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„Bei uns sind die Kinder ja nicht dümmer“: Was Schulleitungen (und ihre Kollegien) an Brennpunktschulen jeden Tag auffangen müssen

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ESSEN/KÖLN. Sie kommen ohne ausreichende Deutschkenntnisse, mit Entwicklungsrückständen oder belastenden Erfahrungen in die Schule – und manche haben noch nie erlebt, dass ihnen jemand aus einem Buch vorliest: Kinder in sozialen Brennpunkten. Eine Befragung von Schulleitungen an Schulen in schwieriger Lage zeigt, wie viele Probleme sich dort gleichzeitig konzentrieren und wie viel Arbeitszeit deren Bewältigung beansprucht. Zwei erfahrene Grundschulleiterinnen beschreiben, was hinter den Zahlen steckt.

Brennpunkt Köln-Ostendorf. Illustration: News4teachers

Im Sommer 2025 passierte in Essen etwas Bemerkenswertes. 20 Grundschulen traten zur Schach-Stadtmeisterschaft an – gewonnen hat die Bodelschwinghschule aus Altendorf. Die Kinder aus einem der sozial belasteten Stadtteile der Stadt setzten sich auch gegen Schulen aus deutlich privilegierteren Vierteln wie Kettwig oder Haarzopf durch.

Zum Vergleich: Nach städtischen Bildungsdaten, über die die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichtet, wechselt in Altendorf nicht einmal jedes dritte Grundschulkind nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium. In Haarzopf sind es dagegen 65 Prozent, in wohlhabenden Stadtteilen wie Schuir, Bredeney oder Werden annähernd 90 Prozent.

Dass die Kinder im relativ wohlhabenden Essener Süden deshalb begabter wären als diejenigen im ärmeren Norden oder Westen, glaubt Hannelore Herz-Höhnke nicht. Seit 26 Jahren leitet sie die Bodelschwinghschule. Mehr als die Hälfte ihrer Schülerinnen und Schüler kommt aus Familien, die Sozialleistungen beziehen.

Was die unterschiedlichen Bildungschancen aus ihrer Sicht prägt, erlebt Herz-Höhnke jeden Morgen in der Schule. „Bei uns sind Kinder, die haben noch nicht mal ein eigenes Bett, die schlafen mit ihren Geschwistern nachts auf der Couch“, sagt sie der WAZ. Manche Kinder kämen in die erste Klasse, ohne zuvor regelmäßig eine Kita besucht zu haben, ohne Deutschkenntnisse und mit elementaren Entwicklungsrückständen.

Außergewöhnlich sind die Erfahrungen der Schulleiterin für Schulen in schwieriger Lage nicht. Eine Befragung der Wübben Stiftung Bildung zeigt, wie stark sich ungünstige Lern- und Lebensbedingungen an solchen Schulen häufen. 226 Schulleitungen aus Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein wurden im vergangenen Jahr dafür befragt. In die Auswertung kamen Schulen, an denen mindestens die Hälfte der Kinder und Jugendlichen aus Familien mit Bezug von Leistungen nach dem SGB II stammt oder mindestens die Hälfte eine andere Herkunftssprache als Deutsch hat. Knapp 70 Prozent der teilnehmenden Einrichtungen sind Grundschulen, 90,7 Prozent nehmen am Startchancen-Programm teil.

Fast jedes vierte Kind braucht länger für die Grundschule

Bei Schuleintritt sehen 70,1 Prozent der befragten Leitungen einen eher großen oder sehr großen Unterstützungsbedarf bei den Sprachkompetenzen. Bei den Fachkompetenzen sind es 68,6 Prozent, bei der sozial-emotionalen Entwicklung 67,3 Prozent. Selbst bei körperlich-motorischen Kompetenzen sieht mehr als die Hälfte einen entsprechend hohen Bedarf.

Hinzu kommen Belastungen, die zunächst wenig mit Unterricht zu tun zu haben scheinen – und doch unmittelbar auf ihn einwirken. Nach Einschätzung der Schulleitungen haben durchschnittlich 30,3 Prozent ihrer Schülerinnen und Schüler bereits psychische oder physische Ausnahmesituationen wie Flucht oder Gewalt erlebt. 34,4 Prozent leiden demnach regelmäßig unter Schlafmangel. Den Anteil der Kinder und Jugendlichen mit übermäßigem Medienkonsum schätzen die Befragten auf durchschnittlich 66,1 Prozent. Rund jedes fünfte Kind bringt kein Frühstück mit zur Schule, weitere 40,9 Prozent nach Einschätzung der Schulleitungen ein ungesundes.

Auch sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf konzentriert sich an den Schulen. Bei durchschnittlich 8,9 Prozent der Schülerinnen und Schüler ist ein solcher Bedarf amtlich festgestellt; bundesweit beträgt die entsprechende Förderquote an allgemeinen Schulen laut der in der Studie herangezogenen Bildungsberichterstattung 3,3 Prozent. Bei weiteren durchschnittlich 13,3 Prozent vermuten die Schulleitungen einen bislang nicht diagnostizierten Förderbedarf.

Was diese Ausgangslage für Bildungswege bedeutet, zeigt sich schon in den ersten Schuljahren: Nach Einschätzung der befragten Grundschulleitungen überschreiten durchschnittlich 23,9 Prozent der Kinder die reguläre Grundschulzeit. An mehr als jeder fünften Schule benötigt mindestens jedes dritte Kind länger; an einzelnen Schulen betrifft es sogar mindestens 90 Prozent.

Schulentwicklung, die wirklich wirkt

© Wübben Stiftung Bildung/Reinaldo Coddou

Schulentwicklung beginnt nicht mit dem nächsten Projekt, sondern mit den richtigen Fragen: Wo stehen wir? Welche Veränderungen bringen Kinder und Jugendliche voran? Was hilft unserem Kollegium tatsächlich? Erfolgreiche Schulleitungen schaffen es, Bedarfe und Potenziale zu erkennen und Entwicklungsschritte für ihre Schule abzuleiten.

Im kostenlosen Online-Magazin SchuB der Wübben Stiftung Bildung erzählen Schulleitungen, wie sie diesen Weg gehen. Sie beschreiben, wie sie Veränderungsprozesse gemeinsam mit ihren Teams gestalten, Herausforderungen systematisch angehen und ihre Schule Schritt für Schritt weiterentwickeln. Die Interviewserie liefert praxisnahe Einblicke, übertragbare Ideen und spannende Impulse für alle, die Schule wirksam gestalten wollen.

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Was sich hinter Begriffen wie „Unterstützungsbedarf“ oder „Entwicklungsrückstand“ verbergen kann, beschreibt Christiane Hartmann. Sie leitet seit über 20 Jahren die James-Krüss-Grundschule im Kölner Stadtteil Ostheim, eine Schule mit der höchsten Sozialindex-Stufe 9. Vier von fünf Familien leben nach ihren Angaben von staatlichen Transferleistungen.

Hartmann erlebt Kinder, denen vor der Einschulung Erfahrungen fehlen, auf denen Schule normalerweise aufbauen kann. Es geht um Sprache und soziale Fähigkeiten, aber auch um das Stapeln von Förmchen, das Erkennen von Mustern, Bewegungserfahrungen oder die Begegnung mit Büchern.

„Wir lesen hier im 1. Schuljahr einigen unserer Kinder das erste Mal in ihrem Leben Geschichten vor“, sagt Hartmann gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger. Wenn diese Kinder selbst eine Geschichte erzählen oder schreiben sollen, fehle ihnen teilweise schon die Vorstellung davon, was Geschichten sein können. Beim Lesenlernen könne das Problem noch elementarer werden: „Wenn ich bei den Buchstaben ‚A wie Apfel‘ lerne, aber das Wort Apfel nicht kenne, kann ich nicht lesen lernen.“

Hartmann hält es deshalb für falsch, eine verlängerte Grundschulzeit solcher Kinder lediglich als Scheitern zu betrachten. Manche bräuchten diese zusätzliche Zeit, um Erfahrungen und Fähigkeiten nachzuholen, die andere bereits mitbringen.

83 Prozent der Schulleitungen halten die Lehrpläne für zu anspruchsvoll

Die Befragung der Wübben Stiftung legt allerdings nahe, dass sich das Problem nicht allein auf fehlende Voraussetzungen der Kinder reduzieren lässt. Die Schulleitungen stellen auch den schulischen Rahmen infrage.

83,3 Prozent sagen, dass Schwierigkeit und Umfang der Lehrpläne eher nicht oder gar nicht zum Lern- und Entwicklungsstand ihrer Schülerinnen und Schüler passen. 72,2 Prozent sehen eine entsprechende Diskrepanz zwischen der thematischen Ausrichtung der Lehrpläne und der Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen. Bei gängigen Lehrwerken fällt das Urteil kaum günstiger aus: Jeweils mehr als 72 Prozent halten entweder Niveau und Umfang oder die inhaltliche Ausrichtung für eher oder gar nicht passend. Hartmann beschreibt dasselbe Problem aus der Praxis. „In dem jetzigen System gibt es Grenzen und zu wenig Passung für unsere Klientel“, sagt sie in einem Interview mit der taz.

Die Schulen versuchen, diese Lücke selbst zu schließen. 94,4 Prozent der Befragten berichten, dass sie für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler regelmäßig differenziertes Unterrichtsmaterial einsetzen. 68,9 Prozent arbeiten mit Doppelbesetzungen, 63,3 Prozent mit speziellen Angeboten für schwache Leserinnen und Leser. Jeweils knapp 60 Prozent bieten DaZ-Intensivkurse oder Sprachförderung in Kleingruppen an.

An Hartmanns Schule haben Doppelbesetzungen noch eine weitere Funktion. Manche Kinder hätten Anspruch auf eine Schulbegleitung, die Unterstützung komme in der Praxis aber mitunter erst nach Jahren zustande. Deshalb werde versucht, die Klassen möglichst häufig mit zwei Fachkräften zu besetzen. „Ansonsten wäre kein Unterricht möglich“, sagt Hartmann der taz.

Damit wird auch deutlich, warum sich die Personalfrage an Schulen in schwieriger Lage nicht allein mit zusätzlichen Lehrerstellen beantworten lässt. Auf die offene Frage, welche Profession sie in einem multiprofessionellen Team am dringendsten benötigten – Lehrkräfte waren ausdrücklich ausgenommen –, nannten 51,9 Prozent der Schulleitungen Schulsozialarbeit beziehungsweise Sozialpädagogik. Mit deutlichem Abstand folgen pädagogische Fachkräfte beziehungsweise Erzieherinnen und Erzieher mit 16,2 Prozent sowie psychologische oder therapeutische Fachkräfte mit 11,9 Prozent.

An Hartmanns Schule arbeiten entsprechend unterschiedliche Professionen zusammen: Sonder- und Sozialpädagoginnen und -pädagogen, Schulsozialarbeit, Ergänzungskräfte, Beschäftigte des offenen Ganztags und eine Gesundheitslotsin. Gerade diese unterschiedlichen fachlichen Perspektiven seien wichtig, sagt sie.

Schule hilft beim Behördengang und vermittelt zur Schuldnerberatung

Denn ein erheblicher Teil der Arbeit beginnt außerhalb des Klassenzimmers.

Die James-Krüss-Grundschule ist seit einigen Jahren Familiengrundschulzentrum. Dort gibt es unter anderem einen Deutschkurs für Mütter. Beschäftigte helfen Eltern bei Terminvereinbarungen und Behördengängen, weisen auf Schuldnerberatungen hin, stimmen sich mit dem Jugendamt ab und unterstützen Familien dabei, eine Schulbegleitung für ihre Kinder zu bekommen.

Hartmann begründet das nicht damit, Eltern ihre Verantwortung abzunehmen. Viele verfügten selbst nur über geringe finanzielle und zeitliche Ressourcen, kennten das Schul- und Hilfesystem nicht ausreichend oder scheiterten an Sprachbarrieren, Formularen und Behördenwegen. Wenn Eltern ihre Kinder besser unterstützen sollten, müsse man ihnen deshalb praktisch helfen, erklärt sie gegenüber der taz.

Wie entscheidend diese Zusammenarbeit ist, zeigt wiederum die Studie. 96,5 Prozent der Schulleitungen stimmen eher oder völlig der Aussage zu, fehlende elterliche Unterstützung beeinträchtige die Lernbedingungen. Durchschnittlich haben die Schulen nach Angaben der Befragten zu 14,6 Prozent der Eltern überhaupt keinen Kontakt. Die Unterschiede sind allerdings enorm: Manche erreichen alle Familien, andere nach eigener Einschätzung bis zu 70 Prozent nicht.

Als eine der drei größten Barrieren in der Elternarbeit nennen 90 Prozent sprachliche Hindernisse. 67,9 Prozent nennen Desinteresse der Eltern beziehungsweise Sorgeberechtigten, 60 Prozent deren emotionale Überforderung. Dabei handelt es sich ausdrücklich um Wahrnehmungen der befragten Schulleitungen – die Eltern selbst wurden nicht befragt.

Hartmanns Erfahrungen zeigen zugleich, dass der Zugang zu Hilfen selbst Teil des Problems werden kann. Bei Kindern, die wegen einer Diagnose Anspruch auf Schulbegleitung haben, könnten zwischen Antrag und tatsächlicher Unterstützung zwei oder drei Jahre vergehen, berichtet sie der taz. Im Kölner Stadt-Anzeiger beschreibt sie einen Mechanismus, der aus ihrer Sicht sozial ungleich wirkt: Bildungsbürgerliche Eltern kennten die Möglichkeiten, kümmerten sich früh um Diagnostik und stellten Anträge. An ihrer Schule dauere der Prozess dagegen teilweise bis weit ins dritte Schuljahr. „So dekliniert sich Bildungsungerechtigkeit durch alle Bereiche durch“, sagt Hartmann dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Mehr als ein Drittel der Arbeitszeit geht für andere Aufgaben drauf

Elterngespräche führen, Konflikte klären, Familien beraten und Hilfen organisieren : All diese Aufgaben müssen erledigt werden – zusätzlich zum Unterricht. Nach Einschätzung der befragten Schulleitungen verbringen Lehrkräfte an ihren Schulen durchschnittlich 36,7 Prozent ihrer Arbeitszeit mit nicht unterrichtsbezogenen Tätigkeiten. Als besonders zeitintensiv nennen 77,9 Prozent den Kontakt mit Eltern, 75,9 Prozent den Umgang mit Konfliktsituationen und 47,2 Prozent Dokumentation und Verwaltung.

Hartmann beschreibt die Rechnung anhand eines Elternabends beziehungsweise einzelner Elterngespräche. Wo zusätzliche Erklärungen notwendig seien und übersetzt werden müsse, könne ein Gespräch eine Stunde dauern. Bei 25 Kindern in einer Klasse lasse sich leicht ausrechnen, „was bei uns on top dazukommt“, sagt sie der taz.

Auch Herz-Höhnke betrachtet intensive Elternarbeit als einen wesentlichen Bestandteil ihrer Aufgabe. Sie berichtet der WAZ von schwierigen Konflikten, aber ebenso von langjährig gewachsenen Beziehungen zu Familien im Stadtteil. Manche Gespräche finden bei Kaffee oder Tee in ihrem Büro statt. Sie könne heute durch Altendorf laufen und an vielen Stellen zum Tee einkehren.

Herz-Höhnke setzt dabei auf persönliche Präsenz und klare Regeln. Konflikte und respektloses Verhalten müssten sofort bearbeitet werden. Kinder brauchten Grenzen, Aufklärung und Zuwendung. „Man muss eine Schule mit warmer Hand führen“, sagt sie der WAZ.

Doch Beziehung braucht Zeit. Und Zeit ist nach der Wübben-Befragung ausgerechnet die Ressource, die an diesen Schulen besonders fehlt.

59,7 Prozent der Schulleitungen nennen Arbeitsbelastung und Zeitmangel im Kollegium als eine der drei größten aktuellen Herausforderungen. Damit rangiert das Problem noch vor fachlichen beziehungsweise sozial-emotionalen Defiziten der Schülerinnen und Schüler mit 51,6 Prozent und herausforderndem Verhalten mit 40,7 Prozent. Der Personalmangel folgt erst auf Rang vier mit 32,1 Prozent.

Das bedeutet nicht, dass genügend Personal vorhanden wäre. 57,9 Prozent beurteilen ihre personellen Ressourcen als eher oder sehr schlecht. Nur 34,7 Prozent konnten eine freie Stelle im vergangenen Jahr in der Regel mit einer Lehrkraft mit passender Lehramtsqualifikation besetzen. 41,2 Prozent konnten sie üblicherweise lediglich mit einer Vertretungslehrkraft besetzen, 16,1 Prozent gar nicht. An 94 Prozent der befragten Schulen arbeiten Lehrkräfte ohne grundständige Lehramtsqualifikation; durchschnittlich stellen sie 16 Prozent des Kollegiums.

Wenn ausgerechnet die Hilfe zusätzliche Arbeit macht

Mit dem Startchancen-Programm haben Bund und Länder erstmals ein langfristiges Milliardenprogramm aufgelegt, das Schulen in schwieriger Lage gezielt unterstützen soll. Mehr als 90 Prozent der Schulen in der Wübben-Befragung nehmen daran teil.

Der Bedarf ist offenkundig: 88,8 Prozent der Schulleitungen sehen einen eher großen oder sehr großen Bedarf bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung, 87,3 Prozent bei individueller Förderung und Kompetenzentwicklung und 73,5 Prozent bei der Professionalisierung des Personals.

Hartmann hält das Programm grundsätzlich für richtig. „Das Programm ist eine tolle Sache: Es ist auf die richtigen Ziele fokussiert und es gibt Geld, das ist die gute Nachricht“, sagt sie dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Wie kompliziert es werden kann, dieses Geld tatsächlich in der Schule wirksam werden zu lassen, erlebt sie allerdings ebenfalls. Für rund 100 einzelne Anschaffungen – von Möbeln bis zu Fördermaterialien – musste die Schule nach ihren Angaben jeweils mindestens zwei Vergleichsangebote einholen. „Ein riesiger Aufwand, obwohl ich doch eigentlich eine Schule leiten soll“, sagt Hartmann dem Kölner Stadt-Anzeiger. Hinzu kämen Fristen und Prüfverfahren. Verstreiche die Frist, drohe das Geld für das betreffende Jahr zu verfallen.

„Wir verbuchen sichtbare Erfolge“

Trotz aller Zeitnot: 69,2 Prozent der Schulleitungen nennen angestoßene Schulentwicklung und Projekte als eine der positivsten Entwicklungen der vergangenen Jahre. 52,5 Prozent nennen den Zusammenhalt der Schulgemeinschaft und ein positives Schulklima, 40,7 Prozent die Digitalisierung.

Auch beim Startchancen-Programm überwiegt die Zuversicht. 64,9 Prozent der befragten Leitungen halten es für eher oder völlig realistisch, dass sich innerhalb von zehn Jahren die Zahl der Schülerinnen und Schüler halbiert, die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik nicht erreichen. 90,1 Prozent erwarten eine substanzielle Stärkung der sozial-emotionalen Entwicklung, jeweils 82,5 Prozent eine deutliche Verbesserung der Unterrichtsqualität und der Kompetenzen des Kollegiums.

Hartmann kennt die Leistungsunterschiede zwischen privilegierten und benachteiligten Kindern seit Jahrzehnten. Trotzdem widerspricht sie der Vorstellung, die Arbeit ihrer Schule verpuffe. „Gleichzeitig verbuchen wir aber sichtbare Erfolge“, sagt sie der taz. Die Schule könne Verbesserungen zeitlich mit ihrer konzeptionellen Entwicklung in Verbindung bringen: mit dem Ausbau des Ganztags, einem inklusiven Konzept und einer entsprechenden personellen Ausstattung. Auch ehemalige Schülerinnen und Schüler kämen Jahre später zurück und erzählten, was sie erreicht hätten.

In Essen-Altendorf lässt sich zumindest ein solcher Erfolg ziemlich genau datieren: Sommer 2025. Schach-Stadtmeisterschaft. 20 Essener Grundschulen. Am Ende stehen die Kinder der Bodelschwinghschule ganz oben. Schach beseitigt keine Kinderarmut. Ein Pokal verändert keine Übergangsstatistik und ersetzt weder Sprachförderung noch Sozialpädagogik. Aber für einen Moment fallen die unterschiedlichen Bedingungen weg, unter denen die Kinder sonst miteinander verglichen werden. Oder, wie Christiane Hartmann es gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger formuliert: „Bei uns sind die Kinder ja nicht dümmer.“ News4teachers

Hier geht es zu der vollständigen Studie der Wübben Stiftung. 

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats Beruf Schulleitung. 

Schulen sollen sich ständig weiterentwickeln – doch ausgerechnet Schulleitungen fehlen dafür oft die nötigen Voraussetzungen

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34 Kommentare
DerechteNorden
1 Tag zuvor

Also mal wieder Personalmangel (Zeitmangel ist immer auch Personalmangel!) und zu wenig Geld.

Nichts für ungut, aber wer meint eigentlich, dass man Kinder mit (zusammengefasst) Problemen nach vier Jahren Grundschulzeit an eine weiterführende Schule schicken sollte?

Fräulein Rottenmeier
1 Tag zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Schon mal zwölf- oder dreizehnjährige in einer vierten Klasse gehabt? Ohhhhh……

DerechteNorden
1 Tag zuvor

? Ich schrieb ja nicht fünf, oder? Im Text wird ja auch gesagt, dass eine Wiederholung (also fünf Grundschuljahre) nicht falsch wäre.
Wichtig finde ich, dass die Kids wichtige Basics beherrschen, bevor sie in die weiterführenden Schulen kommen.
Ich habe ein Mädchen, dass mit 12 aus einer Grundschule mit nur 1,5 Jahren DaZ zu uns in die Klasse kam. Ihr fehlen dadurch ganz viele Inhalte, die sie nicht einfach so nebenbei aufholen kann. Insbesondere Mathe ist ein Problem, da sie gar kein Mathe hatte. Und das sollten dann doch besser Grundschulkolleg*innen vermitteln, oder nicht?
Im Prinzip ist es mir egal, ob solche Fälle in Aufbauklassen an der GS oder weiterführenden Schule beschult werden. Aber Kinder mit etwas Anlaufschwierigkeiten sollten doch lieber an der GS wiederholen.
Wer mit 13 (als Nicht-DaZ-Kind) eigentlich noch in der vierten Klasse wäre, ist doch so oder so ein Förderkind.

Fräulein Rottenmeier
1 Tag zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ja natürlich sprechen wir von den Kindern, die keinen sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich LE oder GE haben. Diese durchlaufen die Grundschule in 5 Jahren….
Wir haben aber eine nicht geringe Anzahl von Kindern, die entweder schlecht/nicht deutschsprechend bei uns eingeschult werden. Wir haben auch Seiteneinsteiger, die unterjährig bei uns dazustolpern.
Tatsächlich haben wir mal einst den großen Fehler gemacht, Kinder entsprechend ihrer Fähigkeiten und nicht ihrem Alter entsprechend zu beschulen. Das geht, weil die Seiteneinsteigerkinder nicht der AOGS unterliegen.
Das war eine ganz schlechte Idee, denn dann hatten wir letztlich wirklich mal zwölf- und dreizehnjährige Teenager bei uns sitzen…..ein anderes Problem gibt es dabei auch noch: Die Schulpflicht endet dann für diese Kinder irgendwann in der achten oder neunten Klasse……
Seither beschulen wir die Kinder altersgerecht und fördern sie additiv in Föchern, wo sie noch Defizite aufweisen (also außer Deutsch)……die weiterführenden Schulen müssen dann weiterfördern…..

DerechteNorden
1 Tag zuvor

Ich weiß, was Sie meinen.
Am besten wäre es doch, für solche Kids (insbesondere für die Quereinsteiger*innen) die Schulbesuchszeit zu verlängern.

Fräulein Rottenmeier
1 Tag zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ja, aber nicht in der Grundschule, denn Pubertiere fühlen sich zwischen 9jährigen einfach nicht wohl….

DerechteNorden
18 Stunden zuvor

? Nein, nach „hinten raus“.
Wir haben ja tatsächlich solche Fälle, die dann zum ESA nicht zugelassen werden und ohne Abschluss (ohne einen Förderstatus) abgehen können, was auch nicht wenige tun. Manchmal würde ihnen schon nur ein weiteres Jahr helfen.

Ich merke gerade wieder, dass ich auch hier gegen Inklusion a la „alle immer im selben Raum“ bin.
Theoretisch müssten alle GS/IGS/GemS/Oberschulen inzwischen eine Sonderförderung für einerseits Lernbehinderung und andererseits Sprachdefizite haben.
Wir haben ja DaZ-Klassen bei uns an der Schule, aber irgendwie ist das nicht gut organisiert, weil die zu viele S*S haben. Des weiteren haben Kinder nur eine gewisse Zeit ein Recht auf Nachteilsausgleichsmaßnahmen.
Und ab einem bestimmten Zeitpunkt können Kids dann nur noch zwei Stunden die Woche DaZ machen, obwohl sie eigentlich viel mehr bräuchten.

Fräulein Rottenmeier
17 Stunden zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Bei uns verlieren die Kinder ihren Status nach exakt 24 Monaten nach Zuwanderung. Danach sind sie offiziell ins Regelsystem zu integrieren und unterliegen der AOGS. In der OGS verlieren diese Kinder bereits nach einem Jahr diesen Status, d.h. Ein höherer Betreuungsschlüssel ist nicht mehr notwendig…..

Und noch etwas, nach genau 24 Monaten werden auch keine Kosten der Sprachmittlerdienste mehr übernommen (für die Eltern) und die Schule muss diese uU selber tragen…..was z.B. bei einem AOSF sehr kostenintensiv sein kann.

Palim
16 Stunden zuvor

In NDS wurde die zeitliche Befristung aufgehoben, vermutlich weil es zu viele FöS-Gutachten nach sich zog.
Für Kinder ohne Schulerfahrung/Alphabetisierung sind 2 Jahre zu wenig. Und wenn die additive DaZ-Förderung ständig entfällt, brauchen die Kinder länger, aber man merkt schon, wer recht zügig aufholt und wer nicht.

Palim
1 Tag zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Wenn die Kinder ohne Schulerfahrung als Seiteneinsteiger kommen, müssen sie auch in der Grundschule zieldifferent beschult werden, schon im 1. oder 2. Schuljahr.
Warum ist das für die Grundschule ok und wird ihr explizit als Aufgabe zugewiesen, ab der 5. Klasse ist das dann nicht möglich? Auch da kann man doch zieldifferent beschulen.

Es braucht Ressourcen für die zusätzlichen Aufgaben, Zeit, Personal, Räume. Man kann nicht darauf warten, dass man diese Unterstützung erhält, so wie oben beschrieben, aber dadurch kommt es fortlaufend zur Benachteiligung und zu geringeren Erfolgen in der Förderung.

DerechteNorden
18 Stunden zuvor
Antwortet  Palim

„Warum ist das für die Grundschule ok und wird ihr explizit als Aufgabe zugewiesen, ab der 5. Klasse ist das dann nicht möglich? Auch da kann man doch zieldifferent beschulen.“

? Ist das NDS so? In SH kommen diese Kinder in eine DaZ-Klasse. Wir sind als GemS z.B. DaZ-Zentrum.
Wir bräuchten aber Grundschullehrkräfte, die Mathe unterrichten. Mir war das nicht klar, bis ich eine Afghanin in meine neue 5. Klasse kriegte, die nach 1,5 Jahren in Deutschland zwar durch DaZ-Unterricht schon ganz gut Deutsch sprach, aber noch nie Mathe-Unterricht erlebt hatte. Sie hätte quasi beim Stoff Klasse 1 anfangen müssen.
Das kann keine Mathelehrkraft (egal ob in der 4. oder 5. Klasse) nebenbei erledigen.

Fräulein Rottenmeier
17 Stunden zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ist unser täglich Brot. Bei uns kommen alle Kinder in eine Regelklasse und wenn ein Kind in einem Fach hinterherhinkt, macht man das als Fachlehrer oder Klassenlehrer auch noch so nebenbei….mehr als hier und da additive Förderstunden sind nämlich nicht drin….

Palim
17 Stunden zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Es mag in größeren Städten auch in NDS DaZ-Klassen geben, regional werden die Kinder in die nächste Grundschule gesetzt.
Daz-Stunden müssen vorab beantragt werden, werden zum Schuljahresbeginn (mit weit weniger als beantragt) genehmigt und fallen dem Lehrkräftemangel zum Opfer, sobald es einen längerfristigen Ausfall oder eine heftige Vertretungssituation gibt (also oft bis immer). Kommen Kinder über das Jahr oder nach dem Meldungs-Stichtag, muss man es irgendwie aufteilen (oder hat ohnehin die Stunden schon über den Lehrkräftemangel verloren).

Entsprechend muss man in der Grundschule nebenher diese Kinder beschulen in Deutsch, Mathe und allen anderen Fächern auf dem Niveau, das es gerade braucht. Die LE- und GE-Kinder werden ja auch zieldifferent beschult und es gibt so gut wie keine zusätzlichen Stunden dafür.
Aber ich verstehe, dass Sie eine Grundschullehrkraft dafür benötigen, die das erfüllen kann.

ed840
1 Tag zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Länder wie BB und Berlin machen ja vor, dass es auch anders geht.

Fräulein Rottenmeier
1 Tag zuvor
Antwortet  ed840

Das kann man in diesen BLs aber auch auf die Spitze treiben, indem bei ihnen dann sechzehnjährige in der 6. Klasse sitzen…..ist nur eine Verschiebung des Problems…..

Hansjoachim
1 Tag zuvor

Man sollte aber auch Schach nicht überbewerten. Ob jemand „dumm“ ist, bemisst sich kaum allein nach seiner Spielstärke, es gibt immer sog. „Inselbegabungen“. Sicher spielt der Zufall eine Rolle, ob Schachtalente in die eine oder in die andere Schule gehen. Fanatisch Schach zu spielen mit dem Ziel, mal Weltmeister zu werden, und alles andere zu vernachlässigen, ist auch kein pädagogisch sinnvolles Ziel. Haben eigentlich alle Schulen eine Schachmannschaft und nehmen an Schach- Wettbewerben teil? Es muss ja dazu wohl eine Anleitung gebe, und wie viele Grundschullehrerinnen spielen denn selber Schach?
In Berlin eroberte das Herder-Gymnasium (in einem bürgerlichen Stadtteil gelegen) die Deutsche Schulschachmeisterschaft. Das ist übrigens eine Schule mit einem „Begabtenzug“ in Mathematik und NaWi, für den gibt es sogar eine Aufnahmeprüfung (kaum zu glauben). Aber ein Erfolg beim Schach kommt natürlich von einem regelmäßigen organisierten Training und nicht von der Herkunft der Schüler.

Susanne M.
1 Tag zuvor
Antwortet  Hansjoachim

In diesem Fall haben die „Underdogs“ einen Wettbewerb unter anderem gegen Schulen in weit privilegierteren Vierteln gewonnen. Auf diese Weise haben sie sich positiv und selbstwirksam erlebt.Mit viel Glück überträgt sich diese Motivation auch auf andere Bereiche. Ich denke, darum sollte es gehen.

Biene
1 Tag zuvor
Antwortet  Hansjoachim

Wie Sie sagen regelmäßig, organisiertes Training. Aber die Kids aus dieser Brennpunktschule haben noch etwas anderes gehabt, dessen sollten Sie sich bewusst sein.
Den Biss es den „besser“ gestellten Kids zu zeigen, dass sie nicht schlechter sind, wenn man ihnen die Möglichkeiten gibt.
So mancher Diamant bleibt in diesen Brennpunktschulen liegen und wird nie gefunden, einfach weil es viel zu wenig Chancen gibt.

Bla
1 Tag zuvor

Mag jetzt etwas „pingelig wirken“ … Aber:

„Wenn ich bei den Buchstaben ‚A wie Apfel‘ lerne, aber das Wort Apfel nicht kenne, kann ich nicht lesen lernen.“

Das ist so nicht richtig. Natürlich kann man rein strukturell und systematisch das Wort Apfel lesen lernen, ohne einen Apfel zu kennen. Auch die Anlaute.
Was man dann jedoch nicht direkt lernt: Sinnerfassendes Lesen/Leseverständnis. Zumindest, wenn man die Sprache generell nicht kann/versteht. Das ist ja logisch.
Man braucht auch kein „inneres Bild“. Menschen mit Aphantasie haben dieses auch nicht und können problemlos Lesen lernen. Oft nur „anders eben“. Selbiges gilt für [das Lernen von] Fremdsprachen.
Also rein theoretisch kann man das Lesen lernen. Das führt nämlich auch zum Erklärungsansatz, warum viele (Erwachsene) zwar „problemlos lesen“ „können“, aber nicht verstehen, was sie da eigentlich lesen.
Die Unterscheidung und das Verständnis ist wichtig, damit man den Umgang versteht und hier gezielter agieren kann.

Natürlich gibt es noch weitere Folgeprobleme, wenn jemand „Apfel“ nicht kennt. Das macht das Erlernen logischerweise oft „mühseliger“ und „unmotivierter“. Bei Menschen mit neurotypisch stark geprägter Visualisierung [das Wort „sehen“ beim Lesen] findet das Wort dann auch nicht „visuell statt“. Was ein weiterer Motivationskiller sein kann. Bei Aphantasie fehlt dann ggf. hingegen „die Struktur/Verknüpfungen/Wissen“.

Leider sind wir massiv weit davon weg, dass wir „darüber“ überhaupt oft im Alltag sprechen „können“. Hoffentlich wird das in Zukunft sich ändern. Hier liegt so gewaltiges Potential, welches „wir“ liegen lassen.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor

„Dass die Kinder im relativ wohlhabenden Essener Süden deshalb begabter wären als diejenigen im ärmeren Norden oder Westen, glaubt Hannelore Herz-Höhnke nicht.“
„glaubt“??

„Eine Befragung der Wübben Stiftung Bildung zeigt, wie stark sich ungünstige Lern- und Lebensbedingungen an solchen Schulen häufen.“
Bei einem sogenannten „Brennpunkt“?

„Für rund 100 einzelne Anschaffungen – von Möbeln bis zu Fördermaterialien – musste die Schule nach ihren Angaben jeweils mindestens zwei Vergleichsangebote einholen“
Ja. Was ist hier die Kritik? Das anstelle von 100 nur 10 Dinge hätten angeschafft werden sollen? DAS wäre möglich gewesen, wenn das googlen eines zweiten Angebotes so stressig gewesen sein soll…

„Auch beim Startchancen-Programm überwiegt die Zuversicht. 64,9 Prozent der befragten Leitungen halten es für eher oder völlig realistisch, dass sich innerhalb von zehn Jahren die Zahl der Schülerinnen und Schüler halbiert, die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik nicht erreichen“
Nicht verwunderlich, wenn die vorher zu wenig Möbel hatten…

„Hartmann kennt die Leistungsunterschiede zwischen privilegierten und benachteiligten Kindern seit Jahrzehnten. Trotzdem widerspricht sie der Vorstellung, die Arbeit ihrer Schule verpuffe.“
Weil dieser Vergleich nichts taugt? Wer behauptet das? 😀

„Schach beseitigt keine Kinderarmut.“
Keine Bildungsungerechtigkeit, keinen Lehrkräftemangel, kein Defizit in der Demokratiebildung und keinen Klimawandel.
Aber es muss wohl nochmal ausgebuddelt werden, um längst wissenschaftlich gesicherte Kenntnisse anekdotisch zu erzählen, um sich in Kommentaren nur noch darum und nichts anderes auszutauschen – es scheint doch noch zu taugen…

Opossum
1 Tag zuvor

Was halten Sie über die Methoden von dem britischen Schulleiter Katharine Birbalsingh?

Ihre Schule ist zwar keine Grundschule, aber durchaus eine Brennpunktschule, wo Englisch keine Muttersprache für 72% der Schüler ist, 50% der Schüler muslimisch sind, 32-38% der Schüler auf das kostenlose Essen angewiesen sind.

Sie pocht auf die traditionellen Lehrmethoden, Frontalunterricht, Disziplin, absolute Ordnung, hohe Erwartungen an die Kinder, findet es wichtig, das Gefühl, dazu zu gehören, zu haben und sich als britisch (im Interview mit der Zeit auch als deutscher) zu fühlen. Frau Birbalsingh hat gleiche Erwartungen an die Kinder, unabhängig von deren sozialen, nationalen Herkunft, familiären Situation usw.

Die Schule ist eine Ganztagsschule mit Hausaufgaben und obligatorischem sofortigem Nacharbeiten, falls HA nicht gemacht werden.

Die Resultate sind sehr gut. Die Leistung der Schüler steigt vom Jahr zum Jahr signifikant.

Wäre es nicht sinnvoll, dieses Modell auch in DE auszuprobieren? Oder ist individuelles und selbstbestimmtes Lernen immer besser?

Hier ist ein altes Interview von Frau Birbalsingh mit der Zeit. https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-02/katharine-birbalsingh-michaela-community-school-london-tell-me-more

Opossum
20 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

Aber wenn das Ziel erreicht ist – „die Schule verzeichnet seit Jahren landesweite Spitzenwerte bei den Schulabschlüssen“ – beweist es nicht einigermaßen, dass der Weg nicht schlecht ist? Sollte die moderne Pädagogik vermutlich tatsächlich fordernder werden?

100 % Bestehensquote, Über 80 % aller vergebenen GCSE-Noten liegen im absoluten Top-Bereich der Noten 7 bis 9 (entspricht der deutschen Note 1 bis 1+)…

Ich würde meine Kinder gerne an so eine Schule schicken

Opossum
19 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

Das ist aber keine private Schule.

Die Michaela Community School ist eine staatliche Schule.

Sie gehört in England zur Kategorie der sogenannten „Free Schools“, ist für Schüler kostenlos, darf keine Schüler aussuchen (ist offen für alle soziale Schichten) und wird nicht von der lokalen Gemeinde verwaltet.

Opossum
19 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

Warum dieses Konzept nicht mit gebildeten Pädagogen auszuprobieren? Fehlende Schulabschlüsse sind doch ein Problem in Deutschland.

Opossum
18 Stunden zuvor
Antwortet  Redaktion

„Absolutes Schweigegebot auf den Gängen“ finde ich krass, obwohl auf dem Schulhof und beim Essen kann man da frei reden. Meine Kinder in deutschen Schulen leiden aber unter dem enormen Lärmpegel, wo sie sich kaum konzentrieren können bei selbständiger Arbeit und müssen dann zu Hause nacharbeiten (ich bestehe darauf, nicht Lehrer). Wenn ein wenig Drill die Situation verbessern könnte, würde ich nur dafür.

Palim
17 Stunden zuvor
Antwortet  Opossum

Weil gebildete Pädagog:innen gelernt haben, dass es nicht ausreicht, die Latte hochzuhängen.
Ich finde die Vorstellung ausgesprochen merkwürdig, zu meinen, man müsse nur die Anforderungen hochschrauben, dann wären die Leistungen auch besser.
Dann könnte man ja auch erwarten, dass jede und jeder bei Olympia Gold gewinnt und sich mit nichts anderem zufrieden geben.

Palim
17 Stunden zuvor
Antwortet  Opossum

Wer sagt denn, dass dies nicht den üblichen Schulen in D entspricht?

  • Anforderungen stellen
  • Hausaufgaben einfordern
  • Nacharbeiten ansetzen
  • Disziplin vermitteln
  • soziale Kompetenzen stärken
  • weiterhin relativ viel Frontalunterricht

Was ist daran besonders?

Und wie geht man an der Schule damit um, dass einzelne Kinder andere Bedürfnisse haben?
… hat die Redaktion schon recherchiert: sie werden der Schule verwiesen.
DANN habe ich auch lauter gute Schüler:innen, wenn ich alle anderen wegschicke.

Und dann werden diese nicht beschult?
Brennpunkt bedeutet, die zu beschulen, die benachteiligt sind, weil sie zu wenig Unterstützung und Anregung erfahren bzw. Benachteiligungen erfahren, für die sie selbst nichts können.

Opossum
16 Stunden zuvor
Antwortet  Palim

Vielleicht gibt es keine Schule für alle, wo ein Konzept bei verschiedenen Kindern gleich effektiv wäre?

Diese Schule setzt sich gute Leistungen als Ziel, weil benachteiligte Kinder genau so schlau sind, als die aus besser situierten Familien.

Andere Schulen denken nicht so sehr an die hohe Abschlüsse, sondern an Resozialisierung und die Vorbereitung auf das selbständiges Leben von Jugendlichen, die als unbeschulbar galten (Ian Mikardo High School).

Und an der Michaela Community School scheint eine intensive Unterstützung bei den Hausaufgaben zu geben – was besosnders für benachteiligte Kinder ohne familiären Unterstützung wichtig sein könnte.

„Das Konzept der Schule basiert darauf, dass kein Kind zu Hause scheitern soll, weil es die Aufgaben nicht versteht oder keinen ruhigen Arbeitsplatz hat.“
Gesteuerte Lernzeiten waren schon in diesem Forum öfter vorgeschlagen. Tagliche Kontrolle hilft auch, eine Struktur aufzubauen, die vielleicht zu Hause fehlt.

Karl Heinz
21 Stunden zuvor

An mehr als jeder fünften Schule benötigt mindestens jedes dritte Kind länger“

Wenn in einem vermeintlich reichen Land wie Deutschland an jeder fünften Schule jedes dritte Kind die Grundschule nicht in der Regelzeit erfolgreich absolviert, dann ist das kein Randphänomen, sondern ein systemischer Kollaps des Bildungssystems.
Die Etikettierung als „Brennpunkt“ suggeriert m.E. fälschlich, es handele sich um lokale Problemherde, statt einzugestehen, dass die gesamte schulische Struktur auf eine privilegierte Mittelklasse zugeschnitten ist und an der Realität der Mehrheitsgesellschaft scheitert.
(vgl. Bourdieu bis El-Mafaalani)

Insofern finde ich die angeführten Aussagen der Schulleitungen auch kontraproduktiv:
Indem sie weiterhin immer wieder betonen, wie „erfolgreich“ sie sind, liefern sie der Politik unbeabsichtigt ein Alibi:
„Schaut her, wir leisten Unglaubliches unter diesen Bedingungen – also ist das System doch gar nicht so kaputt.“ 
Diese Rhetorik der „Resilienz“ und des „Trotzdem-Erfolgs“ suggeriert nur, dass Schulen es trotzdem schaffen das Unmögliche möglich zu machen – während die eigentliche Frage (Warum muss eine Schule überhaupt dafür kämpfen, dass Kinder ein Bett oder ein Frühstück haben?) elegant umschifft wird.

Damit bleibt es beim Wegsehen.

Fräulein Rottenmeier
20 Stunden zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Da haben Sie leider recht…..und dennoch, als SL einer Brennpunktschule macht und tut man, um die Kinder zu fördern und irgendwie aus ihnen das Beste rauszuquetschen. Und wenn es dann mal wirklich Erfolgserlebnisse gibt (dort ist es Schach, woanders vielleicht ein Mathewettbewerb), dann ist man froh und erzählt es auch gerne. Klar besteht die Gefahr, dass die Politik sowas wahrnimmt und für ihre Zwecke nutzt…..