BERLIN. Deutschlands Bildungssysteme driften bei den Bedingungen für Kinder und Jugendliche erheblich auseinander. Das zeigt der neue Bildungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): Während einige Länder beim Ganztag, beim Kita-Personal oder bei Schüler-Lehrer-Relationen weit vorne liegen, zeigen sich andernorts erhebliche Lücken – und selbst Spitzenreiter Sachsen verbindet sehr gute Schulleistungen mit vergleichsweise ungünstigen Betreuungsrelationen. Bundesweit fällt der längerfristige Befund noch ernüchternder aus: Schulqualität, Bildungsarmut und Bildungschancen haben sich seit 2013 verschlechtert. Das Ranking erzählt deshalb weniger die Geschichte eines einheitlichen „besten Bildungssystems“ als die sehr unterschiedlicher Stärken und Schwächen der 16 Länder.

Sachsen bleibt im Bildungsmonitor 2026 an der Spitze, gefolgt von Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg. Das Saarland schiebt sich auf Platz fünf vor Thüringen. Dahinter folgen Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin und Rheinland-Pfalz. Die letzten vier Plätze belegen Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Bremen. Gegenüber 2013 haben sich unter anderem das Saarland deutlich sowie Hamburg und Berlin verbessert; besonders stark zurückgegangen ist die Bewertung dagegen in Thüringen sowie in Sachsen-Anhalt und Bremen.
Was diese Reihenfolge bedeutet, bedarf allerdings der Einordnung. Der Bildungsmonitor, den das IW seit 2004 im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt, betrachtet die Bildungssysteme ausdrücklich aus einer bildungsökonomischen Perspektive. Die INSM wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert. 98 Indikatoren aus 13 Handlungsfeldern sollen abbilden, welchen Beitrag Bildung unter anderem zur Verringerung von Bildungsarmut, zur Fachkräftesicherung und zu wirtschaftlichem Wachstum leistet. Die Daten stammen überwiegend aus dem Jahr 2024, einzelne Werte – etwa aus dem Kita-Bereich – aus 2025. Der Spitzenplatz eines Landes ist damit kein umfassendes Qualitätsurteil über sein Bildungswesen.
Gerade für Schulen ist der längerfristige Trend problematisch. Seit 2013 sank die Bewertung im Handlungsfeld Schulqualität bundesweit um 48,5 Punkte, bei der Bildungsarmut um 41,8 Punkte und bei Integration beziehungsweise Bildungschancen um 25,1 Punkte. Die durchschnittlichen Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen sind zurückgegangen, zugleich erreichen mehr Kinder und Jugendliche Mindeststandards oder Abschlüsse nicht. Verbessert haben sich dagegen unter anderem Förderinfrastruktur und Betreuungsbedingungen. Das Ergebnis ist ein widersprüchliches Bild: Mehr Ganztag und teilweise bessere Rahmenbedingungen gehen nicht automatisch mit besseren Lernergebnissen einher.
„Trotz einzelner Verbesserungen bei der Sozialen Mobilität ist der neue Bildungsmonitor insgesamt ein Armutszeugnis für den Bildungsstandort Deutschland“
Studienleiter Prof. Axel Plünnecke sieht darin eine doppelte Entwicklung. Einerseits habe die Bildungsmobilität in den vergangenen zwei Jahrzehnten zugenommen. Andererseits wachse die Bildungsarmut. „Die Daten zeigen, dass Bildung in Deutschland weiterhin Aufstieg ermöglicht und der Bildungsaufstieg in den letzten zwei Jahrzehnten zugenommen hat. Zugleich ist jedoch, wie PISA aktuell wieder zeigt, auch die Bildungsarmut gestiegen“, erklärt der Bildungsökonom. Der Bildungserfolg entscheide immer stärker darüber, „ob Menschen dauerhaft am Arbeitsmarkt und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“.
Hinter dieser Entwicklung steht eine zunehmende Polarisierung bei den Bildungsabschlüssen. Der Anteil der 25- bis 64-Jährigen mit Hochschulabschluss stieg zwischen 2005 und 2024 von 15,4 auf 25,6 Prozent. Gleichzeitig nahm der Anteil der Menschen ohne berufsqualifizierenden Abschluss nach einem zwischenzeitlichen Rückgang wieder zu und lag 2024 bei 20,4 Prozent. Bei den jungen Erwachsenen verfügen nach Angaben der INSM 18,8 Prozent über keine formale berufliche Qualifikation. Nach Auffassung der Studienautoren beginnen die Unterschiede früh: Der sozioökonomische Hintergrund beeinflusse bereits die Nutzung frühkindlicher Förderung und später Kompetenzen, Abschlüsse und Bildungswege.
„Trotz einzelner Verbesserungen bei der Sozialen Mobilität ist der neue Bildungsmonitor insgesamt ein Armutszeugnis für den Bildungsstandort Deutschland. Das Bildungsniveau sinkt in allen Bundesländern. Es ist beschämend, dass fast ein Fünftel der Menschen ohne Abschluss ist“, sagt INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben. Die INSM fordert deshalb unter anderem flächendeckende verpflichtende Sprachstandserhebungen vor dem Grundschuleintritt und entsprechende Sprachförderung, zusätzliche nach Sozialindex verteilte Ressourcen, eine Ausweitung des Startchancenprogramms auf Kitas und weitere Schulen in benachteiligten Lagen sowie den Ausbau von Ganztagsangeboten. Hinzukommen sollen eine gesicherte Lehrkräfteversorgung und eine stärkere datengestützte Unterrichtsentwicklung.

Wie unterschiedlich die Ausgangslagen dafür sind, zeigt der Blick auf die einzelnen Länder.
Sachsen verbindet seinen ersten Rang mit einem besonders starken Ausbau der Förderinfrastruktur. 85,9 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen wurden 2025 ganztägig betreut, 95,4 Prozent der Grundschulkinder und 85,3 Prozent der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I besuchten 2024 eine Ganztagsschule. Auch beim Kita-Personal fällt Sachsen auf: 13,7 Prozent verfügten über einen Hochschulabschluss, nur 1,1 Prozent galten als ungelernt. Gleichzeitig erreicht das Land bei der Schulqualität Platz eins; Neuntklässlerinnen und Neuntklässler erzielten 2024 bundesweit die höchsten durchschnittlichen Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften. Allerdings sind auch in Sachsen die Kompetenzwerte gegenüber der vorherigen Erhebung gesunken. Und die gute Förderinfrastruktur verdeckt eine Schwäche: Mit 8,6 Kita-Kindern je pädagogischer Kraft weist Sachsen die ungünstigste Betreuungsrelation aller Länder auf; auch die Schüler-Lehrer-Relation fällt in mehreren Schularten unterdurchschnittlich aus.
Bayern liegt auf Rang zwei und schneidet insbesondere bei Schulqualität und Bildungsarmut gut ab. Bei den IQB-Erhebungen 2024 erreichten die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in Mathematik und Naturwissenschaften jeweils den zweithöchsten Wert, an Gymnasien sogar den höchsten. Mit 5,9 Prozent hatte Bayern zudem die niedrigste Schulabbrecherquote aller Länder. Auffällig schwach bleibt dagegen die Förderinfrastruktur: Nur 33,1 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen wurden 2025 ganztägig betreut; an Grundschulen lag die Ganztagsquote 2024 bei lediglich 15,5 Prozent gegenüber 51,2 Prozent im Bundesdurchschnitt. Zwar verweist die Studie darauf, dass Bayern zusätzlich Hortplätze vorhält – im eigentlichen Ganztagsschulvergleich bleibt das Land dennoch weit hinten.
Hamburg auf Platz drei fällt besonders durch seinen weit ausgebauten Ganztag auf. 99 Prozent der Grundschulkinder und 97,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I besuchten 2024 eine Ganztagsschule. Auch die Betreuungsrelationen sind vergleichsweise günstig: In der Grundschule kamen 13 Kinder auf eine Lehrkraft, bundesweit waren es 15,9; auch in Kitas lag Hamburg besser als der Durchschnitt. Hinzu kommt ein hoher Anteil akademisch qualifizierter Kita-Beschäftigter von 12,1 Prozent. Problematisch bleibt dagegen die soziale Selektivität: Bei den IQB-Daten 2024 fiel der Zusammenhang zwischen Herkunft und mathematischen Kompetenzen der Neuntklässler vergleichsweise stark aus. Gute Infrastruktur und hohe Ganztagsquoten lösen die Frage der Bildungsgerechtigkeit also auch in Hamburg nicht von selbst.
Baden-Württemberg erreicht Platz vier und weist bei Schulleistungen und Betreuung gute Werte auf. Die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler kamen 2024 in Mathematik und Naturwissenschaften jeweils auf Rang drei; zugleich war die Schulabbrecherquote mit 7,4 Prozent etwas niedriger als im Bund. Besonders günstig fällt die Kita-Betreuung aus: Rechnerisch kamen 4,1 Kinder auf eine Betreuungskraft – der beste Wert aller Länder. An Grundschulen waren die Klassen mit durchschnittlich 20,1 Kindern ebenfalls vergleichsweise klein. Dem steht allerdings eine schwach ausgebaute Ganztagsstruktur gegenüber. Nur 23,3 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen wurden 2025 ganztägig betreut – der niedrigste Wert Deutschlands. Auch die Ganztagsquote der Grundschulen lag mit 40,3 Prozent deutlich unter dem Bund. Hinzu kommen ein unterdurchschnittlicher Anteil akademisch qualifizierter und ein überdurchschnittlicher Anteil ungelernter Kita-Beschäftigter.
Das Saarland landet auf Rang fünf und setzt im Schulbereich vor allem bei den Ressourcen Akzente. Gemessen an den Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte räumt kein Land den Bildungsausgaben eine höhere Priorität ein; an Grundschulen lagen die Ausgaben 2024 bei 9.200 Euro je Kind. Auch die Betreuungsrelationen sind vergleichsweise günstig: In Kitas kamen 4,7 Kinder auf eine Betreuungskraft, an Grundschulen 14,8 Schülerinnen und Schüler auf eine Lehrkraft. Das Land bietet zudem vergleichsweise viel Informatikunterricht und schnelles WLAN. Bei den Lernergebnissen fällt die Bilanz gemischter aus: In Mathematik gehörten überdurchschnittlich viele Neuntklässler zur Risikogruppe, der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss lag mit 9,1 Prozent über dem Bund. Beim Englisch-Lesen und -Hören belegte das Saarland in der IQB-Erhebung 2022 sogar jeweils den letzten Platz.
Thüringen erreicht Rang sechs und weist bei Kitas und Grundschulen eine außergewöhnlich weit ausgebaute Ganztagsinfrastruktur auf. 94 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen wurden 2025 ganztägig betreut – der höchste Wert aller Länder. In den Grundschulen lag die Ganztagsquote bei 90,3 Prozent; zudem war der Anteil ungelernter Kita-Beschäftigter mit 0,8 Prozent besonders niedrig, während 10,9 Prozent einen Hochschulabschluss hatten. Auch die schulischen Kompetenzen liegen vergleichsweise hoch: Thüringen belegt bei der Schulqualität Rang vier. Die Kehrseite sind ungünstige Betreuungsbedingungen. In Kitas und mehreren Schularten kommen mehr Kinder auf eine Fach- beziehungsweise Lehrkraft als im Bund; außerdem wurden in Grundschulen 2024 rechnerisch nur 28,1 Unterrichtsstunden je Klasse erteilt – der niedrigste Wert aller Länder. Bemerkenswert ist zudem der Bruch nach der Grundschule: In der Sekundarstufe I besuchen lediglich 19,8 Prozent eine Ganztagsschule.
Hessen liegt auf Rang sieben und verbindet vergleichsweise gute Betreuungsbedingungen mit einem günstigen Ergebnis bei den Bildungschancen. 57,3 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen wurden ganztägig betreut, 57,6 Prozent der Grundschulkinder und sogar 80,4 Prozent der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I besuchten Ganztagsangebote. In Kitas kamen 4,7 Kinder auf eine Betreuungskraft, in Grundschulen 14,3 Schülerinnen und Schüler auf eine Lehrkraft; die Grundschulklassen waren mit durchschnittlich 19,6 Kindern besonders klein. Im Handlungsfeld Integration erreicht Hessen sogar Platz eins: Nur 12,6 Prozent der ausländischen Schulabgängerinnen und -abgänger verließen die Schule ohne Abschluss, der niedrigste Wert aller Länder. Schwächen sieht die Studie unter anderem beim verpflichtenden Informatikunterricht, bei schnellem Schul-WLAN und bei den im Verhältnis zu den öffentlichen Gesamtausgaben vergleichsweise niedrigen Ausgaben für weiterführende Schulen.
Mecklenburg-Vorpommern auf Platz acht gehört ebenfalls zu den Ländern mit weit ausgebautem Ganztag. 77,8 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen hatten 2025 einen Ganztags-Kita-Platz, 74,6 Prozent der Grundschulkinder und 74,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I nutzten Ganztagsangebote. Positiv bewertet wird außerdem der vergleichsweise geringe Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und mathematischen Kompetenzen. Gleichzeitig bestehen erhebliche Personalprobleme: In den Kitas kamen acht Kinder auf eine Betreuungskraft, deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt von 5,2. Auch die Schüler-Lehrer-Relationen in Grundschule, Sekundarstufe und beruflichen Schulen fallen ungünstig aus. Bei der Bildungsarmut steht das Land insgesamt vergleichsweise gut da, dennoch verließen 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler 2024 die Schule ohne Abschluss – deutlich mehr als bundesweit.
Schleswig-Holstein erreicht Rang neun. Bei der Schulqualität und insbesondere bei der Bildungsarmut liegt das Land vergleichsweise weit vorn: In Mathematik und Naturwissenschaften gehörten 2024 relativ wenige Neuntklässler zur Risikogruppe; zugleich waren die durchschnittlichen Kompetenzen leicht überdurchschnittlich. Allerdings ist die Förderinfrastruktur schwächer ausgebaut. Nur 44,7 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen hatten einen Ganztagsplatz, bei den Grundschulkindern waren es 43,4 Prozent. Auch die Personalstruktur in den Kitas fällt ungünstig aus: 6,1 Prozent des Personals hatten einen Hochschulabschluss, 3,4 Prozent waren ungelernt. Trotz der guten Kompetenzwerte verließen 10,1 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Abschluss; bei ausländischen Jugendlichen lag dieser Anteil sogar bei 28,6 Prozent.
Niedersachsen landet auf Rang zehn. Zu den Schwächen zählt die Studie ausdrücklich Schulqualität und Bildungsarmut; gleichzeitig bleibt auch die Ganztagsinfrastruktur hinter dem Bundesmittel zurück. 40 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen hatten 2025 einen Ganztags-Kita-Platz, unter den Grundschülerinnen und Grundschülern lag die Quote 2024 bei 48,3 Prozent. Erst in der Sekundarstufe I fällt das Angebot überdurchschnittlich aus. Beim Kita-Personal liegt der Anteil akademisch Qualifizierter mit 5,5 Prozent unter dem Bund; zugleich ist der Anteil Ungelernter vergleichsweise niedrig. Für Schulen sieht der Monitor zudem Ausbaupotenzial beim verpflichtenden Informatikunterricht.
Berlin erreicht Rang elf – mit einem besonders großen Abstand zwischen günstigen Rahmenbedingungen und schwachen Leistungsergebnissen. 83,8 Prozent der Grundschulkinder und 63,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I besuchten 2024 eine Ganztagsschule, bei den Drei- bis Sechsjährigen lag die Ganztagsquote bei 58 Prozent. Die Betreuungsrelationen sind ebenfalls vergleichsweise günstig: In Kitas kamen 4,8 Kinder auf eine Kraft, an Grundschulen 14,8 Schülerinnen und Schüler auf eine Lehrkraft. Gleichzeitig liegt Berlin bei der Schulqualität nur auf Rang 14 und bei der Bildungsarmut auf Rang 15. In Mathematik und Naturwissenschaften erreichten überdurchschnittlich viele Neuntklässler die Mindeststandards nicht; die Schulabbrecherquote betrug 9,2 Prozent. Auch die Viertklässler schnitten in den jüngsten IQB-Vergleichsdaten in Mathematik und Deutsch schwach ab.
Rheinland-Pfalz liegt auf Platz zwölf. Die Förderinfrastruktur zeigt ein zweigeteiltes Bild: 59,2 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen hatten einen Ganztags-Kita-Platz und 53,2 Prozent der Grundschulkinder besuchten ein Ganztagsangebot – beides leicht beziehungsweise deutlich über dem Bund. In der Sekundarstufe I sinkt die Quote dagegen auf nur 19,6 Prozent. Zugleich hat Rheinland-Pfalz vergleichsweise wenig akademisch qualifiziertes Kita-Personal und einen erhöhten Anteil Ungelernter. Bei den Grundschulen fällt zudem die hohe Wiederholerquote auf: Mit 1,1 Prozent lag sie 2024 mehr als doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt und war die höchste aller Länder. Auch der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und mathematischem Bildungserfolg fällt ungünstig aus.
Brandenburg erreicht Platz 13. Auffällig ist ein vergleichsweise schwacher Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und mathematischen Kompetenzen – im Handlungsfeld Integration landet Brandenburg auf Rang zwei. Gleichzeitig zeigen sich erhebliche Probleme bei der Betreuung. 2025 kamen in den Kindertageseinrichtungen acht Kinder auf eine Betreuungskraft; auch in Grundschulen, an Gymnasien, in der Sekundarstufe II und an beruflichen Vollzeitschulen waren die Relationen ungünstig. Hinzu kommt eine Besonderheit beim Schuleintritt: 20,8 Prozent der Kinder wurden verspätet eingeschult, bundesweit waren es 6,3 Prozent. Positiv bewertet werden dagegen die Investitionsquoten an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen.
Nordrhein-Westfalen landet auf Rang 14. Die größten Probleme sieht der Monitor ausgerechnet bei zentralen schulischen Ergebnissen: In der Schulqualität erreicht NRW Platz 15. Die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler erzielten 2024 unterdurchschnittliche Ergebnisse in Mathematik und Naturwissenschaften, 2022 auch im Lesen. Entsprechend groß fallen die Risikogruppen aus; bei der Bildungsarmut steht Nordrhein-Westfalen auf Rang 14. Nur 30,9 Prozent der Abgängerinnen und Abgänger eines Berufsvorbereitungsjahres erreichten 2024 dort erfolgreich einen Abschluss – der niedrigste Wert aller Länder. Bemerkenswert ist allerdings, dass die allgemeine Schulabbrecherquote mit 7,3 Prozent etwas günstiger ausfällt als im Bund. Das Land will mit seinem „Schulkompass“ künftig mehr Lernstandserhebungen einsetzen; die Studie bewertet eine solche datengestützte Qualitätsentwicklung ausdrücklich als Ansatzpunkt für Verbesserungen.
Sachsen-Anhalt liegt auf Rang 15, erzielt aber ausgerechnet bei der Schulqualität ein vergleichsweise gutes Ergebnis und erreicht dort Platz fünf. In Naturwissenschaften liegen die Kompetenzen der Neuntklässler über dem Durchschnitt, in Mathematik leicht darunter; allerdings haben sich die Werte gegenüber den Vorgängererhebungen verschlechtert. Auch das Ganztagsangebot ist im frühen Bildungsbereich stark ausgebaut: 86,4 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen wurden 2025 ganztägig betreut, 69,4 Prozent der Grundschulkinder besuchten 2024 eine Ganztagsschule. In der Sekundarstufe I sank die Quote allerdings auf 31,1 Prozent. Besonders ungünstig sind wiederum die Betreuungsbedingungen: In Kitas kamen 8,1 Kinder auf eine Fachkraft; auch die Schüler-Lehrer-Relationen und die Unterrichtsstundenzahlen liegen vielfach unter dem Bund. Gleichzeitig verließen 13,9 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Abschluss – nahezu doppelt so viele wie bundesweit.
Bremen bleibt schließlich auf Rang 16 – obwohl das Land bei den Betreuungsbedingungen ausgerechnet den ersten Platz erreicht. Grundschulklassen und Klassen der Sekundarstufe I ohne Gymnasium sind vergleichsweise klein; in Grundschulen kamen 14,6 Kinder auf eine Lehrkraft. Diese günstigen Bedingungen schlagen sich bislang jedoch nicht in entsprechenden Kompetenzwerten nieder. Bremen landet sowohl bei Schulqualität als auch bei Bildungsarmut auf dem letzten Rang: Bei den jüngsten IQB-Erhebungen wiesen die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in Mathematik und Naturwissenschaften die niedrigsten beziehungsweise nahezu niedrigsten Werte und besonders große Risikogruppen auf. Die Schulabbrecherquote betrug 9,8 Prozent. Gleichzeitig ist die Förderinfrastruktur schwach: Nur 36,2 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen wurden ganztägig betreut, und mit 5,8 Prozent weist Bremen den höchsten Anteil ungelernter Beschäftigter in Kindertageseinrichtungen auf.
Gerade die Länderprofile zeigen, wie wenig sich Bildungsqualität auf einen Tabellenplatz reduzieren lässt: Gute Betreuungsrelationen, hohe Ganztagsquoten oder hohe Ausgaben schlagen sich nicht automatisch in besseren Kompetenzwerten nieder. Für Studienleiter Plünnecke folgt daraus eine klare Priorität: „Deshalb müssen wir Bildungsqualität konsequent verbessern und insbesondere diejenigen stärker fördern, die sonst den Anschluss verlieren.“ News4teachers










„Sachsen verbindet seinen ersten Rang mit einem besonders starken Ausbau der Förderinfrastruktur. 85,9 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen wurden 2025 ganztägig betreut, 95,4 Prozent der Grundschulkinder und 85,3 Prozent der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I besuchten 2024 eine Ganztagsschule“
Ganztag? Ne, dann muss der erste Platz aberkannt werden 😛