Start Tagesthemen AfD-Jugendkongress: Schmähungen gegen den Staat, Drohungen gegen Migranten

AfD-Jugendkongress: Schmähungen gegen den Staat, Drohungen gegen Migranten

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MAGDEBURG. Was Deutschland bei einer Machtübernahme durch die AfD droht, lässt sich beim Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland erahnen. Sachsen-Anhalts AfD-Chef tritt dort für ein Grußwort auf die Bühne – und schmäht den Staat. Der Parteinachwuchs feiert ihn dafür stürmisch. Dessen Vorsitzender fordert die millionenfache Rückführung von Migranten. Und ein Europaabgeordneter erklärt, Deutschland könne auch mit einem Viertel weniger Einwohnern leben.

„Wenn die Demokratie so dumm ist, uns (…) Freifahrtskarten und Diäten zu geben, so ist das ihre Sache“ – Adolf Hitler in einem Interview 1931, hier beim Üben von Rednerposen. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-10460 / Hoffmann, Heinrich / CC-BY-SA 3.0

Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef Martin Reichardt ist von der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) für besonders derbe Kritik am politischen Gegner stürmisch gefeiert worden. Vater Staat sei heute „ein nach Dope stinkender, fauler Asi, der sein Geld für Nichtstun von der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommt, um regelmäßig mit seinen Freunden vom Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk zu saufen und die Internationale zu lallen“, rief er unter Jubel in den Saal des „Alten Theaters“ von Magdeburg, wo sich rund 300 GD-Mitglieder bei einem Bundeskongress versammelt hatten.

Der fand unmittelbar vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in der Landeshauptstadt statt, um den Machtanspruch der AfD zu untermauern. Die Partei liegt in Umfragen mit großem Abstand vorne.

Die „dümmsten, faulsten und verkommensten Kinder“, die sich bei der Antifa engagierten, würden von Vater Staat mit Geld ausgestattet und belobigt. „Seine anständigen, fleißigen und ehrlichen Kinder hingegen prügelt er und sperrt sie in den Keller“, sagte Reichardt. Aus diesem Keller sei man lange herausgetreten.

Auch um die Muttersprache stehe es nicht zum Besten. Sie sei heute „ein aufgedunsenes, intersektional-feministisches Flittchen“, sagte Reichardt. „Ihre grünen Haare sind stets zersaust und der rote Lippenstift ist verschmiert, weil Vater Staat sie dreimal täglich durchgendert.“ Reichardt, der auch im AfD-Bundesvorstand sitzt, fügte unter lauten Jubel hinzu: „Die Zeiten dieser verkommenen linken Zustände in Deutschland gehen zu Ende. Wir werden der verlotterten deutschen Linken das Sorgerecht für Deutschland entziehen!“

„Deutschland braucht keine 80 Millionen Einwohner, es kann auch mit 60 Millionen leben“

Der Vorsitzende der GD forderte auf dem Kongress die millionenfache Rückführung von Zugewanderten. „Millionen sind gegen unseren Willen, gegen Recht und Gesetz, gegen jede Vernunft in dieses Land gekommen“, sagte Jean-Pascal Hohm. Er fügte hinzu: „Millionen müssen dieses Land wieder verlassen.“ Deutschland müsse „das Land der Deutschen bleiben, dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar“. Hier dürfe es „kein Resignieren, kein Akzeptieren, kein Arrangieren“ geben. Die AfD sei „Ausdruck des Lebenswillens unseres Volkes“.

Rechtsextremisten verwenden den Begriff „Remigration“ für die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund. Das Bundesamt für Verfassungsschutz wertet ihn als Konzept, das „auf die Schaffung ethnisch definierter Gesellschaften und damit die Ausweisung aller ›Volksfremden‹ abstellt“.

Der AfD-Europaabgeordnete René Aust verlangte „nicht nur Remigration, sondern europaweite Remigration“, außerdem müsse Europa zu einer „Festung Europa“ ausgebaut werden. Der brandenburgische Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch wandte sich dagegen, den Bevölkerungsrückgang durch Zuwanderung auszugleichen: „Deutschland braucht keine 80 Millionen Einwohner, es kann auch mit 60 Millionen leben.“

Die GD-Führung hatte die Delegierten angehalten, in „festlicher beziehungsweise Business-Kleidung“ zu erscheinen – und viele hielten sich daran, wie n-tv berichtet. Aust freute sich in seiner Rede über „so viele wunderschöne, gut gekleidete Menschen“. Bei diesem Anblick wisse er „sofort, wie unser schönes Deutschland in der Zukunft aussehen soll: Deutschland soll ästhetisch sein, es soll schön sein“. Die „schönsten Menschen“, befand er, finde man „nicht im linken politischen Spektrum“.

„Generation Deutschland“ ist die offizielle Jugendorganisation der AfD seit Ende 2025. Sie ersetzte die zuvor vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte und aufgelöste „Junge Alternative“ (JA). Zwei gekreuzte Eichenblätter – unter diesem Logo kam die AfD-Nachwuchsorganisation zu ihrem ersten Bundeskongress seit der Gründung zusammen. Vorsitzender Hohm warnte die Delegierten vor körperlichen Auseinandersetzungen im Wahlkampf – aus taktischen Gründen: Sie dürften das „historische Projekt“ der AfD-Machtübernahme in Sachsen-Anhalt nicht „für eine Prügelei mit der Antifa aufs Spiel setzen“.

Die Sicherheitsbehörden haben auch die neue Nachwuchsorganisation im Blick – das BfV geht nach eigenen Angaben von einer „programmatischen und personellen Kontinuität“ zwischen der aufgelösten JA und der neuen Organisation aus, wie n-tv berichtet. News4teachers / mit Material der dpa

„Was wird dann aus uns?“ – An Sachsen-Anhalts Schulen wächst die Angst vor einer AfD-Regierung

 

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