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Ausbildungsmarkt unter Druck: Warum Schulleitungen die Berufsorientierung jetzt in den Fokus rücken sollten

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BERLIN. Zehntausende Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, während zugleich Zehntausende junge Menschen keinen Ausbildungsplatz finden. Dieses Passungsproblem auf dem Ausbildungsmarkt hält sich hartnäckig – und ausgerechnet bei der beruflichen Orientierung sehen viele Jugendliche erhebliche Defizite. Nur ein Drittel findet sich im bestehenden Informationsangebot gut zurecht, viele wünschen sich mehr persönliche Unterstützung gerade in der Schule. Die Allianz für Aus- und Weiterbildung, der Gewerkschaften, Arbeitgeber und die Kultusministerkonferenz angehören, will deshalb die Berufsorientierung verstärken und praktische Angebote besser miteinander verzahnen. Schulleitungen können entscheidende Weichen stellen.

Im Praktikum. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

In der Gemeinschaftsschule in der Taus in Backnang müssen Schülerinnen und Schüler nicht darauf warten, bis die obligatorischen Praktikumswochen im Schulkalender anstehen. Bis zum Ende der neunten Klasse absolvieren sie insgesamt 20 Praktikumstage – wann und wie, lässt die Schule bewusst flexibel. Meldet sich ein Unternehmen, weil sich gerade eine gute Gelegenheit bietet, einen Beruf praktisch kennenzulernen, können Jugendliche dafür freigestellt werden. Unternehmen kommen umgekehrt regelmäßig in die Schule, oft gemeinsam mit ihren Auszubildenden. Vorstellungsgespräche finden dort ebenso statt wie eine eigene Berufsmesse, wie das Deutsche Schulportal berichtet.

Schulleiter Jochen Nossek hat die Berufsorientierung damit weit über einzelne Unterrichtsstunden hinaus in der Schule verankert. Ein Jobcoach koordiniert gemeinsam mit zwei Kollegen die Angebote und hält den Kontakt zu Unternehmen und externen Partnern. Ein eigens eingerichteter Raum, die sogenannte „Talent Company“, dient als Anlaufstelle. Entscheidend ist für Nossek allerdings nicht die Ausstattung, sondern die Öffnung der Schule nach außen.

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„Schule allein reicht nicht aus, um die Chancen der Kinder zu verbessern“, sagt er. „Ohne die Wirtschaft und andere Akteure wird uns das nicht gelingen. Gerade bei der Berufsorientierung muss man entweder rausgehen oder sich die Expertise ins Haus holen. Ich selbst habe drei Berufsausbildungen absolviert – trotzdem bin ich kein Experte für sämtliche Berufsbilder.“

Was in Backnang Teil des Schulkonzepts ist, trifft auf ein Problem, das bundesweit an Bedeutung gewinnt. Der Ausbildungsmarkt bringt junge Menschen und Betriebe häufig nicht zusammen. Dabei fehlt es keineswegs am grundsätzlichen Interesse an einer Ausbildung. Eine repräsentative Befragung der Bertelsmann Stiftung unter jungen Menschen zwischen 14 und 25 Jahren zeigt vielmehr: 86 Prozent halten eine Berufsausbildung für eine gute Grundlage für eine berufliche Karriere. Unter den befragten Schülerinnen und Schülern ist sie die beliebteste nachschulische Option. 43 Prozent wollen auf jeden Fall eine Ausbildung beginnen, weitere 45 Prozent können sie sich das zumindest vorstellen.

Arbeitswelt im Unterricht erlebbar machen

 

KURSZukunft verbindet Fachunterricht mit regionaler Arbeitswelt. Unternehmen bringen ihre Praxis direkt in den regulären Unterricht ein und zeigen Schülerinnen und Schülern, wofür sie das Gelernte nutzen können. So werden Berufsorientierung und Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Unterrichtsinhalten verknüpft – nicht als Zusatzprojekt, sondern dort, wo Lernen ohnehin stattfindet.

 

Berufsorientierung und BNE sollten über Fächer und Jahrgänge hinweg mitgedacht werden – nicht nur von Einzelnen. KURSZukunft schafft dafür eine für Schulen kostenfreie Infrastruktur: Unternehmen werden auf ihren Einsatz im Unterricht vorbereitet, Lehrkräfte erhalten passende Impulsmaterialien und die Unterrichtsbesuche werden organisiert – mit geringem zusätzlichem Aufwand.

Schulstatistiken und Auswertungen geben Schulleitungen den Überblick. Schülerinnen und Schüler entdecken Arbeitswelten früh und können ihre nächsten Schritte gezielter gehen – vom Praktikum über Ausbildung und duales Studium bis zum Studium.

Schneller Überblick für Schulen:
https://deck.kurszukunft.de/schulen

Alle Informationen:
www.kurszukunft.de

Die Schwierigkeit beginnt offenbar früher: bei der Frage, welcher Weg überhaupt der richtige sein könnte. Nur 33 Prozent der jungen Menschen sagen, dass sie genügend Informationen zur Berufswahl hätten und sich darin gut zurechtfänden. 51 Prozent erleben dagegen ein Überangebot, in dem die Orientierung schwerfällt; weitere zwölf Prozent halten das Informationsangebot grundsätzlich für unzureichend. Besonders groß ist die Unübersichtlichkeit für junge Menschen mit hoher Schulbildung: Von ihnen finden sich nur 27 Prozent gut zurecht.

Auch die schulische Berufsorientierung (BO) erreicht längst nicht alle. Insgesamt fühlen oder fühlten sich 42 Prozent durch ihre Schule sehr oder eher gut über Ausbildungsberufe informiert. 29 Prozent antworteten mit „teils, teils“, 27 Prozent fühlten sich eher nicht oder gar nicht gut informiert. Unter jungen Menschen mit hoher Schulbildung liegt dieser letzte Anteil sogar bei einem Drittel – in gymnasialen Bildungsgängen weist die schulische BO offenbar besonders große Lücken auf.

„In den vergangenen Jahren hatten wir hier viele Jugendliche, die über Praktika den Schritt in einen Betrieb geschafft haben“

Die Backnanger Gemeinschaftsschule arbeitet entschieden gegen die Orientierungslosigkeit an. Ausprobieren bringt mehr als nur Nachdenken – ist dort ein Grundsatz. Deshalb hat die Schule ihre Praktika nicht nur zeitlich flexibilisiert. Im Kooperationsprojekt „Handwerkstatt“ mit der Stiftung Würth können Jugendliche beispielsweise verschiedene handwerkliche Tätigkeiten kennenlernen; die dafür aufgewendete Zeit wird auf ihre Praktikumstage angerechnet.

Gerade für Jugendliche, deren Fähigkeiten sich in Schulnoten oder aufgrund noch begrenzter Deutschkenntnisse nicht ohne Weiteres abbilden, sieht Schulleiter Nossek darin eine Chance. Viele Schülerinnen und Schüler seiner Schule seien erst seit kurzer Zeit in Deutschland und könnten sich noch nicht gut verständigen. „Trotzdem sind sie vielleicht gut geeignet für verschiedene Ausbildungen. In den vergangenen Jahren hatten wir hier viele Jugendliche, die über Praktika den Schritt in einen Betrieb geschafft haben. Nur mit ihren Zeugnissen wäre ihnen das vermutlich nicht gelungen.“ In den vergangenen zwei Jahren hätten alle Schülerinnen und Schüler der Schule nach Klasse 10 einen Anschluss gefunden.

Die Verbindung von Schule, praktischer Erfahrung und externen Partnern soll nun bundesweit gestärkt werden. Bundesregierung, Sozialpartner, Kammern, Länder und Bundesagentur für Arbeit haben sich in der Allianz für Aus- und Weiterbildung für die Jahre 2026 bis 2029 unlängst das Ziel gesetzt, „dass mehr Jugendliche einen betrieblichen Ausbildungsplatz finden, mehr Betriebe ihre Ausbildungsstellen besetzen können und möglichst viele Menschen zu einem dualen Berufsabschluss gelangen“.

Bestehende Angebote zur „außerschulischen praxisnahen Berufsorientierung“ wollen die Partner besser aufeinander abstimmen; ausdrücklich nennt die Vereinbarung die „Anbahnung, Bereitstellung und Begleitung von Praktika“. Das Angebot soll dadurch „effizienter und übersichtlicher gestaltet werden“. Bund, Länder und Arbeitsagenturen wollen ihre Maßnahmen enger verzahnen und Doppelstrukturen vermeiden. Zugleich sollen gute praktische Formate bekannter gemacht und Jugendberufsagenturen sowie andere Formen der Zusammenarbeit gestärkt werden.

Für Schulen weist das in eine klare Richtung: mehr Praxis, mehr persönliche Begleitung und eine engere Zusammenarbeit mit Partnern außerhalb der Schule. Genau diese Formen der Berufsorientierung halten auch die Jugendlichen selbst für besonders wichtig. 70 Prozent zählen längere Praktika zu ihren fünf wichtigsten Angeboten, 51 Prozent Betriebsbesichtigungen, Tage der offenen Tür oder Praktikumstage und 49 Prozent persönliche Beratung. Digitale Unternehmensvorstellungen im Unterricht kommen lediglich auf 17 Prozent.

Schulen müssen diese Angebote nicht alle selbst bereitstellen. Für Schulleitungen besteht die Aufgabe vielmehr darin, die nötigen Strukturen und Verbindungen zu schaffen: zu Betrieben, Arbeitsagentur, Jugendberufsagenturen und weiteren Partnern – und schulorganisatorisch dafür zu sorgen, dass Jugendliche deren Angebote tatsächlich nutzen können.

„Wir müssen die Kinder so unterstützen, dass sie ihre überfachlichen Kompetenzen ausbauen und ihre Fähigkeiten und Talente entdecken“

Für Nossek geht es dabei allerdings um mehr als darum, möglichst früh für jeden Jugendlichen die passende Ausbildungsstelle zu finden. „Kaum jemand bleibt heute noch 40 oder 50 Jahre im Beruf. Deshalb war mir der traditionelle Ansatz zur Berufsorientierung immer zu final“, sagt der Schulleiter. Früher habe man entsprechende Hefte durchgearbeitet und anschließend aus den ermittelten Fähigkeiten einen Beruf abgeleitet: „Du bist gut in Technik – also wirst du Zimmermann.“

Jugendliche müssten vielmehr lernen, die eigenen Fähigkeiten zu erkennen und weiterzuentwickeln. „Wir müssen die Kinder so unterstützen, dass sie ihre überfachlichen Kompetenzen ausbauen und ihre Fähigkeiten und Talente entdecken“, sagt Nossek. Berufsorientierung heißt aus dieser Perspektive nicht nur, einen Anschluss nach der Schule zu finden. Sie soll junge Menschen in die Lage versetzen, Entscheidungen über ihren beruflichen Weg selbst zu treffen, Erfahrungen zu sammeln und gegebenenfalls auch neue Wege einzuschlagen.

Eine Fähigkeit wird ihnen dabei nach Nosseks Überzeugung unabhängig davon helfen, wohin dieser Weg führt: „Eines ist doch in allen Berufen gleich: Man muss teamfähig sein, gut mit anderen Menschen auskommen.“ News4teachers

Hier lässt sich der Report der Bertelsmann Stiftung herunterladen. 

Unbesetzte Lehrstellen, unversorgte Jugendliche: Schulen sollen gegensteuern – mit verbesserter Berufsorientierung

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