„Völlig unreif“: Schüler zeigen Hitlergruß auf Auschwitz-Fahrt – Staatsschutz ermittelt

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HANNOVER. Jugendliche wollen die Gedenkstätte im ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz besuchen – und posten vorab ein Video mit Hitlergruß. Sie sollen dabei betrunken gewesen sein. Jetzt interessiert sich der Staatsschutz für den Vorfall.

Eine alte Frau und drei Kinder auf dem Weg in die Gaskammern in Auschwitz-Birkenau (Mai 1944) – Aufnahme aus dem „Auschwitz-Album“, das nach Kriegsende entdeckt wurde und Aufnahmen enthält, die von SS-Angehörigen gemacht wurden. Foto: Bundesarchiv / Wikimedia Commons

Ein Video mit Hitlergruß vor einem Besuch der Gedenkstätte im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz hat für fünf Schüler aus Laatzen bei Hannover möglicherweise Folgen – der Staatsschutz ermittelt. Der Vorfall sowie die verdächtigen Heranwachsenden seien dem Staatsschutz bekannt, es werde wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt, teilte die Polizei am Montag mit. Weitere Details wollte die Behörde aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Der Schulleiter bestätigte den Vorfall ebenfalls. Die 17-Jährigen hätten «völlig unreif gehandelt», betonte er. Die Schule ordnete Ordnungsmaßnahmen gegen die fünf Jugendlichen an.

Mitte Mai hatten insgesamt 13 Teilnehmer eines Kurses mit ihren Lehrern eine Fahrt ins polnische Krakau unternommen, um die jüdische Geschichte der Stadt zu erforschen, wie Medien berichteten. Auch ein Besuch des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz im damals besetzten Polen stand auf dem Programm.

Am Vorabend des Besuchs in dem Lager sei es zu dem Vorfall gekommen, sagte der Schulleiter der«Hannoverschen Allgemeinen Zeitung». Demnach sahen die Schüler sich Internetvideos unter anderem mit einer Rede Adolf Hitlers an. Vor diesem Hintergrund filmte einer der Zimmergenossen seine offensichtlich angetrunkenen vier Mitschüler, während diese einen Hitlergruß zeigten. Das Acht-Sekunden-Video wurde dann im sozialen Netzwerk Snapchat gepostet. Bekannt wurde dies erst nach der Rückkehr der Gruppe.

«Wir sind natürlich erschüttert und entsetzt», sagte der Schulleiter der Zeitung. «Das ist ein absolut unreifes Verhalten – zumal wir wissen, dass dies nicht der Gesinnung der Schüler entspricht.» Auf dem Video sei zu hören, dass einer der Schüler eine Veröffentlichung noch habe verhindern wollen, es sei aber zu spät gewesen. «Es ist kein bewusst nach außen getragenes politisches Zeichen, aber verhängnisvoll und unreif», sagte er.

Die fünf Jugendlichen sind den Angaben zufolge nach Bekanntwerden des Videos zunächst vom Unterricht suspendiert, die Polizei sei informiert worden. Wenige Tage später hätten die Schüler sich vor den unterrichtenden Lehrern sowie Eltern- und Schülervertretern verantworten müssen. Laut Schulleiter zeigten die 17-Jährigen Reue und entschuldigten sich. Sie müssen sich nun ausführlich in einem Projekt mit der NS-Zeit auseinandersetzen.

Dem Bericht zufolge bemüht sich die Schule seit Jahren darum, die Schülerinnen und Schüler über die Verbrechen der NS-Zeit aufzuklären. Die Schule pflege die Erinnerungskultur, betonte der Schulleiter. News4teachers / mit Material der dpa

Gedenkstättenleiter: Antisemitische Provokationen von Schülern sind keine „dummen Jugendstreiche“ – anzeigen!

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Ulrika
22 Tage zuvor

Und der Schulleiter macht es nur noch schlimmer!
Ein Oberstufenkurs, eine mit Sicherheit inhaltlich und was Verhalten angeht vorbereitete Fahrt, 17- jährige, das kann man nicht mehr mit Unreife entschuldigen. Im Rahmen einer Studienfahrt nach Auschwitz verbietet sich dazu jedweder Alkoholkonsum, gar betrunken zu sein.

Hier braucht eskeine schulischen Maßnahmen, kein Dududu, war ein Dimmer-Jungen- Streich, was alles wieder zukleistern und schönreden kann.
Hier müssen Anklage, Prozess und Gerichtsurteil erfolgen. Nichts sonst!

David
21 Tage zuvor
Antwortet  Ulrika

Unbedingt würden Sie das natürlich uch fordern, wenn das Ihre Kinder wären, nicht wahr? Und wehe, es gibt nicht mindestens eine mehrjährige Gefängnisstrafe! Dann darf man sich schon wundern, ob die Demokratie kaputt ist.

potschemutschka
21 Tage zuvor
Antwortet  David

@David
Wir waren auch mal jung und haben „Dummheiten“ gemacht und Erwachsene auch mal provoziert. Aber so unreif waren wir in dem Alter dann doch nicht. Für gewisse Dummheiten meiner Kinder hatte ich auch zum Teil Verständnis, da gab es dann ab und zumal eine Ansage und gut war´s. Hätten sich meine Kinder oder würden sich meine Enkel allerdings so ein Ding erlauben – dann würden wir uns zuallererst mal fragen, wo wir als Eltern versagt haben, mit den „Kindern“ reden und unsere Haltung noch mal klar machen und würden auch härtere Strafen akzeptieren. „Gruppenzwang“, Alkohol oder so, hin oder her, wir heben unsere Kinder so erzogen, dass sie Grenzen kennen. So etwas geht gar nicht und da gibt es mMn. keine Entschuldigung, schon gar nicht für 17jährige, die schon teilweise wahlberechtigt sind.

Ulrika
21 Tage zuvor
Antwortet  David

Ja. Vor allem würde ich mich gehörig selbst hinterfragen!

Ulrika
21 Tage zuvor
Antwortet  David

Was die Strafe angeht- da ist das Jugendstrafrecht eindeutig. Es gäbe mit Sicherheit keine Haftstrafen, schon gar keine mehrjährige. Sie müssen nicht so polemisch unterstellen.
Insbesondere das Jugendstrafrecht hat eine andere Intention als Vergeltung, Rache oder Populismus.

RainerZufall
21 Tage zuvor
Antwortet  Ulrika

Mit 17 und Schulpflicht könnte man doch eben diese Unreife annehmen.

Also, mal wieder: Alter für das Strafmaß absenken! Dann werden sie plötzlich reif und können bestraft und müssen nicht erzogen / gebildet werden 😉

Caro
22 Tage zuvor

Liebe Redaktion,
kurze Anmerkung zur Bildunterschrift:
Ob die Frau alt ist oder nicht, sei dahingestellt. Wenn sie die Mutter der kleinen Kinder ist, ist sie es vermutlich nicht. Umso schlimmer ihre Körperhaltung!
Was dieses Bild aber noch grauenhafter macht, ist die Tatsache, dass sie nicht mit drei Kindern, sondern mit vier unterwegs ist. Sie trägt noch ein Baby auf dem Arm, von dem man die rechte Hand sieht.

Riesenlob nach Dresden!
22 Tage zuvor
Antwortet  Caro

Da steht „eine Frau mit drei Kindern“. Da steht keine Info zu den Familienverhältnissen. Und ob sie ein weiteres Kind trägt, ist auch nicht wirklich zielführend. Was soll die ganze Einlassung?

Biene
21 Tage zuvor
Antwortet  Caro

Es ist der Titel des Bildes, das laut Unterschrift aus einem Album entnommen worden ist, das wiederum in Auschwitz ist.

Johann Friedrich H.
21 Tage zuvor

Selbst „Vorzeige-Schulen“, wie die Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe sind von solchen Aktionen betroffen, jeder weiß, was ein „Hitlergruß“ bedeutet. Hier bitte keine falsch verstandene Toleranz.

RainerZufall
21 Tage zuvor

Beschämend! Aber in dreißig Jahren könnten eben diese Jugendlichen bzw. deren Brüder es zum Fize-Ministerpräsidenten schaffen (Umzug in ein anderes Bundesland empfohlen)