Start Leben Hantavirus-Infektionen: “Nicht der Beginn einer Pandemie” – Experten geben Entwarnung

Hantavirus-Infektionen: “Nicht der Beginn einer Pandemie” – Experten geben Entwarnung

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BERLIN. Passagiere des Kreuzfahrtschiffs «Hondius» kehren nach Deutschland und andere Länder zurück. Ist eine Verbreitung des auf dem Schiff aufgetretenen Hantavirus-Typs zu befürchten? Experten entwarnen.

Unter Quarantäne: die Hondius. Foto: Foto: Stefan Brending, Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

Die Passagiere des Kreuzfahrtschiffs «Hondius» sollen von Teneriffa aus in ihre Heimatländer geflogen werden. Wie gefährlich ist der auf dem Schiff aufgetretene Typ des Hantavirus und was ist nun zu beachten?

Was ist das Besondere am Andesvirus? Die verschiedenen Typen von Hantaviren in Deutschland werden meist durch Staub übertragen, der mit Ausscheidungen von Nagetieren kontaminiert ist. Ein großer Teil der Infektionen verläuft laut Robert Koch-Institut (RKI) symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen. Die Viren können aber auch mit Blutungen einhergehendes Fieber und Nierenschäden auslösen. Bei dem am häufigsten auftretenden Virustyp in Deutschland sterben laut RKI deutlich unter 0,1 Prozent der Erkrankten, bei einer selteneren Variante seien es 0,3 bis 0,9 Prozent. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gebe es bei diesen Virentypen nicht.

Die Zahl der bundesweit übermittelten Hantavirus-Erkrankungen variiert laut RKI von Jahr zu Jahr sehr stark. Die durchschnittliche jährliche Zahl der Neuerkrankungen lag demnach zwischen 2010 und 2019 bei 1,3 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius» ist ein anderer Hantavirus-Typ aufgetreten: das südamerikanische Andesvirus. «Es ist das einzige Hantavirus, bei dem begrenzte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen überzeugend beschrieben wurden», sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg. Dabei scheint enger und längerer Kontakt zu Erkrankten entscheidend zu sein, «insbesondere im häuslichen Umfeld, bei Paaren, Familienangehörigen oder bei pflegerischer beziehungsweise medizinischer Versorgung».

«Das Hantavirus ist primär eine Umweltinfektion, und selbst in seltenen Fällen der Übertragung von Mensch zu Mensch verhält es sich nicht wie ein hoch ansteckendes Atemwegsvirus», betonte Scott Weaver von der University of Texas Medical Branch (USA). Das Andesvirus gehört zu einer Gruppe von Hantaviren, deren Infektion etwa zu Übelkeit, Erbrechen, Husten, einer Lungenerkrankung und zum Tod führen kann.

Nach RKI-Angaben gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie gegen Hantaviren. Es können aber Symptome behandelt werden.

Wie hoch ist die Gefahr einer Ausbreitung in Europa? Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch Passagiere käme, die vom Schiff evakuiert wurden, sei das Virus nicht leicht weiter übertragbar, «sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme», berichtete auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus infolge des Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff «ist sehr gering».

Hinzu kommt: Das natürliche Reservoir der Andesviren, die Reisratte Oligoryzomys longicaudatus, sei in Europa nicht vorhanden. «Deshalb ist nicht davon auszugehen, dass das Virus in die Nagetierpopulation eingeschleppt wird und es in Europa zu einer Übertragung von Nagetieren auf Menschen kommt», sagte ECDC-Experte Thomas Hofmann.

«Die Kombination aus Isolation, Kontaktverfolgung und medizinischer Überwachung dürfte das Geschehen vergleichsweise gut kontrollierbar machen», sagte Mikrobiologe Roman Wölfel von der Universität der Bundeswehr in München. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums befindet sich an Bord des Schiffs eine mittlere einstellige Zahl von Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit.

Was ist zu tun? Um mögliche Übertragungen von Mensch zu Mensch zu vermeiden, empfiehlt die EU-Gesundheitsbehörde Kontroll- und Vorbeugungsmaßnahmen: Menschen mit möglichen Symptomen sollten sich Blut- oder PCR-Tests unterziehen. «Negative Testergebnisse können aber eine Infektion und anschließende Virusausscheidung nicht ausschließen», sagte ECDC-Experte Hofmann.

Auch der reine Blick auf die Inkubationszeit reiche nicht aus: Diese beträgt laut ECDC in der Regel zwei Wochen, könne aber zwischen sieben Tagen und sechs Wochen schwanken. Deshalb gelte es auch nach Wochen noch, wachsam zu bleiben, so Hofmann – und sich nicht an einem reinen Zeitraum zu orientieren, sondern etwa auch an Symptomen und Testergebnissen.

Das RKI schreibt in einer Handreichung für deutsche Gesundheitsbehörden, die Passagiere sollten für sechs Wochen nach einer letzten möglichen Exposition in Quarantäne bleiben. In der Unterkunft sollten sie mindestens einen eigenen Raum haben und ein eigenes Bad nutzen. Sie sollten auf Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen sowie andere Symptome achten und in diesem Fall ihr Gesundheitsamt informieren.

Wie groß ist das Risiko, dass sich weitere Menschen auf dem Schiff infiziert haben? Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García sagte am Samstag, derzeit zeige niemand auf der «Hondius» Symptome. Es sei dennoch durchaus möglich, dass sich weitere Menschen auf dem Schiff infiziert haben, sagte Schmidt-Chanasit. «Hantavirus-Erkrankungen haben eine Inkubationszeit, die je nach Virus und Exposition mehrere Tage bis Wochen betragen kann. Deshalb können weitere Fälle auch zeitverzögert auftreten.»

Der Virologe sieht zwei Szenarien der Infektionsquelle: Erstens könnten sich eine oder mehrere Personen bereits in Argentinien oder im südamerikanischen Expositionsgebiet infiziert und das Virus an Bord gebracht haben. Zweitens sei auch eine Infektion durch Nagetiere an Bord oder durch kontaminierte Lebensmittel, Lagerbereiche, Kabinen, Oberflächen oder Staub denkbar – «etwa wenn Mäuse oder Ratten das Schiff beziehungsweise Vorratsbereiche besiedelt haben».

«Dies ist eine ernste Lage, aber die WHO betrachtet das Risiko für die öffentliche Gesundheit als gering», sagte auch WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. «Dies ist nicht der Beginn einer Pandemie», betonte die amtierende Nothilfekoordinatorin, Maria van Kerkhove. Ein Vergleich mit dem Start der Corona-Pandemie vor sechs Jahren sei nicht angebracht. Von Simone Humml, dpa

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Katze
3 Tage zuvor

Corona kam ja angeblich aus der „Fledermaus vom Markt“, als hätte jemand versehentlich ein virales Überraschungsei verspeist. Beim Hantavirus dagegen reicht schon ein bisschen Mäusekot – quasi die Discount‑Variante der Seuchenentstehung. Einmal falsch geatmet, und zack: Natur sagt Hallo.
Bei Corona hieß es: „Keine Sorge, nur ein Tiermarkt.“ Beim Hantavirus: „Keine Sorge, nur ein bisschen Nagerdünger.“ Man könnte meinen, die Natur arbeite an einer Art Fortsetzungsreihe: erst Fledermaus, jetzt Mäusekacke – immer neue Staffeln, gleiche Dramaturgie.
Die WHO erklärt, das sei keine neue Pandemie und ein Vergleich zu Corona sei unangebracht – eine Einschätzung, die so routiniert klingt, dass man kaum merkt, wie sehr sie inzwischen zum festen Inventar jeder neuen Virusmeldung gehört.

Katze
3 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich hab kein Problem. Wo ist Ihres?

Maybe
3 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Na mit dem kleinen Kerl kann man doch kein Problem haben – oder doch ?
Es ist Träumchen, wenn Übertragungswege bekannt sind und es trotzdem noch kein vorbeugendes Medi gibt.
Bis jetzt müssen wir noch nicht mit Maske in Garten und Schuppen. ?

Susanne M.
3 Tage zuvor
Antwortet  Maybe

Wegen dem europäischen Hantavirus, der aber eher eine Grippe verursaz, eigentlich schon.

Maus
3 Tage zuvor
Antwortet  Maybe

Also wenn sie dort arbeiten wo Mäuse und Ratten leben, z.B. bei Sanierungen von alten Gebäuden, Entrümpelungen, etc. Schutzanzug, Handschuhe und mindestens FFP-3 tragen, damit sie einigermaßen geschützt sind und den kontaminierten Staub nicht einatmen und sich nicht versehentlich an Mund und Nase fassen.
Nagetierexkremente sind meist die Infektionsquelle.

Maybe
7 Stunden zuvor
Antwortet  Maus

Danke, wir hatten es nach Überschwemmung beim Aufräumen mit Leptospiren zu tun.
Da auf Speichern, abgelegenen Gartenhütten……umgezogene Mäuse und Ratten, Siebenschläfer……etc vermehrt zu finden sind, wurden wir auch hier vorsichtiger und arbeiten ” in voller Montur” sehr sehr vorsichtig.

Rainer Zufall
3 Stunden zuvor
Antwortet  Maybe

Ist das nicht ein wenig übertrieben? Wie oft infizierten sich die Leute mit Ihnen, bevor dies auf einer Insel voller Müll an einem anderen Ort auf der Welt geschah?
Im Gegensatz zu dem Ort gibt es bei Ihnen wahrscheinlich auch Katzen, oder? 😉

TaMu
2 Tage zuvor
Antwortet  Maybe

Doch, schon seit man weiß, dass der Staub und Dreck im Geräteschuppen von Mäusekot mit Hantaviren verseucht sein kann und dass schwere Infektionen, die man wirklich nicht haben möchte, möglich sind. Deshalb werden schon lange FFP 2 Masken und Handschuhe während dem Ausfegen und das Waschen der Kleidung sowie das Abduschen inklusive Haare danach empfohlen.

Maybe
3 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Rötelmaus https://share.google/8T9spGc6HbPB9xnRS

Hab ich ihn doch glatt nicht hergeben wollen; sieht so allzu lieb aus 🙂

Rainer Zufall
3 Tage zuvor
Antwortet  Katze

“Corona kam ja angeblich aus der „Fledermaus vom Markt“, als hätte jemand versehentlich ein virales Überraschungsei verspeist.”
Als wäre ein Viehmarkt mit lebendigen Tieren aus dem Wald und tausenden Menschen ein Hygienerisiko. Aber viele meinen ja noch, das Virus wäre aus zwei verschiedenen Laboren ausgebrochen, da das eine sich mit Viren beschäftigte und das andere in Nähe des unregulierten Frischmarkt liegt ^^

“Beim Hantavirus dagegen reicht schon ein bisschen Mäusekot”
Dabei haben die Ärzte doch immer gesagt, wir sollen täglich Mäusekot futtern! Dauernd ändern die Ihre Empfehlungen! Aluhut auf, ab auf die Straße! 😀

HarneEinrichson
2 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Die Aluhüte laufen doch immer noch jeden Montag auf der Straße – ganz ohne neue Pandemie

Rainer Zufall
2 Tage zuvor
Antwortet  HarneEinrichson

Jup. Leider auch vor meinem Haus. Die gehen derzeit dem nächstbesten Unsinn auf den Leim und halten Banner hoch, dass Sie sich “im Frieden mit Russland befinden”, nachdem dieses bei seinem Überfall auf die Ukraine Zivilist*innen abschlachtete und heute noch beschießt 🙁

Susanne M.
3 Tage zuvor

Ich hoffe nur, dass das alles so stimmt. Die Mäuse scheinen nicht an Bord des Schiffes gegangen zu sein, sondern zwei Hobbyornithologen haben sich angesteckt und die Krankheit mitgebracht. Es gab in Argentinien übrigens keine Warnung – danke, Herr Milei. In Spanien wird die Sache auch schon politisch instrumentalisiert. 🙁
Eine Todesrate von ca. 50 Prozent ist schon hoch.

HarneEinrichson
2 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

Im Vergleich zu den ~90% vom Borna-Virus, was zuletzt in Bayern wieder wen erwischt hat, dann aber auch nicht mehr so hoch

Rainer Zufall
3 Tage zuvor

Danke für die Info, schätze die Queerdenker beginnen nun, Klopapier zu hamstern und sich Silber zu spritzen oder whatever

dickebank
3 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Jens Spahn drängt Nina Warken Katzen zu kaufen

Rainer Zufall
2 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Fand den vom Postillon gut, da wird Herr Spahn von Parteikolleg*innen an die Heizung gekettet ^^
https://www.der-postillon.com/2026/05/hantavirus-spahn.html

Teacher Andi
3 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Was sind Sie nur für ein gehässiger Mensch? Fühlen Sie sich gut dabei?

Rainer Zufall
2 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Weil sich Erwachsene lieber ätzende Stoffe spritzen, als nur eine Minute nicht die Bestätigung im Internet über jahrzehntelange Expertise zu stellen?
https://www.rnd.de/gesundheit/giftige-stoffe-statt-corona-impfung-die-gefahrlichen-tipps-der-querdenker-arzte-SDESVPTAQVFZ3O6BXFSGMAHNXQ.html

Es hat sich meines Wissens nichts geändert. Wenn jemand den Querdenker*innen im Internet sagt, sich bspw. Silber zu spritzen, warum würden sie es nicht tun?

Bin da weniger gehässig – wem wünscht man sowas?? – mehr resigniert, über … sagen wir den direkten Realismus, dem diese Menschen folgen 🙁
Flache Erde-Leute bringen sich und andere meines Wissens seltener in Gefahr

Mannkannesnichtfassen
2 Tage zuvor

Keine Pandemie? Wie traurig für Tanya, Realistin und Co. Dann gibt es immer noch kein Homeoffice und keinen Distanzunterricht. Muss Schatzi halt allein zu Hause auf der Terrasse chillen. Buhuhu!

Rainer Zufall
3 Stunden zuvor

Es sind bisher drei Leute daran gestorben, vielleicht möchten Sie Ihre persönliche Meinung gegen Homeoffice gegenüber ECHTER Risiken (wenn auch bei weitem keine Pandemiegefahr) etwas ernster nehmen…