BERLIN. Der Bund-Länder-Gipfel hat beschlossen, für den Betrieb der Kitas und Schulen in Deutschland faktisch nichts zu beschließen – jedenfalls nichts, was den Corona-Schutz für Kinder, Schüler, Erzieher und Lehrer verbessern würde. News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek nimmt das zum Anlass, den Regierungschefs einen persönlichen Brief zu schreiben. Statt eines Kommentars: Warum sich die Ministerpräsidenten über Populisten wie Donald Trump nicht mehr mokieren brauchen.

Sehr geehrte Ministerpräsidentinnen, sehr geehrte Ministerpräsidenten (auf die Anrede „liebe“ verzichte ich),
Ihre Krokodilstränen können Sie sich ab sofort sparen. Wenn etwa Herr Söder vor die Kameras tritt und mit betroffenem Gesichtsausdruck erklärt, dass täglich in Deutschland praktisch ein Flugzeug abstürzt – so viele Menschen würden nämlich an Corona sterben –, dann stellt sich die Frage, warum Sie sich um die Flugsicherung (um im Bild zu bleiben) nicht kümmern. Im Gegenteil: Sie tun alles, um den Flugverkehr als Massenbetrieb uneingeschränkt aufrecht zu erhalten. Schlimmer noch: Sie treiben die Menschen sogar in die Flugzeuge hinein.
Kein Mensch mit Reflektionsvermögen glaubt ernsthaft noch, dass Kitas und Schulen mit dem Infektionsgeschehen nichts zu tun haben. Das Robert-Koch-Institut zählt mittlerweile Hunderte von Ausbrüchen in Bildungseinrichtungen. Nachbarländer wie Österreich und Polen, auch Regionen in Italien oder den USA haben den Präsenzunterricht schon wieder eingestellt.
Es wird sich im Betrieb der Kitas und Schulen nach Eurem Beschluss gar nichts ändern
Sie dagegen vereinbaren, dass Schulen in den Wechselunterricht gehen könnten, wenn der Inzidenzwert vor Ort bei über 200 liegt – aber auch dann nur vereinzelt und wenn’s der jeweiligen Landesregierung gerade in den Kram passt. Wir haben in Deutschland aktuell im Schnitt einen Inzidenzwert von 139,6 (Stand: 25.11.2020). Es wird sich im Schulbetrieb also gar nichts ändern. Maskenpflicht im Unterricht? Nicht mal dazu konnten Sie sich bindend durchringen. Schließlich wollen auch die Querdenker unter den Eltern bedient werden. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für den Schulbetrieb? Haben Sie gestern Abend einfach in die Tonne getreten.
Heißt also: Die Flugzeuge dürfen auch weiterhin Tag für Tag vom Himmel fallen, während in Kitagruppen und Schulklassen tagtäglich rund 13 Millionen Kinder, Jugendliche und ihre Erzieher und Lehrer praktisch ungeschützt zusammengebracht werden, im Fall der Schulen aufgrund der Schulpflicht sogar verpflichtend.
Wie viele „Passagiere“ für die Absturzflüge so zusammenkommen, lässt sich nur raten: Sie, sehr geehrte Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, achten ja peinlichst genau darauf, dass keine Daten, die einen validen Überblick geben könnten, in die Öffentlichkeit gelangen. Wenn überhaupt Zahlen zu Kitas oder Schulen veröffentlich werden, dann natürlich nur in Prozent- oder Promillewerten. Oder handverlesen, ohne dass ein Virologe mal einbezogen worden wäre. Die Botschaft ist klar: Ist alles praktisch kein Problem – ein vollbesetztes Flugzeug stellt, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, ja nur eine verschwindend kleine Menge Menschen dar. Ein Problem ist Corona nur am Nachmittag. Dann greift für Kinder die “Ein-Freund-Politik”.
Sie behaupten, Ihnen ginge es um die Bildungschancen von Kindern aus armen Familien. Blöd, dass Sie erst jetzt Ihr Herz für diese Klientel entdecken. Seit Jahrzehnten – genauer: seit der ersten PISA-Studie von 2000 – wissen wir, dass gut und gerne 20 Prozent der Schüler (eben die aus armen Familien) abgehängt sind. Mit jeder PISA-Studie seitdem wird dieser Befund aufs Neue bestätigt. Und was haben Sie in den vergangenen 20 Jahren für diese Kinder getan? Nichts. Deshalb wirkt Ihr angebliches soziales Engagement in der Corona-Krise, ehrlich gesagt, nicht gerade überzeugend.
Manche von Ihnen haben durchblicken lassen, dass es ja auch um Wirtschaftsinteressen geht. Eltern sollen arbeiten gehen können – die Kinder müssen betreut werden. Viele Menschen halten dieses Argument für zynisch. Ich glaube Ihnen nicht mal das mehr.
Es geht Euch um die Wirtschaft? Nicht mal das glaube ich Euch mehr
Die Wirtschaft wäre massiv betroffen, wenn das Land in die Katastrophe schlittert, die Sie in Kauf nehmen. Unternehmen ist schon längst nicht mehr zu erklären, warum sie selbst peinlichst auf den Corona-Arbeitsschutz achten sollen, wenn gleichzeitig ihre Auszubildenden das Virus aus den ungeschützten Berufsschulen in den Betrieb tragen. Die Kultur- und Veranstaltungsbranche, die für weit offene Kitas und Schulen bluten muss, gehört auch zur Wirtschaft. Ich übrigens auch: Als selbstständiger Journalist habe ich kein Einkommen, wenn ich mit einer Krankheit womöglich lange ausfalle, die meine Kinder aus der Schule nach Hause tragen – um von Umsatzeinbußen gar nicht zu sprechen, die Ihre Politik der Unsicherheit erzeugt.
Ihnen geht es nicht um die Menschen, Ihnen geht es auch nicht um die Wirtschaft. Es geht Ihnen um Sie selbst. Würden Sie Wechselunterricht zulassen, den das Robert-Koch-Institut ja dringend in der aktuellen Lage empfiehlt, dann würde schlagartig klar, was Sie seit Beginn der Pandemie für die Schulen getan haben: nichts.
Denn der Wechselunterricht, so gut er vor Ort von Lehrerinnen und Lehrern auch umgesetzt werden könnte, stieße schnell an Grenzen. Es gibt keine schulübergreifenden Konzepte dafür, wie und was aus der Ferne unterrichtet werden muss. Die Lehrpläne wurden von den Kultusministerien nicht angepasst. Es gibt keine Pläne für Leistungstests und Abschlussprüfungen. Es gibt keine digitale Ausstattung, die den Distanzunterricht leicht möglich machen würde. Einfach den Druck rauslassen und – wie es der Deutsche Lehrerverband vorschlägt – Schüler auf Wunsch das verkorkste Schuljahr wiederholen lassen? Geht nicht: Sie haben die Personalausstattung der Schulen so auf Kante genäht, dass es keine Lehrer für solche Angebote gibt.
Was ist Euch seit dem Frühjahr eingefallen, um Kitas und Schulen sicherer zu machen?
Neun Monate hatten Sie Zeit, die Kitas und Schulen sicherer zu machen. Was ist Ihnen eingefallen? Offene Fenster. Und so müssen Millionen von Kindern und Hundertausende von Lehrern Tag für Tag bei Temperaturen im einstelligen Bereich unter Bedingungen in Schulen sitzen, die Sie sich und Ihren Mitarbeitern in den Staatskanzleien und Ministerien niemals zumuten würden. Der Bund spendiert seinen Spitzenbeamten für Dienstreisen ein zweites Ticket für Flugzeug und Bahn, damit die niemanden während des Flugs oder der Fahrt neben sich sitzen haben. Landesverwaltungen haben Landtage und Ministerien mit mobilen Luftfiltern ausgestattet. Sie selbst konferieren per Videoschalte und sitzen in den Landtagen hinter Plexiglas-Wänden. Aber die Kitas und Schulen müssen weitermachen, als gäbe es keine Pandemie. Ach, Kinder sind nicht ansteckend? Dieses Märchen glaubt Ihnen niemand mehr.
Sie mokieren sich über Populisten wie Donald Trump, zu deren Tagesgeschäft das Verbreiten von Halbwahrheiten und Lügen auch über Corona gehört? Um’s mal deutlich zu sagen: Sie, sehr geehrte Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, sind mit Ihrer Unehrlichkeit gegenüber den Familien, den Erziehern und Lehrern – mit der Sie Ihr Versagen in der Kita- und Schulpolitik verschleiern wollen – keinen Deut besser.
Mit freundlichem Gruß
Andrej Priboschek
Herausgeber News4teachers
Der Journalist und Sozialwissenschaftler Andrej Priboschek beschäftigt sich seit 25 Jahren professionell mit dem Thema Bildung. Er ist Gründer und Leiter der Agentur für Bildungsjournalismus – eine auf den Bildungsbereich spezialisierte Kommunikationsagentur, die für renommierte Verlage sowie in eigener Verantwortung Medien im Bereich Bildung produziert und für ausgewählte Kunden Content Marketing, PR und Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Andrej Priboschek leitete sieben Jahre lang die Öffentlichkeitsarbeit des Schulministeriums von Nordrhein-Westfalen.
In eigener verlegerischer Verantwortung bringt die Agentur für Bildungsjournalismus tagesaktuell News4teachers heraus, die reichweitenstärkste Nachrichtenseite zur Bildung im deutschsprachigen Raum mit (nach Google Analytics) im Schnitt mehr als einer Million Lesern monatlich und einer starken Präsenz in den Sozialen Medien und auf Google. Die Redaktion von News4teachers besteht aus Lehrern und qualifizierten Journalisten. Neben News4teachers produziert die Agentur für Bildungsjournalismus die Zeitschriften „Schulmanager“ und „Kitaleitung“ (Wolters Kluwer) sowie „Die Grundschule“ (Westermann Verlag). Die Agentur für Bildungsjournalismus ist Mitglied im didacta-Verband der Bildungswirtschaft.
Hier geht es zur Seite der Agentur für Bildungsjournalismus.









Vielen Dank für diesen Brief,
Sie sprechen mir in jedem Punkt aus der Seele.
Keiner dieser Minister hat sich in diesen 9 Monaten die Arbeit gemacht ein Konzept auf die Beine stellt der Onlineunterricht möglich macht.
In anderen Ländern geht das auch.
Sogar in Mexiko haben sie per Fernseher die Kinder zuhause unterrichtet.
Was ich mich frage, wohin geht das ganze Geld was die Minister für die Schulen ausgeben sollten? Wohin verschwindet das?
Geben die das anderweitig aus oder stecken sie sich das gar anderweitig in die eigene Tasche?
Frau EisenmannS Mann beispielsweise führt eine private Stiftung die angeblich Geld für die Bildung stiftet.
Frau Eisenmann ist Bildungsministerin von Badenwürtemberg, wenn ich mich recht erinnere.
Was läuft schief in dieser Politik dass sich Tag für Tag Kinder und ihre Familien derart gefährden müssen?
Sind wir nur noch ein kapitalistischer Staat in dessen Politik machtbesessene Minister das letzte Sagen haben?
Ich schäme mich für diese Schulpolitik im eigenen Land. In eines der reichsten Länder Europas.
Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich hier nur Zustimmung zu dem “Brief” gelesen. Sind denn hier nur Lehrer (und Erzieher) versammelt? Das Meinungsbild in der Gesamtbevölkerung sieht aber nicht unbedingt auch so aus.
Das liegt möglicherweise daran, dass das hier eigentlich ein Lehrer- und Erzieherforum ist. Ich könnte Ihnen aber z.B. Websites der IHK empfehlen oder irgendwelcher Innungen. Da gehts dann um andere Themen und auch um andere Sichtweisen.
Aber wir diskutieren hier ja auch nicht, ob Bäcker zu früh aufstehen müssen oder nach getaner Arbeit noch zu viel Feierabend haben.
Ich könnte mich derzeit auch ein bisschen drüber aufregen, dass die Ärzte über so viel Belastung klagen, aber dennoch in den Hauptkrankheitszeiten nicht bereit sind, am Mittwoch und Freitag eine Nachmittagssprechstunde abzuhalten.
Da wird dann auf die Verantwortung für die Mitarbeiter*innen gepocht und auf die zusätzliche Belastung der Teilzeitkräfte, u.v.m.
Da hab ich jetzt, ehrlich gesagt, auch grade keinen Nerv dafür, wo wir in der Schule plötzlich jeden Tag zusätzliche Aufsichten schieben müssen und die Elternsprechtage auf ewige Zeit strecken müssen, um nur ja den Eltern keine Begegnungsflächen zuzumuten.
Würde mir jetzt aber trotzdem nicht einfallen, in einem Medizinerforum herumzubashen und mich zu wundern, dass hier wohl nur Ärzte mit schwerpunktmäßig einer Meinung posten.
Ich bin seit den Zeiten, als Sie noch bei der Rheinischen Post waren, keinn großer Freund Ihrer Kommentare, aber Respekt!
Sie sprechen mir aus der Seele, Lehrer und Schüler sind die Bauernopfer, die verhindern sollen, dass Maskengegner weiter auf die Straße gehen und Eltern mit Kindern das schon bestehende Defizit in der Wirtschaft nicht weiter vergrößern.
Ob Online oder Präsenz, Problemschüler bleiben auf der Strecke. Ein Hybridunterricht ohne Erhöhung der Anzahl an Unterrichtenden kann nicht die gleiche Progression haben!
Vielen lieben Dank für diesen ehrlichen, tollen Brief. Es wäre gut wenn er auch in den Medien erscheinen würde, damit ihn auch jeder lesen kann der nicht so viel mit diesem Thema belastet ist. Diese Politiker muss man nicht schonen. Machen Sie weiter so.
In Zeiten der Not wie jetzt wird deutlich, DASS Deutschland nur noch ein kapitalistischer Staat ist.
Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen außer vielleicht dass man mal überlegen sollte mit wie viel Geld die Lufthansa und andere Unternehmen gestützt werden auf Kosten der Gesundheit der Kinder, die später auch noch finanziell diese Verschuldung abbezahlen müssen.
Was mit Lehrkräften und Erziehern passiert welche Entschädigung diese Erhalten falls sie sich infizieren und schwer krank werden oder die Hinterbliebenen im Falle des Todes Unterstützung erhalten, ist ein Tabuthema.
Die Unfallkassen werten eine Infektion mit Covid 19 nach meinem letzten Kenntnisstand als Teil eines Normalrisikos
Das finde ich ziemlich skandalös.
Der von ihnen von Herrn Söder übernommene Vergleich der täglich abstürzenden Flugzeuge hat nur einen entscheidende Haken. Es befinden sich keine Schüler unter den Opfern der im Septenber und Oktober begangenen verfehlten Informationspolitik der politisch Verantwortlichen und deren wohlwollender Unterstützung von größeren Familien- und Hochzeitsfeiern mit bis zu 150 Personen.
Haben sie die medial präsentierten Bilder dieser ausgelassenen Feier vergessen oder diese gar verdrängt. Die Folgen baden wir jetzt aus. Danke.
AvL,
Sie glauben doch nicht wirklich, dass arabische Großhochzeiten aus dem Sommer für die aktuellen Infektionszahlen verantwortlich sind?
In Hildburghausen Thüringen feierten 400 Nichtdenker die höchste Inzidenz mit “Oh wie schön”.
https://www.google.com/amp/s/amp.welt.de/politik/deutschland/article221075024/Hildburghausen-Risikostufe-rosa-Oh-wie-ist-das-schoen-singen-Demonstranten.html
Deren Kinder gehen in Schulen, das sind Arbeitskollegen.
Die Schulen sind wie in anderen Ländern Transmitter.
Oder wie erklären Sie sich die 75 Prozent Infektionen unbekannter Herkunft?
KMK Zahlen Inzidenz 200 bei Schülern, 400 bei Lehrern.
Ich beschrieb die in den öffentlichen Medien medial so beschriebenen und dokumentierten zahlreichen spontanen privaten Feiern, Masssenansammlungen in Bars und Gaststätten, die zahlreichen spontanen Zusammenkünfte von jungen Erwachsenen an Wochenenden, sowie die zum Teil auf mehrere Orte verteilten größeren Hochzeiten mit zum Teil mehreren hundert Gästen sowie die größeren Familientreffen ab September und im Oktober diesen Jahres.
Wo habe ich hier arabische Großhochzeiten in den Fokus gestellt ?
Ein enger sozialer Austausch wird sein Übriges zur Verbreitung des Virus beigetragen haben.
Die Situation der steigendes Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen beschrieb ich schon im September, als die Zahlen der Corona-Patienten im DIVI-Intensivregister bei 250 bis 300 lagen.
Wir liegen heute bei 3.900 Patienten, von denen 2.300 invasiv beatmet werden !
Um sich ein Bild vom Personalstand auf Intensivstationen zu machen, hat die DGIIN ihre Mitglieder dazu befragt. 1098 Mitglieder haben sich an der Umfrage beteiligt. Darunter 72 % Intensivpflegekräfte und 25 % Ärzte.
Ergebnis :97 % glauben , dass ausreichend Intensivpflegekräfte zur Verfügung stehen. Ein Grund dafür ist die Kinderbetreuung , weil 36 % der Befragten Kinder im Vorschulalter oder schulpflichtige Kinder haben.
71 % müssen ihre Kinder nach Hause nehmen, wenn diese Husten oder Schnupfen haben. Nur 26 % können dann eine anderweitige Betreuung organisieren, die es ihnen ermöglicht, ihrem Beruf nachzugehen.
Der Betreuungsschlüssel beträgt zur Zeit 1:2,7, und dieser liegt damit unter dem nötigen Personal/Patientenschlüssel von 1:2.
Hinzu kommt dass Corona-Patienten auf Grund der invasiven Maßnahmen wegen der schwere der Erkrankung eine 1: 1 Betreuung benötigen.
Wir habben zwar eine stille Reserve an zusätzlichen High-Care-Intensivbetten, diese weden wir aber wegen des sich einstellenden Personalmangels nicht überall mit ausgebildeten Fachpflegekräften besetzen können, da sich das Personal entweder selbst ansteckt, in Quarantäne sich befindet oder wegen anderer Infektionskrankheiten in den Wintermonaten ausfallen wird.
Wenn die Kitas und die Schulen wie im Frühjahr bei derzeit weit höheren Patientenzahlen geschlossen werden, so werden wir vor gewaltigen Problemen stehen.
Hierzu befindet sich ein Artikel im Deutschen Ärzteblatt, der das Thema sehr umfangreich beleuchtet.
https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=216577
“97 % glauben nicht, dass genügend Intensivpflegekräfte zur Verfügung stehen “, sollte in der Zeile 20 stehen.
XY P.S.
Der Landkreis Hildburghausen hat mit dem heutigen Datum vom 28.11.2020 nach Angaben des DIVI-Intensivregister 2 intensivmedizinisch behandelte Corona-Patienten, die alle beide invasiv beatmet werden.
Klicken sie einmal auf den Landkreis Hildburghausen auf der mittleren blauen Karte im Grenzgebiet Thüringen zu Bayern. https://www.intensivregister.de/#/intensivregister?tab=kartenansicht
Da zeichnet sich in anderen Landkreisen und Großstädten ein ganz anderes Bild ab.
Ja, in der Tat geht es den Ministern und Kultusministeren mit Ihren Entscheidungen um sich selbst. Die Retourkutsche wird aus meiner Sicht nicht ausbleiben: Ein eventueller Zwangs-Lockdown (dessen Folgen wir leider alle ausbaden müssen) und die nächsten Wahlen!
Lieber Herr Priboschek,
Sie tun wirklich ein sehr gutes Werk! Nicht nur – aber ganz besonders in diesem Moment – mit diesem Schreiben an politisch Verantwortliche!!! Meinen ganz herzlichen Dank dafür!
Warum nicht zudem als sog. “Offenen Brief” in diversen überregionalen Presseorganen schalten?
Kosten? Kostenbeteiligung? Einmaliger Obulus (Geldspende) dafür durch Leser des Forums?
Oder versuchen, in’s TV (z.B. ZDF: Morgenmagazin “moma”) eingeladen zu werden?
Kann man nicht zu diesem Brief eine entsprechende Unterschriftskampagne starten.
Präsensunterricht heute sah so aus:
6(!) Schüler. Einstellige Raumtemperaturen scheinen unerwartet zu fieberhaften Erkältungen zu führen! (Trotz Jacken, Mützen, Handschuhen und teilweise Decken ist es grauenvoll kalt, wenn man 6-7 Stunden so sitzen muss.)
Viele lieben Dank, Herr Priboschek,
treffender hätte ich es nicht formulieren können. Wir sind gezwungen zur derzeit einzigen Massenveranstaltung völlig ohne Abstand unter niedrigen Temperaturen und mit ansonsten nicht wirksamen bzw. häufig nicht eingehaltenen Alibimaßnähmchen. Erlebt habe ich außerdem ein Gesundheitsamt, das Sitznachbarn einer Infizierten einfach NICHT testet – um keine höheren Zahlen zu generieren.
Sie haben recht, kein denkender Mitmensch kann ernsthaft das Märchen glauben, dass Kinder verschont sind von jeglicher Virenlast und dass die Gefahr praktisch vom Schultor ausgesperrt wird. Wenn letzteres so wäre, dann kann man doch alle großen Weihnachtsfeiern der Firmen gerne stattfinden lassen, indem man sie z.B. in das Schulzimmer verlegt, in dem ich 28 (fast) erwachsene Kursstufenschüler unterrichte.
Ich bin unfassbar traurig, enttäuscht, ratlos… Ich bin selbst Mama von Schulkindern und arbeite zudem täglich mit und für VorschülerInnen, die widerum in Haushalten mit vielen “MitbewohnerInnen” leben. ICH SCHÄTZE MEIN WIRKUNGSFELD ALS PÄDAGOGIN SEHR! Aber, zunehmend fehlen mir tatsächlich Antworten auf all die Fragen, die Kinder (und wir Erwachsenen) eben stellen. Ich verstehe die zahlreichen verwirrenden Regelungen, haltlosen Richtlinien, auslegungsfreien Maßnahmen usw. längst nicht mehr. Würde ich den dienstinternen Hygieneplan und vorallem dessen Belehrung einhalten wollen, müsste ich derzeit meinen Arbeitseinsatz verweigern… Etwa so: … Die Mülleimer im Gruppenraum sind mit stets mit einem Deckel abzudecken… Die Eimer haben keine Deckel?! Na dann streichen wir den Punkt eben. Häh?… Verständnislos ist zudem hinzunehmen, dass VorschülerInnen, deren Geschwister zuhause in Quarantäne sitzen, in unsere Einrichtung kommen sollen… Warum?… Eltern, die sich um ihre hustenden Kinder sorgen und auf Abklärung hoffen, werden aus der Praxis geschoben und vertröstet… Ihr Kind sei zu jung für Corona… Wie bitte?… Was bitte sollen wir Pädagoginnen vor Ort noch wirkungsvoll / überzeugend entgegensetzen? Zählt unsere Meinung, unser Vertrauen, unsere Empathie… nichts mehr?
Wie wäre es mal mit einem Artikel, wie man sich wehren kann? Welchen juristischen Weg kann man gehen als Lehrer, Eltern, Schüler bzw deren Interessenvertretungen? In Görlitz zB ist Notstand im Krankenhaus. Wie kann man da verlangen, dass Personen mit Vorerkrankungen solche Risiken eingehen?
Sie sprechen mir aus dem Herzen! Leider gibt es genau bezüglich dieses Themas kaum bis wenig fundierte Meinung. Genau dieses Thema muss mehr Gehör in der Öffentlichkeit finden, so, dass man nicht erst in der hinterletzten Ecke einen Beitrag zu diesem kritischen Sachverhalt findet! Solche Menschen wie Herr Priboschek, sollten in Talkshows sitzen! Vielen lieben Dank für diesen Super Artikel!
Liebe MitleserInnen, liebes Redaktionstean, ich möchte mich all den wohlwollenden Kommentaren zum Bruef zustimmend anschließen.
Mich treibt jedoch noch viel mehr die Frage nach Lösungen, nach Handlugsmöglichkeiten.
Gibt es denn wirklich keine Chance, aktuell irgendwie anders zu handeln?
Ich bin selbst Lehrerin an einer GS, schreibe in den Blog des SMK in Dresden, wie viele besorgte Lehrer, Erzieher und Eltern auch. Ich habe bereits Verbäbde und Gewerkschaften angeschrieben. Es wird beschwichtigt, auf xy verwiesen usw.
Was kann ban definitiv tun?
Genau diese offene Frage belastet zum aktuellen Alltag dazu.
Meine Kitakinder sind schon das zweite Mal in Quarantäne. Für mich ist das letztlich Freiheitsberaubung mit Ansage. In meinem (systemkritschen) Beruf darf/muss ich trotzdem weiter arbeiten. So dass ich nun tagsüber die Kinder in Quarantäne hüte und abends arbeite. Bitte zurück zur Notbetreuung oder harten Lockdown um die Inzidenz zu senken. Alles andere ist Kindeswohlgefährdung!
Auf den Punkt gebracht. Danke dafür!
In Frankfurt streiken Schüler/innen am Montag, 30.11.20 für besseren Corona-Schutz an Schulen. Finde ich toll! An die Redaktion: Könnten Sie darüber hier bitte auch einen Artikel veröffentlichen?
Vielen Dank!
Danke für Ihren Brief an die KMK
Es wäre so einfach die Kontakte zu reduzieren (und das ist existentiell): Schulen und Nahverkehr mit weniger Personen.
Wenn man ab Klasse 7 maximal 16 Schüler im Zimmer hat, täglich (!) die Gruppe wechselt und das zB bis Ende Januar oder bis Fasching macht, dann hat das (bei uns nachgewiesenermaßen!) folgende Auswirkungen:
1. Kinder kommen jeden 2.Tag (= kurzes Homeschooling, effektivere Präsenz, Kontaktreduktion, zuhause nicht ganz so dringend Technik nötig) das hat bei uns im Juni/Juli super funktioniert, wurde von Kindern, Eltern und Lehrern gelobt und wird auch wieder gewünscht. Ab Klasse 7 müssten keine Eltern zuhause bleiben! Ein täglicher Wechsel zwingt die Schüler auch dazu am Homeschooling-Tag zu arbeiten! Theoretisch sogar mit Aufgaben auf Arbeitsblättern in D M und E …
2. Schüler arbeiten in kleineren Gruppen nachweislich besser! Obwohl nur 50% Unterricht, wird trotzdem mindestens 70-80% des Lernstoffes erarbeitet. Bei vermehrten Hausaufgaben noch mehr! Bei uns waren alle Lehrer begeistert, wie weit sie inhaltlich im Juli kamen, obwohl nur die Hälfte da war!)
3. Eltern müssen nicht zuhause bleiben, da die Kinder ab Klasse 7 alt genug sind, um alleine zuhause zu bleiben.
4. täglich 40-50% Kontaktreduktion bei Schülern und Lehrern!
5. auch im Nahverkehr ca 40-50% weniger Schüler und damit weniger Kontakte.
6. Bei halben Klassen kann die Maskenpflicht im Unterricht sogar entfallen, sie ist vor allem im Sprachunterricht schädlich.
7. Auch im Freien könnte man dann die Maskenpflicht in den Schulen erleichtern.
8. Statt Sport sollte in den Stunden Übungsstunden für die Hauptfächer gemacht werden. Oder bei schönem Wetter Sport im Freien.
9. In Religion können jahrgangsgemischte Klassen bleiben (ebenfalls in Technik usw).
10. Das RKI stellt ja aktuell fest, dass 0,2% Schüler/Lehrer positiv getestet wurden, das klingt nicht viel, ist aber deutlich mehr als der Rest der Bevölkerung!
11. Bei diesen Maßnahmen würden (wie in anderen Ländern sichtbar) die Inzidenzzahlen deutlich fallen! Dies hätte den Vorteil: Man könnte schneller wieder größere Teile der Wirtschaft wieder öffnen. (In Hotels sind die Zahlen kleiner als in der Schule!)
12. …
BRAVO! Ein toller Brief – auf den Punkt!
Und bei heute -2 Grad Außentemperatur fehlt mir darin lediglich die Frage, warum die Kinder dringend Sportunterricht im milden Lockdown benötigen – denn der findet jetzt DRAUSSEN statt, damit man die Kontakte in der Sporthalle OHNE MASKE reduzieren kann.
Auch bei diesem Thema ringe ich mit der Fassung! -2 Grad !
Kann man denn auch dafür keine praktikable Lösung finden oder ist es mittlerweile einfach egal, ob die Kinder/Lehrer wegen Corona eine Lungenentzündung bekommen, wegen des Dauerlüftens im Klassenzimmer erkranken oder sich den Tod eben im Draußen-Sport holen?
Vielleicht könnte man einfach auch auf eine Sportnote im Winterhalbjahr verzichten und diese sogar im Abiturzeugnis (zumindest im Basiskurs) streichen, einfach rausrechnen?
Ihr Brief bringt es auf den Punkt, vielen Dank dafür, ich hoffe, er kommt auch bei den richtigen Leuten an!
Ich bin auch Erzieherin und habe Vorerkrankungen, laut Gefährdungsanalyse dürfte ich eigentlich gar nicht in der Kita arbeiten. Aber egal, der Betrieb muss ja auf biegen und brechen weitergehen, Kinder sind ja nicht ansteckend. Trotzdem sollen wir uns jetzt bald selber testen, und am besten die Kinder auch noch, ein Video reicht ja aus, um uns darauf zu schulen, was bisher nur medizinisches Personal durfte. Und wenn es doch jemanden aus der Einrichtung erwischt, egal ob Kind oder Kollege, gibt es ja immer noch die Pendel-Quarantäne. Das heisst, wenn man überhaupt im Vorfeld von der Erkrankung erfährt, uns informieren die Eltern in der Regel erst, wenn alle wieder negativ sind, auch vom Gesundheitsamt werden wir nicht informiert. Schulen und Kitas sind so wichtig für die Kinder, aber wir als pädagogisches Personal sind der Politik keinen Pfifferling wert!!!
Danke! Als Sozialpädagogische Fachkraft in der Schuleingangsphase, die an zwei Schulstandorten tätig ist und täglich in 2-3 verschiedenen Klassen unterwegs, fehlt mir jegliches Verständnis dafür wie eine Schulministerin, deren Qualifikation Rechtsanwaltsfachangestellte und Leiterin eines Boardinghauses ist, in NRW darüber bestimmt, wie der Unterricht zu Pandemie Zeiten an den Schulen in NRW vonstatten gehen soll. Jemand der nicht in der Praxis tätig ist oder zumindest war, kann sich kein Bild davon machen was Erzieher*innen, Pädagog*innen und Kinder jeden Tag in Kitas und Schulen mitmachen.