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„Ich fühle mich absolut im Stich gelassen“: Wenn Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf unvorbereitet allein vor einer Klasse stehen

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BERLIN. Ohne Lehramtsstudium direkt vor eine Klasse: Was als Notlösung gegen den Lehrkräftemangel begonnen hat, ist längst zu einem wichtigen Zugangsweg in den Beruf geworden. Bundesweit kam 2024 mehr als jede zehnte unbefristet neu eingestellte Lehrkraft über den Seiteneinstieg, in einzelnen Ländern waren es fast 50 Prozent. Ein aktuelles Policy Paper des Stifterverbands warnt vor einer „De-Professionalisierung“, wenn diese Lehrkräfte nicht systematisch auf ihre Aufgabe vorbereitet und anschließend begleitet werden.

Neulich im Zirkus. Karikatur: News4teachers

„Ich stehe vor einem Problem, was mich absolut verzweifeln lässt.“ So beginnt der Erfahrungsbericht, den ein Seiteneinsteiger im Chatforum Reddit veröffentlicht hat. Seit wenigen Tagen, schreibt er, arbeite er an einer Regionalschule und einem Gymnasium – in Vollzeit, mit 27 Unterrichtsstunden pro Woche. Noch kurz zuvor habe er nicht einmal gewusst, ob er die Stelle überhaupt bekomme. „Abgesprochen war eigentlich, dass ich eine gewisse Vorbereitungszeit haben werde, bevor ich in meinen eigens geführten Unterricht starten werde. Jedoch habe ich erst letzte Woche den Bescheid bekommen, dass ich die Stelle überhaupt bekommen habe.“

Was danach kommt, liest sich wie das Protokoll eines Kaltstarts. Ansprechpartner, die sich bei ihm melden sollten, meldeten sich nach seiner Darstellung nicht. Dann habe es geheißen, er müsse selbst auf die betreffenden Lehrkräfte zugehen. „Also musste ich am Wochenende einige E-Mails verschicken, welche (…) natürlich unbeantwortet blieben.“ Am ersten Arbeitstag seien weder Schlüssel noch Kopierkarten vorbereitet gewesen. Selbst der Vertrag habe erst ausgedruckt werden müssen. „Kurz vor meiner ersten Stunde hieß es dann ‚schnell schnell Vertrag unterschreiben‘.“ Als er darum gebeten habe, ihn vorher in Ruhe lesen zu können, sei er „nur schief angeschaut“ worden.

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„Ich sollte dann auch plötzlich einfach Unterricht führen. Ohne Vorbereitung, ohne vernünftiges Material.“ Der Seiteneinsteiger schreibt, er habe zu diesem Zeitpunkt keinerlei Erfahrung mit Unterrichtsführung, Vor- oder Nachbereitung und keine Informationen über die Lehrplaninhalte gehabt. Zudem habe er herausgefunden, dass die betreffende Klasse in seinem Fach in diesem Schuljahr bislang noch gar keinen Unterricht erhalten habe. Fragen an Vertretungslehrkräfte hätten ihm nicht weitergeholfen.

Schließlich habe er seine Bedenken gegenüber dem Schulleiter angesprochen. „Dort habe ich ihm ehrlich meine Bedenken geäußert, dass es mehr als überfordernd für mich ist. Wirklich darauf eingegangen ist er nicht.“ Dem Schulleiter sei wichtig gewesen, dass überhaupt jemand im Klassenzimmer stehe, berichtet der Verfasser: Unterricht sei immer noch besser als kein Unterricht. Schließlich seien es diese Zahlen, die an die zuständige Behörde weitergeleitet werden müssten.

Der anonym veröffentlichte Bericht lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Das strukturelle Problem, das er beschreibt, ist dagegen dokumentiert. Deutschlands Schulen beschäftigen inzwischen in erheblichem Umfang Menschen als Lehrkräfte, die weder ein klassisches Lehramtsstudium noch einen Vorbereitungsdienst absolviert haben.

Nach Angaben des Stifterverbands kamen 2024 bundesweit 12,7 Prozent der unbefristet neu eingestellten Lehrkräfte über den Seiteneinstieg. In einigen Ländern ist der Anteil sehr viel größer: In Brandenburg waren es 48 Prozent, in Sachsen-Anhalt 47 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern rund 42 Prozent und in Thüringen 30 Prozent.

Dass der Seiteneinstieg keineswegs an Bedeutung verliert, zeigen aktuelle Zahlen aus Thüringen. Dort waren im vergangenen Schuljahr nach Informationen von MDR Thüringen 29 Prozent der neu eingestellten Lehrkräfte Seiteneinsteiger – ein neuer Höchststand. 293 Seiteneinsteiger wurden zuletzt eingestellt; im Schuljahr 2017/18 waren es lediglich 28 gewesen. Gleichzeitig waren im Freistaat noch 466 Lehrerstellen unbesetzt.

„Viele Berufswechslerinnen und Berufswechsler müssen von Anfang an eigenverantwortlich Unterricht erteilen und stehen allzu häufig bereits am ersten Arbeitstag in der Schule vor einer Klasse“

Damit stellt sich zunehmend die Frage, unter welchen Bedingungen Menschen ohne reguläre Lehramtsausbildung in einen Beruf gebracht werden, auf den grundständig ausgebildete Lehrkräfte durch ein jahrelanges Studium und einen ein- bis zweijährigen Vorbereitungsdienst vorbereitet werden.

Eine Expertengruppe unter dem Dach der Allianz für Lehrkräfte des Stifterverbands hat diese Frage untersucht. Ihr aktuelles Policy Paper „Vom Mangel zur Chance – Empfehlungen zum Berufswechsel ins Lehramt“ kommt zu einem ernüchternden Befund: Welche Personen für den Seiteneinstieg zugelassen werden, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland – ebenso wie die Frage, ob und wie sie vor ihrem ersten Unterricht qualifiziert werden. Eine systematische und verpflichtende Vorbereitung sei bislang nicht flächendeckend etabliert.

Die Folgen: „Viele Berufswechslerinnen und Berufswechsler müssen von Anfang an eigenverantwortlich Unterricht erteilen und stehen allzu häufig bereits am ersten Arbeitstag in der Schule vor einer Klasse.“ Ohne eine dem Beruf entsprechende Qualifizierung und Begleitung sei im Schuldienst „eine De-Professionalisierung zu befürchten“.

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Die Unterschiede zwischen den Ländern sind beträchtlich. Sachsen und Thüringen bieten seit dem Schuljahr 2025/26 einen dreimonatigen Vorbereitungskurs an. Mecklenburg-Vorpommern sieht ebenfalls eine dreimonatige Qualifizierungsphase vor, allerdings nur für bestimmte Seiteneinsteiger. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg dauert der einführende Kompaktkurs vier Wochen. In Berlin sind es fünf bis sieben Tage.

Die Expertengruppe fordert deshalb, eine dreimonatige Vorqualifizierung zum Mindeststandard zu machen. Bevor Berufswechsler erstmals eigenverantwortlich unterrichten, sollen sie grundlegende pädagogische und psychologische Kompetenzen erwerben – von Klassenführung und Diagnostik über Feedback, den Umgang mit Heterogenität und Unterrichtsstörungen bis zum Beziehungsaufbau. Hinzukommen sollen fachdidaktische Grundlagen, ein Verständnis der eigenen Rolle im System Schule und Hospitationen mit begleitender Reflexion.

Drei Monate: Selbst die vom Stifterverband empfohlene Mindestvorbereitung bleibt damit eine vergleichsweise kurze Einführung in einen extrem komplexen Beruf. Und das Policy Paper beschreibt zugleich eine Realität, in der selbst diese drei Monate vielerorts nicht erreicht werden – oder Menschen sogar unmittelbar eigenverantwortlich vor Klassen stehen.

Im Reddit-Bericht wird greifbar, was das für einen Berufsanfänger bedeuten kann. Der Verfasser beschreibt nicht nur fehlendes Wissen, sondern den Versuch, es parallel zu einer vollen Unterrichtsverpflichtung irgendwie selbst zu erwerben. „Jedoch hänge ich viel zu viel in der Vorbereitung auf den Unterricht, dass alles andere dabei zur Seite geschoben werden muss, da ich mir alles von 0 auf 100 erschließen und erdenken muss.“

Hinzu kommt, dass er nach eigener Darstellung zwischen zwei Schulen pendelt. Die Zeiten zwischen den Stunden seien knapp. „Essen tue ich im Auto, weil sonst keine Zeit bleibt.“ Auch Unterstützung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen werde dadurch schwieriger: An den beiden Schulen treffe er nicht immer die Personen an, die ihm bei konkreten Fragen helfen könnten.

Eine solche Unterstützung hält die Expertengruppe des Stifterverbands allerdings für entscheidend. Vorbereitung vor dem ersten Unterricht sei nur ein Baustein. Hinzukommen müssten kontinuierliche berufsbegleitende Qualifizierung und verbindliche Unterstützung innerhalb der Schule. Mentoring und Feedback bezeichnet das Policy Paper als „zentrale Erfolgsfaktoren beim Berufswechsel“. Dafür müssten zeitliche Ressourcen bereitgestellt werden. Lehrkräfte, die Seiteneinsteiger begleiten, sollten für diese Aufgabe entlastet werden.

Auch die Seiteneinsteiger selbst sollen nach den Empfehlungen nicht zusätzlich zur vollen Unterrichtsbelastung ihre Qualifizierung bewältigen müssen. Der zeitliche Aufwand für berufsbegleitende Weiterbildung sei erheblich. Deshalb sei eine systematische Entlastung durch Anrechnungsstunden notwendig, „um Überforderung zu vermeiden und eine nachhaltige Professionalisierung zu ermöglichen“.

Was geschieht, wenn diese Unterstützung fehlt, schildert der Reddit-Nutzer unmittelbar. „Dann heute bei der Vorbereitung auf den morgigen Tag bin ich emotional eingebrochen.“ Die ersten Tage habe er versucht, den Alltag „so souverän wie möglich zu meistern und tapfer zu bleiben“. Inzwischen zweifle er an sich selbst. „Zwischenzeitlich habe ich schon an mir selbst und meinen Fähigkeiten gezweifelt, getreu dem Motto: ‚Ich bin einfach zu dumm dafür.‘“

Dabei warnt auch der Stifterverband davor, den Seiteneinstieg selbst zum Problem zu erklären. Berufswechsler können demnach Kompetenzen in die Schulen bringen, die im klassischen Ausbildungsweg nicht selbstverständlich sind – etwa Erfahrungen aus Projektmanagement oder technischen Berufen. Der Seiteneinstieg könne deshalb mehr sein als eine kurzfristige Reaktion auf den Lehrkräftemangel. Gerade dafür müsse er jedoch auf eine professionelle Grundlage gestellt werden.

„Wenn unter diesen Voraussetzungen der Anteil an Seiten- und Quereinsteigern immer größer wird, müssen wir uns schon die Frage stellen, ob wir hier eine Dequalifizierung des Berufes als Lehrkraft erleben“

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht Handlungsbedarf. Anja Bensinger-Stolze, GEW-Vorstandsmitglied für den Organisationsbereich Schule, betont, dass Berufswechsler durchaus eine Bereicherung für Schulen darstellen könnten. „Quereinsteigende bringen inhaltlich häufig eine gute Expertise für die jeweiligen Schulfächer mit, aber es fehlt die pädagogische Qualifikation“, sagt sie der Frankfurter Rundschau.

Die entscheidende Voraussetzung sei deshalb, dass die neuen Lehrkräfte qualifiziert und in den Schulen gut begleitet werden. Doch gerade dafür fehlten vielerorts Zeit und Personal. „Wenn unter diesen Voraussetzungen der Anteil an Seiten- und Quereinsteigern immer größer wird, müssen wir uns schon die Frage stellen, ob wir hier eine Dequalifizierung des Berufes als Lehrkraft erleben.“ Die GEW fordert eine „gut organisierte, einheitliche, qualitative“ Lehrer*innenfortbildung. „Wenn diese fehlt, sind neue Herausforderungen schwer anzugehen und die Kolleginnen und Kollegen fühlen sich allein gelassen.“

Der Verfasser des Reddit-Beitrags benutzt fast dieselben Worte: „Ich fühle mich absolut im Stich gelassen und alleine.“ Aus der Euphorie, endlich eine Tätigkeit gefunden zu haben, die seinen fachlichen Kompetenzen entspreche, sei innerhalb weniger Tage etwas anderes geworden. „Ich habe heute viel geweint, mich viel geärgert und weiß gerade einfach nicht weiter.“

Dass der Lehrerberuf viel eigenständige Arbeit verlange, sei ihm bewusst, schreibt er. Was er nicht begreife, sei die Erwartung, dass jemand „ohne jegliche Erfahrung in dem Bereich (Pädagogik, Didaktik, Methodik, Inhalte)“ vom ersten Moment an unterrichten könne. Dann versucht er zu erklären, wie absurd ihm seine Situation vorkommt: „Aber man schickt ja auch schließlich niemanden ohne Erfahrung in eine Sterneküche, drückt ihm ein Messer in die Hand und sagt ihm, dass er mal eben für 90 Gäste kochen soll.“ News4teachers

Hier lässt sich das vollständige Policy Paper des Stifterverbands herunterladen. 

Ein Drittel der Seiteneinsteiger hat den Schuldienst schon wieder quittiert

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19 Kommentare
Realist
23 Tage zuvor

Die Folgen: „Viele Berufswechslerinnen und Berufswechsler müssen von Anfang an eigenverantwortlich Unterricht erteilen und stehen allzu häufig bereits am ersten Arbeitstag in der Schule vor einer Klasse.“ Ohne eine dem Beruf entsprechende Qualifizierung und Begleitung sei im Schuldienst „eine De-Professionalisierung zu befürchten“.“

Daran sind aber nicht die Schulen Schuld. Die Stunden werden von der Behörde zugewiesen und eingplant. Wer soll die denn sonst halten? Die Kolleginnen und Kollegen, „die schon da sind“, als unbezahlte(!) Mehrarbeit, während der Seiteneinsteiger sich erst einmal in Ruhe qualifiziert? Das wäre die Alternative, wenn die Behörde keine Stunden für so etwas bereitstellt!

Zudem: Wer heute als Seiteneinsteiger meint, die Schulen hätten irgendwie Kapazitäten diese Belastungen abzufedern, der ist äußerst naiv und am Ende selber Schuld bzw. hat ein völlig falsches Bild vom Lehrerberuf („vormittags recht, nachmittags frei, entweder in den Ferien oder krank“).

Mr. Farmer
22 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Dieser Erfahrungsbericht tut mir leid, allerdings frage ich mich auch, wie manche sich das alles vorstellen? Es erscheint leicht anmaßend zu glauben, dass man Lehrkraft einfach so werden kann ohne fundiertes Studium bzw. Referendariat. Für mich ist dieser Beruf extrem komplex. An meiner Schule ist ebenfalls eine neue Quereinsteigerin. O-Ton: „Dann kann ich ja die Erziehung der Kinder nebenher besser stemmen.“ Bin mal gespannt, ob sie sich da nicht täuscht…Natürlich trifft das nicht auf alle Quereinsteiger zu, aber ja…

unfassbar
23 Tage zuvor

Der geschilderte Fall ist wirklich heftig und hoffentlich ein echter Einzelfall. Schon rein arbeitsrechtlich halte ich die Sache mit der Vertragsunterschrift am ersten Arbeitstag mehr oder weniger unmittelbar vor der ersten Unterrichtsstunde ohne nennenswerte Absprachen für problematisch.

Mika BB
23 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Ich kenne genügend Fälle, in denen der Arbeitsvertrag für die Lehrkräfte erst Wochen, in einem Fall erst Monate nach Dienstantritt vorlag. Gehalt kam erst nach Vertragsunterzeichnung. Das waren allerdings alles Angestellte, keine Beamten.

Palim
22 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Man ist nicht versichert, wenn man keinen Vertrag hat.
Davon muss man also dringend abraten!

Zuerst kommt der Vertrag, ja, manchmal dauert es mehrere Wochen, danach kann die Vertretungslehrkraft beginnen.
Das ist an Schulen, in denen gravierender Mangel herrscht, sonst bekäme sie die Stelle nicht. Es ist dann schon so, dass die Vertretungen zügig in den Unterricht gehen.

Fräulein Rottenmeier
22 Tage zuvor
Antwortet  Palim

Zumal wenn eine Arbeitsaufnahme vor einem Vertrag erfolgt, die Stelle einklagbar wird…..

Meiomei
21 Tage zuvor
Antwortet  Palim

Wieso sollte man erst versichert sein, wenn man den Vertrag unterschrieben hat?
Arbeitsverträge können meines Wissens auch mündlich abgeschlossen werden. Wenn der Schuleiter jemanden mit einem „Arbeitsauftrag“ in dei Klasse schickt, geht er hiermit ein Arbeitsverhältnis ein.

Karl Heinz
20 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Wieso?

Wenn Sie mit der Arbeit beginnen, ohne einen schriftlichen Arbeitsvertrag unterschrieben zu haben, gilt:
Sie haben trotzdem einen gültigen Arbeitsvertrag.
In Deutschland können Arbeitsverträge nämlich formfrei – also auch mündlich oder durch schlüssiges Verhalten (Konkludenz) – geschlossen werden (sog. Vertragsfreiheit).
Das hätte im übrigen den Vorteil, dass man automatisch ohne Probezeit und unbefristet eingestellt wäre.

Was mich bei der Story stutzig macht ist etwas anderes:
Arbeitgeber ist das jeweilige Bundesland. Man unterschreibt also meiner Erfahrung nach beim Schulamt und nicht in der Dienststelle und geht direkt zum Unterricht über…

Aber ansonsten – wer glaubt, der Standesdünkel sei längst Historie, irrt.
Es ist auch und gerade in den Einrichtungen, die ja eigentlich die Grundlagen eines aufgeklärten, freiheitlichen, demokratischen Miteinanders vermitteln sollten, omnipräsent.

dickebank
20 Tage zuvor
Antwortet  Karl Heinz

In NRW ist die Dienststelle die Schulabteilung der für den Schulstandort zuständigen Bezirksregierung als Vertreterin des MSB.
Der Arbeitsvertrag wird am Ende des Einstellungsgespräches mit der Auswahlkommission vor Ort an der Schule unterschrieben. Rechtsgültig wird er aber erst durch die Gegenzeichnung durch die Dienststelle.

Fräulein Rottenmeier
18 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Bei mir hat noch nie jemand einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Dies geschieht bei uns grundsätzlich im Schulamt und zwar nachdem alle nötigen Unterlagen vorliegen. Niemand nimmt seinen Dienst vor Vertragsunterzeichnung auf, da – wie es Karl Heinz richtig schrieb – der Vertrag dann unbefristet ist.
Wir werden auch gebetsmühlenartig immer wieder auf genau diesen Umstand aufmerksam gemacht.

Rainer Zufall
23 Tage zuvor

Ist schon heftig, aber wahrscheinlich zutreffend, dass der Kollege auf Reddit mehr Anteilnahme und Hilfe erwarten kann, als in anderen Foren zum Thema 🙁

„Hinzu kommt, dass er nach eigener Darstellung zwischen zwei Schulen pendelt.“
Das finde ich heftig. Wenn neue Kolleg*innen sofort mit Rand- und Drecksarbeit angespeist werden, muss man sich nicht über Abbrüche wundern. (wobei dies wohl öfters über die schlechte Orga der Verträge zustandekkmmt und nicht immer über die Schulleitung)

Bla
22 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

„Ist schon heftig, aber wahrscheinlich zutreffend, dass der Kollege auf Reddit mehr Anteilnahme und Hilfe erwarten kann, als in anderen Foren zum Thema “

Haben Sie die Beiträge denn auf Reddit gelesen? Sind ja inzwischen bereits 9 Monate alt.
Also handelt es sich nicht um einen „akuten Fall“, sondern zu Beginn des letzten Schuljahres.

Und die Kommentare waren von „ging mir genauso“, „so ist Schule halt“, „geht ausgebildeten Lehrkräften nicht anders“, schreib dich krank“, „nimm das Schulbuch, mache Plakate und schau ‚irgendwelche‘ Filme + sprech drüber“ bis hin zu „reduziere dienen Anspruch“. Also von mir mal etwas zusammengefasst. Konkreter mitunter:
„Ich frage mich wie du dir die Einarbeitung vorgestellt hast? Andere studieren dafür und stecken über lange Phasen viel Arbeit abends in die Unterrichts Vorbereitung. Hätte man Kapazitäten dir da jmd zur Seite zu stellen, der dir das erklärt und bei bringt, hätte man in der Zeit wahrscheinlich die Unterrichtsstunden abdecken können. “

„Willkommen im System Schule. Es existiert schlichtweg keine Einarbeitungszeit. Mir wurde damals nur gesagt, dass „Schule“ eben so läuft… “

„Sei froh, dass Du sofort einen Vertrag vorgelegt bekommen hast, ein Bekannter wurde kettenbefristet und jedes halbe Jahr lief es völlig überraschend aus. […]“

„Also falls es dich beruhigt, du wurdest nicht so behandelt, weil du Seiteneinsteiger bist. Als ref wurde ich in vielen Punkten genauso behandelt. “

“ Dir ist nicht wirklich zuhelfen. Ich wünsche dir alles Gute.
Besteht denn eine Chance auf Verbeamtung?
Wenn jawürde ich den Schulleiter darauf hinweisen, dass er dich da rein bekommen soll oder du einen Abgang machst“.

„Die Scheiße läuft überall so ab.
Ich bin ausgebildet und verbeamtet und wurde kurz vor den Ferien für ein Jahr abgeordnet […].“

„Der Schulleiter hat dich wegen der Statistik eingestellt. Er hat ja offen gesagt, dass es nur darum geht. Er erwartet vermutlich gar nicht, dass du den Schülern irgendwas beibringst, daher lohnt es sich für ihn auch gar nicht, in dich zu investieren.“

„Kaputtes System. Ich lese deinen Beitrag, habe Mitleid mit dir und denke mir aber „Jo, leider normal“. “

„Das ist leider völlig normal so. Das vielleicht einzig Gute ist, dass sehr wahrscheinlich wirklich keine Erwartungen an dich bestehen. “
https://www.reddit.com/r/arbeitsleben/comments/1oqe0m2/seiteneinsteiger_als_lehrkraft_komplett_h%C3%A4ngen/

Also bestimmt alles Tipps, welche Sie gut finden? Wahr sind sie ja schon irgendwie …
Aber sooo viel anders, als es viele hier schreiben (würden/werden) finde ich sie ehrlicherweise nicht.

Also auch hier an der Stelle mal wieder … Informieren Sie sich doch einfach mal (zu Themen)? Dann hätte man den „Erwartungswert“ auch abgleichen können.

Mein Rat in seinem Fall wäre ggf. der Fall zu Privatschule/Jugendarbeit/Erwachsenenbildung.
Warum? Weil sich das wie ein Systemproblem liest. Und in Bereich Regelschule „muss“ man da mehr oder weniger halt (mal) durch. Manche bleiben auch ewig dabei.
Hoher Erwartungswert? Einarbeitung erwartet? Chaotische Strukturen „belasten“? Keine Ahnung „was man tut“? Usw. … Das stellen leider viele fest und fliegen raus oder passen sich an.
Das ist ein absolutes Mangelsystem auf Basis von einigen planlosen Strukturen zudem.
Sollte man das ändern? Na klar.
Wird es angeprangert? Ständig – von jeglichen Seiten.
Ändert man was? Nope.
Das System kollabiert halt in 10-15 Jahren. Auch das ist als Prognose eigentlich bereits ersichtlich und viele schätzen das durchaus als realistische Zeitschwelle ein.
Handlung? Nope. Schaun wer mal.

Was soll man sagen … Viele haben halt Recht diesbezüglich … Man verändert (als LuL) nicht das (Gesamt)System – das System verändert eher einen.
Und dementsprechend passt man sich im System halt an oder scheidet aus [freiwillig oder eben nicht freiwillig].

Mal im Ernst … Wem ist damit geholfen zu sagen: „Och, da mussten wir alle mal durch.“, „später kannst du mehr machen und mehr entscheiden“, „nach Verbeamtung kannst du weniger Gas geben“, „Kopf hoch“.
Emotional? Ja.
Als Lösung? Naja, weiß ja nicht.
Als „sitz mit im Boot“? Jap. Kann man sich gegenseitig dann hoch und runter ziehen. Ständig. Doch auch tolles Konzept.

Es ist und bleibt ein systemisches Totalversagen in vielen Bereichen. Dem muss man sich mal ehrlich machen und sollte man angehen, statt von „bald kein Lehrermangel“ ständig „im Elfenbeinturm“ zu sprechen. Das nämlich bewusster Quatsch und reine Hinhaltetaktik auf Kosten vieler. Dazu Kosteneinsparung. Mehr auch nicht.

Axel Weinstein
22 Tage zuvor

Ich war selbst Seiteneinsteiger (in RLP) und habe viele Quer- und Seiteneinsteiger auf ihrem Ausbildungs- und Berufsweg begleitet, zuletzt einige Jahre als Schulleiter einer IGS und berate derzeit Interessenten an Lehrberuf.
Der Fall klingt brisant. In welchem Bundesland wird jemand kurzfristig eingestellt mit 27 (!) Stunden an zwei Schulen, ohne jegliche Erfahrung – völlig alleingelassen. Da haben wir in RLP schon andere Regelungen. Das kann hier nicht in der Kürze dargestellt werden.
Allerdings verwundert auch, dass mancher Seiten/Quereinsteiger sich vor der Entscheidung zum neuen Berufsweg nicht gründlich, z. B. auch durch ein Praktikum und Beratung an Schulen ein realistisches Bild verschafft.
Ich werde an anderer Stelle ausführlicher etwas dazu schreiben.
Da fehlen in den Behörden Leute, die mit Erfahrung, Menschen- und Sachkenntnis arbeiten. Das wird dann für alle Beteiligten teuer.
Gut, dass so ein Thema ausführlich in news4teachers zur Sprache kommt.

Ulla
21 Tage zuvor

An unserer Schule gab es schon viele Quer- und Seiteneinsteiger, die wir bestmöglich unterstützt haben. Über Wochen und Monate haben wir mit Ihnen gemeinsam Unterricht vorbereitet und Material erstellt. Aber irgendwann kommen wir auch an unsere Grenzen. Wir erhalten dafür keinerlei Entlastung.

Ulrich Scholz
17 Tage zuvor

Nach meiner Entlassung aus der Bundeswehr vor 10 Jahren habe ich mich in Kiel und Hamburg als Seiteneinsteiger-Lehrer beworben. Meine militärischen Lehrerausbildungen und Erfahrungen wurden als adäquat anerkannt. Ich durfte an Gymnasien und Gesamtschulen unterrichten.

Was mich getragen hat: Eine gute Allgemeinbildung, Fähigkeit zum ganzheitlichen Denken, Spontanität, gute Menschenkenntnis und vor Allem Liebe zu Kindern.

Vertretungsanstellungen endeten meistens in Jahresverträgen. Leiter, Kollegen und Schüler waren froh, dass ich da war.

Letztes Jahr habe ich mich bei einer Gesamtschule in Niedersachsen beworben. Nach einem Vorstellungsgespräch mit dem Leiter und seiner Vertreterin wollte man mich haben.

Meine offizielle Bewerbung wurde zurückgewiesen. Ohne Studium keine Anstellung.

MadMax
15 Tage zuvor
Antwortet  Ulrich Scholz

Glaube ich nicht, die Geschichte, weil ich in einem dieser Bundesländer (mit ähnlichem beruflichen Hintergrund, aber mit Studium über BFD) alle akademischen Abschlüsse nachweisen musste, um ins Ref starten zu können.

Ich finde es eher gruselig, wenn „gute Allgemeinbildung“ (ich kann was, trust me Bro) nun die einzige Qualifikation sein soll…

Bla
14 Tage zuvor
Antwortet  MadMax

„Ich finde es eher gruselig, wenn „gute Allgemeinbildung“ (ich kann was, trust me Bro) nun die einzige Qualifikation sein soll…“

So abwegig ist das jedoch gar nicht (mehr).
Einige glauben ja auch, dass das reicht.

„alle akademischen Abschlüsse nachweisen musste, um ins Ref starten zu können.“

Und hier trennt es sich dann wohl schon auf. Ich denke nicht, dass er im Ref war?

Er war halt Vertretungslehrer. Das kann schon sein?

Der Teil/Kommentar „hier drunter“ liest sich jedoch mehr nach Yoga-Lehrer gepaart mit Manfred Spitzer „hirnphysiologisch“ [was durchaus stimmt, er [M.S.] aber mit seinen Halbweisheiten wieder mal selbst vermischt …].
Immerhin.

Und jetzt
Carpe Diem

Ulrich Scholz
15 Tage zuvor

Zunächst bedanke ich mich für den Kommentar zu meinem kurzen Leserbrief. Ihr Unverständnis für das, was ich schreibe, kann ich gut nachvollziehen.

Sie müssten meinen Werdegang in der Bundeswehr kennen und die Ausbildungen und jahrelangen Verwendungen als Lehrer im In- und Ausland, um deren Einstufung in Kiel und Hamburg als adäquat für den Schuldienst an Gymnasien nachvollziehen zu können.

Zur Allgemeinbildung.
Was das ist, darüber kann man streiten. Für mich als Lehrer zeigt sie sich in der Schwellenpädagogik. Wenn man kurzfristig als Vertretung eingeteilt wird, dann lasse ich die Schüler nicht irgendetwas aus dem Lehrbuch abschreiben, sondern diskutiere mit ihnen. Z.B. Carpe Diem (nutze den Tag). Wie macht man das? – usw, usw

Zu guter Letzt.
Nach 35 Jahren in den Streitkräften habe ich “Menschenführung” unter die Haut bekommen. Kinder sind auch Menschen, die geführt werden wollen. Darin sehe ich die Hauptaufgabe eines Lehrers. Kinder führen, das heißt sie verstehen, motivieren, Lust auf Schule machen, sich als Gemeinschaft verstehen u.v.m. Wissen vermitteln ist hirnphysiologisch nicht möglich.

Damit soll es genügen.

Ulrich Scholz
14 Tage zuvor

Danke für Ihre Antwort. Sie haben sie, auf sich bezogen, mit dem Zitat von Horaz abgeschlossen: Carpe Diem. Damit haben Sie mich eingeladen zu antworten. Dafür bin ich dankbar.

Die Erkenntnisse eines Herrn Spitzer oder des Hirnforschers Herrn Hüther oder griechischer Philosophen sind Angebote, die einem Lehrer helfen können zu verstehen. Aus ihnen eine Handlungsanweisung für das Lehren abzuleiten, reduziert ihre wichtige Arbeit sehr schnell zur Dressur. Kinder lernen für die Klassenarbeit, für die Note. Dabei ist Angst vor Versagen ein ständiger Begleiter. Angst führt zu Adrelaninausstößen, die das Hirn beim Denken lähmen. Wenn das Ergebnis dann eine 5 ist, verliert das Kind jede Lust am Lernen.

An einem Gymnasium, das mich für Geschichte, Geographie und PGW (Politik, Wirtschaft, Wirtschaft) engagiert hatte, hatte man mich für Mathematik in einer 5. Klasse eingeteilt. Die Inhalte waren die Grundrechenarten und Terme lösen. Die Mädchen hatten durch die Bank Angst vor Mathe. Sie glaubten, sie seien zu dumm dafür.

Vor einer Klassenarbeit habe ich die ängstlichen mit leistungsstarken zusammen an der Tafel Übungsaufgaben lösen lassen. Es war rührend zu erleben, wie die leistungsstarken sich nicht mehr in den Vordergrund rückten, sondern sich um die ängstlichen bemühten, die richtige Lösung zu finden.

Die schlechteste Note in der Klassenarbeit war eine 3. Bei der Rückgabe der Arbeit jubelte ein Mädchen. Herr Scholz, ich kann Mathe.

Aus vielen Gesprächen im Lehrerzimmer weiß ich, dass Lehrer ähnlich denken. Die Erfüllung des Lehrplans, Notengenerierung und Zeugnisbefüllung begleitet von störenden Schülern verhindern die eigentliche Aufgabe. Menschenführung, die gerade die Heranwachsenden dringend brauchen. Wenn die greift, ist Wissensaneignung ein Selbstläufer.

Seiteneinsteiger in das Dressursystem einzuführen, in dem man Wissen als Voraussetzung verlangt, geht an der wahren Voraussetzung für den Lehrerberuf vorbei.
Fachliche Defizite lassen sich im Gespräch mit Kollegen schnell lösen. Über die Fähigkeit zur Menschenführung erfährt man über die Vitae des Seiteneinsteigers aber vor Allem im persönlichen Einstellungsgespräch mit der Schulleitung.

Einer Schulbehörde an Hand des universitären Werdegang des Bewerbers über dessen Qualifikation entscheiden zu lassen, geht an der Realität vorbei und blockiert wertvolle Ressourcen, die in unserer Gesellschaft vorhanden sind.