die Hamburgerwerften gehen der Reihe nach in die Insolvenz.

Bleibt von meiner Liste nur noch München als Vergleich zu Singapur. Ich denke, ohne die Fakten detailiert zu prüfen:

-Münchener weisen eine höhere Eigentumsquote auf als der Bundesdurchschnitt (40%)
-die TU München ist im technischen Bereich einer der Vorzeige Unis in Deutschland

Wenn wir noch 30-40 Jahre warten, dann hat Singapur wahrscheinlich ähnliche Probleme, mit denen wir heute in Deutschland kämpfen. Unsere Bevölkerung ist überaltert. Viele Gebäude sind Gebäude sind baufällig. Die Straßen sind marode.

Lehramtsaussteiger
1 Monat zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Ein weiteres Problem hierzulande: Viele Deutsche haben regelmäßig große Probleme beim Thema zu bleiben.

tachelesme
1 Monat zuvor

Grass auf der anderen Seite ist immer grüner. “Kiasu“ (überehrgeizige) Eltern, durch Prüfungen gestresste Kids, kaum Freizeit, sehr hohe Selbstmordrate bei Jugendlichen, hinzu wesentlich schlechter bezahlte, obwohl schwer arbeitende Lehrer, ist das andere Bild von Singapur. Kann sein, dass Herr Sachsenröder als „expat“ nur private ausländischen Schulen in Singapore kennt? Die staatlichen würde kaum ein Kind europäischer Eltern aushalten. Dazu muss man sagen, die Einstellung zur Bildung UND Arbeit insgesammt ist dort ganz anders. Disziplin, Kontrolle und Selbstorganisation seit frühem Kindesalter. Versagen gibt es nicht… Ich schimpfe gerne über die katastrophale und laxe Bildung in Deutschland, aber singapureanische Variante mag bessere Arbeiter hervorbringen, sicherlich auch auf Erfolg getrimmte aber nicht unbedingt glücklichere Menchen. Gerade deshalb und neuerdings findet dort im Bereich der Bildung ein grosses Umdenken statt.

Schattenläufer
1 Monat zuvor

Erziehung mit Drill gleich zu setzen ist eben heute der Zeitgeist in Deutschland.

Klischee: Früher wurden die Kinder unterdrückt und heute lässt man die Kinder sich selbst entfalten und macht Sie so glücklich.

Unsinn!

Aufwachsen ohne echt Erziehung von Helikoptereltern vor allem bewahrt und mit möglichst absoluter Befriedigung jeglichen Wunsches macht die Kinder weder glücklicher noch zu besseren Menschen.
Im Gegenteil.
Die Kinder sind ohne klare Perspektive. Das macht sie eher unsicher.
Die Kinder gewöhnen sich daran, dass jeder Wusch möglichst erfüllt wird und dass man alles darf. Sie können durch mangelnde Rückmeldung ihr Verhalten auch nicht realistische einschätzen.
Dann kommt das echte Leben und somit eine kalte Dusche. Das macht nicht glücklich.

Echte Erziehung muss kein Drill sein.
Grenzen und Regeln die man kennt geben Kindern Sicherheit und eine Richtung.
Kritik und Lob geben Kindern realistische Rückmeldungen zu ihrem Verhalten.

Das Problem liegt eher darin, dass der Weg der echten Erziehung auch wirklich viel Arbeit macht und oft extrem anstrengend ist.
Grenzen setzen und diese konsequent einhalten erfordert Konsequenz und Zeitaufwand durch die Eltern.

Das ist heute unpopulär.

Der Weg ohne Grenzen zu selbst bestimmten Entwicklung des Kindes macht nur einen Bruchteil an Arbeit und klingt auch noch prima.

Zur Not sogt man im Kaffee eben mit ernstem Gesicht und lauter Stimme zu den eigenen Kindern:“ Geht doch mal zu euren Eltern ihr ungezogenen Gören“.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Volle Zustimmung! Bis auf

„Die Kinder gewöhnen sich daran, dass jeder Wusch möglichst erfüllt wird und dass man alles darf.“

NEIN, dass „man“ alles darf, bezieht sich nach dem Verständnis von Kindern und Eltern nur auf Kinder und Eltern, nie auf andere Personen außer sich selbst obwohl auch diese Kinder bzw. Eltern sein können. 🙂

„Sie können durch mangelnde Rückmeldung ihr Verhalten auch nicht realistische einschätzen.“

NEIN, sie können durch übertriebene Rückmeldung für einen Pups in die Windel ihr Verhalten nicht realistisch einschätzen. Irgendwann gehen die MEGAHYPERSUPERLATIVSTEIGERUNGEN aus…. 🙂

potschemutschka
1 Monat zuvor

Also, das geht ja gar nicht. das sind ja Anforderungen, wie in einem DDR-Kindergarten und das haben ja wohl verschiedene Studien „bewiesen“, dass das den Kleinen schadet! (Achtung Ironie oder ist das schon sarkasmus?)

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Hm,

mir fehlen auch die Studien, die besagen und bezeugen und belegen, dass Helikoptereltern ihren Kids so richtig gut tun.

„(Achtung Ironie oder ist das schon sarkasmus?)“ Vorschlag: Galgenhumor?! ;;)

Achin
1 Monat zuvor

Leider wird nun auch ein wichtiges Fach-Magazin wie news4teachers zum Marketingmittel eines autoritären Staates. In Singapur wäre news4teachers wohl längst verboten:

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/singapur/

Über das dortige Bildungswesen gab es schon andere Berichte:

https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/pisa-testsieger-singapur-wie-schueler-auf-erfolg-getrimmt-werden-a-1127153.html

Wir sollten aufpassen, dass wir uns vor lauter Unbehagen über die hiesige Sitution des Bildungswesens nicht die falschen Freunde suchen, gerade auch aus einer bürgerlichen Perspektive:

https://m.faz.net/aktuell/politik/ausland/singapur-regierungspartei-fuerchtet-um-politisches-erbe-16857319.html

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Achin

Wenn man es toll findet, sein Leben von Anfang an in Institutionen zu verbringen, wenn man es toll findet seine Zeit IMMER in Gruppen zu verbringen, wenn man es toll findet, daß man kaum noch Zeit hat EIGENE, nicht von außen gesteuerte Ideen und Interessen zu verfolgen, wenn man es toll findet Familienleben auf ein Minimum zu beschränken, wenn man es toll findet sein ganzes Leben von Anfang an unter der Fuchtel einer wohlmeinenden Rundumversorgung zu verbringen, die einem das selbständige Denken austreibt, dann sollte man das so machen mit dem „durchstrukturierten pädagogischen Ansatz, weit entfernt von locker mal spielen lassen.“
Mir sträuben sich da die Nackenhaare.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Meinen Sie jetzt Deutschland oder Singapur?

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Mit dem „durchstrukturierten pädagogischen Ansatz, weit entfernt….“ zitiere ich aus dem Text über Singapur.
Aber den Rest könnte man auch auf Deutschland anwenden, da haben sie durchaus recht…..
Grübel, grübel….

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Übrigens, in den DDR-Kindergärten konnten die Kinder durchaus auch mal „locker spielen“. In Singapur wahrschei bzw. Bildungsplannlich auch. In der DDR jedenfalls gab es „Beschäftigung“ (nach Entwicklingsplan) nach Alter gestaffelt für einige Minuten, in der Vorschulgruppe dann schon mal für ca. 40 Minuten. Ist das so schlimm, wenn alle mal etwas gemeinsam machen müssen, auch wenn das Kind gerade nicht möchte? Jedenfalls habe ich die Erfahrung gemacht, dass manche (immer mehr Kinder) nie basteln oder malen wollen, sondern nur im Sandkasten oder der Tobeecke zubringen würden, wenn man sie nach ihren individuellen Wünsche fragt. Deshalb können leider auch immer mehr Kinder immer weniger, wenn sie eingeschult werden.

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ich bin durchaus dafür, daß Kinder auch mal was gemeinsam machen. Ich bin auch dafür, daß sie vor der Einschulung mit Schere, Kleber und Stift umgehen können. Sie sollten Zahlen und Mengen so bis Sechs (wie die Punkte auf dem Würfel) erkennen und zuordnen können. Sie sollten die Grundformen kennen (Dreieck, Viereck, Kreis).
Sie sollten ihren Namen schreiben können. Und sie sollten in der Lage sein eigene Befürfnisse mal für eine Weile hintanzustellen usw.
Lesen, schreiben, rechnen können sie dann aber in der Schule lernen.
Die oben genannten Fertigkeiten haben Generationen von Kindern übrigens ganz ohne Ganztagsbetreuung und ausgeklügelte Programme entwickelt. Heute machen sich erwachsene ständig Gedanken, welche „Programne“ und „pädagogische Modelle“ wir brauchen, um Kindern die einfachsten Fertigkeiten und Verhaltensregeln beizubringen.
Und je mehr raffinierte neue Methoden wir entwickeln, desto größer wird das Chaos. Da gibt’s für alles eine Studie und man weiß genau, daß Kinder nur so und auf keinen Fall anders am besten lernen und nächstes Jahr findet man heraus, daß es genau anders herum besser ist und dann krempeln wir wieder alles um. Und dann denken schlaue Leute sich Gesetze und Vorschriften aus, die das ganze noch besser und übersichtlicher und transparenter und überhaupt viel einfacher machen, und am Ende ist der Alltag in Schulen und Kindergärten so kompliziert, daß für diejenigen, die das alles betrifft und die eigentlich davon profitieren sollten, nämlich die Kinder, keine Zeit mehr ist.
Laßt uns endlich in Ruhe unsere Arbeit machen. Weg mit Vorschriften wie der, daß man auf Biegen und Brechen mit allen Eltern mindestens zwei Entwicklungsgespräche im Jahr führen MUß, weg mit Perik, Seldak und Sismik- wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, merken wir das auch so und dann suchen wir auch das Gespräch mit den Eltern.
Ich würde mir wünschen, daß wieder mehr Ruhe in das ganze System einkehrt. Mal wieder ein bißchen lockerer und spontaner werden. Mir fällt da ein tolles Beispiel dazu ein: Ich saß im Garten mit ein paar Kindern zusammen. Wir unterhielten uns über irgendetwas, ich weiß nicht mehr worüber. Irgendwie landeten wir dann beim Thema „Weltall“. Es ging um die Erde, die Sonne, den Mond und um unser ganzes Sonnensystem. Die Kinder stellten tausend Fragen und ich holte entsprechende Bücher zu Hilfe. Wir schauten uns Bilder der unterschiedlichen Planeten an und versuchten Antworten auf unsere Fragen zu finden. In den Tagen darauf bastelten wir unser Sonnensystem nach. Das zog sich über die ganze Woche hin.
Entstanden ist das ganze nur, weil wir Zeit hatten. Weil wir uns einfach nur unterhalten haben. Ganz ohne Plan oder hochtrabende pädagogische Hintergedanken. Das zieht sich durch mein ganzes bisheriges Arbeitsleben. Immer wenn ich ZEIT FÜR DIE KINDER HATTE, Zeit zum zuhören und hinschauen, dann entwickelte sich daraus etwas, das für alle Beteiligten beteichernd war.
Wir sollten es viel öfter „einfach mal laufen lassen“. Die besten Ideen entsehen meistens dort, wo Menschen Zeit haben ihren Gedanken freien Lauf zu lassen.
„Der Geist ist keine Kammer, die man füllt, sondern eine Flamme, die man nährt.“ Fragt mich nicht von wem der Satz stammt. Ich weiß es leider nicht mehr. Aber ich würde ihn gerne zum Prinzip meiner Arbeit machen.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Schade ist nur, dass in den heutigen Kitas nicht alle das so sehen, wie Sie. Und die, die so „ticken“, wie Sie, oft zu wenig Zeit dafür haben (zu wenig Personal, zu große Gruppen, zu wenig Unterstützung …)

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Hab’s gegoogelt. Das Zitat stammt von Celestin Freinet, der die Freinet – Pädagogik entwickelt hat und lautet im Original: Der Geist ist keine Scheune die man füllt, sondern eine Flamme, die man nährt.
Ich sehe die Freinet – Pädagogik aber nicht nur positiv. Auch da würde ich sagen: Ist mir zu einseitig. Am besten tendiere ich auch hier zu einer gesunden Mischung aus Freiheit aber eben auch Pflichten.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

@Marion

Ups.
Sie haben das ja längst selber gefunden. 🙂
Ich habe das leider zu spät gesehen.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

@Marion

Hallo Marion,
in dem Link runterscrollen bis „2. Das Menschenbild in der Freinet-Pädagogik“, da finden Sie das Zitat zu „Der Geist ist keine Kammer, die man füllt, sondern eine Flamme, die man nährt.“:https://www.kita.de/wissen/freinet-paedagogik/
In eine Scheune passt ja auch viel mehr hinein. 😉

Im Übrigen stimme ich Ihnen zu wenn Sie sagen „einfach mal laufen lassen“, denn das ist ja eben NICHT gleichbedeutend mit „es wird dann nichts gelernt“, weil es eine Strategie neben vielen anderen ist. Ganz im Gegenteil: Neue Fragen tauchen auf und wecken tieferes Interesse und führen zu tieferem Verständnis oder einer Anwendung bisher erworbenen Wissens, nur wird es dann vom starren und überfüllten Lehrplan in Schulen abweichen. (Mein Bereich ist nun einmal Schule.)
Man kann sich das wie folgt vorstellen, bitte auch hier im Link runterscrollen bis zu den Bildern und speziell zu dem Bild mit dem Untertitel „Entwässerungsmulde anstelle eines Straßenablaufs“. Diese Bäume entwickeln sich prächtig! (Erst vor ein paar Tagen habe ich einen Bericht – leider vergessen, wo – gesehen, in dem man schon vor 20 !!! Jahren so ein Projekt in der Planung eines Stadtviertels angewendet hat. Die Bäume in den Mulden sind in diesen 20 Jahren doppelt so groß geworden! Aber immer noch wird der Nutzen dieser Vorgehensweise (aus Kostengründen, klar) angezweifelt! Und DA sieht man buchstäblich den Erfolg … das lässt für den Bereich „Bildung und Erziehung“ nichts Gutes hoffen.)
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwammstadt
Die besten Lernerfolge – mit einer gewissen Sogwirkung im Hinblick auf die Thematik, aber auch auf die Zahl der aktiv am Prozess teilnehmenden Kids – kann ich auch im Schulbetrieb feststellen.
Nur wird es nicht immer gerne gesehen, auch das stimmt leider.

Lanayah
1 Monat zuvor

Wenn man sich mal ansieht, welche Strafen es in Singapur für Minimalvergehen gibt, dann wage ich die Sache mit dem „ohne Drill“ zu bezweifeln.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

„Ohne Drill“ = ohne bestehende Gesetze durchzusetzen? : Vergleich Singapur – Berlin (eigenes Erleben): Niemand lässt seinen Müll fallen, wo er gerade geht oder steht, auf den Straßen keine Hundesch…, keine Kaugummis, keine Scherben, keine Schmierereien an Gebäuden, keine zertrampelten und zugemüllten und zugepi…ten Grünanlagen …. In den Öffis niemand mit Füßen auf den Sitzen, für Ältere, Schwangere und Behinderte wird höflich Platz gemacht … Ist das jetzt nur auf Drill zurückzuführen? Oder ist das Erziehung oder hat das was mit“ Berliner Flair“ zu tun?
Übrigens achtet man in Singapur auch darauf Ghettobildung zu vermeiden. In den Hochhäusern müssen Wohnungen, anteilig der prozentualen Verteilung der verschiedenen Ethnien in der Bevölkerung, an ebendiese Ethnien vermietet werden. Nachmieter müssen der vorherigen Ethnie angehören. Finde ich eine gute Idee. Ich weiß allerdings nicht, wie bei Mischehen gehandelt wird.

unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

War es nicht in Singapur, wo Studierende vor Ihrer Immatrikulation unterschreiben müssen, dass das Motiv für einen evtl. Suizid nicht im Konetxt des universitären Konzeptes zu finden sei ?

Abgesehen davon, steht Berlin weltweit für reichen, weil international – kulturell pulsierenden Austausch gewissermaßen der deutsche, große Apfel.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  unverzagte

Berlin steht auch für schwache Schulleistungen. Etliche Schulen weigerten sich, die Tests von VerA 3 zu verteilen, mit der Begründung: unsere Kinder verstehen nicht mal die Aufgaben, geschweige denn, dass sie Antworten wüssten. Aber pro Schüler gibt man in Berlin mehr Geld aus als anderswo in Deutschland. Man gründet gerade ein zweites Landesinstitut.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  unverzagte

„Der große Apfel“ ist allerdings auch nicht so schmutzig wie Berlin, zumindest in den Touristen-Gebieten. Kann mir das jemand erklären?

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Schauen Sie sich mal an, welche Art von Regierung Berlin herunterwirtschaftet.

unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Dazu „Fehlfarben“, eine NDW Musikband vor ca. 40 Jahren:

„Es liegt ein Grauschleier über der Stadt, den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat .“

Ob damit ein typisch deutscher Putzfimmel gemeint sein könnte und falls ja, gehört der zum Erbe der sog. preußischen Tugenden ?

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  unverzagte

@unverzagte

„den meine Mutter noch nicht weggewaschen hat .“

Ob damit ein antiquiertes Frauenbild „zu Rate gezogen“ wird? 😉

Tachelesme
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Das nennt man nicht Mischehen, weil es Singaporeaner sind. Die ethnisch abhaengige Zuteilung n HDB Wohnungen bezog sich ja auch nur auf bestimmte Viertel und war von Wahbezirken bestimmt. U. a. auch deshalb um Parteiebildungen zu verhindern. Es ist ja auch ein Lnd auf dem Weg zur Demokratie. Moeglicherweise darin erfolgreicher als unsere korrupten westlichen Systeme. Waere nicht die Todesstrafe, die irgendwnn sicherlich faellt, aber bislang ethisch problematisch, ein optimales Land.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Tachelesme

Danke für diese Ergänzung.

Marion
1 Monat zuvor

Mann, Leute. Gibt es denn nichts, was irgendwie dazwischen liegt?
Also irgendwie nicht so chaotisch und verhätschelnd wie bei uns aber auch nicht so komplett durchstrukturiert wie in den untereinander konkurierenden „Kindergartenpalästen“ in Singapur?
Haben wir, was unsere Kinder betrifft, wirklich völlig jedes gesunde Maß verloren?
Einerseits bloß nicht zu streng sein, möglichst jeden Wunsch erfüllen, jede individuelle Marotte, und sei sie noch so albern, ernst nehmen und darauf eingehen – andererseits aber am besten schon von kleinstauf in ein Betreuungssystem pressen, egal ob’s dem Kind gut tut oder nicht, Leistungsdruck schon in der Grundschule, weil unter Gymnasium ja nichts mehr geht und ständig beobachten und dokumentieren als wären unsere Kinder irgendwelche Laborratten, wo einem keine noch so kleine Abweichung entgehen darf.
Das ist doch langsam alles nur noch krank.

Soso
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Etwas, „was irgendwie dazwischen liegt“ wünsche ich mir auch.
„Also irgendwie nicht so chaotisch und verhätschelnd wie bei uns, aber auch nicht so komplett durchstrukturiert wie in den … „Kindergartenpalästen“ in Singapur.“

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Genau so, liebe Marion!

GS in SH
1 Monat zuvor

Singapur, mit einer Bevölkerung die zu 75% chinesisch-stämmig ist, hat ein ganz anderes Wertesystem als wir. Es ist sehr vom Konfutianismus geprägt.
Es gibt eine starre Hierarchie (worin Lehrer einen hohen Rang einnehmen) und Individualismus ist wenig erwünscht! Die Gruppe ist alles!
Kinder bis zum 3.Lebensjahr können noch mit relativ viel Nachsicht rechnen, aber dann heißt es sich anzupassen.
Disziplin, Fleiß, Achtung vor Autoritäten, Einordnen in die Gruppe, Regeln einhalten, das macht einen guten Singapurer aus. (Eigentlich die alten preußischen Tugenden, nicht?)

Nicht umsonst heißt es: „Singapore is a fine city!“ Wobei fine sowohl ‚fein‘ als auch ‚Ordnungsstrafe‘ heißt. Und die Strafen für „Vandalismus“ sind drastisch! Ein Kaugummi auf den Boden spucken kostet 500 S$, Graffity sprühen wird mit Prügelstrafe, Haft und einer hohen Geldstrafe belegt.

Apropos Prügelstrafe: diese ist auch in der Kindererziehung ausdrücklich erlaubt. Eltern, aber auch Schulen dürfen sie bei Regelverstößen moderat anwenden. In Schulen allerdings nur bei Jungen. Mädchen bekommen einen Arrest oder werden suspendiert.
Der Nachhilfemarkt ist ein lukratives Geschäft. Die Gesellschaft ist sehr leistungsorientiert.

Aber Drill ist das alles natürlich nicht, da es einen allgemeinen Konsenz in der Gesellschaft für diese Werte gibt.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  GS in SH

Und deshalb verfallen wir in Deutschland in das andere Extrem? Nur noch Individualisten und Egoisten?

Tachelesme
1 Monat zuvor
Antwortet  GS in SH

So sehr ich das Bildungsystem in Singaporekritisch sehe, wuerde ich mit dem fehlendem Individualismus als oberflaechige Stereotyp aufpassen. Die kiau Eltern sind ein Phanomen, das eben sehr individualistisch ist und nicht nur Chinesen betrift, schliesslich sind es Singaporeaner, oder PRs, die das Land praegen. Das System ist meritokrativ und es geht nicht ums Anpassen, sondern Erfolg. Und 75 prozent galt vielleicht vor 30 Jahren. Kaugummiverbot ist auch so ein Mythos. Jedenfalls kann man auch um Mitternacht rausgehen ohne ueberfallen zu werden oder bedroht zu werden. Das ist auch eine Freiheit, die uns im hochgelobten arroganten “Westen” zumindest in den Staedten fehlt.

Carsten60
1 Monat zuvor

„Kaskade der Schuldzuweisungen“
Die Sätze im obigen Artikel, die auf diese Worte folgen, sind einfach zynisch. In Deutschland können die Erstklässler oft keinen Stift halten, und man produziert 20 % „Risikoschüler“, die selbst am Ende der Schulzeit kaum lesen und schreiben können, in Singapur können 99 % der Kinder mit 6 Jahren nach nur einem (!) Vorschuljahr bei der Einschulung bereits lesen, schreiben und rechnen. Was hindert uns eigentlich daran, diesem Vorbild zu folgen?
Und dann wird uns dies auch noch als Vorbild für die zunehmende Immigration empfohlen, gerade so, als sei die Zuwanderung von geschäfts- und karriereorientierten Chinesen nach Singapur mit der Armutszuwanderung nach Deutschland vergleichbar. Wie viele Bürgerkriegsflüchtlinge hat Singapur eigentlich aufgenommen, die dann Sozialhilfe bekommen?
Hier steht übrigens schon was über wachsende Feindschaft in Singapur gegen die vielen Ausländer:
https://de.wikibrief.org/wiki/Immigration_to_Singapore/
Da steht auch was über Mindesteinkommen, wenn jemand nach Singapur einwandern will.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

„Was hindert uns eigentlich daran, diesem Vorbild zu folgen?
Und dann wird uns dies auch noch als Vorbild für die zunehmende Immigration empfohlen, gerade so, als sei die Zuwanderung von geschäfts- und karriereorientierten Chinesen nach Singapur mit der Armutszuwanderung nach Deutschland vergleichbar. “

Daran hindert uns die linke Ideologisierung und politische Großwetterlage der Gesellschaft.
Ist ganz einfach.

Kommen sie mal mit Asiaten ins Gespräch (fast schon egal woher) – und halb verschämt rutscht ihnen der Beruf raus. Mehr Wertschätzung von fremden Touristen als der eigenen Bevölkerung.

Haben sie mal nen Elternabend mit asiatischen / stämmigen Familien… das krasse ist nicht das problemlose Gespräch, sondern das danach tatsächlich was PASSIERT. Die Inhalte werden von den Eltern auch UMGESETZT. Krasser Positivschock.

Da muss sich „die Gesellschaft“ eben entscheiden: Ideologisches Opferpyramidenbingo („Alltagsrassissmussss“, Inklusionsgedöns, jede noch so krasse Entgleisung hat keine Folgen) oder eben Leistung, Ordnung (und ja, für Querulanten hat DAS dann wiederum Nachteile).

Beides hat spezifische Vor- und Nachteile. Beides kommt mit trade-offs.
Ist halt die Frage, was „man“ (=die Gesellschaft) will.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Zu Finnland habe ich gelesen, dass dort erwartet wird, dass die Eltern (!) ihren Kindern vor der Einschulung (die ist mit 7 Jahren) Lesen und Schreiben beibringen. Und uns werden dann süffisant die guten finnischen PISA-Ergebnisse bei der Lesekompetenz vorgehalten, weswegen wir ein schlechtes Gewissen haben sollen.
In Deutschland dagegen heißt es, das Problem seien die vielen, vielen Kinder, deren Eltern sie nun gar nicht unterstützen können, auch nicht bei Basisfähigkeiten wie Lesen und Schreiben in der Grundschule. Die können ja gar keinen Stift halten, und es fehle an der Förderung der Lernschwachen. Und außerdem haben in Deutschland die Eltern für sowas ja gar keine Zeit mehr, sie hetzen hektisch zwischen Arbeitsstelle und Kita hin und her.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Ich kann Ihnen folgendes aus einem bei uns ebenfalls mal gerne hichgejubelten skandinavischen Land berichten: Ein S der 5. Klasse ruft einer L. auf dem Pausenhif zu, sie solle „die F****e halten“.

In meinem Kopf so: „Huch ja, die Kuschelskandinavier. Tja, da wird jetzt gelabert und er kommt damit durch. Tjoa.“

Aber ich lag sowas von daneben…

Es passierte folgendes:

1. Niemand wurde laut.
2. Alle LuL lächelten weiter.
3. Grob 20 Minuten später holen die Eltern ihn ab – die sind total gestresst, alle SuS sind mucksmäuschenstill.
4. Ich so innerlich :“ Hä? Ich dachte wir sind hier in Bullerbü und Schülerversteherhausen? “
5. Betreungs-L sieht meine Verwirrung:“Komm mal mit.“
6.Grob 20 Minuten später: In einem etwas kleinen Wohnzimmer quetschen sich ich als „Praktikant“, zwei Polizisten, die betroffene L. und eine sehr junge Jugendamtsmitarbeiterin (Psychologin) . Der Schüler darf sich entschuldigen, die Eltern „dürfen“ erklären, wie so etwas nie, NIE wieder vorkommen wird. Denn sowas ist „Gewalt“ und „zerstört Vertrauen“ Alle lächeln freundlich, alle Duzen sich weiter. Die sehr junge Jugendamtsfrau beendet das Lächel-Gespräch mit den Worten: Das sei ja schon das zweite Mal, wenn nochmal was passiert wird das Kind „unterstützt“, indem es mal zwei Wochen aus der Familie genommen wird zum „sozialen Lernen“ (!!!!! Was zum Teufel geht ab!!!)… und weiter wird freundlich skandinavisch gelächelt und ganz nette, leise Worte benutzt.
Auf dem Rückweg halten wir alle bei dem Sören oder Sven oder so (einem der Polizisten) und trinken noch nen guten Kaffee.

Warum ich das alles beschreibe:
Unter DEN Bedingungen und mit DER Power im Rücken… joa, da arbeite ich auch zu skandinavischen Löhnen! Also… Klappe zu mit dem selektiven framen, anderswo sei Bullerbü! Da ist Bullerbü, weil dahinter Stahlträger und Beton den Lehrer, die Schule und die normalen SuS schützen!

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Solche Sitten sollte man auch bei uns einführen. Aber offenbar scheitert das — wie immer — an irgendwelchen juristischen Formalien. Und was macht man, wenn die Eltern nicht kommen oder ihrerseits aggressiv werden?

Realo
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Je durchlässiger das deutsche Bildungssystem in Bezug auf Chancengleichheit ist, desto geringer scheinen die Ansprüche in Bezug auf Leistung zu sein. Schwierig hier die Mitte zu finden.
Meiner Meinung nach brauchen wir hier vor allem zwei Dinge: Zum einen mehr Personal um aus dem Feuerwehrmodus herauszukommen. Progression entsteht nicht durch ständiges Brandlöschen. Zum anderen brauchen wir aber eine andere Haltung. Konzepte ausprobieren, schnell umsetzen, auch wenn man später evtl. nachjustieren muss, mehr mit Kollegen zusammenarbeiten. Und nicht jedes Konzept passt überall gleich gut.
Auf die Wertschätzung von Außen würde ich erstmal pfeifen. Da wird sich so schnell wohl nicht viel ändern.

Thorsten Schröder
1 Monat zuvor
Antwortet  Realo

Vor allem kann man Wertschätzung nicht anordnen! Ob Appelle und Aufrufe etwas nützen, wenn die Leistung deutscher Schüler in den wichtigen Kulturtechniken Rechnen, Schreiben und Lesen immer weiter nachlässt, ist stark zu bezweifeln.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Realo

Die Realität (Menschen sind schlicht stark oder weniger stark im Kopf, ganz einfach) KANN man ausblenden. Auch Ergebnisse kann man sehr weit verzerren und zurechtbiegen. („Yeah, das Plansoll wurde übererfüllt, 195% aller SuS haben ein 0.4er-Abitur und sind hochbegabt! Unsere Schule ist die allerbeste Schule der Galaxie und klimaneutral!“)

Aber nicht die Konsequenzen davon, das zu tun.

Last edited 1 Monat zuvor by 447
Riesenzwerg
1 Monat zuvor

Cool – unsere können das nach sechs Jahren Schule (noch) nicht 🙂

gehtsnoch
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Dafür aber doch erste Englischkurse mit einer mindestens zweiten Sprache als Vorschulkind bereits ab vier Jahren.

Carsten60
1 Monat zuvor

Auch das gehört zu Singapur:
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/singapur-homosexualitaet-101.html
In Berlin jammert die GEW, wenn es nicht genug „queer“ in den Schulen gibt. Aber im Ausland wird ja immer alles anders beurteilt.