KARLSRUHE. Druck, Angst und ständige Bewertung behindern nach Ansicht der Lernforscherin und Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry erfolgreiches Lernen – und können Kinder und Jugendliche psychisch massiv belasten. Im Interview spricht sie über die Folgen eines selektionsorientierten Schulsystems, über Motivation, Wohlbefinden und soziale Verbundenheit als Voraussetzungen für Lernprozesse sowie über die Chancen von KI im Unterricht. Anlass des Gesprächs war ihr geplanter Auftritt als Keynote Speakerin auf der Learntec, der Fachmesse mit Kongress für digitale Bildung, die heute in Karlsruhe zu Ende ging.

Die Zahlen von Burnout und Depression, gerade auch bei jungen Menschen, steigen. Was sind die Ursachen?
Brohm-Badry: Das ist richtig. Wir haben eine Zunahme an Psychopharmaka-Konsum, depressiven Erkrankungen, auch bei Kindern und Jugendlichen, Angststörungen, soziale Ängste, Kontaktängste, Leistungsängste, Ängste vor der Schule. Die aktuelle Situation ist für Kinder und Jugendliche nicht besonders einfach: Wir haben einen sehr großen wirtschaftlichen Druck, die offene Zugänglichkeit von Medien, von Gewalt, von extrem vielen Impulsen, die dann auch neuronal belastend wirken.
Hinzu kommt die vermehrte Nutzung von sozialen Medien und dadurch eine starke Zunahme von Einsamkeitsgefühlen. Ich habe erst kürzlich mit einem Schulleiter gesprochen: Für ihn sei das Schlimmste, dass es in den Pausen auf dem Schulhof still wäre, weil jeder mit seinem Handy beschäftigt sei. Und ein australischer Schulleiter, dort gilt inzwischen ja ein Handyverbot, hat in einem Interview gesagt, dass in der Pause ein Ball ein Fenster zerstört habe und er sich darüber gefreut hätte – als Beleg, dass die Kinder endlich wieder spielen auf dem Schulhof.
Natürlich ist es nicht allein Social Media, sondern ein Umfeld steigenden Konkurrenzdrucks, einer Verknappung der Ressourcen, der Fachkräftemangel an den Schulen. Wir verzeichnen viele Ursachen, aber das Allerwichtigste wäre, dass die Kinder und Jugendlichen wieder in sozialen Kontakt miteinander kommen, und vor allem warmherzige, zuversichtliche Kontakte erleben. Das Gehirn ist ein Sozialorgan.
Welche Rolle spielt die Schule?
Brohm-Badry: Die Schule hat die psychische Lage der Schülerinnen und Schüler in vielerlei Hinsicht noch verschärft. Beispielsweise haben wir ein völlig veraltetes Notensystem, das im internationalen Vergleich im Grunde 15 Jahre hinter der Bildungsentwicklung zurückliegt und international nicht mehr anschlussfähig ist. Wir haben das dreigliedrige Schulsystem, im Grunde also Realschule, Gymnasium, Hauptschule, vielleicht noch Förderschule. Dadurch sortieren wir Kinder zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der kognitiven Entwicklung aus: Mit 10 oder 11 Jahren werden die Kinder qualifizierend einsortiert in dieses Schulsystem. Betrachtet man die PISA-Befunde, ist das im internationalen Vergleich rückständig.
Diese frühe Einsortierung ist aus entwicklungspsychologischer und neurowissenschaftlicher Perspektive überhaupt nicht haltbar, weil das Gehirn nicht ausgereift ist mit zehn Jahren. Der präfrontale Cortex, also die ganzen Exekutivfunktionen für Planung, Organisation, Zielentwicklung, ist ja erst mit etwa 20 bis 22 Jahren ausgereift.
„Ich trete stark dafür ein, das Schulsystem insgesamt humanistischer zu machen. In vielen skandinavischen Ländern gehen die Kinder über alle Stufen hinweg mit Freude zur Schule“
Andere Länder steigen deutlich später mit der Notenvergabe ein.
Brohm-Badry: Im internationalen Vergleich geben viele Länder, die in der PISA-Studie erfolgreich sind, frühestens Noten ab der sechsten Klasse, manche sogar erst ab der neunten Klasse – und letzteres deshalb, weil der Arbeitsmarkt unbedingt will, dass die Schülerinnen und Schüler Noten vorlegen. Vorher gibt es in vielen Systemen nur kompetenzorientierte Rückmelderaster. Die Schülerinnen und Schüler werden zum Gespräch gebeten, können sich selbst einstufen, Elterngespräche sind zweimal jährlich verpflichtend und das Kind wird kompetenzorientiert gefördert: Was ist dein nächster Schritt, wo willst du als nächstes hin.
Das ist eine ganz andere Art, mit Lernen umzugehen: Lernen wird nicht als Selektionsinstrument genutzt, sondern als Entwicklungschance, als Ermöglichungsraum. Ich trete stark dafür ein, das Schulsystem insgesamt humanistischer zu machen. In vielen skandinavischen Ländern gehen die Kinder über alle Stufen hinweg mit Freude zur Schule.
Nun sind Kinder von Natur aus wissbegierig und motiviert. Motivation ist wichtig, um erfolgreich zu lernen. Wie schafft man es, diese Motivation auch aufrechtzuerhalten?
Brohm-Badry: Motivation ist ein Kind der Freiheit. Autonomie ist in den meisten Studien der wichtigste Faktor. Das Wort „müssen“ passt da nicht, ebenso wie jede Form von Druck, die auf einen Menschen ausgeübt wird. Menschen wollen frei entscheiden. Natürlich ist dies im schulischen Kontext nicht einfach, aber bereits kleine Dinge entfalten große Wirkung. Wenn Du als Kind ein Arbeitsblatt mit fünf Aufgaben erhältst und dir davon eine oder zwei aussuchen darfst, so sind das kleine Impulse, die den Kindern und Jugendlichen mehr Entscheidungsfreiheit geben.
Die Schule ist zumeist ein Drucksystem, Motivation hingegen ist ein Zugsystem. Motivation ist die Spannung zwischen jetzt und dem, was wir uns für die Zukunft vorstellen. Habe ich eine schöne Vorstellung von dieser Zukunft, dann entwickelt sich eine unheimliche Zugkraft. Ein Beispiel: Kann ich Englisch, verstehe ich die Texte der Rapper. Neuronal können wir das deutlich nachweisen: Neurotransmitter werden ausgeschüttet, insbesondere Dopamin. Wenn das Ziel dann erreicht ist, dann werden wir durchflutet von Neurotransmittern und Endorphinen, Serotonin für Zufriedenheit, Oxytocin, wenn wir gemeinsam mit anderen gearbeitet haben und uns verbunden fühlen.
Wichtig ist dabei aber, dass Ziele nicht zu hochgesteckt werden: Ziele sollten herausfordernd, aber nicht überfordernd sein. Dann haben wir Erfolgsgefühle und das wiederum stärkt die Selbstwirksamkeit. Sich selbst gesteckte Ziele zu setzen und diese dann auch zu erreichen, ist neuronal die Grundlage für weitere Erfolge, weil das Gehirn Erfolg lernt.
Der dritte Motivationsfaktor ist soziale Verbundenheit. Motivationsforscher sagen, dass man sich Menschen suchen sollte, die bereits so sind, wie man selbst sein möchte. Für Jugendliche ist das klassischerweise die Peergroup: Wenn man motivierte Leute mit Energie um sich hat, hat das unheimliche Zugkraft.
Entscheidend ist auch, ein Klassenklima zu erzeugen, das nicht konkurrenzbelastet ist. Wenn Noten nur Konkurrenz fördern, und das durch die Eltern noch verstärkt wird, ist das Gift für Gehirn und Motivation. Stattdessen braucht es eine offene Haltung, ein Growth Mindset in dem Bewusstsein, dass jeder Mensch etwas lernen kann. Dann wird auch die Anstrengung eines Kindes gewürdigt und kleine Ziele, die es erreicht hat. Der Fokus darf nicht darauf liegen, was noch nicht geht, sondern immer auf den Fortschritt, immer, immer auf den Fortschritt konzentrieren.
Viele der Punkte, die Sie genannt haben, ließen sich bereits umsetzen, zumindest in kleinen Schritten. Wenn wir das aktuelle Schulsystem betrachten: Gibt es ein, zwei grundlegende Stellschrauben, die Ihrer Meinung nach Kindern massiv in ihrer Entwicklung zugutekommen würden?
Brohm-Badry: Im internationalen Vergleich sehen wir deutlich: Einheitsschulen statt eines dreigliedrigen Schulsystems wären sinnvoll. Das ist allerdings auch häufig nicht gewollt seitens der Eltern. Wolfgang Edelstein (der 2020 verstorbene ehemalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, d. Red.) hat gesagt, dass wir immer noch das dreigliedrige Schulsystem hätten, weil die bildungsbürgerlichen Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder Kontakt haben zu den Kindern, die nicht aus einem bildungsbürgerlichen Haushalt stammen.
Bei den PISA-Siegerländern sehen wir jedoch, dass ein eingliedriges Schulsystem funktioniert. Das System Gesamtschule funktioniert nur bei uns nicht so gut, weil ein sogenannter Creaming-Effekt eintritt: Eltern, die Gymnasialkinder haben, möchten, dass ihre Kinder auf das Gymnasium gehen und nicht auf die Gesamtschule. Solange wir dieses Auswahlsystem haben, kommen die Besten eben nicht an andere Schulen, um dort die anderen mitzustärken. Wenn eine Trennung stattfinden soll, dann maximal in Leistungsgruppen, aber an einer einzigen Schule.
„Viele Kinder kommen in die Schule mit der Angst, wieder beurteilt zu werden, zu erfahren, dass sie etwas nicht können, vielleicht sogar vor der Klasse beschämt zu werden. Das verschließt den Geist.“
Der zweite Punkt ist tatsächlich die Notengebung. Noten sollten frühestens ab der sechsten Klasse gegeben werden, besser noch später. Schulen müssten die Experimentierklausel viel stärker nutzen, um beispielsweise die Trennung in Leistungsgruppen erst zwei Jahre später durchzuführen oder klassische Notengebung durch Kompetenzraster zu ersetzen. Wir haben viele Schulen, die zeigen, dass es funktioniert. Ich würde mir als Schulleitung diesen Freiraum nehmen und Unterricht neurowissenschaftlich sinnvoll ausrichten.
Vor 15 Jahren waren viele dieser Punkte noch Hypothesen. Heute können wir anhand von fMRTs oder EEG-Messungen wissenschaftlich nachweisen, dass, wenn Wohlbefinden und Lebensfreude steigen, die Exekutivfunktionen anspringen, dass die Amygdala sich beruhigt, sprich das Angstzentrum. Im Grunde müssen wir nicht mehr argumentieren, wir haben es neurowissenschaftlich bewiesen.
Früher bezeichnete man die Haltung, dass Kinder beim Lernen Freude empfinden müssen, oft als Kuschelpädagogik. Man ging davon aus, dass Kinder auch unter Druck lernen wollen. Das stimmt aber nur bedingt: Menschen brauchen Wohlbefinden, damit das Gehirn voll funktionsfähig ist. Wenn die Kinder mit Angst in die Schule kommen, wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, ebenso wie Adrenalin, die Amygdala signalisiert Alarm und verschließt den Weg zum präfrontalen Kortex.
Viele Kinder kommen in die Schule mit der Angst, wieder beurteilt zu werden, zu erfahren, dass sie etwas nicht können, vielleicht sogar vor der Klasse beschämt zu werden. Das verschließt den Geist. Stattdessen müssen wir als Lehrende immer die professionelle Haltung haben: Wir lernen zusammen, ich unterstütze dich und du kannst das schaffen.
Eingangs hatten wir über die negativen Auswirkungen digitaler Technologien wie der übermäßigen Handynutzung gesprochen. Wie und wo im Lernkontext machen digitale Technologien Sinn? Wo sind sie lernförderlich?
Brohm-Badry: Digitale Technologien und vor allem auch KI können Lernprozesse wunderbar unterstützen. Ich war vor kurzem auf einem Kongress in den USA. Dort ist man in Sachen KI schon sehr weit. So wird beispielsweise auf individualisierte Programme gesetzt: Ein Kind hat Interesse an Fußball, ein anderes Kind ist von Handarbeiten fasziniert. Und jedes Kind erhält dann individualisierte Texte im richtigen Lernniveau und gleichzeitig zu einem Thema, das sie interessiert. Wenn Kinder sich mit einem Thema identifizieren, sind die Lernfortschritte deutlich größer.
Entscheidend ist aber, dass der menschliche Faktor erhalten bleibt, dass ein Mensch den Prozess liebevoll begleitet. Unheimlich gut funktioniert KI auch bei Überarbeitungen und Korrekturen: Die KI kann den Schülerinnen und Schülern erläutern, wie und warum sie einen Text noch verbessern können. KI funktioniert dann besonders gut, wenn die Technologie Sparringpartner des Menschen wird.
Sie haben die Formel aufgestellt: Leistung = Arbeit × Wohlbefinden durch Zeit. Mit dieser Formel wird der Fokus auf das Individuum und dessen Zufriedenheit gelegt. Unsere Systeme sind aber wenig auf das Individuum eingestellt – hier gilt es, in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Leistung zu erbringen. Wie lässt sich die Formel trotzdem abbilden, im schulischen wie auch im beruflichen Kontext?
Brohm-Badry: Im beruflichen Kontext geben sich Unternehmen, bedingt durch den Fachkräftemangel, inzwischen sehr viel mehr Mühe. Viele Organisationen und Wirtschaftsunternehmen, aber auch Schulen haben verstanden, dass Wohlbefinden wichtig ist, um Motivation zu erhalten und Leistung erbringen zu können. Selbst wenn wir dieses Denken nicht humanistisch begründen, sondern rein aus der Leistungsstruktur heraus, so können wir mit empirischer Evidenz sagen, dass Wohlbefinden mit Leistungsstärke korreliert.
Wer zufrieden ist, der arbeitet besser, intensiver, länger, tiefgehender. Wenn Unternehmen jetzt immer noch denken, Wohlbefinden sei ein weicher Faktor, dann ist das falsch. Das drückt sich in Zahlen, Daten, Fakten aus und wir können es neuronal nachweisen. Wer nur vor sich hin dämmert, Dienst nach Vorschrift macht oder nur deshalb lernt, weil er am nächsten Tag sonst eine Beschämung an der Tafel erwartet, der lernt nicht aus Liebe zu einem Thema und er lernt nicht tief. Die intrinsische Motivation wird massiv beschädigt. News4teachers
Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry ist Neurowissenschaftlerin und war viele Jahre Professorin für Empirische Lehr-Lernforschung und Dekanin an der Universität Trier.
Die frühere Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung beschäftigt sich insbesondere mit den Zusammenhängen von Motivation, Lernen, Wohlbefinden und Persönlichkeitsentwicklung. Für die Europäische Kommission arbeitete sie an der Entwicklung des europäischen Kompetenzrahmens „LifeComp“ mit. Seit 2025 leitet sie das von ihr gegründete Europäische Forum für Positive Neurowissenschaften (EUPONS). Brohm-Badry ist zudem als Autorin, Kolumnistin und Vortragsrednerin bekannt.
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Gesunde Schule“.









Muss man wissenschaftlich belegen, dass Wohlbefinden für alles wichtig ist, also auch fürs Lernen ist? Frau Brohm-Badry scheint mir über diese Binsenweisheit etwas ganz anderes „beweisen“ zu wollen: Dass sich Kinder z.B. in Einheitsschulen wohler fühlen als in einem gegliederten Schulsystem mit Förderschulen, dass Leistungsängste durch Notengebung statt kompetenzorientierter Rückmelderaster sie belasteten, dass die Kinder überhaupt zu wenig „kompetenzorientiert“ gefördert würden…
Vor 15 Jahren hätten diese Argumente noch auf Hypothesen beruht, meint sie weiter. Doch heute „müssen wir nicht mehr argumentieren, wir haben es neurowissenschaftlich bewiesen.“
Eigene Hypothesen wissenschaftlich zu belegen, scheint in der Pädagogik gang und gäbe zu werden. Anderes Denken durch lebensnahes Erfahrungwissen der letzten 15 Jahre wird dadurch zum Blödsinn erklärt und Argumentieren als überflüssig dargestellt.
„Muss man wissenschaftlich belegen, dass Wohlbefinden für alles wichtig ist, also auch fürs Lernen ist?“
Absolut! Lesen Sie mal die Kommentare im Forum, die „pädagogisches Blabla“ und „Fühlifühli“ ablehnen, Kontrolle und härtere Strafen vor Prävention und Unterstütungsbedarf als „Eigenverantwortung“ an gerade die Menschen zurückweisen, die nachweislich ihrer Verantwortung nicht nachkommen…
Alles noch schön eingewickelt in Wissenschaftsfeindlichkeit, da dieser Blödsinn nicht mal der schwächsten Nachfrage standhalten könnte.
Ich teile Ihre Meinung, dass da vieles offensichtlich ist, aber Sie wären überrascht, wie viel Widerstand sich TROTZ wissenschaftlicher Daten bei professionell ausgebildeten Lehrkräften breitmacht 🙁
Keine Sorge, die Neigungen (auch der aktuellesten) Schulentwicklung gehen weiter in die Fühli-fühli-Richtung und werden weiter das Niveau senken.
Schmankerl für Sie:
Und ich bin ganz vorne dabei 😀
Als erstes wird es bei uns mal schön weniger Klassenarbeiten und dazu noch kürzere geben, absehbar.
Das ist für mich natürlich super, massive Arbeitsersparnis.
Und für die Schüler auch.
Nur für den „unsichtbaren Gast“ nicht. Aber hey, der stört(e) ja sonst auch ständig das Bauchi-bauchi.
Es ist also nicht alles schlecht.
Klar, ich weiß wozu das alles führen wird – langfristig.
Aber bis dahin, meine Güte…Geld fliesst, SuS werden sich freuen wie BOLLE, Stimmung wird super sein.
Also: Kurzfristig super. Und bis die Langzeitfolgen eintreten UND sich durch die restliche Wirtschaftskette gefressen haben sitze ich im Tesla-Rollstuhl und/oder nehme ’nen langen „dirt nap“.
Geliefert wie bestellt, diese Drohne performed immer.
„Keine Sorge, die Neigungen (auch der aktuellesten) Schulentwicklung gehen weiter in die Fühli-fühli-Richtung und werden weiter das Niveau senken.“
Danke für das anschauliche Beispiel für Ilka, die dieses Maß an Unprofessionalität aus guten Gründen für ausgeschlossen hielt und mit Ihnen einen Einblick in das Wissenschaftsverständnis mancher Lehrkräfte erhält… Haben Sie keinen Vater bei der AfD, um Ihrer Schülerschaft ein wenig Qualitätszeit zu schenken? 😛
Wieso? 447 arbeitet doch nur streng wissenschaftlich. Ist doch in Ordnung so. Ab ins Kultusministerium…
Pseudowissenschaft gilt nicht 😉
Die Reformen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte berufen sich alle auf wissenschaftliche Daten. Auf diese Weise wurden sie akzeptabel gemacht und begründeten Zweifeln enthoben.
Dass die schulische Bildung genau während dieser Zeit rasant den Bach runtergegangen ist und genau das Gegenteil dessen bewiesen hat, was Wissenschaftler voraussagten, ist Fakt. Nicht nur die Leistungen der Schüler in den einzelnen Fächern – besonders im Lesen, Schreiben und Rechnen – wurden nachgewiesenermaßen immer schlechter, sondern auch das Sozial- und Arbeitsverhalten der Kinder wurde zum Anlass für immer mehr Klagen.
Und wenn Sie die „professionelle“ Lehrerausbildung ansprechen, dann lassen Sie unter den Tisch fallen, dass auch diese sich nach den neusten „wissenschaftlichen“ Erkenntnissen richtete, deren Beweiskraft allerdings von der schulischen Wirklichkeit ad absurdum geführt wurde.
„Wissenschaftliche Erkenntnisse“ wurden zum Kampfbegriff gegen eine Pädagogik, die auf Erfahrung von Lehrkräften und dort gewonnenes Wissen setzte.
Wundert Sie da eine zunehmende Skepsis gegenüber der pädagogischen Wissenschaft? Von allgemeiner „Wissenschaftsfeindlichkeit“ zu reden ist insofern falsch, als wir hier speziell von der pädagogischen Wissenschaft sprechen.
„Dass die schulische Bildung genau während dieser Zeit rasant den Bach runtergegangen ist und genau das Gegenteil dessen bewiesen hat, was Wissenschaftler voraussagten, ist Fakt.“
Wir kennen keine einzige Vorhersage dieser Art – bitte Quelle nennen. Und welche bildungspolitischen Reformen der letzten Jahre Sie meinen, die wissenschaftlich begründet worden wären, entzieht sich auch unserer Kenntnis. Der Stand der internationalen Bildungsforschung geht so – Lichtjahre vom real in Deutschland existierenden Bildungssystem entfernt: https://www.news4teachers.de/2026/02/schule-neu-denken-17-bildungsforscher-legen-ein-zukunftsbild-vor-und-fordern-einen-grundlegenden-kultur-und-strukturwandel-im-deutschen-bildungssystem/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Nora schrieb: “Dass die schulische Bildung genau während dieser Zeit rasant den Bach runtergegangen ist und genau das Gegenteil dessen bewiesen hat, was Wissenschaftler voraussagten, ist Fakt.”
Der ehemalige Kultusminister von Mecklenburg-Vorpommern, Mathias Brodkorb (SPD), und der Erziehungswissenschaftler und Professor für Schulpädagogik, Klaus Zierer, formulieren es in ihrem Buch „Tyrannei der Gleichheit – Für mehr Gerechtigkeit in Schule und Gesellschaft“ folgendermaßen:
„Mit unserem Buch wollen wir auf keinen Fall Lehrer davon abhalten, stets ihr Bestes zu geben und immer an jeden einzelnen Schüler zu glauben. Im Klassenzimmer gilt: Kein Kind zurücklassen!
Wir wollen allerdings Politiker davon abhalten, weiterhin illusorischen Zielen nachzueifern und die Lehrer dieses Landes ununterbrochen in ein Hamsterrad wirkungsloser Bildungsreformen zu spannen. Diese Reformitis hat in den letzten Jahren zweifelsfrei k e i n e n Bildungserfolg für alle gebracht, aber viele Lehrer an den Rand ihrer Kräfte.“ (S. 150/151)
Welche Reformitis? Es gab seit der ersten PISA-Studie 2000 genau zwei Bildungsreformen, für die Geld in die Hand genommen wurde: G8 und Ganztag. G8 ist/wird schon wieder rückabgewickelt – und der Ganztag wird als Billig-Betreuung organisiert, die vor allem die Mütter in Arbeit bringen soll.
Ansonsten dümpelt das deutsche Schulsystem praktisch unverändert seit Jahrzehnten vor sich hin.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Der Erziehungswissenschaftler Zierer und der Ex-Kultusminister Brodkorb werden wissen, warum sie diese Begrifflichkeit verwenden. Vielleicht fragen Sie dort mal nach. Oder trägt Zierer seit Neuestem für Sie nicht mehr zum „Stand der internationalen Bildungsforschung“ bei?
„Der Erziehungswissenschaftler Zierer und der Ex-Kultusminister Brodkorb werden wissen, warum sie diese Begrifflichkeit verwenden.“
Wir wissen auch, warum wir dem widersprechen. Herr Zierer vertritt so manche steile These: etwa die, dass mehr Ehrfurcht vor Gott in die Schulen gehört. Gerne hier nachlesen: https://katholisch.de/artikel/55488-paedagogen-deshalb-ist-ehrfurcht-vor-gott-wichtigstes-bildungsziel
Der State of the Art der empirischen Bildungsforschung findet sich hier: https://www.news4teachers.de/2026/02/schule-neu-denken-17-bildungsforscher-legen-ein-zukunftsbild-vor-und-fordern-einen-grundlegenden-kultur-und-strukturwandel-im-deutschen-bildungssystem/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Mir gefällt immer noch dieser Kommentar daraus besonders gut
RSDWeng
2 Monate zuvor
Antwortet Ulla
Wir brauchen neben dem qualifizierten Personal vor allem Ruhe. Das heißt: Keine Testindustrie, keine Vergleichsarbeiten und keine Neuerungen, die vollkommen an der Realität vorbeigehen.
Dazu sollte jeder der Experten verpflichtet werden, einmal im Schuljahr mit einem Deputat von 24 Wochenstunden einen Monat an einer staatlichen Schule zu unterrichten mit allem, was dazugehört: Klassleitung, Konferenzen, Elterngespräche nach den vier Wochen, Wandertag, wenn in diesem Zeitraum einer anfallen sollte, interne Fortbildungen, Leistungsnachweise erstellen und benoten, Hausunterricht, wenn er anfallen sollte, Aufsichten, Fachschaftssitzungen……
Vage Vermutung: Einige Experten würden dumm aus der Wäsche schauen.
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Eher neidisch werden
Es ist nicht korrekt, dass unser Bildungssystem „vor sich hin dümpelt“. In jedem Schuljahr gibt es Neuerungen, und wenn es nur die Leistungsbewertung ohne Noten ist oder die Abschaffung der Bundesjugendspiele wegen des Leistungsdrucks (was ich nicht für gut halte). Wenn ich in meiner Klasse wesentlich offenere Unterrichtsformen anwende als noch vor einigen Jahren, taucht das in keiner „Bildungsreform“ auf. Aber es passiert.
Weder Noten noch die Bundesjugendspiele wurden abgeschafft. Herzliche Grüße Die Redaktion
Bei uns gibt es schon lange keine Bundesjugendspiele mehr. Und Noten werden erst ab Klassenstufe 7 vergeben.
Sie sind aber nicht abgeschafft. Herzliche Grüße Die Redaktion
Auf dem Papier sind sie es nicht, in der Praxis an vielen Schulen aber durchaus.
Das Mitleidsgetue um Kinder und Jugendliche, die weniger sportlich sind und bei Bundesjugendspielen angeblich Seelenqualen leiden, hat Früchte getragen.
„Mitleidsgetue“ – wow. Vielleicht mal sachlich informieren, hier zum Beispiel: https://www.deutschlandfunk.de/bundesjugendspiele-reform-kritik-fakten-100.html
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wortklauberei
Fake News. Herzliche Grüße Die Redaktion
Ich habe geschrieben, dass bestimmte Dinge an vielen Schulen abgeschafft oder geändert wurden. Ich habe nirgends behauptet, dass irgend etwas bundesweit abgeschafft wurde.
„In jedem Schuljahr gibt es Neuerungen, und wenn es nur die Leistungsbewertung ohne Noten ist oder die Abschaffung der Bundesjugendspiele wegen des Leistungsdrucks“ – haben Sie oben geschrieben, Hervorhebung von uns.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Bei uns aber schon.
Sorry, ist das Renitenz? Wenn Sie keine Schokolade mehr kaufen, ist Schokolade dennoch weiter im Angebot – und nicht „abgeschafft“.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Nicht abgeschafft, aber so schlechtgeredet, dass Schulen von sich aus beschlossen haben, auf sie zu verzichten.
Da liegen Sie leider falsch. In den meisten Grundschulen gibt es jetzt Sport- und Spaßspiele anstatt Wettkämpfe. (Wir mussten sogar die Urkunden wegschmeißen, auf denen das Wort WettKAMPF draufsteht). Noten in Klasse 1 und 2 gibt es an den Grundschulen in der Regel nicht mehr. In den höheren Jahrgängen wird darüber diskutiert.
Ich glaube nicht, dass das zu mehr Wohlbefinden bei den Kindern führt. Sie haben ein sehr feines Gefühl dafür, wer schneller, besser, Erster ist.
Informieren Sie sich gerne über den Hintergrund: https://www.news4teachers.de/2024/07/fuer-eine-reform-der-reform-cdu-befoerdert-mit-alten-argumenten-die-kulturkampf-debatte-um-die-bundesjugendspiele/
Abgeschafft ist gar nichts. Der Deutsche Olympische Sportbund, der an der Reform beteiligt war, dazu: „Wettbewerb im Gegensatz zum Wettkampf bedeutet nicht, dass es sich um ein rein spielerisches Angebot handelt. Der Wettbewerb ist vielmehr als ein auf die Entwicklung der Kinder angepasstes sportliches Angebot zu verstehen.“ Dabei messen sich die Schüler*innen auch weiterhin in sportlichen Übungen.
„Sie haben ein sehr feines Gefühl dafür, wer schneller, besser, Erster ist.“ Eben auch dafür, wer nicht so schnell und letzter ist – und Schule ist nunmal eine Pflichtveranstaltung, kein Sportfest für Profisportler.
Wir sind sicher, dass die Reform zu mehr Wohlbefinden bei den Kindern führt – bei den ehemals Beschämten auf jeden Fall. Und es geht bei den Bundesjugendspielen im Kern darum, Kinder zum Sport zu motivieren. Und nicht darum, junge Menschen fürs ganze Leben davon abzuschrecken.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Hospitieren Sie gerne bei unseren „Sport- und Spaßspielen“ im Juni. Es wird trotz geänderter Maßstäbe bei den Kindern darum gehen, wer die meisten Runden laufen kann und wer am weitesten springt. Das ist schön! Unser Job ist, dass jeder seine Stärken und Schwächen erkennt, dass niemand ausgelacht wird und dass tolle Leistungen anerkannt werden.
Der Langsamste in meiner Klasse wird übrigens am meisten von allen abgefeuert.
Dann sorgen Sie dafür, dass niemand ausgelacht wird
Sie haben ein sehr feines Gefühl dafür, wer schneller, besser, Erster ist.
Das Gefühl haben sie, weil wir ihnen vom ersten Atemzug an vermitteln, dass es wichtig ist, schneller, besser, Erster zu sein. Ist es aber nicht. Es ist wichtig, miteinander zu leben in einer gemeinsamen Welt, die nicht allein den Schnellsten, Besten und Ersten gehört.
„Die Reformen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte berufen sich alle auf wissenschaftliche Daten“
Diese Schurken!
„Dass die schulische Bildung genau während dieser Zeit rasant den Bach runtergegangen ist und genau das Gegenteil dessen bewiesen hat, was Wissenschaftler voraussagten, ist Fakt.“
Wenn dem so ist, wobei ich wissenschaftliche Erkenntnisse und die UMSETZUNG durch die Politik deutlich trennen würde, wird die Wissenschaft diese neuen Erkenntnisse erheben, verarbeiten und ihre Modelle aufnehmen. So funktioniert Wissenschaft: stetige Verbesserung, stetige Reduktion von Unsicherheiten.
Was ist Ihre Vorstellung von Wissenschaft?
Boom, Lösung für alles? Hier ist die „Sicherheit“? Die „Wahrheit“? 😀
Ab in die Kirche!
„Vor 15 Jahren waren viele dieser Punkte noch Hypothesen. Heute können wir anhand von fMRTs oder EEG-Messungen wissenschaftlich nachweisen, dass, wenn Wohlbefinden und Lebensfreude steigen, die Exekutivfunktionen anspringen, dass die Amygdala sich beruhigt, sprich das Angstzentrum. Im Grunde müssen wir nicht mehr argumentieren, wir haben es neurowissenschaftlich bewiesen.“
Das glaube ich sogar. Bei meinen eigenen Kindern steigt das Wohlbefinden und die Lebensfreude besonders dann, wenn sie am Tablet chillen dürfen oder wenn Ferien sind. Schule ist nun mal auch mit Anstrengung verbunden und nicht nur mit Lebensfreude alleine. Bin ich gerne mit Lebensfreude zum Studium gegangen? Meist nicht. Löst meine tägliche Arbeit, die auch Protokolle und Statistiken beinhaltet, immer Wohlbefinden aus? Mitnichten. Auch Frau Brohm-Badry liefert die erwarteten Buzzwords. Richtig, die Pisa-Siegerländer haben kein gegliedertes Schulsystem. Aber man findet die Sieger vor allem im ostasiatischen Raum, wo Schule auf Druck und Drill setzt.
Die heterogene Einheitsschule für alle im großen Potpourri soll also alle Bildungsprobleme lösen… Wäre dies wirklich so, befände sich Deutschland mit gegliedertem System wahrscheinlich auf dem letzten Pisa-Platz, denn wir sind ja das einzige Land, das die Kinder früh in die jeweils passende (aber nach oben und unten durchlässige) Schulform übergibt. Meine Kinder waren nach der Grundschule auch „nur“ auf der Realschule. Mein Sohn schreibt morgen seine Deutschprüfung, meine Tochter wechselte nach Klasse 10 ans Gymnasium. War kein Problem – warum macht man immer eines daraus?
Ich kenne übrigens etliche Jugendliche aus unserer Betreuung, die in Gemeinschaftsschulen unterrichtet werden – ohne Noten bis Klasse 9, mit offenen Lernkonzepten, oft mit iPad ausgestattet und jahrgangsübergreifend. Spoiler: Die haben genauso wenig Bock auf Schule wie ihre Kollegen an Gymnasien und Realschulen und empfinden Wohlbefinden vor allem zuhause.
„Bin ich gerne mit Lebensfreude zum Studium gegangen? Meist nicht. Löst meine tägliche Arbeit, die auch Protokolle und Statistiken beinhaltet, immer Wohlbefinden aus? Mitnichten.“
Das könnte Teil des Problems sein.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Es ist Teil des Lebens. Ying und Yang, Licht und Schatten, Spaß und Langweile, hell und dunkel… Wer Spaß empfinden will, muss auch die Langeweile kennen. Manche Dinge sind nun einmal unangenehm und machen nicht immer Spaß. Aber sie müssen erledigt werden. Da wir grundsätzlich als Spaßgesellschaft verschrien sind, erkenne ich Ihren Einlass.
Sinn und Unsinn? Sorry, das ist uns zu esoterisch. Nur weil irgendwie irgendwas in Ihrem Leben blöd ist, sollen Kinder das gefälligst genauso erleben?
Klar gibt es Arbeiten, die keinen Spaß machen. Dann sollten sie aber zumindest einen Sinn haben.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Mitnichten wünsche ich anderen Menschen ein „blödes Leben“. Aber es ist doch absolut naiv und illusorisch vermitteln zu wollen, dass es immer nur mit Spaß und Einfachheit im Leben zugeht. Vor dem Ernten kommt nunmal das Säen; bevor ich das Fest feiern kann, muss ich es aufbauen und vorbereiten. Und ich kann nicht erwarten, dass das immer andere Leute für mich erledigen.
Was Sinn ergibt, liegt ja oft einfach nur im Auge der Betrachtenden und hängt sehr stark vom Alter ab.
Mensch, was damals, als ich jung war, alles keinen Sinn ergab! Im Haushalt helfen, Physik, zu einer bestimmten Uhrzeit zuhause sein zu müssen, mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu müssen anstatt gefahren zu werden und so weiter und so fort.
Heute, 40 Jahre später …
Ganz genau.
Schwierig wird’s, wenn auch Erwachsene den Sinn nicht mehr nachvollziehbar erklären können und in Floskeln verfallen wie: „Hat uns auch nicht geschadet“. Herzliche Grüße Die Redaktion
Ja, nur gilt das eben nicht für alles. Da sollte man schon noch differenzieren.
Und dann gibt es ja auch noch das Problem, dass Erwachsene ja auch sehr unterschiedlich ticken. Die einen sehen etwas so, die anderen anders.
Und hier kommentieren doch keine Erwachsenen, die einfach nur nachvollziehbare Begründung behaupten, Ihnen hätte etwas nicht geschadet.
Upps, da fehlt „ohne“ („ohne nachvollziehbare Begründung“).
Dann drücken wir es eben positiv aus, es hat uns damals einiges genutzt. Vielleicht nicht sofort ersichtlich, aber irgendwann schon. Ich bin da jedenfalls sowohl meinem Eltern als auch meinen Lehrkräften dankbar, dass sie einiges anders gemacht haben, als heute üblich.
Überlebenden-Bias? Gerne hier nachlesen: https://www.anti-bias.eu/biaseffekte/survivorship-bias-verzerrung-zugunsten-der-ueberlebenden/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Keine Ahnung, Ich hatte weder in meidet Kindheit noch in meiner Jugend das Gefühl, dass ich „überlebe“. Und meine Freunde und Klassenkameraden irgendwie auch nicht. Aber das darf wohl nicht so sein. Wir haben halt einfach nur nicht gemerkt, wie mies wir dran waren, oder was? Ich sage ja nicht, dass alles eitel Sonnenschein war, aber es war auch nicht schlimm und schon gar nicht traumatisierend. Warum soll denn allen, die ihre Schulzeit gut empfunden oder völlig normal überstanden haben ständig eingeredet werden, dass alles kacke war und sie das einfach bloß nicht gemerkt haben? Sorry, genau das ist es doch, was hier schon des öfteren angesprochen wurde. Manche Dinge werden einfach über psychologisiert und pathologisiert. Man darf seine eigene Schulzeit gar nicht mehr positiv wahrgenommen haben, weil alles so schlimm war und immer schlimmer wird. Ich würde echt gerne mein Leben für mich selbst beurteilen dürfen. Und nein, Schule war vielleicht manchmal lästig, aber nie schlimm, an Schule bin ich nicht verzweifelt, Schule war im Gegensatz zum ersten Liebeskummer so gar nicht von Bedeutung.
Scheinbar ist es für die Mehrheit der hier versammelten Erwachsenen ganz einfach, das zu erkennen.
Selbst bei „knatschroten Tüchern“ kriegt man das problemlos hin.
Aufgreifen des ursprünglichen Beispiels:
„Im Studium hat lernen“ macht wenig bis null Spaß, der GANZ OFFENSICHTLICHE Sinn ist es, ein stärkeres/kompetenteres Gehirn zu bekommen. Davon profitiert langfristig sogar die ganze Gesellschaft.
„Protokolle schreiben“ ist mega-doofi-doofi und langweilig – davon, dass Ergebnisse/Beschlüsse fest und undiskutierbar stehen profitieren wieder alle…
…muss man das jetzt wirklich an Beispielen durchdeklinieren?
Ziemlich, wenn Sie die für Sie unmotivierensten Arbeiten rückwärts als Allgemeingut auf das Lernen-lernen bei Kindern überstülpen zu können.
Beim Laufenlernen bestärken wir Kinder ununterbrochen und feuern sie an, anstatt sie mit unserem Erwachsenenalltag anzuöden – fast so als wäre dieser Vergleich völlig unangebracht, ggf. sogar ein Gedankenanstoß für Sie, ob wir nicht etwas an unserer Arbeit ändern können 😉
„Was Sinn ergibt, liegt ja oft einfach nur im Auge der Betrachtenden und hängt sehr stark vom Alter ab.“
Wie sie hoffentlich in vierzig Jahren über Ihre heutigen Eindrücke denken werden… 🙂
Da ich bereits recht betagt bin, denke ich nicht, dass ich denselben Wandel wie von damals bis heute noch einmal durchmachen werde.
Entwicklungspsychologisch ist das nämlich sehr unwahrscheinlich.
Sie schaffen das! Nur um mir einen reibzudrücken 😉
Ach nee…ich bin mir gerade unsicher, über was für Fühli-fühlis wir hier diskutieren…genau DAS ist doch gerade der Unterschied zwischen Chaos und Ordnung:
Praktisch ALLE (quantitativ gesehen) Routinetätigkeiten in einer zivilisierten Welt machen in der Regel NULL „Spaß“, sind aber fünftausendprozentig SINNvoll.
– Zähneputzen? Nervt, Sinn offensichtlich. Der Zahnarztbesuch widerspricht für 98% der Menschen sogar drastisch jedem Wohlgefühl…dafür verenden wir nicht wie zahnkranke Wildtiere, die nix mehr essen können.
– Müll rausbringen, den sogar noch sortieren, statt die stinkende Tüte einfach aus dem Fenster zu feuern?
Der KONFLIKT zwischen unseren „Gefühlen“/Impulsen und dem was sinnvoll ist (weil wir nicht mehr in Jäger-Sammler-Clans in irgendwelchen Steppen leben) ist doch das Problem.
Die Frage danach, was „Spaß“ macht sollte nun wirklich die allerletzte Frage sein, wenn man wirklich GARKEIN anderes Problem mehr zu lösen hat.
Dafür gibtbes die FREIzeit, da macht dann (alleine oder zusammen) jeder, was er will und hat Spaß.
Etwas vom hohen Ross gesprochen. Wenn Sie Ihren Job nicht mögen, weil er anstrengend (!) ist, wechseln Sie ans Gymnasium, wo Sie weniger mit „faulen“ Familien konfrontiert werden.
Aber ersparen Sie Ihre Philosophie besser den Menschen, die WIRKLICH einem Job an der Kasse, im Versand oder der Pflege nachgehen
Ich mag meinen Job. Was ich nicht mag, sind Protokolle und Statistiken (sie gehören aber dazu).
Oha, da werden Sie das Mitgefühl der Minijobber*innen, Supermarktangestellten und Umzugshelfer*innen sicher haben. Wahrlich Licht und Schatten, diese Arbeit im (Einzel?)Bürozimmer…
Also bitte Lehrkräfte und Co müssen von Natur aus alles an ihr Job geil finden, sonst sind sie untauglich. Die armen Kinder, die Leiden schon sehr am ihrer geringen Freude an der Bürokratie…
Also in anderem Jobs sind die Leute motivierter und freuen sich von morgens bis abends über ihre Arbeit.
Hatten sie schon mal einen Job an der Kasse?
Ich stellte eine Kasse auf beim Ladenbauer, zählt das?
Ich weiß nicht, was das daran ändert, dass Vehrenkamp Protokolle und andere Aufgaben als Akademiker als ernsthafte Belastung zu verkaufen versucht, aber nein: weder beim Ladenbau, noch beim Catering, am Fließband, im Hotel oder am Flughafen habe ich so einen Vergleich gefunden. Er verwechselt persönliche Langeweile unter großzügigen Rahmenbedingungen mit echter Belastung.
Und ehrlichgesagt, glaube ich nicht, dass dies der belastende Teil seines Berufes ist, nur dieser passt nicht in den unpassenden Ying-und-Yang-Vergleich -__-
Aha. Also darf ich manche Tätigkeiten nicht ungern ausführen, weil ich dann gleich ein mieser Lehrer bin? Wird das in anderen Berufen den Mitarbeitern auch so vorgeworfen?
Ich glaube, in dieser Aussage liegt wohl eher das Problem.
Man muss als Lehrkraft alles mit Liebe und für die leuchtenden Kinderaugen tun, sonst ist man keine gute Lehrkraft? Echt jetzt?
Aber okay, einige hier haben dann wohl ihren Traumjob mit dem Traumleben indem sie jeden Morgen aufstehen und sich unbändig auf alle Tätigkeiten freuen die der Tag so bringt. Selbst, wenn es das Klo putzen oder Behördengänge sind? Na dann.
Sie sollten schon den Sinn in Ihrer Arbeit erkennen. Wenn nicht, sollten Sie sich eine neue Aufgabe suchen.
Diesen Zynismus von „leuchten Kinderaugen“ verstehen wir null. Warum sind Sie Lehrer geworden – wenn nicht, um für Kinder und Jugendliche zu arbeiten?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Sie stehen auch nicht vor Klassen.
Wir sprechen aber täglich mit vielen Menschen, die vor Klassen stehen – und berichten darüber. Deshalb sind wir ein Medium für Lehrkräfte und andere Bildungsprofis. Wenn wir Lehrkräfte wären – könnten wir News4teachers nicht machen. Und wenn wir zynisch über „leuchtende Lehreraugen“ schreiben würden, dürften Sie sich zu Recht wundern.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Der von Ihnen attestierte Zynismus, der sich in diversen Post manifestiert, ist aus meiner Sicht eine Art Selbstschutz, mit dem sich Lehrkräfte gegen Anforderungen aus Politik und Gesellschaft stemmen, die Ihnen im Gegenzug für größere Belatungen eben keine Kompensation anbietet und als Lohn lediglich die „leuchtenden Kinderaugen“ in Aussicht stellt.
In Bezug auf das „Leuchten“ habe ich als alter Zyniker schon immer vorgeschlagen, die Kinder zum Heulen zu bringen, da die tränenbenetzten Äuglein ganz wunderbar glänzen.
„…und als Lohn lediglich die ‚leuchtenden Kinderaugen‘ in Aussicht stellt.“ Wo? Wann? Gerne Quellen nennen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ruhrquelle, Paderquelle, Lippequelle oder noch mehr?
Die „leuchtenen Kinderaugen“ sind ein Synonym für leere Versprechungen, mit denen sich eine Vielzahl von Lehrkräften eben nicht mehr abspeisen lassen will. Solange sich die gesamte Bildungsdebatte in einem Schulformstreit verliert, wird sich nichts ändern – vor allem nicht zum Besseren.
Ob den SuS nun Fähigkeiten und Fertigkeiten oder Kompetenzen vermittelt werden sollen, ist zweitrangig. Vor allem solange große Teile der erwachsenen Bevölkerung darauf bestehen, dass ihnen die gesamten schulischen Inhalte in ihrem Leben nichts gebracht hätten und man große Teile des Schulstoffes nie gebraucht hat. Und was A für unnötiges Zeug hält, war für B essentiell usw. usf.
Welche leeren Versprechungen denn? Wir wissen tatsächlich nicht, was Sie damit meinen. Meinen Sie Wahlprogramme, in denen (die FDP) „weltbeste Bildung“ versprochen hat? Nunja, ist halt die FDP. Und das Versprechen galt auch nicht den Lehrkräften, sondern den Eltern. Hier mal exemplarisch das CDU-Bildungsprogramm: https://www.cdu.de/themen/bildung-und-forschung/
Wo ist darin ein Versprechen an Lehrkräfte enthalten, das sich irgendwie als „leuchtende Kinderaugen“ deuten ließe? Uns scheint eher das Gegenteil richtig: reichlich unambitioniert. Ein paar konkrete Versprechungen, deren Erfolg sich dann auch messen ließe, täten schon mal gut. Aber die scheuen Kultusminister wie der Teufel das Weihwasser. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2025/12/intensive-vertrauliche-gespraeche-prien-will-laender-auf-ueberpruefbare-bildungsziele-festnageln/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Welche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen hat es denn in den letzten 30 Jahren gegeben. Wenn Sie weiter die Bildungspoltik auf’s Schild hebe n wollen, das ist mir egal. Ich bin zwar mittlerweile im Ruhestand, ich beziehe mich in erster Linie auf die Bedingungen, unter denen die bildungspolitischen Ziele von Mitarbeitenden umgesetzt werden müssen. Und das mit besonderem Augenmerk auf die Schlechterstellung Angestellter Lehrkräfte gegenüber ihren verbeamteten Kolleg*innen.
Weiter die fehlende Paralleltabele, die fehlende Arbeitszeiterfassung, die Unverhandelbarkeit des Paragraphen 44 TV-L, die Arbeitsplatzsituation im Lehrerzimmer, der fehlende Schallschutz, die teilweise unsägliche Bausubstanz der Schulgebäude usw.
„Welche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen hat es denn in den letzten 30 Jahren gegeben.“ Mag ja sein. Aber was hat das mit den Schülern, mit „Kinderaugen“ zu tun?
Wir heben nicht die Bildungspolitik aufs Schild – im Gegenteil, wir kritisieren sie tagtäglich. Wir stellen nur fest, dass sich offenbar ein Zynismus unter manchen Lehrkräften verselbstständigt hat, der sich an die falsche Adresse richtet: Die Kinder können nichts dafür.
Mit Kundenbeschimpfung (gar öffentlich geäußert) ist noch kein Unternehmen erfolgreich geworden.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Zynische Kommentare in einem Forum sehen Sie als Indiz für das potentielle Verhalten gegenüber den SuS im Schulalltag?
Ich kenne auch Inhalte von Kantinengesprächen unter Kollegen, in denen über die Kundschaft abgelästert worden ist, ohne dass es Beanstandungen der Kunden im geschäftlichen Kontakt kam.
Das hier ist aber kein Kantinengespräch – sondern ein öffentlich zugängliches Forum. News4teachers hat monatlich über zwei Millionen Leserinnen und Leser, darunter auch Eltern und junge Menschen, die mit dem Gedanken spielen, Lehrkraft zu werden.
Glauben Sie, solche Zynismen würden das Image von Lehrerinnen und Lehrern nicht beeinflussen? Wir halten öffentlich geäußerte, abwertende Sprüche über Kinder für extrem kontraproduktiv, weil sie die Arbeit vieler Lehrkräfte vor Ort erschweren (wenn Eltern nämlich glauben, diese Bosheit wäre handlungsleitend im Klassenraum). Und, nein, wir selbst glauben das nicht. Was wir glauben, ist in diesem Fall aber nebensächlich.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Sie haben also Angst, dass der Zynismus potentielle Lehramtsstudierende verschrecken könnte. Wenn ich schon Werbung machen soll, dann nur gegen Provision.
Die Kantine war in einem Ministerium
Warum schicken viele -auch Lehrer/innen-ihr Kinder auf Privatschulen (Waldorfschulen gehören auch dazu)? Weil die staatlichen so toll sind. Diskutiert man in den Kantinen darüber?
Wo war denn der abwertende Spruch gegen Kinder?
Ich habe hier bei vielen eher gelesen, dass das, was wirklich den Kindern Zugute kommt gerne gemacht wird, überflüssige Bürokratie nicht.
Und dafür bekam man hier vorgeworfen, man sei eine schlechte Lehrkraft, weil man keine Freude an Bürokratie hat. Hä??? Was ist das denn für eine Argumentation?
Die SuS, die mit dem Gedanken spielen, auf Lehramt zu studieren, sehen das Elend jeden Tag direkt und in Farbe. Wen das nicht schreckt, den schreckt auch dieses Forum nicht.
„ wenn Eltern nämlich glauben, diese Bosheit wäre handlungsleitend im Klassenraum“
Och, manche Eltern glauben viel, wenn der Tag lang ist. Da braucht es dieses Forum nicht für. Und wer richtig ablästern will, holt sich seine Gründe ganz sicher nicht hier: der geht zu X und Co. Das ist viel zu harmlos hier. Und vor allem: keiner hier weiß, wer tatsächlich als Lehrkraft arbeitet, wer ein Bot, wer ein Troll und wer einfach gern mal in andere Rollen schlüpft.
Ein gut gemeinter Rat: Sie sollten kein Kantinenessen von Menschen annehmen, die schlecht über Sie reden
Wer sagt denn, dass ich in der Kantine gegessen habe?
Und man höre sich mal an, was Chirurgen am OP-Tisch so alles von sich geben…
„Die “leuchtenen Kinderaugen” sind ein Synonym für leere Versprechungen, mit denen sich eine Vielzahl von Lehrkräften eben nicht mehr abspeisen lassen will.“
Sie verwechseln das gewünschte Ziel, dass es zu erarbeiten gilt, mit einem Versprechen.
Wenn das die derzeitige faule Generation [aktuelle Generation hier einfügen] wüsste, wie Sie Schneeflöckchen nach besseren Arbeitsbedingungen rufen. Mal so gar nicht belastbar 😛
Na dann auf, Gründen Sie Ihr eigenes Magazin 🙂
„ Diesen Zynismus von “leuchten Kinderaugen” verstehen wir null.“
Ich erkläre gern:
Leuchtende Kinderaugen zahlen nicht meine Miete. Und wenn mein AG eine bestimmte Leistung will, dann soll er diese bezahlen und nicht auf die „leuchtenden Kinderaugen“ verweisen, die doch Lohn genug wären. Sie kennen die Arbeitszeitstudien.
Wo verweist ein Kultusministerium auf „leuchtende Kinderaugen“? Haben wir noch nie gelesen. Wir gehen schon davon aus, dass Sie regelmäßig ein Gehalt beziehen. Nebenbei: Hier lesen Tausende von Nicht-Lehrkräften mit. Was sollen die von Sätzen wie „leuchtende Kinderaugen zahlen nicht meine Miete“ halten? Was wäre denn eine genehme Alternative: tränende Kinderaugen?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Nö.
„Genehm“ wäre es, wenn die ständigen Versuche aufhören würden, offene Rechtsbrüche (–> Arbeitszeiturteile) und ständig Mehrarbeit verursachende Vorschläge EINZUSTELLEN, statt mit dem Versuch der moralischen Erpressung über das meta-Meme der „leuchtenden Kinderaugen“ diese durchzusetzen.
Als ob Sie nicht haargenau wüssten, was gemeint ist…
Nein, wissen wir nicht. Mit diesem uferlosen Pauschal-Gejammer über den Arbeitgeber („moralische Erpressung„) können wir wenig anfangen – schon gar nicht von Lehrkräften, die ansonsten in diesem Forum auf, mit Verlaub, dicke Hose machen, wenn es um vermeintliche Kuschelpädagogik („Fühli-Fühli“) geht. Wenn’s einen dann selbst betrifft, kann es offenbar gar nicht kuschelig genug zugehen. Gerne konkret Ross und Reiter nennen: Wer hat wann wen erpresst? Das lässt sich dann auch konkret kritisieren.
Ansonsten gilt: Wer sich von seinem Arbeitgeber erpresst fühlt, sollte allen Ernstes über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken. Zur Klarstellung: Das heißt nicht, dass die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften nicht zu kritisieren wären (tun wir fast täglich). Moralische Erpressung ist aber noch mal eine ganz andere Kategorie. Dass es zum Beispiel keine Arbeitszeiterfassung im Schuldienst gibt, wird von Kultusministern mit organisatorischen Besonderheiten des Lehrkräfteberufs begründet – eine Argumentation, die von manchen Lehrkräfteverbänden durchaus geteilt wird. Kann man für falsch halten, kann man kritisieren (tun wir auch), ist aber eben keine Erpressung – womit denn auch?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Natürlich können Sie da nix mit anfangen, Sie machen das ja auch nicht jeden Tag. Irgendwas wird wohl dran sein, sonst wäre das System nicht am Arsch.
Ich zitiere mal die Quereinsteigerin aus dem momenaten Titelthema:
„Alle waren abgekämpft, müde und hatten keinerlei Kapazitäten, jemanden zusätzlich zu unterstützen.“
Das mag alles sein – nur können die Kinder nichts dafür. Die leiden unter den Bedingungen genauso wie Sie.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Sie wollen es nicht verstehen, oder?
Sie verstehen nicht, was so etwas in der Öffentlichkeit anrichtet. Lesen Sie mal die Überschrift des Artikels oben: Wohlbefinden, so wichtig – in einer Gruselschule, in der die Lehrer über „leuchtende Kinderaugen“ ablachen?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Vielleicht sollte man dann als AG die Rahmenbedingungen so stellen, dass sie tatsächlich zum Berufsbild passen?
Und dann wird eben nicht mehr von „leuchtenden Kinderaugen“ gesprochen. Denn das ist eben die – wie Sie definitiv wissen – Übertragung einiger Punkte als „bitte bitte macht so weiter und unbezahlte Mehrarbeit – es geht um die Kinder“.
Nur leuchten – wie Sie selbst hier feststellen – einige Kinderaugen halt so oder so nicht. Weder früher, noch heute.
Heute wird (sich potentiell) nur mehr darüber beklagt, dass Schule so „hart“ sei und das man „dies doch sowieso nicht braucht“.
Einigen reicht eben „Sozialstaat“ gepaart mit „social Media“.
Auch der Realität müssen wir doch in’s Auge mal blicken.
Kinder werden sich nicht wohlfühlen, wenn Lehrkräfte keinen guten Job machen können.
Wer hat das wo getan? Über Kinder hat hier keiner gelacht.
Das Sie das Versagen der Politik als Ausrede nutzen, anstatt es anzuprangern und Besserung zu fordern?
Das hatten wir doch alles schon. Es gibt keine Pause, es gibt kein zurück – wie bei den Frauenrechten.
Aber wie auch dort ist noch viel Luft nach Oben und wir können Besserung einfordern und anbahnen
Der eine will nicht, der andere kann nicht – wer weiß das schon…
Moralische Erpressung. Die Kinder leiden und können nichts dafür. Deswegen sollen sich alle eben noch mehr anstrengen. Bis zum Burnout und noch viel weiter…
Oder in den Worten des DGB: Missbrauch
(“Intrinsische Motivation und Empathie des Personals werden missbraucht”)https://www.news4teachers.de/2026/05/dgb-fordert-milliardenschwere-bildungsoffensive-intrinsische-motivation-und-empathie-des-personals-wird-missbraucht/
Na watt denn nu:
Die Kinder können nichts dafür und deshalb müssen die Lehrkräfte es trotz nicht vorhandener Ressourcen zusätzlich richten (der Lohn sind nicht etwa entsprechendes Gehalt oder Arbeitszeitanrechnung, sondern „leuchtende Kinderaugen“)
oder:
die Kinder können nichts dafür, der AG stellt die Ressourcen nicht, also haben die Kinder halt Pech gehabt.
Wenn wir uns über ersteres beschweren (weil wir so den Kindern eh nicht gerecht werden können auf Dauer), „jammern“ wir nach Ihrer Aussage, wenn wir letzteres tun, sind wir zynisch und sollen den Job wechseln.
Habens denn nen Lösungsvorschlag für die Lehrkräfte?
Wahrnehmen, dass Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler im selben Boot sitzen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ähnlich wie die besatzung und die passagiere auf Kreuzfahrschiffen. Nur die einen müssen zahlen und die anderen werden bezahlt. Aber sonst sind alle gleich, wenn der Pott untergeht.
Deshalb richtet sich „leuchtende Kinderaugen zahlen meine Miete nicht“ weder an Eltern noch an Kinder, sondern einzig und allein an den Arbeitgeber. Sollte eigentlich klar sein.
Wir wüssten nicht, wie anonyme Posts im Leserforum von News4teachers den Arbeitgeber erreichen sollten. Herzliche Grüße Die Redaktion
Nana, Sie betonen doch auch sonst, dass die Politik hier mitliest! Jetzt doch nicht?
Die Kultusminister bekommen jeden Morgen einen Pressespiegel, in dem auch News4teachers-Berichte vertreten sind – Berichte, nicht anonyme Leserkommentare.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
In sozialen Berufen findet sehr oft eine moralische Erpressung statt. Das gilt nicht nur für Lehrer, Erzieher, Pflegepersonal usw. sehen sich ständig in diesem Spannungsfeld. Man kann ja die Leute/Alte/Kranke/Kinder nicht im Stich lassen. Klar, das ist nicht fair, andere im Stich zu lassen. Aber es ist eben auch nicht fair, dass man jegliche Verhältnisse legitimiert, in dem man den Beteiligten suggeriert, sie wären dran Schuld,wenn sie sich nicht genug opfern für Alte/Kranke/Kinder. Und das ist Erpressung, denn gerade in sozialen Berufen sind viele Menschen sehr verantwortungsvoll und werden so an ihre Grenzen gebracht, weil sie auf sich selbst nicht genug achten. Ihnen wird ja suggeriert, dass sie das nicht dürfen, wegen der Verantwortung den Schwächeren gegenüber. So etwas ist moralische Erpressung.
Sie finden vor allem eine bestimmte Einstellung der Leute zu ihrer Arbeit, die sich da erpressen lassen.
Stahlwerkern hingegen ist es vollkommen egal, ob nachgelagerte Produktionsbereiche wie z.B. Walzwerke von den Vorprodukten abgeschnitten werden oder die Anlagen des Stahl- und des Hüttenwerkes herunter gefahren werden müssen. Die fühlen sich auch moralisch nicht gegenüber den Arbeitern im Presswerk der Automobilhersteller verpflichtet, die ohne Blech nichts zu tun haben.
Wäre Ihnen das Grundgesetz lieber, dass Sie einen Job zu erfüllen haben, auch wenn Sie keinen Bock auf die Kinder haben, weil Sie nicht Ihren falschen Allgemeinplätzen von vor 40 Jahren entsprechen? 😉
Danke
Regelmäßig erscheinen hier Artikel in denen Wissenschaftler ein „Mindset“ oder eine „Haltung“ zu bestimmten Dingen (die ressourcenmäßig nicht leistbar sind) fordern.
Alternative zu „leuchtenden Kinderaugen“ wäre eine Schaffung von Ressourcen oder eine Anpassung der Anforderungen.
Dann gerne „doofe Wissenschafler“ (verbunden mit konkreter Kritik). Gerne nochmal: Zynismus, der sich gegen Kinder richtet, macht das Bild von Lehrkräften in der Öffentlichkeit nicht sympathischer.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Der Begriff „leuchtender Kinderaugen“ als Begrifflichkeit gilt Null – wirklich absolut Null – als Kritik gegenüber Kinder. Das müssten Sie eigentlich auch wissen.
Die Kritik gegenüber „dem gesellschaftlichen Wandel“ generell und somit auch der „jungen Generation“ stellt sich anders. Die gibt es. Sie sind dabei Leidtragende. Richtig. Ist aber halt auch eine Kritik, dass sie diese „Opferrolle“ zudem oftmals gerne erfüllen.
Dann gibt es Kritik gegenüber den Folgewirkungen der Arbeitswelt und Gegebenheiten. Somit an Eltern, welche keine/kaum Zeit für ihre eigenen Kinder haben. Auch das ist oftmals zum eigenen Leid zwar, allerdings ebenfalls eine Folgekonsequenz eines systemischen Versagens. Also: Systemisches Versagen. Allerdings Folgewirkung der Kritik an die Bedingungen der Folge.
Wo sehen Sie dies als Problem?
Gibt es bei Lehrkräften doch auch, wenn man sich ehrlich macht.
Einige verstecken sich hinter dem Beamtenstatus.
Manche resignieren und machen „nur das absolute Minimum“.
Manche schieben die Arbeit auf oder weiter. Belasten dadurch andere ggf.
Auch das sind Folgewirkungen vom systemischen Versagen und der Berufsprofilgebung. Dazu der Erwartungshaltung und -forderung. Auch diese sind Leidtragende. Die Kritik ist und bleibt aber erstmal valide. Unser Bildungssystem ist auf dem absteigenden Ast. Lehrkräfte können oftmals ihr Berufsprofil gar nicht mal ausreizen und „genug sein“. Das ist zu kritisieren. Systemisch [Staat, AG], sowie als „Ist-Wert“ der aktuellen Schulwelt [somit auch der Lehrkräfte].
Beispielsweise: Lehrkraft ist systembedingt/sonst warum ständig krank. Kritik: Lehrkraft ist ständig krank. Absolut in Ordnung. Das ist ein „Zustand“. Dann schauen, warum der so ist. Ist es systemisch? Dann hier kritisieren. Ist es „individuell“ [„falsche Berufswahl“ – bspw. man „hasst“ Kinder] – dann auch so kritisieren.
Keine Ahnung, warum man dies nicht trennt. Schaffen viele einfach nicht. Die Trennung ist jedoch sehr wichtig, damit man – individuell und systemisch – solche Wirkungen einordnen kann.
Individuell kann man dann hantieren. Bspw. mein Wechsel von der staatlichen Schule zur Privatschule damals.
Bspw. ggf. der Wechsel/Zusatz zu einem Hort künftig.
Zynismus hilft vielen als Anker, um mit der Lebensrealität überhaupt noch umgehen zu können/umzugehen. Auch das muss man (leider) als Faktor sehen. Das ist in einigen Bereichen bei vielen Menschen eben so.
Daher wäre der Schritt mal tatsächlich die Lebensrealität im Bereich Beruf hier zu ändern.
Entweder individuell und/oder systemisch [kommt erst beim Bildungskollaps wie mehrmals gesagt].
Und natürlich ist auch eine Kritik, dass viele „unglücklich“ im Job bleiben als Lehrkraft. So oder so. Auf individueller Ebene und auf systemischer Ebene.
Wo ist das Problem, dies auch mal ehrlich zu machen. Sich zu reflektieren und Fragen zu stellen. Diese dann eben durch eigene Handlung ggf. zu ändern.
Systemisch? Ist die Erwartung vorerst bis 2030 mal bei Null. Eher bei „weiterer Verschlechterung“. Braucht sich keiner was vorzumachen.
„Gerne nochmal: Zynismus, der sich gegen Kinder richtet, macht das Bild von Lehrkräften in der Öffentlichkeit nicht sympathischer.“
Wer äußert denn hier Zynismus, der sich gegen Kinder richtet?
Mal in einer Runde mit Eltern abfällig von „leuchtenden Kinderaugen“ erzählen – dann verstehen Sie vielleicht, was wir meinen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Kommt auf den Kontext an.
Wenn ich von der desolaten ausstattung der Schule und den fehlenden ressourcen mit den Eltern spreche und in dem zusammenhang einwerfe, dass der „Dienstherr“ aus den genannten Gründen von mir erwartet, diese Missstände durch Mehrarbeit wegen der „leuchtenden Kinderaugen“ zu kompensieren, wird das sehr wohl als nachvollziehbar und nicht als zynisch empfunden. Dabei ist es egal, ob die jeweiligen Gesprächspartner sich meiner Einschätzung anschließen oder nicht.
Verstehen Sie absichtlich miss? Das kann ich eigentlich nicht glauben… Die „Abfälligkeit“, wenn es denn eine solche ist, richt sich nicht gegen die Kinder, sondern gegen den AG, der erwartet, dass man aus Pflichtbewusstsein die Kinder schon nicht hängen lässt, ungeachtet der Tatsache, dass man die aufgewandte Arbeitszeit nicht vergütet bekommt.
Ob Pflege, Jugendarbeit,… – in allen sozialen Berufen wird offensichtlich erwartet, dass dringend notwendige Mehrarbeit für den AG kostenfrei geleistet wird: leuchtende Kinderaugen oder Gotteslohn oder Klatschen vom Balkon muss reichen.
Wir lesen daraus, dass „leuchtende Kinderaugen“ keine Mühe Wert sind – und dass es um motivierte Schüler im Lehrerberuf (angeblich) nicht geht.
Sehen wir (wie viele Lehrkräfte, wie wir wissen) anders. Gerne mal nachlesen: http://www.news4teachers.de/2025/04/selbst-der-bestgeplante-unterricht-bringt-wenig-wenn-die-beziehung-nicht-funktioniert-was-eine-gute-lehrkraft-ausmacht-ein-interview/
Kritik am Arbeitgeber ist ein ganz anderes Thema. Da reicht doch die Aussage: „Ich will/werde nicht für lau arbeiten…“ Völlig legitim. Wir haben von Altenpfleger*innen oder Krankenpfleger*innen jedenfalls noch nie gelesen, dass sie nicht für „leuchtende Greisenaugen“ bzw. „glücklich grinsende Patienten“ arbeiten würden.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Es gibt redaktionelle Beiträge, die mir auch keinen „Glanz in die Augen“ zaubern.
Ich habe den Job in allererster Linie wegen der Knete am Ende des Monats gemacht. Wobei gut 40% davon ist eh wieder in die Taschen des Staates geflossen. Einen Teil davon hole ich mir jetzt ohne Bedauern zulasten der jüngeren Generationen zurück.
Bei Betrachtung der VBL-Rentenanpassung um 1% tritt auch kein „Leuchten in die Augen“. Vermutlich. In ich nicht kindlich genug
„ Wir lesen daraus, dass “leuchtende Kinderaugen” keine Mühe Wert sind – und dass es um motivierte Schüler im Lehrerberuf (angeblich) nicht geht.“
Ich denke, dass Sie dann halt falsch interpretieren. Die Kommentare stützen Ihre Interpretation jedenfalls nicht.
Auf 1.000 Leser kommt hier ein Kommentar. Herzliche Grüße Die Redaktion
Hmm, nach meinen Beobachtungen freut sich jeder, der ernsthaft an der Entwicklung von Kindern interessiert ist, an den leuchtenden Kinderaugen. Es freut einen doch, wenn man sieht, dass die Kinder etwas allein geschafft haben, oder etwas verstanden (gelernt) haben. Ich jedenfalls habe mich immer gefreut und war auch ein bisschen stolz (am meisten auf die Kinder, ein bisschen auch auf mich 🙂 ), wenn ich bei meinen Kindern, Enkeln und Schülern dieses „Leuchten“ erreichte. Aber, es darf nicht sein, dass Außenstehende moralische Druckmittel („die Kinder können doch nichts dafür“) verwenden, um immer mehr „für lau“ zu fordern. Eltern und Großeltern machen das hoffentlich „für umme“, bei Menschen, die in sozialen Berufen tätig sind, ist es ein „nice to have“, welches die Freude am Beruf erhöht, mehr aber auch nicht. „Wir“ (Lehrer, Erzieher, Sozialarbeiter, …) können nämlich genau so wenig für die äußeren (oft familiären) Bedingungen, wie die Kinder.
„Zynismus wird oft als psychologische Schutzfunktion eingesetzt, um Frustration oder Enttäuschung zu bewältigen.“
Bleibt die Frage, wer hier von wem enttäuscht wird und deshalb frustriert ist.
„die ressourcenmäßig nicht leistbar sind“
Weil Poitiker*innen lieber Steuergeschenke machen, umweltschädliche Subventionen auszahlen und sich weigern, etwas gegen die ungebremste Vermögensverschiebung hin zu den reichsten 10% der Gesellschaft zu unternehmen?
Ja, wie krass diese Wissenschaftler*innen sind, wissenschaftlich zu forschen, anstatt ihre Erkenntnisse nach politischen Interessen auszuhängen XD
Genauer lesen täte es auch. Es ging oben um die Bürokratie und die ganzen Formulare und den Vorwurf, dass man eine schlechte Lehrkraft wäre, nur weil man auf Protokolle und Formulare eben keine Lust hat.
Und dass man das nur als Lehrkraft oder Erzieher nicht haben darf, sondern alle Tätigkeiten immer mit der höchsten Freude tun muss, sonst taugt man nix. Keine Wunder, wenn dein LuL ins Burnout rutschen, weil man ihnen suggeriert, dass sie alles perfekt und voller Hingabe machen müssen, selbst die dümmlichste Formalität.
„HANNOVER. Zertrümmerte Tische und Stühle, eine geflutete Turnhalle: In einer Grundschule sieht es nach Ostern übel aus. Die Polizei hat zwei mutmaßliche Täter ermittelt. Sie sind elf und zwölf Jahre alt.“
Das lese ich gerade bei n4t. Es gehört doch auch dazu. Ich höre Ähnliches über Toilettenbereiche, über Grünanlagen……. Bestimmt meint die Autorin, wenn sich alle an den Schulen wohlfühlen, passiert sowas auch nicht. Richtig?
Wieso sollte sie das meinen? Es geht ums Lernen – nicht darum, das gesellschaftliche Paradies zu versprechen, in dem es keine gestörten Kinder mehr gibt.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ich sag mal so: wenn Kinder sich in der Schule wertgeschätzt fühlen und dort mehr Freiheiten hätten, würden sie dann ihren Frust an ihr auslassen oder eher nicht? Was glauben Sie?
Was die Hirnforschung sagt, kann ich ja alles nachvollziehen. Ich zitiere aus dem Text:
„Das System Gesamtschule funktioniert nur bei uns nicht so gut, weil ein sogenannter Creaming-Effekt eintritt: Eltern, die Gymnasialkinder haben, möchten, dass ihre Kinder auf das Gymnasium gehen und nicht auf die Gesamtschule. Solange wir dieses Auswahlsystem haben, kommen die Besten eben nicht an andere Schulen, um dort die anderen mitzustärken.“
Ich selbst war Schülerin an einer Gesamtschule. Viele von uns sind nach der 10. in die benachbarte Gymnasiale Oberstufenschule gegangen und haben dort nach 3 Jahren problemlos Abi gemacht.
Jetzt unterrichte ich an einem Gymnasium, sollte dort also die „Creme de la crème“ vorfinden (Creaming effect). Aber auch hier behindern die Schwächeren inzwischen die Stärkeren beim Lernen. Viele Kids sind tatsächlich unglücklich und wären lieber an eine Sekundarschule gegangen (angstfreies Lernen so nicht möglich, ich verstehe, also wird Lernen möglichst aktiv verhindert).
Was ich immer nicht verstehe: Es gibt doch (soweit ich weiß, bundesweit) die Möglichkeit, nach der Sek. I an einer Schulform, die nicht Gymnasium heißt, erst einmal die 11. Klasse (in Berlin: Einführungsphase) zu besuchen, dort seine fachlichen, methodischen, (fach)sprachlichen, … Lücken zu schließen und danach gut aufgestellt in die Kursphase (Sek. II, Kl. 12 u. 13) zu gehen.
Warum also die Aussage, ein Kind sei benachteiligt, wenn es von der Grundschule als (noch) nicht geeignet für einen kognitiv ausgerichteten, abstrahierenden, zügig durchgeführten Unterricht angesehen wird? Am Gymmi haben wir auch Projektphasen, aber dann gibt es halt für „1+ 1 = 3“ bzw. „Die pusten den Ballon aus“ statt „Der Ballon wird aufgeblasen“ kein „Das hast du gaaaanz toll gemacht, du bist echt schon nah dran“ sondern ein „Arbeite bitte genauer“.
Ich habe regelmäßig Kids in der 7. Klasse, die vom Berliner „Fernseherturm“ sprechen und meine Richtigstellung nicht erfassen. Sie wollen in der 8. diskutieren und mir klarmachen, dass ein Einkaufszentrum und das Stadtzentrum doch genau dasselbe seien (un centre commercial vs. le centre-ville).
Vielleicht wollen sie auch nur Unterricht verhindern, ob bewusst oder unbewusst. Auf jeden Fall lässt sich bei der Gemengelage ein bis obenhin mit Grammatik vollgepacktes Lehrbuch (sie müssen in der 2 Fremdsprache in 4 Lernjahren B1 erreichen, egal ob Ausfall wg. Drogenprävention, Medienbildung, .. – wirklich wichtige Themen, das streite ich ja gar nicht ab) nicht schaffen.
Fazit: Manche Kinder brauchen mehr Zeit und G8 ist für sie die reine Quälerei. Gerade in meinem Fachbereich (2. Fremdsprache) beobachten wir, dass sie sich sehr schwer tun, sich bei einsetzender Pubertät auf eine neue Sprache einzustellen („Voll peinlich und brauch ich nicht, werde eh nie nach Frankreich / Spanien / … fahren“). Lasst sie erst mal in Ruhe groß werden. Dann können sie in der E-Phase mit der 2. FS beginnen und sich auch ansonsten gymnasial aufstellen.
Die G8-Leute wollen mit 17 dann sowieso erst mal „ihr Leben chillen“. So viele gönnen sich verständlicherweise ein Gap year. Denn 8 ( in Berlin 6) Jahre lang war außer „Friss oder stirb“ kaum Zeit für Sportverein, freiwillige Feuerwehr oder andere wertevermittelnde und kompetenzstärkende Aktivitäten.
Davon abgesehen werden wir mehr und mehr patente junge Menschen brauchen, die mit Freude ins Handwerk gehen und die anderen Jobs machen, die KI nicht kann. Warum ein Leben nur dann richtig verlaufen soll, wenn clevere Kids Abitur machen, habe ich also weiterhin nicht verstanden
Den letzten Absatz unterschreibe ich so. Dass nicht alle in die Oberstufe gehören, denke ich auch, obwohl ich Gemeinschaftsschullehrkraft bin. Da ich jedoch auch in der Oberstufe unterrichte, weiß ich, wovon die Rede ist. Das Abi-Problem zieht sich durch sämtliche Schularten mit Oberstufe.
Der Rest Ihres Beitrags klingt allerdings nach Gym in Berlin.
Ich denke nicht, dass man das von Ihnen Geschilderte auf die Gymnasien in meinem Bundesland übertragen kann. Und G8 gibt es bei uns seit diesem Schuljahr fast nicht mehr. (Die Gymnasien (bis auf wenige Ausnahmen gibt es aufgrund der Wiedereinführung von G9 in diesem Jahr kein Abi.)
Vielleicht können Sie auch einschätzen, ob sich geistig behinderte Kinder in einer Förderschule oder in einer Regelschule wohler fühlen? Merkwürdigerweise wird diese Frage im Zusammenhang mit der Inklusion nie gestellt oder beantwortet. Der Fischteicheffekt besagt, dass sich jeder in einer Umgebung so wohlfühlt, wie sein Status im Vergleich eingeschätzt wird. Das gilt auch für Fußballmannschaften: Keiner möchte gerne der mit Abstand Schwächste in der Mannschaft sein. Also fühlen sich schwache Schüler in starken Schulklassen nicht wohl, sie würden aber in Klassen aufblühen, in denen die anderen schwächer sind. Umgekehrt entwickeln mittelmäßige Schüler in schwachen Schulklassen möglicherweise eine unrealistische Einstellung von ihren eigenen Fähigkeiten („ich bin supergut“) und sind später frustriert, z.B. an der Universität.
Dieser Fischteicheffekt (obwohl in der Psychologie wohlbekannt) scheint zu den besonders leistungsheterogenen Schulklassen einfach nicht gut zu passen. Bei anderen Arten von Heterogenität ist das natürlich anders: Ein Rollstuhlfahrer kann durchaus beim Lernen sehr gut sein, dadurch macht er gewissermaßen sein Handicap zum Teil wett, und die anderen werden das normalerweise auch so sehen. Anders ein Rollstuhlfahrer, der auch noch beim Lernen große Schwierigkeiten hat. Dann addieren sich die Probleme. Wie wird der sich fühlen?
Danke! Diesen „Fischteicheffekt“ beobachtete ich in 12 Jahren Inklusion an einer GS auch.
Es wird immer so gerne mit „wissenschaftlich belegt“ argumentiert. Es klingt dann immer nach „unwiderlegbar“. Das hat so etwa den Wert, wie man früher sagte, da stünde etwas Schwarz auf Weiß oder man habe es mit eigenen Augen gesehen. Diese „Beweiskraft“ hat sich inzwischen ja hinreichend erledigt (Stichwort KI). Man muss wieder selber denken, zweifeln, prüfen… Auch bei Studien spielt ja immer schon eine Rolle, wer sie in Auftrag gegeben hat und außerdem:
„Wissenschaft im SelbsttestWenn Forscher falsch liegenEine neue wissenschaftliche Studie weckt Zweifel an der Aussagekraft wissenschaftlicher Studien. Forscher des Center for Open Science haben die Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Studien überprüft, die in renommierten Fachmagazinen publiziert wurden. Das Ergebnis ist ernüchternd: Oft war der behauptete Effekt nicht nachweisbar.“
https://www.deutschlandfunk.de/wissenschaft-im-selbsttest-wenn-forscher-falsch-liegen-100.html
Und vor allem hier: https://idw-online.de/de/news868990
Das Schöne an Wissenschaft ist, dass die Daten, Methoden der Datenerhebung und Ergebnisse offenliegen – zur fachlichen Kritik. Wissenschaft pauschal in Zweifel zu ziehen, ist – nunja – etwas rückwärtsgewandt. Bevorzugen Sie magisches Denken?
Lustig auch: Eine Studie will erhoben haben, dass Studien häufig falsche Ergebnisse bringen – mmmmhhhh… wer sagt denn dann, dass diese Studie richtig liegt?
Etwas ernsthafter argumentiert: Behauptet wird in der von Ihnen verlinkten Pressemitteilung im Eingangssatz, „die Fähigkeit, eine Studie zu wiederholen und dasselbe Ergebnis zu erzielen, ist ein Grundpfeiler für Glaubwürdigkeit in der Forschung.“ Sorry, das ist schon Quark. Das mag für die Naturwissenschaften gelten. Die Human- und Sozialwissenschaften (übrigens auch die medizinische Forschung) entziehen sich aber einer schlichten Reproduzierbarkeit – weil es nunmal keine Menschenversuche in Laboren unter stets gleichen Bedingungen gibt.
Deshalb kommt es in den Sozialwissenschaften sehr auf den theoretischen Rahmen an. Dass der diskutierbar ist – Binse. Aber eben nur auf wissenschaftlichem Niveau. Ein schlichtes „Glaub-ich-nicht“ ist und bleibt, sorry, Dummschwätzerei.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„Es klingt dann immer nach “unwiderlegbar”.“
Nur für Sie, wissenschaftliche Arbeit funktioniert fundamental anders – wie Sie gelernt haben sollten…
„Wer zufrieden ist, der arbeitet besser, intensiver, länger, tiefgehender“
Ja, Fakt, wissen Lehrerinnen ganz besonders gut.
Vlt sollte man im Olymp n4t abonnieren und die Ignoranz gegenüber der Wissenschaft auch in diesem Fall endlich sein lassen.
Auch der Olymp gibt seit Jahren NUR Druck weiter – und die unteren Ebenen sollen es anders machen?
Ja, aus eigenem Interesse, wissenschaftlich begründet.
Denn „Die Schule ist zumeist ein Drucksystem [geworden], Motivation hingegen ist ein Zugsystem.“
Deshalb funktionieren auch die materiellen Anreize, Lehrerinnen zu ködern, nicht so toll.
Bei Lehrerinnen müsste der präfrontale Cortex ausgereift sein.
Warum sperren wir uns also oftmals gegen ganz einfache, längst erwiesene Tatsachen ?
„Diese frühe Einsortierung ist aus entwicklungspsychologischer und neurowissenschaftlicher Perspektive überhaupt nicht haltbar, weil das Gehirn nicht ausgereift ist mit zehn Jahren. Der präfrontale Cortex, also die ganzen Exekutivfunktionen für Planung, Organisation, Zielentwicklung, ist ja erst mit etwa 20 bis 22 Jahren ausgereift.“
Ich beobachte dies tagtäglich bei meinen SuS – sie verändern sich in den 3,5 Jahren Ausbildung oft total, nabeln sich ab, denken vorwärts, werden zielorientierter- zum Guten wie zum Schlechten ( häufig dann, wenn sie zu früh überfordert wurden und die Schulkarriere rückwärts durchliefen. Das muss nicht sein)
@ Redaktion
Trotz der ungünstigen derzeitigen Situation:
Ich weiß nicht, ob ein Gesamtschulsystem vorteilhafter für die Schülerinnen wäre. In erster Linie müssten die Rahmenbedingungen olympianischer Art, konstruktivere Elternbeteiligung, Erziehungspflichten der Eltern, gesellschaftlich höher angesehene Bedeutung von Schule und Ausbildung erfolgen.
Vieles in der Lehrerausbildung, Entrümpelung der Pläne für Lehrer und Schüler, menschenwürdige Schulgebäude ( das fehlt zum Thema Wohlbefinden im Artikel, glaub ich) – also einfachste Veränderungen und somit geundlegendeWohlfühlbedingungen geschaffen werden – eine Schande, was Gesellschaft und Staat da seit Jahren zulassen.
Wie gesagt, gejammert und geschimpft wird viel, schon alte wissenschaftliche Erkenntnisse ( zB zum präfrontalen Kontext) könnten helfen.
Ist richtig soweit. Aber das die Einheitsschule gefordert wird, in der Kinder dafür eingesetzt um dort andere „mitzustärken“ ist wirklich schockierend.
Es braucht hingegen mehr Vielfalt im Schulsystem, damit auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der jeweiligen Klientel eingegangen werden kann.
Wenn eines die „Einheitsschule“ nicht ist, dann einheitlich. Der Unterricht findet zwar für alle unter einem Dach statt, aber das war es – bis auf einige Fächer – dann auch schon. Selbst als überzeugte GE-Lehrkraft war ich immer überrascht, wie wenig die 9er und 10er gemeinsamen Unterricht im Klassenverband hatten. Die Zeugniskonferenzen der einzelnen Klassen versammelten dann über 20 Kolleg*innen in einem Raum.
Eine Einheitsschule, die mit mehr Vielfalt auf individuelle Bedürfnisse eingeht. Gefällt mit. Aber wäre es dann nicht sinnvoller, eine Vielfaltsschule zu fordern?
(Wer den Begriff aufgreifen möchte: Es gibt, soweit ich weiß, kein Copyright darauf.)
Befürworter*innen fordern das ja nicht, sondern Gegner*innen nennen Gemeinschschafts- oder Gesamtschulen verächtlich so.
Ja, um zu vertuschen, dass das GY die eigentliche Einheitsschule ist – zumal die Wahlfreiheit in der differenzierten Oberstufe immer weiter eingeschränkt worden ist.
Ex unitate vires.
Umgekehrt wird ja leider auch „mitgeschwächt“. Weder Unter- noch Überforderung lösen bei mir persönlich Wohlbefinden aus…
Grundsätzlich spricht nichts gegen die spätere Vergabe von Noten, aber was hier fehlt sind klare Angaben, wie eine Durchführung gelingen kann: Eine wirksame Einführung braucht ca. 10 Jahre, wie die zu schnellen Einführungen in Schweden (beim ersten Versuch) und Portugal beweisen, die ins Chaos führten. Voraussetzungen sind neben Zeit und Sorgfalt: kleinere Klassen, damit häufiges und zeitnahes Feedback überhaupt möglich ist, plus zwei Lehrkräfte in herausfordernden Klassen, Entlastung der Lehrkräfte von unterrichtsfernen Tätigkeiten (Klassenfahrten organisieren, Zettel für außerschulische Veranstaltungen oder Schullektüren einsammeln, jedes Problemgespräch persönlich führen …) durch Sozialarbeiter:innen, Verwaltungskräfte und Alltagshelfer:innen, Eingehen auf Diagnose und Feedback in der universitären Ausbildung, Zeit für Fortbildungen der Lehrkräfte (Lehrpläne entschlacken, geringeres Stundendeputat, nicht ständig kleine Reförmchen, die Zeit fressen, aber nichts bringen), gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung von Bildung und Lehrkräften, Mitnahme der Schülerinnen und Schüler und der Eltern durch genaue Informationen, Anerkennung des neuen Systems durch die Wirtschaft, digitale Tools, damit Kompetenzrückmeldungen zeitlich überhaupt schaffbar sind. Ich würde mir wünschen, dass die Wissenschaftler:innen dies viel klarer kommunizieren und fordern.
„Von außen gesteuert“: Warum auch Kinder ohne Smartphone sich nicht konzentrieren können
Noch mehr Ganztag und Rundum-Betreuung löst dieses Problem mMn. nicht!
Deutlicher lässt sich der Konflikt kaum darstellen: und zwar der zwischen den Lehrern, die mit beiden Beinen in der Realität stehen, und den „Forschenden“, die aus ihrem Elfenbeinturm theoretisieren, wie die Lehrer das bitte lösen sollen.
Man merkt, dass letztere Gruppe seit Jahrzehnten keine Schule von innen gesehen hat und wie die Blinden von Farbe sprechen.
Eine Schande, wie man Lehrer, die die Probleme im Alltag stemmen müssen, mit hohlen lebensfernen Phrasen allein lässt.
Ich bin etwas erstaunt darüber, welches Bild von wissenschaftlicher Arbeit hier an vielen Stellen zu Tage tritt. Wissenschaftliches Arbeiten = Theoretisieren im Elfenbeinturm? Mich würde wirklich einmal interessieren, wie auf Basis dieses Ansatzes wissenschaftspropädeutischer Unterricht aussieht…
In dieser Diskussion passiert etwas außerordentlich Interessantes. Einige der Autorinnen und Autoren wehren sich dagegen, schulpolitische Handlungsanweisungen, die auf den Überlegungen „realtätsfremder Wissenschaftler“ basieren, umzusetzen, weil sie keinen Sinn darin sehen.
Die gleichen Menschen, die sich gegen diese „sinnlose“ Bevormundung wehren, verlangen aber von ihren Schülerinnen und Schülern, schulische Aufgaben zu erledigen, ohne einen Sinn darin erkennen zu können. Das ist Messen mit zweierlei Maß.
Abgesehen davon stelle ich die Frage, ob Schule wirklich daran arbeiten sollte, es Menschen abzugewöhnen, nach dem Sinn hinter den Aufgaben zu fragen, die sie übernehmen. Wohin führt die Erfahrung, dass ich den größten Erfolg dann habe, wenn ich immer unreflektiert einfach nur mache, was mir andere sagen?
Wenn es nicht möglich ist, den Sinn hinter den Aufgaben begreiflich zu machen, dann ist entweder an den Aufgaben grundsätzlich etwas falsch oder es ist ein Problem des Senders, nicht aber des Empfängers.
Also ich habe heute erst mal wieder hier vorbeigeschaut und fand das Interview richtig gut, genauso würde ich mir das Schulsystem wünschen. Es ist auch der skandinavische Weg, ich mag das total. Jedenfalls wundert es mich überhaupt nicht, dass viele so negativ darüber reden. Das ist irgendwie typisch deutsch. Kann man nicht einfach mal eine positive Vision haben und daran glauben und arbeiten? Die Kinder wollen alle lernen, wenn sie eingeschult werden, aber unser Schulsystem schafft es leider ziemlich oft, den Kindern die Freude am Lernen bis zum Ende der Schulzeit auszutreiben. Und gerade jetzt in KI Zeiten ist es so wichtig, den Kindern eigenständiges Denken beizubringen, die Freude am Lernen und das Bewusstsein für kritisches Nachfragen.