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Immer mehr Schulschwänzer – aber Kultusministerium tappt im Dunkeln

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MÜNCHEN. Mehr Anzeigen, mehr Bußgelder wegen Schulschwänzens in mehreren Städten – aber das bayerische Kultusministerium tappt im Dunkeln. Es kennt weder Zahlen noch untersucht es die Ursachen. Dafür seien Schulen und Schulaufsicht zuständig, heißt es. Reicht das?

Keine Ahnung. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Trotz einer hohen und teils steigenden Zahl von Schulschwänzern gibt es dazu in Bayern keine zentral gesammelten Daten. «Die Erfassung unentschuldigter wie entschuldigter Fehlzeiten liegt im Verantwortungsbereich der jeweiligen Schulen», teilte das Kultusministerium auf Anfrage mit.

Die Schulen könnten sich an die zuständigen Schulaufsichtsbehörden sowie Kreisverwaltungsbehörden wenden, etwa bei einer Ordnungswidrigkeit oder der Beantragung von Schulzwang. «Dieses Verfahren hat sich in Bayern bewährt. Von einem zentralen Meldeverfahren wird – auch in Anbetracht eines zu erwartenden, nicht unerheblichen Verwaltungsaufwands für die Schulen – abgesehen.»

Mehr Bußgeldverfahren

Die «Bayerische Staatszeitung» hatte berichtet, dass allein in der Landeshauptstadt München im vergangenen Jahr 2.844 Bußgeldverfahren eingeleitet wurden, fast 100 mehr als im Vorjahr. Am Ende seien 2.128 Bußgeldbescheide verhängt worden. Dabei seien insgesamt 623.877 Euro fällig geworden. Je nach Verstoß sind Bußgelder zwischen 5 und 1.000 Euro möglich. An Gymnasien oder Wirtschaftsschulen habe es kaum Anzeigen gegeben, dafür aber massenhaft an Berufsschulen (1.179 Anzeigen), Mittelschulen (812), Grundschulen (624) und Förderschulen (136), schreibt die Zeitung.

Auch im Landkreis München habe die Zahl der Verfahren zugenommen: von 71 Fällen im Jahr 2022 auf 247 Fälle im vergangenen Jahr. Ähnlich in Nürnberg: Im vergangenen Jahr gab es 1.848 Anzeigen, im Jahr 2024 waren es noch 1.529. Zu den Gründen hätten die Kommunen wenig sagen können, es fehle an Datenmaterial, schrieb die «Bayerische Staatszeitung» weiter.

Bußgelder bringen Schüler nicht in die Schule

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Nicole Bäumler, mahnte ein zentrales Monitoring für das Schulschwänzen an. «Bußgelder bringen Kinder und Jugendliche, die Angst oder Überforderung erleben, nicht zurück in die Schule.» Es brauche mehr Schulpsychologinnen und Schulsozialarbeiter – «und vor allem ein Bildungssystem, das Schülerinnen und Schüler nicht abschreckt, sondern willkommen heißt».

Keine konkreten Erkenntnisse zu den Gründen

Das Kultusministerium konnte zu den Gründen für Schuleschwänzen keine konkreten Angaben machen. Das Ministerium erhebe keine statistischen Daten über konkrete Abwesenheitsgründe von Schülerinnen und Schülern. Auch zu der Frage, ob die Zahl vorsätzlicher Schulpflichtverletzungen in den vergangenen Jahren gestiegen sei, könnten somit keine belastbaren Aussagen gemacht werden.

Aus pädagogischer und psychologischer Sicht bedürfe es einer differenzierten Betrachtung, warum Schülerinnen und Schüler die Schule nicht besuchten, etwa aus Schulangst, Schulphobie oder wegen eines zurückhaltenden Verhaltens der Erziehungsberechtigten, erläuterte das Ministerium.

Dazu ergriffen die Schulleitungen die nötigen Maßnahmen, unter Umständen die Einbeziehung von Schulpsychologen, Beratungslehrkräften oder Jugendhilfeträgern. Greife dies nicht, melde die Schule das der Kreisverwaltungsbehörde – die dies mit einem Bußgeld ahnden könne. Als letztes Mittel komme – in der Praxis sehr selten – der Schulzwang in Betracht.

Für die Schulen vor Ort stünden mehr als 1.800 Beratungslehrkräfte und mehr als 1.100 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen zur Verfügung. Zudem könnten die neun Staatlichen Schulberatungsstellen in Bayern kontaktiert werden. News4teachers / mit Material der dpa

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8 Kommentare
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Katze
13 Tage zuvor

Böse Zungen würden munkeln,
nicht nur der Kumi Bayerns tappt im Dunkeln.
Immer mehr Schüler fehlen Stunde um Stunde,
ist für’s Schland wahrlich keine gute Kunde.
In den Klassenlisten immer mehr Lücken,
wen soll’n wir noch mit Kompetenzen bestücken.
Klar ist, wer sie trägt, die Schuld,
die lernbegleitenden Coaches ohne Geduld.
Man hofft auf Konzepte, doch findet nur Fragen,
wie können sich die Dienstleister nur beklagen.
Und während die Schulen um Lösungen ringen,
die Elfenbeintürmler ihr „Macht mal“-Liedlein singen.
Man spricht von Strategien und liefert nur Phrasen,
bekannt als heiße Blabla‑Blubber‑Blasen.
Die Basis kämpft weiter, doch oben bleibt’s still,
weil keiner so recht entscheiden will.
Man prüft und vertagt, doch es ändert sich kaum,
die Misere wächst weiter, nicht nur im Alpenraum.
Und während die Basis nach Klarheit schreit,
verliert sich der Überbau in leerer Betriebsamkeit.
So dreht sich das Karussell der Zuständigkeit
– ein endloses Spiel der Belanglosigkeit.

447
12 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Doch Hoffnung besteht,
man glaubt es kaum,
tief hängt die Frucht am roten Baum,
diese wird halt grün serviert
als Bildungsapfelschnitz deklariert.

Wir steigern einfach die Gefühle
und setzen so richtig auf Emotion,
wenn es keiner weiß und jeder macht mit…
dann ist sie perfekt, die Verantwortungsdiffusion!

Wer meckert der streut “Politikerhass”,
ist “Wissenschaftsfeind” und macht “Delegitimation”,
die Wörter sie stehen alle bereit,
expertenbewehrt in die neue Zeit!

Bis zwo-fünfundreissisch,
da wackelt der Thron,
da steppt der Bär,
das lohnt sich schon!

Die einen kriegen Beförderungsstellen,
manche moderaten den change,
für sehr viel Geld
nun bleibt das Problem,
was machen wir nur,
wenn das doch wem nicht gefällt?

Hier hilft ein Bildungsrat uns weiter,
da wird schon richtig moderiert,
ein spaßorientiertes “learning system”,
das sich wie die “Reise nach Rom” geriert:

Wichtig ist hier,
wer hat den Stuhl ?
Wer sitzt im warmen Sessel bequem,
wer muss bei diesem Taschenspieltrick
vorne vor der Menge stehn?

Da denkt man sich: Sei es auch drum,
Lehrlein, bleib doch nicht dumm,
erkenne was die Stunde schlägt,
bereite vor ein Bratgerät!

In diesen Bräter, da kommt rein:
Einmal Schulrecht, extraklein,
ein großer Schuß vom guten “Nein”,
nur drei Gramm “Kinderaugen, leuchtend”,
gerne extra Hitzefrei –
und neunzig Prozent Aletebrei!

Mit dieser Schonkost, das steht fest,
ist es wie beim klugen Menschen,
der dummes Zeug halt bleiben lässt:

Es schon die Nerven,
stärket die Statur,
und gestaltet wirklich lohnend
den Blick auf die Schuluhr.

Katze
12 Tage zuvor
Antwortet  447

Lehrerlein hat längst erkannt, was die Stunde schlägt.
Auf vollen Touren läuft sein Easy-Peasy-Bratgerät.
Scheißegal, ob sie ihm braten einen Storch, zum Aletebrei tut’s auch ein Lurch.
Ein großer Schuß vom gutem Wein,
schon steppt der Bär, muss auch mal sein.
Lehrerlein hat die Gunst der Stunde längst begriffen,
weil Spatzen es sehr lange von den Dächern pfiffen.
So und als gutes Bio-Lehrerlein
fügte ich hier viele Tiere ein.
Bald auch der Letzte noch begreift,
auch wenn er’s glaubt – sein Schwein nicht pfeift.

Realist
13 Tage zuvor

Fehlzeiten rechtssicher zu dokumentieren ist ein ungeheurer Verwaltungsaufwand. Es reicht ja schon, wenn ein Kollege oder eine Kollegin die fehlende Anwesenheit nicht dokumentiert. Und schon kann man nicht mehr nachweisen, dass der Schüler den ganzen Tag gefehlt hat.

IT-Lösungen außerhalb des elektonischen Klassenbuchs (das von Lehrkräften ja noch “händisch” ausgefüllt werden muss) wären zwar möglich, aber dann schreit die ganze Republik wieder “Datenschutz!”.

Vielleicht sollten wir einfach Palantiir mit der Aufgabe betrauen. Die genießen ja bei vielen Landesregfierungen höchstes Ansehen…

Wasnochalles
12 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Nein. Nicht die ganze Republik schreit “Datenschutz”. “Datenschutz” rufen meist nur die Lehrer. Vielleicht kommt das Echo zurück.

HarneEinrichson
11 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Man könnte auch Zuckerberg oder Musk fragen, die wissen sicher wo die Kinder wann waren und was sie sich angesehen haben

Mika BB
11 Tage zuvor
Antwortet  HarneEinrichson

😉

Susanne M.
7 Tage zuvor