DÜSSELDORF. Bald startet der Anspruch auf einen Ganztagsplatz, zunächst für Erstklässler. Auch an Förderschulen in NRW. Dort fehlen aber einer Umfrage der Gewerkschaft GEW zufolge schon jetzt Personal und Räume.

Wenige Monate vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz sind viele Förderschulen laut einer Umfrage der Bildungsgewerkschaft GEW mit erheblichen Defiziten konfrontiert. Auch in Nordrhein-Westfalen fehlten an Förderschulen Personal und geeignete Räumlichkeiten, bilanzierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Grundlage ist eine Befragung von rund 1.600 Beschäftigten an Förderschulen im Land.
Mit Beginn des Schuljahrs 2026/27 haben zunächst alle Erstklässler bundesweit einen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung. Der Anspruch wird schrittweise auf die Jahrgänge zwei bis vier ausgeweitet und gilt ab dem Schuljahr 2029/30 für alle Grundschulkinder. Auch Förderschulen sind einbezogen. Dafür wird zusätzliches Personal benötigt.
Nach GEW-Angaben sind an den knapp 500 Förderschulen in Nordrhein-Westfalen derzeit rund 1.100 Stellen für Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen unbesetzt. Besonders betroffen seien Schulen mit den Förderschwerpunkten geistige sowie körperlich-motorische Entwicklung. Zusätzlich fehlten rund 250 Fachlehrkräfte. Diese absolvieren eine eigenständige praxisorientierte Ausbildung für den Einsatz an Förderschulen und übernehmen insbesondere bei komplexem Unterstützungsbedarf zentrale Aufgaben in der Förderung. Zugleich stiegen die Schülerzahlen weiter, während sich der Fachkräftemangel verschärfe.
„Ganztag ist mehr als Betreuung – er bedeutet Bildung und Teilhabe“
GEW-Vize-Landeschef Stephan Osterhage-Klingler erklärte: „Unsere Auswertung macht sehr deutlich, dass die Kolleg*innen an den Förderschulen bereits jetzt absolut am Limit sind.“ Viele arbeiteten „weit über ihre Belastungsgrenze hinaus“. Die Folgen seien „strukturelle Überlastung der Beschäftigten, gesundheitliche Belastungen und eine zunehmend gefährdete Qualität der Förderung für Kinder und Jugendliche mit hohem Unterstützungsbedarf.“
Diese Personalsituation wirkt sich nach Angaben der Gewerkschaft unmittelbar auf die Ganztagsangebote aus. Die Mehrheit der Befragten (66 Prozent) arbeitet an Förderschulen mit einem gebundenen Ganztag, in dem Unterricht, Förderangebote und Freizeitphasen über den gesamten Tag hinweg bis in den Nachmittag verzahnt sind. Für viele Schülerinnen und Schüler – insbesondere mit Schwerstmehrfachbehinderungen – sei eine durchgehende Betreuung bis 15.30 Uhr vorgesehen und notwendig.
Dennoch gaben 42 Prozent der Befragten an, dass wegen Personalmangels mindestens ein Nachmittag pro Woche gekürzt oder gestrichen werde. Bei 17 Prozent treffe dies sogar auf drei oder mehr Nachmittage pro Woche zu. Besonders häufig genannt worden seien Schulen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.
Auch im offenen Ganztag sieht die GEW Engpässe. Dort findet der Unterricht verbindlich bis zum Mittag statt, am Nachmittag folgt ein freiwilliges Angebot. Mehr als ein Drittel der Befragten gab laut Gewerkschaft an, dass an ihrer Schule im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre jeweils mehr als zehn Kinder keinen Platz im Offenen Ganztag erhalten hätten. Neben fehlendem Personal mangele es auch an geeigneten Räumen, die auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zugeschnitten seien.
Osterhage-Klingler mahnte einen Ausbau der Ausbildungskapazitäten im Lehramt Sonderpädagogik sowie für Fachlehrkräfte an. Zudem brauche es bessere Bedingungen für Quer- und Seiteneinstiege, eine faire Bezahlung der Fachlehrkräfte sowie mehr multiprofessionelle Teams, etwa mit therapeutischer oder psychologischer Unterstützung. „Ganztag ist mehr als Betreuung – er bedeutet Bildung und Teilhabe“, sagte er.
Das nordrhein-westfälische Schulministerium betonte, das Land treibe den Ausbau des Offenen Ganztags konsequent voran. „Dazu gehört auch eine umfassende Unterstützung für Förderschulen.“ Da an gebundenen Ganztagsförderschulen der vorgesehene zeitliche Rahmen nicht ausreichen werde, um den Rechtsanspruch ab Sommer 2026 vollständig abzudecken, schaffe das Ministerium „zusätzliche finanzielle Fördermöglichkeiten“ für ergänzende Angebote. Eine entsprechende Richtlinie solle zeitnah veröffentlicht werden. News4teachers / mit Material der dpa









Kolleg*innen an Förderschulen arbeiten längst am Limit – und dann verkündet man mit stoischer Selbstzufriedenheit, man treibe den Ausbau des Offenen Ganztags „konsequent voran“. Man muss schon sagen: In Bürokratiopolis, der strahlenden Hauptstadt von Absurdistan, ist Konsequenz eben alles – selbst wenn man damit vor allem konsequent neue Löcher in einen ohnehin schon löchrigen Boden schlägt. Und anschließend verwundert dreinschaut, warum niemand mehr festen Stand hat.“ Aber man kann auch einfach stolz erklären, man habe die Fläche für Visionen „strategisch erweitert“.
In Bürokratiopolis werden Missstände zu „innovativen Lernräumen“ umetikettiert. Dort hängt auch das Plakat der Bildungs‑ und Förderinitiative Schland 2035, die hochmotiviert den sinkenden Bildungskahn zu retten vorgibt, indem sie die Löcher im Rumpf als „innovative Fenster zur Wasserwelt“ verkauft – während Lehrkräfte längst bis zum Hals im Wasser stehen und man ihnen erklärt, auch das sei „Teil des pädagogischen Gesamtkonzepts.
Über all dem schwebt Optimistan, der Fantasiestaat, in dem Überforderung als Zukunftsprojekt gilt und Realität nur stört.
Wird bei der Umsetzung von Inklusion im Ganztag bei geistig und schwerstmehrfachbehinderten Kindern und Jugendlichen auch auf Schlaf und auf Ruheräume geachtet?
Bei aller Bildung scheint mir körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden doch wichtiger zu sein, vor allem bei schwerbehinderten Menschen.
Da wird genauso dran gedacht, wie bei den Regelschulen, die inklusive Kinder beschulen, nämlich gar nicht.
„ Nach GEW-Angaben sind an den knapp 500 Förderschulen in Nordrhein-Westfalen derzeit rund 1.100 Stellen für Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen unbesetzt.“
Na das ist doch toll! Wir wollen doch keine Förderschulen mehr – die arbeiten schließlich gegen die Inklusion der SuS an Regelschulen. Und jetzt gibt’s endlich nen Grund, diese gesellschaftlich überholten Einrichtungen zu schließen: Niemand will mehr dort arbeiten! SonderpädagogInnen ziehst eben an die Regelschulen! Nicht? Ohhh, na dann weiß ich auch nicht…
Die Kolleg*innen, die die Beschulung gestalten sind durchaus nicht personenidentisch mit denen, die die Ganztagsbetreuung leisten.
Insofern wird hier ein falscher Eindruck suggeriert, obgleich das Defizit natürlich bleibt.
Hauptsache, die Darstellung passt!….Ob es richtig ist oder nicht, ist doch egal…..
… und nicht mal ne Möhre vor der Nase! Ja, wo bleibt denn da die Fürsorgepflicht?