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Bildungsministerium stoppt Projekt zur Sprachförderung von Kleinkindern – „Fatales Signal“

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BERLIN. Beim Kinderarzt bekommen Familien über ein Programm der Stiftung Lesen oft Büchlein geschenkt. Das soll die Kleinsten begeistern. Doch mit dem Projekt ist bald Schluss.

Nichts mehr zum (Vor-)Lesen. Foto: Shutterstock

as Bundesbildungsministerium stoppt die Finanzierung des Programms «Lesestart 1-2-3» der Stiftung Lesen zur Sprachförderung kleiner Kinder. Ein Ministeriumssprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht des «Spiegels».

Bei dem Programm geht es um Buchgeschenke zum Beispiel beim Kinderarzt oder in Bibliotheken, die ein- bis dreijährige Kinder ans Lesen heranführen sollen. Seit 2011 gab der Bund dafür nach Angaben des Ministeriums insgesamt rund 40 Millionen Euro aus. Ende 2026 soll Schluss sein.

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«Es liegt in der Logik jeder Projektförderung, dass sie zeitlich befristet erfolgt», erklärte der Ministeriumssprecher zur Begründung. Eine Dauerzuwendung sei rechtlich nicht statthaft. Frühkindliche Leseförderung sei dem Ministerium aber besonders wichtig. Es finanziere andere Projekte und Forschung zum Lesenlernen. Darunter sei auch ein anderes Projekt der Stiftung Lesen: «Lesestart: Geschichten sprechen Deine Sprache».

Die Stiftung Lesen kritisiert jedoch das Ende von «Lesestart 1-2-3» laut «Spiegel» als fatales Signal. Die Förderung müsse in den Familien beginnen, es sei zu spät, erst auf die Kita zu setzen, sagte Sprecherin Laura Trost dem Magazin. News4teachers / mit Material der dpa

Gastkommentar: Ein fatales Signal zur falschen Zeit

Ich halte es bereits für problematisch genug, dass es in Deutschland überhaupt einer Stiftung bedarf, um die Lesekompetenz von Kindern nachhaltig zu fördern. Eigentlich müsste unser Bildungssystem so ausgestattet sein, dass es diese zentrale Aufgabe selbst bewältigen kann. Die Realität zeigt jedoch seit Jahren, dass dies nicht ausreichend gelingt. Umso unverständlicher ist für mich die Entscheidung des Bundesbildungsministeriums, die Finanzierung des Programms „Lesestart 1-2-3“ Ende 2026 auslaufen zu lassen. Gerade jetzt, wo die Defizite bei der Lesekompetenz vieler Kinder offensichtlich sind, setzt die Politik damit ein verheerendes Signal.

Udo Beckmann, Programmleiter des Deutschen Schulleitungskongresses und ehemaliger Hauptschulleiter sowie früherer VBE-Bundesvorsitzender. Illustration: News4teachers

Die aktuellen Befunde sprechen eine klare Sprache. Die IGLU-Studie 2021 zeigt, dass etwa ein Viertel der Kinder am Ende der Grundschulzeit nicht die Lesekompetenz erreicht, die für einen erfolgreichen weiteren Bildungsweg notwendig ist. Die Entwicklung geht damit in die falsche Richtung. Wer diese Ergebnisse ernst nimmt, kann nicht gleichzeitig bewährte Programme der frühkindlichen Leseförderung einstellen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich zudem, welche enorme Arbeit die Stiftung Lesen leistet. Als langjähriges Vorstandsmitglied habe ich miterlebt, mit welchem Engagement, welcher Professionalität und welcher Beharrlichkeit dort daran gearbeitet wird, Kinder und Familien für das Lesen zu gewinnen. Die Stiftung erreicht Menschen, die klassische Bildungsangebote oft nicht oder nur schwer erreichen. Gerade Programme wie „Lesestart 1-2-3“ schaffen einen niedrigschwelligen Zugang zu Büchern und zum Vorlesen – häufig genau dort, wo dies besonders notwendig ist.

Natürlich ist der Hinweis des Ministeriums richtig, dass Projektförderungen nicht unbegrenzt fortgeführt werden können. Aber wenn ein Programm über viele Jahre erfolgreich arbeitet, breite gesellschaftliche Anerkennung genießt und gleichzeitig die zugrunde liegenden Probleme größer statt kleiner werden, dann sollte die Politik nach Wegen suchen, solche Strukturen dauerhaft abzusichern.

Wir diskutieren ständig über Bildungsungleichheit, Fachkräftemangel und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Dabei wird oft übersehen, dass die Grundlage für alles weitere mit einer elementaren Fähigkeit beginnt: dem Lesen. Wer hier spart, spart an der falschen Stelle.

Die Einstellung von „Lesestart 1-2-3“ ist deshalb weit mehr als das Ende eines einzelnen Förderprogramms. Sie sendet die Botschaft, dass frühkindliche Leseförderung trotz aller bekannten Probleme offenbar keine ausreichende Priorität mehr besitzt. Angesichts der alarmierenden Entwicklung der Lesekompetenz unserer Kinder halte ich das für einen schwerwiegenden Fehler.

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1 Kommentar
Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Joa, die Kinder in Deutschland können inzwischen wohl gut genug Deutsch sprechen dass zwischen Maßnahmen abgewogen werden kann, als jede sich bietende Chance zu ergreifen.

Sollte demnach wohl eine gute Nachricht für alle Erzieher*innen und Lehrkräfte sein: Wir sind wieder on top! Wer will da noch mehr Ressourcen fordern? 😀