Start Nachrichten Nach Abi-Brandrede: Schülerin legt nach („hier passt offenbar etwas nicht ganz“)

Nach Abi-Brandrede: Schülerin legt nach („hier passt offenbar etwas nicht ganz“)

2
Anzeige

HAGENOW. Der Satz „Fickt euch einfach nur alle“ machte ihre Abi-Rede bundesweit bekannt. Nun erklärt die Schülerin, dass sie ihre Wortwahl mittlerweile anders wählen würde. An ihrer Kritik hält sie jedoch fest – und begründet sie im Gespräch mit dem Nordkurier ausführlicher als bisher.

Durchgefallen. (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock

„Ich würde die Rede inhaltlich immer noch so halten, aber ich würde sie anders formulieren“, sagte die Abiturientin der Zeitung. Vor allem der viel zitierte Schlusssatz habe die öffentliche Wahrnehmung geprägt. „In den Medien wird ja jetzt vor allem auf einen kleinen Auszug der Rede abgestellt, dabei war dieser Satz nur ein sehr kurzer, vermutlich zu emotionaler Nebensatz. Viel wichtiger war mir der Teil davor, aber der spielt in der Berichterstattung keine Rolle mehr.“

Nach ihren Angaben habe sie die Schule keineswegs insgesamt angreifen wollen. Ihr Anliegen sei gewesen, auf aus ihrer Sicht problematische Strukturen aufmerksam zu machen.

PhoneLocker, verschließbare Smartphone-Tasche

Die Entscheidung, die Abschlussrede für diese Kritik zu nutzen, sei erst nach Bekanntgabe der Abiturergebnisse gefallen. Sie und ihr Mitschüler hätten sich bereits zuvor bereit erklärt, die Rede zu halten. Als feststand, wer das Abitur bestanden hatte und wer nicht, habe sie sich allerdings mehr Austausch mit den Lehrkräften gewünscht. „Als uns mitgeteilt wurde, wer das Abitur bestanden hat und wer nicht, gab es über die reine Information hinaus keine Gesprächsmöglichkeit mit den Lehrern. Das hat uns enttäuscht“, sagte sie.

Nach ihrer Darstellung hatten viele der 17 Schülerinnen und Schüler, die das Abitur nicht bestanden, aufgrund ihrer Vornoten nicht mit diesem Ergebnis gerechnet. „Wir haben unsere Prüfungen nach bestem Wissen geschrieben, daher hätten wir dann gerne mit unseren Lehrern über die für uns überraschend schlechten Ergebnisse gesprochen“, sagte sie. Nachdem dies aus ihrer Sicht ausgeblieben sei, habe sie die Zeugnisübergabe als letzte Möglichkeit gesehen, öffentlich auf die Situation aufmerksam zu machen. „Nachdem kein Lehrer etwas dazu gesagt hat oder sagen wollte, habe ich gedacht, dass die Zeugnisübergabe die letzte Gelegenheit ist, um darauf hinzuweisen, dass hier offensichtlich etwas nicht ganz passt.“

„Ich will niemandem etwas unterstellen, aber ich finde es gut, wenn hier geprüft wird, ob es da Zusammenhänge gibt“

Besonders kritisch äußert sie sich zur Mathematikprüfung in den beiden Grundkursen. Nach ihrer Darstellung habe dort etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler null Punkte erreicht; lediglich drei Prüflinge hätten die Klausur bestanden. Das werfe aus ihrer Sicht die Frage auf, ob der Unterricht ausreichend auf das Zentralabitur vorbereitet habe.

Auch sei nach ihrer Ansicht auffällig, dass ein Lehrer des Leistungskurses Deutsch nur bei drei Schülerinnen und Schülern an der Prüfung teilgenommen habe. Mit allen Dreien habe dieser Lehrer im Laufe der Schulzeit „Ärger gehabt, bei dem es auch Elterngespräche und E-Mails an die Eltern gab“. Genau diese drei Schülerinnen und Schüler seien anschließend durch die mündliche Deutschprüfung gefallen. „Ich will niemandem etwas unterstellen, aber ich finde es gut, wenn hier geprüft wird, ob es da Zusammenhänge gibt“, sagte sie. Deshalb hätten sie und ihre Eltern inzwischen Einsicht in ihre Prüfungsunterlagen beantragt. „Wir wollen verstehen, welche der Antworten wie bewertet worden sind.“

Die (selbst durchgefallene) Abiturientin hatte bei der Abschlussfeier eine viel beachtete Rede gehalten, nachdem an ihrer Schule 17 von 52 Schülerinnen und Schülern das Abitur nicht bestanden hatten; eine weitere Person war nach ihren Angaben nicht zur Prüfung zugelassen worden. Sie sprach von einer Durchfallquote von einem Drittel – deutlich über dem Landesdurchschnitt – und machte dafür auch Mängel bei der Unterrichtsversorgung verantwortlich. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte der Schlusssatz ihrer Rede: „An die, die unserem Jahrgang die Durchfallquote gönnen: Ganz ehrlich, fickt euch einfach nur alle.“ News4teachers 

„Sind wir wirklich alle zu blöd?“ Brandrede bei Abi-Feier erschüttert Gymnasium

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
2 Kommentare
DienstnachVorschrift
20 Minuten zuvor

OK, das mit Deutsch ist echt problematisch. Aber normalerweise sollten da 3 Lehrkräfte zusammen prüfen. Und dann ist der Vorsitzende ein anderer Lehrer, um nicht anfällig für solche Verdächtigungen zu sein. Ich persönlich gebe diese SuS immer an andere Kollegen ab bzw. bekomme von diesen auch Prüflinge. Die Schulleitung macht das mit, weil es so einfach weniger Probleme gibt und gerade eine mündliche Prüfung ist anfällig für bias. Das lasse ich möglichst nicht zu. Wenn es dann noch um das Bestehen geht, dann erst recht nicht.
Mündlich halbwegs objektiv und fair zu bewerten ist in Deutsch schon so extrem schwer.

ed840
19 Minuten zuvor

Nach ihrer Darstellung habe dort etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler null Punkte erreicht; lediglich drei Prüflinge hätten die Klausur bestanden.“

Die wären z.B. nach der Prüfungsordnung in BW dann auch alle durchgefallen, da dort in keinem der Prüfungsfächer weniger als 4 Pkt (vierfache Wertung) erzielt werden dürfte.

Aber Schulrecht ist bekanntlich Länderrecht.