
Das neue Schuljahr startet und Brandenburgs Bildungsminister rät Schülerinnen und Schülern, auch in schwierigen Zeiten an sich zu glauben. «Auch wenn du mal in einer Phase bist, in der es nicht gut läuft: Nicht aufgeben, dranbleiben! Und nicht die Hoffnung aufgeben», sagte Gordon Hoffmann (CDU).
Zum Glück lebten wir in einem Land, in dem man eine zweite Chance bekomme, so der Minister. «Oder auch noch eine dritte oder vierte Chance.» Man könne ganz vieles korrigieren und in die richtigen Bahnen lenken. «Aber man muss selbst bereit sein, etwas dafür zu tun.»
Hoffmann weiß, wovon er spricht: Er selbst hatte eine bewegte Schulzeit und wäre selbst fast einer der Jugendlichen ohne Abschluss geworden. Er sei faul gewesen und habe seinen Zehnte-Klasse-Abschluss nur gerade so geschafft, hatte der Prignitzer vor einiger Zeit bekannt. Seine Ausbildung zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer schmiss er kurz vor der Prüfung hin.
«Nicht selbstverständlich, dass ich noch die Kurve bekommen habe»
«Ich rate jedem Schüler und jeder Schülerin, sich tatsächlich anzustrengen», so Hoffmann. «Das habe ich nämlich damals nicht gemacht und ich glaube, es war nicht selbstverständlich, dass ich noch mal die Kurve bekommen habe.»
Letztlich nutzte Hoffmann seine Chance über den zweiten Bildungsweg und begann ein Fachschulstudium der Sozialpädagogik und studierte später Soziale Arbeit. Seit 2009 ist er Landtagsabgeordneter – und seit diesem Jahr Bildungsminister.
«Es war ein beachtlicher Umweg, den ich da genommen habe», fasste er zusammen. «Das hätte ich mir rückblickend sehr gern erspart.» News4teachers / mit Material der dpa










Warum hat er es selber damals nicht geschafft? Im Rückblick haben mir Jahre nach der Schule schon einige SuS gesagt, dass vieles auch einfacher möglich gewesen wäre. Wenn gutes Zureden helfen würde, hätten wir nur Schüler mit Abschluss. Ohne (teure) Sonderwege (Langzeitpraktikum, Spezialklassen, intensive Einzelbetreuung usw) bleibt reden aber die einzige Maßnahme. Bei uns wurden die BuS-Klassen (reduziertes Schulprogramm mit Dauerpraktikum) vor einigen Jahren gestrichen, obwohl ziemlich erfolgreich. DaZ gibt es nur in zu großen Gruppen mit zu wenig Stunden.
Sehr positiv, dass Herr Hoffmann das so deutlich sagt, auch von vielen Wegen spricht. Seine frühere Faulheit hatte aber sicherlich einen oder viele Gründe, kaum jemand ist ’nur so‘ zu faul. Es braucht echte alternative Schulansätze für diese schwierigen Fälle, Ansprache allein reicht nicht.
Auch wenn ich diesen Mann nicht kenne, und er mir bei näherem Hinsehen vermutlich auch nicht sonderlich sympathisch sein wird… das, was er hier sagt, kann man nur unterschreiben. Wir hängen noch viel zu sehr in diesem „fixed mindset“, an der Idee, dass kognitive Fähigkeiten weitgehend angeboren *und* unveränderlich seien. Dabei weiß man in der Forschung aber schon seit langem, wie sehr Intelligenz (und die meinen wir ja letztlich mit unseren wolkigen Begriffen wie „Problemlösekompetenz“) von sozialen Faktoren mitgeformt wird, darunter nicht zuletzt von Schulbesuch mit kognitiv anregendem Unterricht, und noch bis ins hohe Alter plastisch bleibt. Die Gene, denen noch immer (und aktuell sogar wieder mehr) alles in die Schuhe schieben wollen, stecken höchstens den Rahmen ab, innerhalb dessen sich unser Potential entfalten kann: „nature via nurture“, und mit zunehmender Reife dann eben auch die eigenständige Verantwortung für diese „nurture“.
Kollege Hoffmann ist der erste Bildungsminister in Brandenburg, der Probleme offen und ungeschönt anspricht und in der Fläche präsent ist. Das ist ihm hoch anzurechnen. Ob die richtigen Maßnahmen getroffen werden, wird sich zeigen.
scheinbar ist es in der Politik nicht so wichtig eine abgeschlossene schulische Ausbildung zu haben (gibt leider viele Beispiele) die mit guten Ratschlägen schnell bei der Hand sind, aber die Probleme der Schüler/Schülerinnen nicht kennen
Heinz
Scheinbar ist es guter Ton, ‚die Politik‘ pauschal abzuwerten. Mir reicht es eigentlich, dass Eltern und Freunde ‚die da oben‘ für und jedes in die Verantwortung nehmen. Auch und vor allem, wenn die Probleme und auch die Lösungen komplex sind, denn ‚die‘ haben ja alle keine Ahnung. Dabei wäre es so einfach? Wie denn? Wo sind die genialen Ideen?
Im Zweifelsfall ist mir ein vernünftiger, kreativer, offener Mensch ohne Schulabschluss lieber als ein Doktor oder Professor, der Regelbücher auswendig kennt. Wer nur persönlich kritisiert, wertet den Schülern gegenüber das demokratische System ab, spricht die abwertende, verächtlich machende Sprache der AfD. Ich kritisiere auch, dass er m.E. zu kurz springt, aber was hat das mit seiner Ausbildung zu tun?