KIEL. Prof. Moritz Schularick ist einer der wichtigsten Ökonomen des Landes. Ist der Kündigungsschutz im öffentlichen Dienst zu großzügig bemessen? Der Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft stellt die aktuellen Regelungen infrage. Der strenge Kündigungsschutz hierzulande sei generell ein Standortnachteil. Darüber hinaus kritisiert er die Boomer-Generation für die Renten-Probleme – und hält den Generationenvertrag für schwer beschädigt.

Der Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, schlägt eine Aufhebung des Kündigungsschutzes für den öffentlichen Dienst vor. „Ich möchte den de facto Kündigungsschutz im öffentlichen Dienst infrage stellen“, sagte Schularick. „Warum gibt es diese Vorzugsbehandlung?“ Es gibt in Deutschland rund eine Million Lehrkräfte im öffentlichen Dienst. Der Schulbereich ist der größte einzelne Aufgabenbereich im öffentlichen Dienst.
Der Ökonom sprach sich zudem für eine Aufhebung des Kündigungsschutzes für gut verdienende Arbeitnehmer aus. „Warum halten wir am Kündigungsschutz für Leute fest, die mehr als 100.000 Euro im Jahr verdienen?“, sagte Schularick. „Da wird ein paternalistischer Schutzgedanke weitergetragen ins 21. Jahrhundert, der wahrscheinlich schon Ende des 20. Jahrhunderts abgelaufen war.“ Diese Idee sei nicht länger zeitgemäß.
Schularick hat schon in der Vergangenheit angeregt, eine Debatte über Teilzeit und den Arbeitsmarkt zu führen. Er sagt, die Strukturen des deutschen Arbeitsmarkts seien starr und konservativ, und sie stammten aus der Industriegesellschaft der Vergangenheit. „Die Institutionen werden der Schnelllebigkeit und dem Wandlungsprozess, den wir haben, nicht mehr gerecht.“ Zu dem Wandel trage beispielsweise Künstliche Intelligenz bei. Der Arbeitsmarkt müsse künftig flexibler ausgestaltet werden.
Nach Beobachtung von Schularick führt der strenge Kündigungsschutz hierzulande dazu, dass deutsche Unternehmen zunehmend Forschung und Entwicklung nach China auslagern. „Eigentlich sollten Forschung und Entwicklung in Deutschland und Europa sein, weil wir die schlauen Köpfe haben, und die anderen schrauben die Autos zusammen.“
Hintergrund der Entwicklung sei, dass Deutschland auch wegen des Kündigungsschutzes zu teuer sei. Unternehmen gingen Risiken ein, wenn Kosten wie in China überschaubar seien. „Wenn ich als Unternehmen in Deutschland nach einem gescheiterten Projekt eine Gruppe von 20 Entwicklern über Jahre weiterbeschäftigen muss, fange ich mit dem Projekt nicht an.“
Auch zum Thema Rente äußert sich der Ökonom deutlich. Schularick hält eine Reform des Systems für überfällig: Er verweist darauf, dass voraussichtlich etwa ein Drittel der Steuereinnahmen des Bundeshaushalts in die Rentenversicherung fließen werde. Die vergleichsweise hohen Ausgaben führten dazu, dass Geld für Brücken, Schwimmbäder und Kindergärten fehle. „Irgendwann ist der Scherbenhaufen so groß, dass die Kraft des Faktischen dazu führt, dass man so nicht weitermachen kann“, sagt Schularick. „Mich schaudert es, dass das Einzige, das in den letzten Jahren in diesem Land mit rund vier Prozent pro Jahr gewachsen ist, die Renten sind.“
Die Alternative sei, dass eine Reform gelinge: Diese könne eine verlängerte Lebensarbeitszeit, gekoppelt an die Lebenserwartung, und ein Ende der „Rente mit 63“ vorsehen. Die „Rente mit 63“ ist eine seit 2014 bestehende Möglichkeit eines frühen Rentenbezugs ohne Abschläge für langjährig Versicherte mit mindestens 45 Beitragsjahren in der gesetzlichen Rentenversicherung.
Warum Boomer das Rentensystem ungerecht machen
Schularick verweist auf den Generationenvertrag. Der ist ein grundlegendes Prinzip der deutschen Rentenversicherung. Dabei handelt es sich um ein Umlageverfahren, bei dem die aktuell arbeitende Generation durch ihre Rentenbeiträge die Renten der älteren Generation finanziert. Die gesetzliche Rentenversicherung befindet sich aber in einer Demografie-Falle: Durch anhaltend niedrige Geburtenzahlen gibt es immer weniger Beitragszahler, während gleichzeitig die Zahl der Rentenbezieher steigt, weil die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben ausscheiden.
„Weil die Alten vergessen haben, Kinder zu bekommen, ist das System aber in einer Schieflage“, sagt Schularick. „Nicht im Einzelfall, aber im Kollektiv ist der Generationenvertrag von der alten Generation gebrochen worden.“ Dennoch werde von den Jungen erwartet, ihren Teil des Vertrags zu erfüllen.
Die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm warnt in einem Beitrag auf X davor, den Kündigungsschutz im öffentlichen Dienst leichtfertig infrage zu stellen. Wer diesen lockern wolle, müsse sich bewusst machen, welche Gehälter nötig wären, um ähnlich qualifizierte und zugleich unbestechliche Staatsdiener zu gewinnen. Mit Blick auf Beamte betont sie, dass das Beamtentum gerade in Bereichen, in denen Unbestechlichkeit und Loyalität gegenüber dem Staat zentral seien, ein „scharfes Schwert“ darstelle. „Was wäre hier ein alternatives Anreizsystem?“
Auch Andreas Audretsch, Vize-Fraktionschef der Grünen im Bundestag, weist Schularicks Idee zurück, für Beschäftigte im öffentlichen Dienst den Kündigungsschutz zu lockern. „Der Wirtschaftsstandort wird nicht stärker, wenn im öffentlichen Dienst, bei Erziehern, Sozialarbeitern oder Busfahrerinnen, der Kündigungsschutz ausgehöhlt wird“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Viel wichtiger sind echte Reformen, damit die Lohnnebenkosten sinken. Davon würden alle profitieren.“ News4teachers / mit Material der dpa










Die Boomer haben nicht „vergessen“, Kinder zu bekommen. Sie gehörten zu der ersten Generation, die Frauen und Männer als gleichberechtigt in Ausbildung und Studium gesehen hat. Wir wohnten damals in einfachen, häufig etwas heruntergekommenen „ersten“ Wohnungen und gestalteten die Kinderzeit meistens unter eigenen finanziellen Opfern so, dass meistens die Mütter mindestens drei Jahre zu Hause bei den Kindern geblieben sind und später lange in Teilzeit arbeiteten, bis auch das Jüngste im jugendlichen Alter war.
Da wir alle gut ausgebildet waren, hatten wir im Schnitt zwei Kinder, um bald wieder arbeiten und Geld verdienen zu können. Die Boomer haben in ihrer Masse sehr viel Steuergeld und wirtschaftlichen Aufschwung geleistet und maßgeblich zum jetzigen Wohlstand beigetragen. Dieser wurde aber vor unseren Augen nicht im Blick auf die Rentenentwicklung teilweise in irgendeiner Form angelegt, um uns abzusichern, ohne die nachfolgende Generation zu belasten. Das war immer Thema, aber politische Parteien haben damals entschieden, das Geld auszugeben und sich von den Wählern feiern zu lassen. Die verantwortlichen Damen und zumeist Herren sind nun größtenteils nicht mehr politisch aktiv und haben uns der beschämenden Debatte darüber ausgeliefert, mit unseren Rentenansprüchen ein Problem zu sein. Wir waren schon immer zu viele Menschen, in überfüllten Schulen, bei Unmengen Bewerbungen trotz guter Noten für eine Ausbildungsstelle, bei leergefegtem Wohnungsmarkt für eine günstige erste Wohnung. Hatten wir uns durch alles durchgekämpft und unsere zwei Kinder unter persönlichen Abstrichen beim Einkommen großgezogen, gearbeitet und eingezahlt, stehen jetzt die Jungen da und sagen uns… ihr seid zu Viele!
Danke für nichts!
“Da wir alle gut ausgebildet waren, hatten wir im Schnitt zwei Kinder” – hatten “wir” leider nicht: Der Schnitt bei Boomern liegt bei 1,4 Kindern. Gerne hier nachlesen: https://koerber-stiftung.de/site/assets/files/22390/2018_die_babyboomer_gehen_in_rente.pdf#:~:text=Die%20M%C3%BCtter%20der%20Babyboomer%20haben%20im%20Schnitt,8%20Jahre%20mehr%20als%20bei%20ihren%20Eltern.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Vielleicht hat die Körber-Stiftung das etwas verkürzt dargestellt. Die Boomer sind von 1946 bis 1964 geboren worden, die Frauen bekamen ihre Kinder im Schnitt von 1964 bis 1984.
1964 lag die Geburtenrate bei 2,53, 1970 bei 2,03, 1980 bei 1,56 und gegen Ende der Fertilitätsphase der Boomerfrauen, als die nächste Generation bereits hätte übernehmen sollen, bei 1,38.
Nach den Boomern sank die Geburtenrate erst mal massiv, um dann zwischen 1,3 und 1,5 zu schwanken.
Zum Vergleich und zur Einordnung: 2023 lag die Geburtenrate bei 1,35.
Wie die Körber-Stiftung auf „die Geburtenrate der Boomer betrug 1,4 Kinder“ kommt, erklärt sich mir nicht. Selbst aus dem im Dokument dargestellten Diagramm des Statistischen Bundesamtes, welches sie als Datengrundlage benennt, geht hervor, dass es in den rund 18 Jahren der Fertilität nur 4 Jahre gibt, in welchen die Geburtenrate unter 1,4 lag, und das auch nur in Westdeutschland. Ansonsten lag sie dermaßen deutlich drüber, dass ein Mittelwert über die Jahre 64 bis 82 deutlich! über 1,4 liegt – insbesondere wenn man Gesamtdeutschland betrachtet.
Nicht zu vergessen: Dank der vielen Boomer gab es für sie überall zu wenig: zu wenig Ausbildungsplätze, Studienplätze, Arbeitsplätze, Wohnungen. Dafür gabs Vietnamkrieg, Kubakrise, NATO-Doppelbeschluss, Ölkrise, hohe Inflation in den 70gern gepaart mit Massenarbeitslosigkeit. Weder Studium noch Ausbildung war ein Garant dafür, im Anschluss einen Job zu finden – Beziehungen waren alles, ansonsten konnte man drauf hoffen, irgendwo Taxi fahren zu dürfen.
Mich nervts ein wenig, dass stets so getan wird, als hätten die Boomer ein Leben in Milch und Nutella gehabt. Hier verzerrt wohl tatsächlich der „Früher war alles besser und vor allem hatten es früher alle besser“ – Bios die Realität.
Übrigens: wenn man will, dass die Frauen mehr Kinder bekommen, sollte man Frauen und Familien das KinderHABEN leichter machen. In Frankreich scheinen die Steueranreize zu funktionieren, in Dänemark schaut einen niemand schräg an, wenn man eher geht, weil das Kind abgeholt werden muss. In Deutschland? Ganz anders…
Die Kritik kann Herr Prof. Scholarick gern an die Politik richten – die hat die Weichen dafür gestellt, dass DINK immer noch finanziell in der Regel deutlich lukrativer ist als OneIncomeTwoKids.
Da hat der alte Adenauer in seiner Prognose erheblich gepatzt. Kinder sind für Frauen damals wie heute der Karrierekiller Number One. Warum sollten Frauen heute ihre Karriere für Kinder aufs Spiel setzen? Und warum sollten sie das in den 70gern tun? Aus Selbstlosigkeit, um den demographischen Faktor hoch zu halten? Nicht ernsthaft…
https://www.demografie-portal.de/DE/Fakten/Daten/geburtenrate.csv?__blob=publicationFile&v=1
Boah, das war jetzt ein ziemliches Rundumausholen. Nur, so einfach wie: „die Boomer sind schuld“ funktionierts halt nicht.
Mit freundlichen Grüßen,
Mika BB
Danke, aber was sind schon echte Fakten gegen gefühlte Realität. Kleine Ergänzung: nebenbei noch Umweltideen in die Politik gebracht, Anfänge für basisdemokratische Ideen und Bürgerbewegungen, aber das ist ja inzwischen fast schon wieder negativ besetzt. HIV gab’s dann auch noch, ohne Therapiemöglichkeit, aber sonst, nur Honig.
Naja im Schnitt sind bei Lebewesen entweder abzurunden : Also 1.
oder aufzurunden also 2.
Bei 1,4 Kinder wären 0,4 davon nicht lebensfähig.
Daher finde ich 2 schon besser.
Boomer Anfang der 90er, WG-Zimmer, x-tes Traineeprogramm, äußerst geringe Entgelte bei Einstieg in den Job – befristet, natürlich, Kettenarbeitsvertäge. Nie hatten die Zeitarbeitsfirmen qualifiziertere Human Ressources.
Warum eigentlich haben die Generationen danach, die Millenials und die Ypsilons, die Zetzs nichts an der Geburtenrate geändert. Die mussten doch wissen, dass sie so ihre umlagefinanzierte Rente gefährten/ruinieren?
Da muss ich doch an den Film “Boomer, der Streuner” denken.
“…ist einer wichtigsten Ökonomen des Landes.”
wenn ich sowas schon als Einstieg lese.
Mal ganz abgesehen davon, dass da das Wörtchen “der” fehlt…
Aber was sollen diese vermeintlichen Hinweise, dass Person xy ach so wichtig sei??
Wichtig für wen?
Schularick fällt vor allem durch steile Thesen und große Klappe auf.
Zudem dient als Berater “der Politik” – vertritt also bestimmte Macht-Interessen mit.
“Politiker, so lautet ein Aperçu, benutzen die Ökonomen wie Betrunkene Laternen: Sie suchen nicht Licht, sondern Halt.”
Er ist also nicht “wichtig”, sondern unbedingt zu hinterfragen!
Danke!
Ein typischer Versuch, eine “Außenexpertise” als Referenz für die eigene “innere Haltung” zu einem brisanten Thema heranzuziehen.
Ich finde, dass das tief blicken lässt – aber das ist ja nur eine sehr individuelle Einzelmeinung und erhebt nicht dan Anspruch im Recht zu sein – wie viele andere das offenbar tun.
“Nicht im Einzelfall, aber im Kollektiv ist der Generationenvertrag von der alten Generation gebrochen worden.“
Mhhmm, ich weiß nicht… müsste man die Schuld nicht noch weiter in die Vergangenheit verlagern?
Letztendlich ist es doch die Generation der “Boomer-Eltern”, die das Problem angerührt gaben, weil sie viel zu optimistisch nach dem verlorenen Krieg massenhaft Kinder in die Welt gesetzt haben … Durch diese nahezu ungebremste Fertilität ubd Fortpflanzung sind ja schließlich diese Boomer überhaupt erst entstanden, die nun – nach einem langen, wirtschaftlich produktiven und sehr arbeitsintensiven Leben in die verdiente Rente bzw Pension gehen … und dabei oftmals zugunsten der Erwerbsmöglichkeiten und der zunehmend von der Politik und Wirtschaft geforderten Flexibilität auf eigenen Nachwuchs verzichtet haben.
Ich erinnere mal beiläufig an das hohe Maß an Jugendarbeitslosigkeit Ende der 70 bis weit in die 80er hinein, den AtomtodÄngsten, dem Waldsterben, dem Ozonloch usw usf … mit dieser “existentiellen Krisenerfahrung” haben viele junge Menschen derzeit eher vorsichtig fortpflanzungstechnische Zukunftsplanung betrieben … niemand hat sie gefragt, ob sie diese Existenz wollen, sondern sie wurden in diese Existenz geworfen … da ist es schon in einem erheblichen Maß ungerecht, heute in der Rückwärtsperspektive genau dieser Generation quasi alle Schuld für alles aufzuladen … ich meine: nicht dass ich es nicht gewohnt wäre, als Lehrer auch immer und für alles schuldig und verantwortlich gemacht zu werden … aber man sollte dann auch wirklich auf die Quellen dieser Problematik zurückgehen … und nicht nach dem Motto verfahren: Die Eltern- und Großelterngeneration der Boomer können wir nicht mehr zur Rechenschaft ziehen … also treten wir den Greifbaren – eben die Boomer – in den Arsch.
So … und wer jetzt meint, hier eine Spur von Sarkasmus und Zynismus zu finden, der kann diese mit nach Hause nehmen und behalten.
Das Gute ist doch, dass die Boomer mit den Rentenzahlungen der GenZ überhaupt nichts mehr zu tun haben werden. Wenn die GenZ eine auskömmliche Rente von ausreichend vielen Beitragszahlern möchte, dann möchte ich darauf hinweisen, dass sie selbst über die diesbezüglich hen “Werkzeuge” verfügt. Sie muss sie nur nutzen.
Wenn man den Renteneintritt unbedingt an die Lebenserwartung koppeln möchte, dann bitte diskriminierungsfrei an die prognostizierte Rentenbezugsdauer. Derzeit sind wir bei etwa 12 Jahre für Männer. Da das wohl auch reduziert werden soll, nehmen wir der Einfachheit halber 10 Jahre Rentenbezug. Somit gehen die Männer mit 68,3 Jahren und die Frauen mit 73,5 Jahren in Rente.
Prof. Moritz Schularick hat eine Meinung.
Damit hat er sich “eingebracht”. 😉
Wir wissen nun: Prof. Moritz Schularick existiert und hat eine Meinung.
Unser Dank geht an Prof. Moritz Schularick. 🙂
Und er ist selbst kein Boomer, zumal ich diese Bezeichnung zunehmend als stigmatierend empfinde.
„Zu starr? Top‑Ökonom stellt den Kündigungsschutz im öffentlichen Dienst infrage“
Na klar, Logo – Herr Top‑Ökonom.
Oje – meine Noten sind nicht wohlwollend angespaßt, auf Bestellungen bestimmter Eltern gehe ich angeblich zu wenig ein, Freund der Schulleitung bin ich auch nicht, und bei der Parallelbeaufsichtigung (Verwahrung) von drei Klassen habe ich als angestellte Fachlehrkraft kürzlich auch versagt.
Bloß gut, dass man mich nicht so leicht kündigen und aus diesem pädagogischen Freizeitpark vertreiben kann.
Während Schulen händeringend versuchen, überhaupt noch Personal zu finden, kommt die Idee auf, man müsse Lehrkräfte und Erzieher leichter loswerden können.
Das ist ungefähr so logisch wie:
„Wir haben Wassermangel – lasst uns die Brunnen zuschütten.“
Wirtschaftsweise Veronika Grimm bringt es nüchtern auf den Punkt:
Wer den Kündigungsschutz lockern will, sollte sich gut überlegen, welche Gehälter nötig wären, um ähnlich qualifizierte und unbestechliche Dienstleister zu gewinnen.
Und was wäre im „neuen Normal“ an Schulen nötig?
Nun, vermutlich Dinge, die in der politischen Realität als Science‑Fiction gelten:
Währenddessen liefert z. B. Sachsen sein eigenes „Maßnahmenpaket:
Streichung der Altersermäßigung, Mehrarbeit, Verdichtung, Belastung hoch drei.
Eine Art politisches „Do‑it‑yourself‑Set“ zur inneren Kündigung.
Man könnte fast meinen, das Ziel sei nicht, Lehrkräfte zu halten, sondern sie systematisch aus dem Beruf zu treiben – ganz ohne Kündigungsschutzdebatte.
Und wenn wir schon über Kündigungsschutz reden:
Vielleicht sollte man zuerst den Kündigungsschutz für Kultusminister aufheben.
Nur um zu testen, wie sich „Flexibilisierung“ anfühlt – dort, wo die Entscheidungen getroffen werden, die andere ausbaden.
Gestern beim MDR gelesen, dass bisher nur ~75% von den Referendaren nach ihrem zweiten Staatsexamen eine Stelle in Sachsen angenommen haben (Das zweite Halbjahr startet am 23.02.).
Ob das an den ganzen tollen Maßnahmen liegt?
„Weil die Alten vergessen haben, Kinder zu bekommen, ist das System aber in einer Schieflage“, sagt Schularick. „Nicht im Einzelfall, aber im Kollektiv ist der Generationenvertrag von der alten Generation gebrochen worden.
Das ist mir zu einfach.
O.k. nehmen wir mal an, die Alten hätten die entsprechende Anzahl der Kinder bekommen, die erforderlich wären. Hätten die jetzt alle genügend Arbeit, um das System aufrechtzuerhalten. Oder würden sie das Sozialsystem direkt belasten.
Wäre der Wohnraum jetzt für alle plötzlich dafür oder hätte es halt früher geknirscht.
Das ganze System ist komplex. Es muss ein Weg gefunden werden. Diese pauschalen Vorhaltungen nach dem Motto (Hätte, Hätte Fahrradkette) bringt niemand weiter, sondern bringt nur böses Blut.
Der Weg wird vermutlich auch Einschränkungen bedeuten, aber will das schon.
Es geht ja auch nicht um echte Lösungen sondern um “schwarzer Peter Spiele” und im Zuge dessen darum, in weiten Teilen der Bevölkerung Vorbehalte bis zu offenen Antipathien zu generieren, damit man dann mit entsprechendem Gejohle aus der Masse gegen die auserkorenen Gruppen vorgehen kann – gestützt von sogenannten Experten und der Propagandaschleuder “Bild” – um Pogromstimmungen zu generieren.
Wichtig ist, dass betroffene Gruppen sich nicht mehr trauen, sich gegen solches Vorgehen zu wehren.
Ja, es sind “Verteilungskämpfe”. Da wird noch einiges kommen. Da werden noch viele “Experten”, “Wissenschaftler” und “Top-Ökonomen” zitiert werden, um die nicht-vermeidbaren Kürzungen und Einschnitte so vorzunehmen, dass sie durch die Mehrheit der Bevölkerung befürwortet werden. Immer eine Gruppe zur Zeit: Divide et Impera.
Deutschland ist nun einmal auf dem absteigenden Ast: Automobilindustrie kaum noch wettbewerbsfähig dank veralteter Technologie und zu hoher Kosten (IG Metall), Energiepreise seit einigen Jahren durchgängig weltweit mit am höchsten, Deindustrialisierung, Bildungskatastrophe (an der aber nicht die Schulen Schuld sind…) und in den Zukunftstechnologien abgehängt.
Das ist relativ einfach: Kinder sind Konsumzwänge. D.h. ein Kind verursacht gezwungenermaßen Ausgaben. Hier ein Beispiel: ein Kinderbett muss ab einem gewissen Alter gekauft werden. Bis ein Rentner (das ist jetzt hier nicht gegen Rentner, sondern nur als Gegenbegriff gemeint) ein neues Bett kauft, muss die Rente massiv steigern, weil bereits ein passendes vorhanden. Durch den Konsum steigt die Binnennachfrage. Eine höhere Binnennachfrage schaft wiederum Jobs, einmal im Handel und in der Verwaltung aber auch in der Produktion und ebenso im sozialen Bereich. Es gibt gerade bei Kindern viele Arbeitsplätze, die sich nicht ins Billigausland verlagern lassen (Schulen, Kinderbetreuung, medizinische Versorgung). Dadurch generiert man ebenso soziale Einzahlungen, welche das Sozialsystem entlasten. Drum hätte mehr Nachwuchs hier das Problem schon entschärft. Eine pauschale Leugnung bringt uns genauso wenig weiter, wie eine alleinige Konzetration auf diesen Faktor.
Bruch des Generationenvertrages?
Laut Definition der deutschen Rentenversicherung hätte die Generation der Boomer den Generationenvertrag erfüllt, da sie ja brav bis über 20% RV-Beiträge und auch reichlich Steuern ( LSt-Eingangssatz von 25,9% , kalte Progression etc.) einbezahlt hat und daraus die Renten der Ruheständler bezahlt wurden.
https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Glossareintraege/DE/G/generationenvertrag.html
Dafür gab es für sie in jungen Jahren deutlich geringere Transferleistungen als z.B. für die Gen Y und Z.
„Mich schaudert es, dass das Einzige, das in den letzten Jahren in diesem Land mit rund vier Prozent pro Jahr gewachsen ist, die Renten sind.“
Die prozentualen Rentenerhöhungen sind ja die allgemeine Lohnentwicklung gekoppelt.
Um zu beurteilen wie der das nun meint, müsste man halt wissen, ob sein Jahressalär um mehr oder um weniger als 4% pro Jahr gewachsen ist.
Und am Ende gilt weiterhin wenig +4% bleibt wenig
Wenn der Herr Schularick meint, dass allein die Rente um 4% gestiegen wäre, dann…. Ja dann könnte der Herr Schularick sich mal die Gehälter im Bundestag anschauen:
– Zum 1.7.25 gabs 5,4% mehr Gehalt für die Abgeordneten.
Oder:
-Die Mieten sind in 2024 um durchschnittlich 5,9% gestiegen
Und kleiner Hinweis:
Die Rentenanpassungen sind (bis auf wenige Aufholeffekte im Osten) stets unter den Nominallohnsteigerungen geblieben (meiner Erinnerung nach geht das aufgrund der Rentenformel auch gar nicht anders).
Aber klar, das einzige, was in den letzten Jahren gestiegen ist, sind die Renten…
Nettes Beispiel für Populismus. Nach den Migranten/Kriegsflüchtlingen, Asylbewerbern sind jetzt die Boomer verantwortlich für die Schieflage des Bundeshaushaltes. Auf gar keinen Fall die Politik mit familienunfreundlichen Gesetzen (ich sag nur „Lifestyle -Teilzeit“) und dem immerwährenden, nicht ausreichend refinanzierten Griff in die Rentenkasse…
Man könnte ja mal an Erbschaftssteuer für Groß- und Firmenerben oder, Gott bewahre, an die Wiedereinsetzung der Vermögenssteuer gehen. Mehr einnehmen find ich wesentlich klüger als weniger ausgeben. Aaaaber vermutlich fallen Millionäre und Milliardäre unters Schularicksche Artenschutzgesetz…
Vielleicht sollten Boomer und Generation X mal vier Wochen lang streiken. Einfach mal nichts einzahlen an Steuern, Sozialabgaben, Arbeitsleistung, Ehrenamt. Wäre spannend, was dann passiert.
Nein sind sie leider nicht, siehe Corona.
Tja, Herr Professor, da haben wohl die noch Älteren vergessen, den Boomern halbwegs sichere Einkommen und dauerhafte Arbeitsplätze zu ermöglichen, um irgendwie eine genügend große Familie durchzubringen. Falls das nicht mehr so klar ist, einfach mal ‘Jugendarbeitslosigkeit’ googeln. Übrigens haben die nachfolgenden Generationen den Geburtentrend auch nicht umgekehrt, trotz besserer Kinderbetreuung und deutlich mehr finanzieller Förderung. Ach, die haben keine Wohnungen, weil die kinderlosen Boomer in ihren 5-Zimmer Altbauwohnungen sitzen, na dann ist das ok. Den Teil des Generationenvertrags (klingt so schön offiziell und nach Übereinkommen, viel besser als Adenauers ‘Kinder kriegen die Leute immer’) mit den laufenden Zahlungen haben wir böse asoziale Generation erfüllt, vermutlich zu gut: immer genug Geld für neue Wahlgeschenke, für Konsum. Es soll auch Länder geben, die ohne Generationenvertrag auskommen, die haben allerdings etwas in die Zukunft gedacht.
Ein flexiblerer Arbeitsmarkt mit weniger Kündigungsschutz, wie gut, dass das im Gegensatz zu den Renten überhaupt keine Belastung irgendeines Sozialsystems bedeuten kann. Man muss nur gleichzeitig Leistungen kürzen, am besten auch noch die medizinischen, wer braucht die schon ohne Arbeit. Ich bin auch wirklich dankbar, dass ich nicht mehr darüber nachdenken muss, ob ich das Angebot zum Hinzuverdienen mit 67 annehme, wir verlängern einfach auf 55 Jahre bis zur Rente. Kein Nachdenken mehr, ob die Rente trotz gestrichener Ausbildungszeiten, abgesenkter Prozente und höherer Besteuerung und SV noch ausreichen würde, das ist wirklich fürsorglich, alten Leuten diese Rechnerei zu ersparen.
Stimmt nur alle ein, irgendwer muss ja ‘schuld’ sein. Vergesst aber nicht auszurechnen, wessen Steuern und Abgaben den Laden am Laufen gehalten haben, muss wohl eine ziemlich große Gruppe im erwerbsfähigen Alter gewesen sein. Deren größter Fehler: mit 65 nicht tot umzufallen. Wenn mir das nicht passiert, stehe ich in ein pasr Jahren an der Seitenlinie, lebe von knapp Durchschnittsrente und dem was ich ohne Luxuswagen und drei Urlaube sparen konnte und denke mir: macht es besser!
Man kann Meinungen haben:
Zitat aus dem Artikel: „Eigentlich sollten Forschung und Entwicklung in Deutschland und Europa sein, weil wir die schlauen Köpfe haben, und die anderen schrauben die Autos zusammen.“
Selbige Meinung ist doch sehr arrogant.
Das Forschung nicht dauerhaft ist , liegt eher nicht am “Kündigungsschutz”, sondern am Gegenteil – nämlich der befristeten Einstellung nach TzbfG und viel mehr nach WissZeitVG.
Der Herr Prof. möge mal im wissenschaftlichen Mittelbau nachfragen, ob Kündigungsschutz oder “befristete Anstellung” das individuelle Problem zusein scheint.
Also den Kündigungsschutz lockern für AN mit >100k. Und auch für Lehrkräfte (die in E13 eher selten auf 100k p.a. kommen dürften).
Habe ich das so richtig verstanden? Was außer fiskalische Notwendigkeit (“größte Gruppe im ÖD) würde diese Sonderbehandlung begründen?
Eigentlich fair, dann wird endlich zwischen A- und E-Lehrkräften eine standesgemäße Distanz hergestellt. Unaushaltbar, diese Gleichmacherei…
Die Forderungen des Ökonomen sind aktuell nicht mit dem Grundgesetz vereinbar:
Art 9. Abs. 3: “Koalitionsfreiheit”: Der Kündigungsschutz ist i.A. durch Tarifverträge geregelt, da kann der Staat nicht einfach eingreifen
Art. 33 Abs.5: “Berufsbeamtentrum”: Das Recht des öffentlichen Dienstes ist unter Berücksichtigung der hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums zu regeln und fortzuentwickeln.
Also entweder eine Nebelkerze oder da hat einer vor, die Verfassung zu ändern.
Von mir aus kann der Kündigungsschutz weg und zwar für beide Seiten.
Nur 2 Bedingungen:
1. 50,00 € Mindestlohn
2. Nach 12 Monaten Arbeit Anspruch auf 36 Monate ALG I ohne Sperrfrist.
Ich denke, dass die Geburtenraten in den letzten Jahren weiter gesunken sind, weil die Frauen immer mehr mit arbeiten gehen müssen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Alles wird teurer, wir verdienen aber nicht entsprechend mehr. Plätze in Kindergärten und bei Tagesmüttern sind auch nicht immer selbstverständlich zu bekommen. Elterngeld gibt es für längstens 2 Jahre, aber mit 3 hat man erst eine Platzgarantie, das klafft eine Lücke von einem Jahr.
Alles Bedingungen, die das Kinder bekommen nicht fördern.
Im Bundesland mit der bundesweit niedrigsten Geburtenrate wäre KiTa für Eltern kostenlos und das Angebot wäre dort mittlerweile höher als die Nachfrage.
Ich hätte auch einen Vorschlag, um viel Geld zu sparen:
Wir schaffen den Kündigungsschutz für vorlaute Professoren im Elfenbeinturm (dessen Steine von der arbeitenden Bevölkerung finanziert wurden und werden) ab.
Jede nutzlose Professorenstelle spart nicht nur wörtlich hunderttausende, auch das daran hängende personelle und sächliche Inventar braucht der Staatshaushalt dann nicht zu wuppen…oder halt, ist das dann “wissenschaftsfeindlich” oder [setze anderes Standartwort hier ein] ?