Bildungsministerin will (hohe) Abbruchquote im Lehramts-Studium verringern

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KIEL. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien will mit einem neuen Maßnahmenpaket für mehr Lehrkräftenachwuchs sorgen. Dabei stehen vor allem die Studierenden und die «Bedarfskreise» im Fokus – also Regionen, in denen der Lehrkräftemangel besonders groß ist.

«Immer wieder überprüfen, welche Maßnahmen funktionieren»: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien. Foto: Bildungsministerium Schleswig-Holstein

Die Schleswig-Holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat ein weiteres Maßnahmen-Paket zur Gewinnung von Lehrkräftenachwuchs vorgestellt. «Die Gewinnung von Fachkräften für unser Bildungssystem ist eines der größten und komplexesten bildungspolitischen Vorhaben für unser Land», sagte die Ministerin am Dienstag in Kiel. Daher solle sich bei den Maßnahmen breit aufgestellt werden.

So seien in dem von der Allianz für Lehrkräftebildung, dem Bildungsministerium, dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH) und dem Schleswig-Holsteinischen Institut für Berufliche Bildung (SHIBB) erarbeiteten Paket insgesamt 17 Maßnahmen enthalten. Der Fokus liege dabei auf drei Themenbereichen: «Gemeinsam mit den lehramtsbildenden Hochschulen und der Allianz für Lehrkräftebildung setzen wir auf die Steigerung der Attraktivität des Lehramtsstudiums, der Verminderung von Fehlern bei der Studienwahl und der Verbesserung des Studienerfolgs», betonte Prien.

Da die Studierendenzahlen derzeit zurückgingen, sei es besonders notwendig, die Abbruchquoten im Studium zu verringern und die Menschen bei der Studienwahl richtig zu beraten. «Wichtig ist nicht nur, dass die jungen Menschen ein Lehramtsstudium aufnehmen, sondern auch, dass sie gut beraten sind und das richtige Studium mit den richtigen Fächern beginnen», so die Kultusministerin.

Doch nicht nur die Studierenden sollen mit den Maßnahmen in den Blick genommen werden, sondern auch die Lehrkräfte. Dafür solle der Fokus auf den Bedarfskreisen wie etwa Kreis Steinburg, Segeberg oder Herzogtum Lauenburg liegen, in denen der Lehrkräftemangel besonders hoch sei. Um dort neue Lehrerinnen und Lehrer hinzulocken, sollen laut Prien Zuschläge gezahlt und die verpflichtende Verbleibedauer von fünf auf drei Jahre gesenkt werden.

Die Maßnahmen aus den ersten beiden Paketen zur Lehrkräftegewinnung seien bereits weitestgehend umgesetzt worden. Dabei würden die vorgestellten Maßnahmen immer kleinteiliger, weil immer stärker dort nachgesteuert werde, wo Bedarfe seien. Dies ändert sich Prien zufolge auch beim dritten Paket nicht: «Wir müssen immer wieder überprüfen, welche Maßnahmen funktionieren und was die konkreten Herausforderungen in den Schulen sind.» News4teachers / mit Material der dpa

Alarmierende Statistik: Lehramtsstudium nicht mehr erste Wahl

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4 Kommentare
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Der Zauberlehrling
2 Monate zuvor

„Zum einen soll das Lehramt-Studium attraktiver gemacht “

haben – machen – tun. Da zeigt sich der Verfall der Bildung. „gestaltet“? Ein Ansatzpunkt.

Das Studium soll attraktiver werden. Der Weg ist nicht das Ziel. Die Ausübung des Berufs muss so begleitet werden, dass es dessen Ergreifung nicht zu einem Fehlgriff wird.

„und zum anderen Fehler bei der Studienwahl vermieden werden.“

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob das Herz zum Herzen findet. https://studiengaenge.zeit.de/sit
Augen auf bei der Berufswahl – Augen auf bei der Fächerwahl.

„Darüber hinaus wolle man dafür sorgen, dass weniger angehende Lehrkräfte ihr Studium abbrechen. Letzteres scheint vor allem mit dem Fach Mathematik in Verbindung zu stehen. “

„Der junge Student sieht sich am Beginn seines Studiums vor Probleme gestellt, an denen ihn nichts mehr an das erinnert, womit er sich bisher beschäftigt hat, und natürlich vergisst er daher alle diese Dinge rasch und gründlich. Tritt er aber nach Absolvierung des Studiums ins Lehramt über, so muss er eben diese herkömmliche Elementarmathematik schulmäßig unterrichten, und da er diese Aufgabe kaum selbstständig mit der Hochschulmathematik in Zusammenhang bringen kann, so nimmt er bald die althergebrachte Unterrichtstradition auf, und das Hochschulstudium bleibt ihm nur eine mehr oder minder angenehme Erinnerung, die auf seinen Unterricht keinen Einfluss hat.“

– Felix Klein: Elementarmathematik vom höheren Standpunkte aus (1908).

Alte Weisheiten, wahre Worte. Keine Lösung seit 1908.

Mathematik kann halt nicht jeder. Universitäre Mathematik ist nicht die Fortsetzung der Schulmathematik (mit ihrem Pseudo-Anwendungsbezügen und Algebra-Vermeidungsstrategien, bestimmt durch Didaktiker und solche, die sich die Kompetenzorientierung im Joint reingezogen haben). Mathematik ist aber erlernbar. Diejenigen, welche die Beweise verstehen gehen in die freie Wirtschaft und verdienen ordentlich Geld. Diejenigen, welche die Beweise abschreiben, gehen später in die Schule. Blöder Spruch. Musste ich mir auch anhören. Ist da was dran?

„Durch Ausweisung von zwei Profilen – Mathematik an Grundschulen und an weiterführenden Schulen – würden die Lehrveranstaltungen in den ersten vier Semestern an den unterschiedlichen Anforderungen der Schulformen ausgerichtet, so Prien weiter. Dieses Vorhaben dürfte besonders im Grundschullehramt für Zuwachs sorgen – und hier will das Ministerium weitere Anreize schaffen.“

Ausrichtung am Bedarf und an der Schulart ist eine gute Idee. Aber dabei immer den Blick über den Tellerrand nicht vergessen. Wir hatten die Diskussion erst unter einem anderen Artikel – nur eine Stunde voraus nutzt niemandem etwas, schon gar nicht dem Schüler. Auch der Grundsschullehrer sollte seine Aussagen hinterfragen und beweisen können.

Der Niveau-Limbo geht fröhlich weiter.

Wer nur bis zur Klasse 4 denken kann, wird auf die Klasse 5 nicht vorbereiten können.

Das stelle ich mal als These auf! Lässt sich aber auf jeden Abschluss übertragen.

Die Opposition sieht das Programm nicht als großen Wurf, hat aber selbst keine besseren Ideen. Erst kritisieren, wenn man es wirklich besser kann. Klappe aufreißen kann jeder.

DerechteNorden
2 Monate zuvor

Frau Prien hat also offensichtlich die Ergebnisse des letzten Schulbarometers noch nicht zur Kenntnis genommen.
Wundert mich jetzt auch nicht wirklich.
Es gilt, die Bedingungen an den Schulen zu verbessern, Frau Prien und alle anderen Bildungspolitiker*innen!

Pit2020
2 Monate zuvor

„Da die Studierendenzahlen derzeit zurückgingen, sei es besonders notwendig, die Abbruchquoten im Studium zu verringern und die Menschen bei der Studienwahl richtig zu beraten. «Wichtig ist nicht nur, dass die jungen Menschen ein Lehramtsstudium aufnehmen, sondern auch, dass sie gut beraten sind und das richtige Studium mit den richtigen Fächern beginnen», so die Kultusministerin.“

Ach ach ach!!!
Was soll das ganze Palaver?!
Abbruch schon bei der Einschreibung ins Studium ganz einfach VERBIETEN und per Unterschrift von den ahnungslosen Studienanfängern unter dem „besonders Kleingedruckten“ bestätigen lassen.
ZACK!!!
ERLEDIGT!!!
Und: Schon wieder kostenneutral! … SO geht Erfolg. 😉

Hans Malz
2 Monate zuvor
Antwortet  Pit2020

Wie früher in der Seefahrt … wer unvorsichtigerweise besoffen vor der Kneipe rumlungert wird shanghait. Und schwupps ist man Lehrer und Beamter und kommt da nicht mehr raus.