HANNOVER. Weniger Strafen, mehr Hilfe: SPD und Grüne fordern einen neuen Umgang mit Dauer-Schulschwänzern an Niedersachsens Schulen. Die CDU ist skeptisch.

Schulschwänzer sollen in Niedersachsen nach Willen von SPD und Grünen mehr Unterstützung statt Strafen bekommen. «Es muss unser Anspruch sein, den fehlenden Kindern in der Schule und den Jugendlichen die Hand zu reichen», sagte der Grünen-Abgeordnete Pascal Mennen im Landtag.
Wenn Schülerinnen und Schüler wiederholt nicht zur Schule gingen, liege das meist nicht daran, dass sie darauf keine Lust hätten. Vielmehr gebe es vielfältige Gründe dafür, etwa psychische Belastungen, Angststörungen, Depressionen, Mobbing oder familiäre Krisen. Als Lehrer habe er solche Krisen selbst begleitet, sagte Mennen. «Ein Schüler, der erst aufhörte zu reden und dann nicht mehr zur Schule kam, nachdem er mit ansehen musste, wie seine Mutter an einer Überdosis stirbt. Ein anderer, bei dem sich zu Hause niemand interessierte, wo er sich den Tag über aufhält.» Diese Menschen brauchten vor allem Unterstützung und keine Bestrafung.
Die bisherige Praxis mit Bußgeldern und Jugendarrest wollen die Regierungsfraktionen von Rot-Grün daher zurückfahren. «Unser Ziel ist, gut zu betreuen, statt einzusperren, präventiv zu handeln, statt Probleme weiter zu verschärfen», sagte Mennen.
In der Opposition stößt der Ansatz aber auf Kritik. Der CDU-Abgeordnete Karl-Ludwig von Danwitz sagte: «Ich bin auch der Meinung, dass Wegsperren nicht die Lösung ist. Aber die Abschaffung ist ein falsches Signal, denn es muss doch wenigstens die Möglichkeit geben, spürbare Sanktionen gegen diejenigen zu verhängen, die sich nicht an unsere Spielregeln unserer Gesellschaft halten.»
Mit einer Reform des Schulgesetzes hat der Landtag bereits am Dienstag beschlossen, dass Verstöße gegen die Schulpflicht nur noch bei volljährigen Schülerinnen und Schülern als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Stattdessen wollen SPD und Grüne die Jugendhilfe und Sozialarbeit stärken. Dem Kommunalbericht des Landesrechnungshofs zufolge wurden wegen Schulpflichtverletzungen in den Jahren 2019 bis 2022 von den geprüften Kommunen insgesamt fast 3.200 Bußgeldbescheide gegen Schülerinnen und Schüler erlassen. Davon wurden knapp 500 in Jugendarrest umgewandelt. News4teachers / mit Material der dpa










Das liegt auch an Schimmel in den Zimmern, dreckig Toiletten, heißen oder kalten Räumen, beton Pausenhöfen und furchtbarem Essen.
Wird daran auch was geändert?
Mehr Schulsozialarbeit ist super, aber das reicht nicht!
Die Art der Sozialarbeit muss zu den individuellen Schulschwänzern passen. Beim aktuellen Stil, der erst einmal auf dududu basiert, habe ich Zweifel, weil der von vielen Schwänzern, insbesondere Teilen der Jungen unter ihnen, nicht ernst genommen wird.
Sorry, aber wer die Schule schwäntzt, nur weil der Schulhof nicht so hübsch ist, dass Mensaessen nicht gut und die Toiletten veraltet und die Räume zu heiß oder kalt, der ist ja wohl ein bisschen zu sehr verwöhnt und von der Realität abgehoben. Klar, wäre es schön, wenn diese Dinge verbessert werden würden, aber das ist doch noch lange kein Grund um die Schule zu schwäntzen. Wer nicht in die Mensa will, kann selbst Essen mitbringen oder als älterer Schüler zum Becker/Supermarkt/Pizzeria etc. gehen. Es gibt immer noch Familien, die sich das Mensaessen schlicht nicht leisten können und deren Kinder gehen auch zur Schule (auch in der Hoffung, mit einer guten Ausbildung sich sowas für die nächste Generation leisten zu können). Wer Teil der Gesellschaft sein will und von ihr profitieren will, der muss auch etwas dafür tun und Schule schwäntzen ist ja wohl das Gegenteil davon. Es gibt durchaus gute Argumente um mal einen einzelnen Tag oder einzelne Stunden zu schwänzen z.B. wenn man von 8 – 18 Uhr Unterricht, ohne längere Mittagspause hat und dann noch Hausaufgaben für den Folgetag erledigen muss. Aber im Artikel geht es um Leute, die regelmäßig und in viel größerem Ausmaß schwäntzen. Das wird wohl kaum Jemand machen, weil das Gebäude nicht schön genug ist. Schulsozialarbeit dürfte da eher der Schlüssel zum Erfolg sein. Klar, dass Gebäude sollte auch nicht schimmeln und es sollte da nicht reinregenen (Gesundheitsgefahr und Folgeschäden verhindern), aber der Rest ist ja eher nice to have.
Gute Idee, aber wer betreut denn dann ‚mehr‘? ‚Wollen die Jugendhilfe stärken‘ – ist da nicht ein winziger Fehler in der Reihenfolge, müsste dieses Stärken nicht zuerst kommen? Es ist ja schön, mit mehr Hilfe und weniger Strafandrohung zu planen, aber ohne vorhandene Ressourcen für diese Hilfe wird nur ‚wir machen erst einmal nichts mehr‘ daraus. Am Ende reicht niemand die hilfreiche Hand, weil niemand da ist, Schulen dürfen diese Hilfen dann irgendwie übernehmen und sich deren Scheitern vorwerfen lassen. Natürlich aus vorhandenen ‚Mitteln‘ (man nennt sie auch Personal), natürlich weitgehend ohne dass es daneben noch unangenehmere Folgen gibt. Die Idee, dass es nur Hilfsangebote geben muss ist gut gemeint, aber nach meiner Erfahrung naiv, denn es ist leider nicht immer einer der genannten ‚vielfältigen Gründe‘.
Ich halte gar nichts von Strafen. Das ist der vermeintlich einfachste, aber ich glaube sinnloseste Weg. Wie viele der „Schwänzer“ haben denn einfach nur kein Bock? Ich vermute, die meisten der Dauerschwänzer haben starke Gründe: familiäre Probleme, psychische Probleme, Neurodivergens ( und daraus resultierende Probleme mit schulischen Rahmenbedingungen), Angst, Mobbing, etc. Da braucht es eher die Frage, wie muss das System geändert werden, damit alle damit klar kommen können, wenn Schule schon Pflicht ist.
Hilfe anstelle von Strafe ist für mich eher das Minimum.