Ernst vergibt weitere Stipendien für künftige Landlehrer – 600 Euro monatlich

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Brandenburg setzt sein Stipendienprogramm für künftige Landlehrer fort: Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat am Montag in der Staatskanzlei nach der zweiten Ausschreibung 26 Stipendiaten begrüßt, die im Anschluss an ihr Lehramtsstudium an Schulen in den ländlichen Gebieten unterrichten wollen. Dafür erhalten sie frühestens ab dem 5. Fachsemester bis zum Ende der Regelstudienzeit monatlich 600 Euro und Fortbildungsangebote. In der ersten Runde waren vergangenen Herbst 23 Stipendien vergeben worden.

„Wichtiger Beitrag“: Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Foto: Axel Schön / Bildungsminsterium Brandenburg

Die angehenden Landlehrerinnen und -lehrer kamen in diesem Jahr aus allen ostdeutschen Bundesländern und Bayern, sie sollen nach dem Studium an Schulen in acht Landkreisen und drei kreisfreien Städten unterrichten. «Sie unterrichten an Schulen, die einen besonderen Bedarf an grundständig qualifizierten Lehrkräften haben», sagte Ernst. «Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für eine gute Schulbildung und gleiche Chancen im Land Brandenburg.» Die Stipendiaten verpflichten sich zu einer Lehrtätigkeit an der Schule, die mindestens der Dauer ihres Stipendiums entspricht. News4teachers / mit Material der dpa

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Fakten sind Hate
2 Monate zuvor

„Die Stipendiaten verpflichten sich zu einer Lehrtätigkeit an der Schule, die mindestens der Dauer ihres Stipendiums entspricht.“

Es wäre zusätzlich noch interessant zu wissen, ob das Land umgekehrt auch garantiert, dass die betroffenen Stipendiaten auch eine Lehrstelle erhalten. Ebenso, ob diese Stellen zur Vertretung oder als Planstellen angeboten werden.

Im letzten Fall sollte es den Stipendiaten klar sein, dass sie ohne Kündigung quasi nicht mehr von der Schule wegkommen.

Ansonsten kann man die 600Eueo auch als zinsloses Darlehen ansehen. Zumindest ist es günstiger als irgendwelche Studienkredite.

Con
2 Monate zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Hier in BrB bekommt jeder eine Stelle. Es ist fast egal, welche Ausbildung man hat und noch „egaler“ ist es, welche Fächer. Also eine Anstellung ist auf jeden Fall garantiert.

Wilhelm Taube
2 Monate zuvor

Dieses Stipendien-Programm mutet an wie eine Verzweiflungsmaßnahme. Brandenburg ist ein großes, unterbevölkertes Flächenland. Achtzig Prozent der Fläche können als Peripherie gelten. Attraktiv sind nur Potsdam, der Berliner Speckgürtel sowie Cottbus und Frankfurt/Oder als Hochschulstandorte. Warum meiden junge Akademiker (Ärzte, Lehrer usw.) seit Jahren die peripheren Landkreise? Weil diese Regionen geprägt sind von Abwanderung, Überalterung der Restbevölkerung, provinzieller Tristesse und Langeweile. Das durchschnittliche Bildungsniveau ist niedrig. Die jahrzehntelange Abwanderung hat zu einer Homogenisierung der Restbevölkerung „nach unten“ geführt. Man hat es dort mit einem kleinbürgerlich-bäuerlich-lumpenproletarischen Milieu zu tun („Bauerntrampel“, „Dorftrottel“). Es fehlt eine breite Schicht von bürgerlich Gebildeten.

Welcher Uni-Absolvent, der 40 Arbeitsjahre vor sich hat, läßt sich denn in einer strukturschwachen und perspektivlosen Region wie der Uckermark nieder? Dort und in anderen peripheren Regionen Brandenburgs gibt es gar keinen nennenswerten Heiratsmarkt für Akademiker. Eine junge Lehrerin, eine Frau mit Hochschulabschluß, bandelt nicht mit einem Traktorfahrer oder Hilfsarbeiter an. Hat man im Ministerium auch solche Aspekte im Blick? So ein Stipendien-Programm ist der falsche Ansatzpunkt, denn es ändert ja überhaupt nichts an den chronischen Strukturproblemen, die die Peripherie so unattraktiv machen! Diese Strukturprobleme müßte die Landesregierung endlich mal anpacken, und zwar ressortübergreifend.

Wilhelm Taube
2 Monate zuvor
Antwortet  Wilhelm Taube

Ein kurzer Nachtrag:

Auf der Homepage des Ministeriums in Potsdam findet man eine Liste der Schulen, die besonderen Bedarf an grundständig ausgebildeten Lehrkräften angemeldet haben und die den am Stipendium interessierten Studierenden als künftiger Arbeitsort vorgeschlagen wurden. Aufschlußreich ist dann der Abgleich mit der Liste derjenigen Schulen, die tatsächlich einen Stipendiaten für sich gewinnen konnten. Dabei zeigt sich: Die an der Ausschreibung beteiligten Schulen aus dem Landkreis Uckermark sind komplett leer ausgegangen, d.h. es gab keine Studierenden, die bereit sind, sich in diesem Landkreis niederzulassen. Und dabei gehört die Uckermark bekanntlich zu denjenigen Regionen Brandenburgs, die am schlimmsten vom Lehrermangel betroffen sind. Das sollte den Leuten im Ministerium zu denken geben.

Der Landkreis Uckermark hat heute 50.000 Einwohner weniger als 1990. Über Jahrzehnte hat man die Abwanderung laufen lassen, ohne sich über die verheerenden Langzeitfolgen Gedanken zu machen. In den 90er Jahren, in der Krisenzeit nach der Wiedervereinigung, sind ganze Abiturjahrgänge aus der Uckermark „geflohen“. Keine Stadt, keine Region wird durch dauerhafte Abwanderung attraktiver. So etwas gibt es gar nicht! Und jetzt wundert man sich in Potsdam darüber, daß gut ausgebildete junge Menschen einen großen Bogen um die Abwanderungs- und Schrumpfungsregionen an der Peripherie machen.