
45 Minuten Unterricht, fünf Minuten Pause und gleicher Stoff für alle – so sieht der Alltag an vielen deutschen Schulen aus. Aus Sicht der Bildungsorganisation «Bewirken» ist dieses starre Konzept nicht mehr zeitgemäß. «Schule ist grundsätzlich sehr stark im Gleichschritt gedacht», sagte Geschäftsführerin Judith Holle der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei aber nicht unbedingt die sinnvollste Art und Weise, um gute Lern- oder Entwicklungsprozesse zu gestalten. Letztere verliefen extrem individuell, betonte Holle kurz vor dem Start des «Zukunftsforums Lernbegleitung» am Mittwoch in Berlin.
Das Zukunftsforum will Schulen, Behörden und weitere Akteure zusammenbringen, um über systemische Lösungen und die veränderte Rolle von Lehrern als Lernbegleiter zu beraten. Rund 120 Experten aus ganz Deutschland werden dazu erwartet. Zahlreiche Einrichtungen suchen laut Holle derzeit nach Wegen, ihre Lernkonzepte grundlegend neu auszurichten und vom traditionellen Gleichschrittsystem Abstand zu nehmen. «Sehr viele haben das Gefühl, irgendetwas passt da nicht mehr», sagt Holle.
«Bewirken» setzt laut Holle seit Jahren darauf, die Selbstwirksamkeit junger Menschen zu stärken und Schulen bei umfassenden Entwicklungsprozessen zu unterstützen. Das aktuelle System stünde einer zeitgemäßen Pädagogik oft im Weg. Schule sei aktuell ein Ort, in dem Beteiligungen, Selbstwirksamkeitserfahrung, Persönlichkeitsentwicklung Themen seien, die in den vorhandenen Strukturen nicht so leicht umzusetzen seien, so Holle. Schulen, die sich verändern wollen, erprobten daher zunehmend alternative Formate: projektorientiertes Lernen, Lernbüros oder flexible Selbstlernzeiten.
Von kleinen Schritten bis zur Abschaffung des Unterrichts
Die Bandbreite der Reformen sei groß. Manche Schulen reduzieren demnach zunächst nur starre Taktungen, andere gehen weiter: «Manche verabschieden sich quasi vom Unterricht und schaffen ganz viele neue Lernformate, etwa projektorientiertes Lernen», sagt Holle. Dabei entstehe eine Mischung aus selbstgesteuerten Lernphasen und gemeinschaftlichen, sozial eingebetteten Lernmomenten. Laut Holle ist der Veränderungswille inzwischen vielerorts spürbar: Es gebe ein großes Bewusstsein in vielen Schulen, dass das traditionelle System nicht funktioniere und alle erschöpfe.
Künstliche Intelligenz (KI) sieht Holle nicht als Bedrohung: «KI ist ein Katalysator für Entwicklungen, die ohnehin schon vorhanden sind», so die Expertin. Künstliche Intelligenz könne Lernprozesse individualisieren und Lehrkräfte entlasten. Entscheidend sei jedoch, dass Schüler verstehen, wie sie KI sinnvoll und kritisch nutzen. Sich einfach nur Hausaufgaben ausspucken zu lassen, biete keinen Mehrwert für den eigenen Lernprozess.
Viele Lehrkräfte fühlten sich von der Geschwindigkeit des Wandels überfordert, berichtet Holle. Geräte fehlten, digitale Kompetenzen seien ungleich verteilt, und Fortbildung sei kaum systematisch organisiert. Es gebe ganz wenig strukturierte, strategische Herangehensweise dafür, wie lebenslanges Lernen im Lehrerberuf stattfinde. Und das in einer Zeit rasanter Entwicklungen. News4teachers / mit Material der dpa
Selbstwirksamkeit fördern: Fünf Methoden, die junge Menschen zu Gestalter*innen ihres Lernens machen









Dieses von einigen schlechtgeredete Modell war aber früher sehr erfolgreich!
Es wurde erst immer weniger erfolgreich, als man anfing, daran herumzudoktern und es abzuschaffen. Die staatliche Schule hat ja viele Reformideen aufgegriffen. Seither sind die Lernergebnisse schlechter und nicht besser geworden.
“Dieses von einigen schlechtgeredete Modell war aber früher sehr erfolgreich!”
Und das wissen Sie – woher? Die ersten Tests dieses “sehr erfolgreichen” Modells (TIMSS 1996 und PISA 2000) zeigten ein anderes Bild.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Aber 1996 und 2000 war dieses “alte Modell” doch schon längst nicht mehr da, die Abkehr z.B. vom Frontalunterricht erfolgte viel früher in Westdeutschland; im Osten etwa seit der Wende.
Praktischerweise liegt dieses paradiesische Früher in einer nebulösen Zeit ohne Daten – da lässt sich alles behaupten. Die Analphabetenquote unter (deutschstämmigen) Senioren weist allerdings in eine andere Richtung.
Und was die DDR-Schule betrifft: “Es muss an dieser Stelle nochmal betont werden: Der Alltag in der DDR war repressiv-autoritär. Und das begann bereits in der Schule. Nicht freiheitliches Denken, sondern Unterordnung wurde gelehrt. Die Lehrer und Lehrerinnen gaben vor, wie die Welt aussieht. Das musste dann widerspruchlos übernommen werden.” Gerne hier nachlesen: https://www.deutschlandfunk.de/ddr-wiedervereinigung-aufarbeitung-von-unten-100.html
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Analphabetische Senioren aus der Zeit waren im Bereich des ersten Weltkriegs oder zwischen den Weltkriegen in der Schule. Sie können kaum behaupten, dass die damalige Zeit auch nur ansatzweise mit der heutigen Zeit oder den 1980er Jahren vergleichbar ist.
Wer heute 65 ist, kam 1966 in die Schule – also mitten im vermeintlichen Bildungsparadies.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Frau Holle schüttelt eine ganze Menge an Reformideen über das deutsche Schulwesen.
Mit welchen konkreten Ressourcen sollen diese auf fruchtbaren Boden fallen?
Woher nimmt Sie Ihre Expertise über die Arbeit an den Schulen vor Ort?
Gerne hier nachschauen: https://bewirken.org/unlearn-school/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Der Berliner “Bildungsumbruch” (besser weiterer Abbruch) wirkt wie der Versuch, den Niedergang fachlicher Bildung als Reform zu verkaufen – während die Realität längst schwarz auf weiß vorliegt. In Berlin verfehlen 36,9 % der Neuntklässler den Mindeststandard in Mathematik für den MSA, also mehr als jeder Dritte. In den Naturwissenschaften sieht es nicht besser aus: Der IQB-Bildungstrend spricht von einem deutlichen Leistungsabfall in Biologie, Physik und Chemie.
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/10/iqb-bildungstrend-berlin-brandenburg-
mathematik-naturwissenschaften-kompetenz.html
Und vor diesem Hintergrund erklärt man nun, Berlin müsse sich vom „Gleichschritt“ verabschieden – in einer Stadt, in der fachlicher Gleichschritt schon lange nicht mehr existiert, weil die Leistungsniveaus auseinanderfallen wie ein schlecht gebundener Hefter. Dann heißt es: „Schule sei aktuell ein Ort, in dem Beteiligungen, Selbstwirksamkeitserfahrung, Persönlichkeitsentwicklung Themen seien, die in den vorhandenen Strukturen nicht so leicht umzusetzen seien“. Das klingt besonders überzeugend, wenn gleichzeitig ein Drittel der Jugendlichen nicht einmal die Mindeststandards in Mathe erreicht. Selbstwirksamkeit scheint vor allem darin zu bestehen, selbst zu entscheiden, ob man überhaupt lernt.
Der Running Gag folgt auf dem Fuß: „Es gebe ein großes Bewusstsein in vielen Schulen, dass das traditionelle System nicht funktioniere und alle erschöpfe.“ Das traditionelle System? In Berlin? Das, was man schon vor Jahren abgeschafft hat, weil es zu sehr nach Fachlichkeit, Verbindlichkeit und überprüfbaren Leistungen roch? Man beklagt den Einsturz eines Hauses, das längst abgerissen wurde.
Und dann die Krönung: „Manche verabschieden sich quasi vom Unterricht und schaffen ganz viele neue Lernformate, etwa projektorientiertes Lernen. Dabei entstehe eine Mischung aus selbstgesteuerten Lernphasen und gemeinschaftlichen, sozial eingebetteten Lernmomenten.“
Übersetzt: Fachunterricht fällt aus, aber diesmal mit pädagogischem Etikett. Eine Mischung aus projektorientiertem Arbeiten im „Team“, bei dem am Ende der eine leistungsstarke, noch arbeitswillige Schüler wieder alles stemmen darf und die anderen für die Teamnote mitsurfen, und angeblich gemeinschaftlichen Lernmomenten, die den fachlichen Anspruch weiter verdünnen – kein Wunder, dass genau dieser Schüler die Schnauze voll hat. Die mathematischen und naturwissenschaftlichen Grundlagen erodieren munter weiter.
Der eigentliche Umbruch besteht also darin, dass man den Verlust ernsthafter fachlicher Bildung nicht mehr kaschiert, sondern als Fortschritt verkauft – während die Leistungsvergleiche längst zeigen, wohin dieser Weg führt.
Mich erschöpft irgendwie, dass das traditionelle System nicht mehr angewandt wird und ich meinen Kindern das beibringen muss, was gemäß ihrer Schulklasse alles so gelehrt werden soll und nun aber nicht wird. Wann mal jemand länger als 5 Minuten am Stück still gesessen und gearbeitet hat, mein Kind erinnert sich daran nicht. Dem Stoff aus den altersgerechten Lernheften verschiedenster Verlage ist es auch noch nicht begegnet. Die meisten Eltern bekommen das noch nicht mal mit und da sind wir wieder bei dem Punkt – Bildung funktioniert nur da, wo sich Eltern zuhause dafür einsetzen. Leider.
Das ist die traurige Realität und das Ergebnis diverser Schulreformen.
„Schule sei aktuell ein Ort, in dem Beteiligungen, Selbstwirksamkeitserfahrung, Persönlichkeitsentwicklung Themen seien, die in den vorhandenen Strukturen nicht so leicht umzusetzen seien“. Das klingt besonders überzeugend, wenn gleichzeitig ein Drittel der Jugendlichen nicht einmal die Mindeststandards in Mathe erreicht. Selbstwirksamkeit scheint vor allem darin zu bestehen, selbst zu entscheiden, ob man überhaupt lernt.
Vielleicht ist Mathe zunächst auch nicht das richtige Fach zum Selbstwirksamkeit zu erfahren.
Kürzlich besuchte ich eine Veranstaltung. Die Moderatorin auf der Bühne trat auf wie bei einer Multi-Level-Marketing-Verkaufsschau, wobei es eigentlich keine war. Da wurde alle 30 Sekunden geklatscht und gejublet. Im Anschluss habe ich sie für ihre Performance gelobt und sie gefragt was sie beruflich macht. Lehrerin.
Wenn sie an der Schule so unterrichten muss damit sie Gehör findet ist was schräg.
Selbstwirksamkeit wird durch praktisches Handeln erlebt.
Das praktische Handeln durch projektorientiertes lernen oft nicht gut funktioniert, liegt daran, dass, bevor Kinder diesen Schritt tun können, sie erstmal Fähigkeiten wie z.B. Diziplin üben müssten. Das fehlt, wegen einer falsch verstandenen bedürfnisorientierten Erziehung.
Wie dieses mehr an Freiheit mit den zentralen Abschlussprüfungen vereinbar sein soll, müsste man mir mal erklären. Ja, es gibt viele Wege nach Rom, nur sind die kürzeste Entfernung zwischen dem Startpunkt und Rom sowie die verfügbare Reisezeit vom Startpunkt bis Rom für alle gleich. Dieser Weg ist je nach Nutzung der Freiheiten länger oder kürzer, manchmal auch so steinig und schwer, dass alles außer dem kürzesten Weg das Ziel in der vorgegebenen Zeit unerreichbar macht.
Man macht die Prüfung, wenn man bereit ist. Die Einen brauchen länger, die anderen kürzer. Was soll es, Hauptsache, sie kommen ohne Lücken durch. Mit dem richtigen System, nämlich so lange ein Thema bearbeiten müssen, bis mindestens ein Mindeststandard erreicht ist. Heißt, wenn beim Gelingensnachwris auffällt, dass ein Teilbereich nicht sitzt, weiter lernen und diesen Beteich nochmal abprüfen. Halte ich für zielführender, als alle im gleichen Zeitrahmen durchzuprügeln oder ganze Jahre in allen Fächern (somit auch den guten) wiederholen zu lassen oder auf 4er-Niveau mit vielen Lücken durchzuwinken.
Ihr Vorschlag scheitert an der schulpolitischen Realität. Es sollen möglichst wenige Schüler zurückgelassen werden und eine Jahrgangsstufe wiederholen soll im Idealfall niemand.
Ja, an der jetzigen schulpolitischen Realität. Muss es denn so bleiben?
Ich frage mal etwas provokant:
Wo ging der Trend denn die Jahre hin?
Wo geht er aktuell hin? Also als Tendenz.
Und schon haben Sie eine Antwort darauf. Sorry … Ich bin ja auch gerne in “Ideologiedenken” dabei … Bleibt nur eben bei Denken, solange es keinen Kollaps gibt und/oder man zuvor tatsächlich mal sinnvoll handelt bzw. handeln würde.
Aber “dagegen”/”dafür” gibt es eben viele Gründe, warum der Trend so ist, wie er ist.
Tipp: Aktueller Trend -> Aufbewahrung/Aufsicht/Anwesenheit des Kindes + Arbeit der Eltern ist höher gewichtet als Bildung.
Und das sieht für die Zukunft erstmal als potentieller Trend für mich … Eher nach mehr aus. Ansonsten macht das politische Agieren auch absolut keinen Sinn.
Man macht die Prüfung, wenn man bereit ist. Die Einen brauchen länger, die anderen kürzer. Was soll es, Hauptsache, sie kommen ohne Lücken durch.
Da wir immer Material-gestütze Aufgaben haben, finde ich es in den Naturwissenschaften teilweis schon jetzt schwierig, eine Nachschreibe-Klassenarbeit bzw. -Klausur zu erstellen, die aber ander Aufgaben beinhaltet.
Wie soll ich dann vielleicht 15 verschiedene Arbeiten erstellen, die aber vergleichbar sind? – Selbst in einer Material-basierten mündlichen Prüfung ist das z.T. echt schwer.
Müssen sie denn so verschieden sein. Es werden heute auch schon die gleichen Arbeiten für Nachschreiber benutzt. Zumindest an der Schule meiner Tochter.
Oder man bemüht die KI, um sich inspirieren zu lassen. Vielleicht kommt da sogar der eine oder andere gute Vorschlag.
Wieso wir? Das kommt doch dann zentral. Und ansonsten bekommen natürlich alle die selbe Arbeit. Mir doch egal, ob dadurch das Niveau sinkt. Da bin ich ganz Bildungsdrohne.
Die Bildungsinitiative ‘Schland 2035 scannt den Nutzer “Hans Malz” und berechnet: Beförderung zum “Sonderbeauftragten für Spezialfragen” als mindestes Karriereziel im nächsten datengestützten Feedback-wise-crowd-Verfahren anvisieren.
Nur bei einem ganz extrem niedrigen Anspruchsniveau ist so ein Prüfungssystem aussagekräftig und für die Lehrer vom Aufwand her zu leisten.
Ziel erkannt.
Dafür bräuchte es einfach mehr Personal. Wenn die Hälfte der Klasse den Mindeststandard nicht erfüllt, ist mein Gefühl im Moment, alle haben zu warten, bis es so weit ist. Das straft diejenigen ab, die die Standards übererfüllen. Das “jeder lernt in seinem Tempo” klingt so schön, aber die eine Hälfte lernt irgendwie nix, weil sie wartet oder aufgrund fehlender personeller Ressourcen nur mit einem “Mehr” an Aufgaben versorgt wird, was diese als Strafe empfindet. So leidet die Motivation. Genauso im Übrigen die Idee, dass Schüler dann als Experten mit den anderen arbeiten – auch das empfinden die meisten Schüler nach mehr als einem Versuch als unschön.
Wir reden hier doch von Lernen OHNE Gleichschritt. Dann muss keiner warten. Das geht nur mit gut gecoachtem und langsam eingeführten (sprich mehr Freiheiten nach Beweis des Verantwortungsbewusstseins) SOL. Von den Schulklasse mit Unterricht muss man sich dann verabschieden!
Wie kommen Sie darauf, dass das funktionieren würde?
Und unter welchen Rahmenbedingungen?
Konkretisieren Sie das doch bitte etwas.
Ich bin mir ehrlicherweise nicht sicher, ob Sie das nicht etwas zu “theoretisch” sehen.
Vieles klingt in der Theorie sehr gut. Allerdings muss man sich auch den jeweiligen Grenzen bewusst sein.
Das sehe ich (leider) auch … Also: Wie stellen Sie sich das vor?
Lerninseln?
Montessori?
Waldorf?
Freinet?
Iwas anderes?
Komplett egal?
Wie die Rolle der Lehrkraft?
Wie die Rolle der Eltern?
Wie die Rolle des Kindes/der Kinder?
Wie ggf. andere “Parteien/Profile”? [Multiprofessionelles Team?]
Ansonsten klingt das etwas – sorry – “floskel flach”.
Alemannenschule Wutöschingen https://asw-wutoeschingen.de/
Ich finde, die machen das schon gut.
Nennt sich Schmetterlingspädagogik
https://deutsches-schulportal.de/konzepte/alemannenschule-wutoeschingen-mit-der-schmetterlingspaedagogik-zum-lernprofi/
Die Rahmenbedingung ist, die Gefühle und Fantasterei so sehr zu steigern, dass man das reale Nicht-Lernen ausblendet.
Pro Gruppe habe ich mindestens 22 SuS.
Pro 22 SuS sind MINDESTENS zwei in irgendeiner Weise diagnositziert, real sind insgesamt ziemlich genau die 10%, die in anderen BL so durchfliegen weder irgendwie erzogen noch schulfähig oder (was das eigentliche Kernproblem ist) schulWILLIG in irgendeiner Form, die über “amateurpsychologisch wegbetreuen” hinausgeht.
Macht 4 pro Gruppe, kommt recht genau hin (mal drei, mal fünf, dort sechs, da keiner usw.)
Ich würde ernsthaft 100 EUR Eintritt pro zwei Stunden Bildungsshow als Zuschauer zahlen, um dabei zuzusehen wie diese Gruppen “in ihrem eigenen Tempo” dann … “lernen”.
Und die “Gelingensnachweise” erst…das wird ‘ne ganz große Show.
ENTWEDER die “große Freiheit” beim Lernen wird eine Lüge sein (“gut gecoacht und langsam eingeführt” könnte man das dann zum Beispiel nennen, wenn in Wirklichkeit halt DOCH der Lehrer wieder verantwortlich gemacht werden soll, wenn es schief geht und er/sie mikro-kontrollierend durch die Lernlandschaft den einzelnen SuS nachspringt, die sich irgendwo hin verdrücken wollen), die der Lehrer als Show durch völlige Überarbeitung bei gleichzeitiger Niveausenkung vorsimulieren soll…ODER es fliegen nach der maximalen Verweildauer im Schulsystem massenweise SuS komplett ohne Abschluss raus, weil sie faktisch auf Sonderschulniveau oder drunter “lernen”(=Sauerstoff verbrauchen, mit Kumpels abhängen) werden.
45 Minuten pro Stunde, 22-23 SuS im Schnitt…45 durch 23 = ca. 2 Minuten pro Kind OHNE jede Form von Dokumentation und Anwesenheitskontrolle…eine Bildungsdrohne und ein TASCHENRECHNER reicht, um den Mumpitz als die Fantasterei zu entlarven, die es ist.
Aber Dividieren kann demnächst ja auch eh keiner mehr, dann passt das schon. 😀
Es gibt SuS, mit denen das geht. Die anderen kann man ja dann nach dem neuen englischen Konzept beschulen. Ich habe nie behauptet, dass das für jedes Kind etwas ist. Genauso, wie nicht jedes Kind gut mit zu viel Struktur, Gleichschritt und lauten Klassen klar kommt. Wir sind alle Individuen und heute anscheinend noch heterogener als in der Vergangenheit wahrgenommen. Da sollte man drauf reagieren und nicht nur immer sagen, dass es nicht geht, weil….
Ich bin in den 90ern bis Anfang der 2000er super durch die Gleichschrittschule in Sachsen gekommen, erst auf der Grundschule, dann auf dem Gymnasium. Mein Bruder auf der Realschule. Die DDR-Lehrer waren fachlich und didaktisch bockstark und nach der Wiedervereinigung war der Unterricht ideologiebefreit. Es war eine tolle Zeit: wir waren vormittags gut gefordert und haben alle (!) was gelernt, nachmittags haben wir Blödsinn gemacht.
Ich würde mir für meine Kinder genau diese fordernde Gleichschrittschule wünschen, in der mit guter Anleitung und fundiert unterrichtet wird, man Fähigkeiten und Wissen strukturiert aufbaut und man nicht “lernbegleitet”.
Leider müssen wir bei unseren Kindern sehen, wie die Segnungen des schülerzentrierten und selbstgesteuerten Lernens deren Potentiale brachliegen lassen. Wir mussten und müssen enorm viel zuhause nachholen, von der Schreibschrift über die Rechtschreibung bis zum Einmaleins. Es wird viel zu wenig geübt und viel zu viel Selbstständigkeit verlangt. Bei Gruppen- oder Projektunterricht ätzen meine Kinder nur noch rum, denn sie merken selbst, dass sie dabei nicht vorankommen. Die Ergebnisse in Form von Lapbooks oder Präsentationen sind gruselig.
Meiner Meinung nach basteln sich die vielen BildungsforscherInnen (merkwürdigereise meist weiblich) eine Bildung nach ihrem Gusto, so wie sie sich ihre Wunschschule vorstellen. Mit der Realität da draußen und den Wünschen und Bedürfnissen der Schüler und Lehrer hat das alles nichts mehr zu tun.
“Ich bin in den 90ern bis Anfang der 2000er super durch die Gleichschrittschule in Sachsen gekommen.”
Schön für Sie. Die Ergebnisse für Deutschland waren in dieser Zeit – desaströs. Gerne hier nachlesen: https://www.stochastik-in-der-schule.de/sisonline/struktur/jahrgang17-97/heft2/1997-2_INF_TIMSS.pdf
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Da muss man natürlich bedenken, dass die ganzen internationalen Studien nur die im englischen Sprachraum verlangte Art des Lernens abfragten, die es in Deutschland bis dahin nicht gab. Das Diplom und Made in Germany hatten damals weltweit noch Gewicht.
Klar, gilt alles nicht – die deutschen Schüler waren viel besser. Im Geheimen.
Muss ja so gewesen sein, weil früher in Deutschland ja alles unglaublich toll war, viel besser als woanders und vor allem als heute. (Spaß)
Schon mal vom Begriff “Retromanie” gehört?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Wie schneiden denn SuS in Vergleichstests von damals zu heute ab?
Gibt es dazu valide Studien? Also wo man “alte Tests” mal “heutzutage” geschrieben hat? Wie fallen dann die SuS-Ergebnisse im Vergleich aus?
Wie waren damals die I-Quoten der jeweiligen Länder im Vergleich?
Man kann natürlich 5% (oder mehr) der I-Kinder in einigen “Ländervergleichstests” rausnehmen. Man kann sie eben auch inkludieren.
Siehe Ihr schonmal angebrachtes Beispiel von Japan. Hier wird gerne durchaus Inklusion als hohe Zahl angeführt. Diese [untere Spitze] in Vergleichstests jedoch rausgenommen.
Macht man sich da noch ehrlich?
Gerade Japan ist ein gutes Gegenbeispiel.
Hohe Inklusionsquote. Oft wenig tatsächliche Inklusion. Starke Förderung nach oben und Bestenauslese. Dazu enorme Elternförderungen. Der Anspruchswert an Schule [Leistung der Oberen] massiv.
Wie sehen Sie das?
“Wie schneiden denn SuS in Vergleichstests von damals zu heute ab?
Gibt es dazu valide Studien? Also wo man “alte Tests” mal “heutzutage” geschrieben hat? Wie fallen dann die SuS-Ergebnisse im Vergleich aus?”
Ich finde, das kann man nicht vergleichen. Früher hatte man mehr Zeit, um das Gelernte zu verinnerlichen. Zum Einen, weil nicht so viel Unterricht ausgefallen ist (bspw. heute kommt es vor, dass Physik zum 1. Mal in Kl. 8 unterrichtet wird) und zum anderen, weil heute noch so viel anderes dazugekommen ist, was gekonnt werden muss, bspw. Online-Recherche, Referate mit ppt, Projektarbeit etc.
Daher fände ich so einen Vergleich ziemlich ungerecht und zeigt auch nur, dass zu viel gemacht wird. Damit meine ich aber nicht, dass wir zurück zum Alten sollten, sondern eher Abspecken. Es braucht in Deutsch nicht die 20. Analyse oder inneren Monolog zu irgendeinem Text. Oder in Englisch müssen nicht x-tausend Vokabeln pro Jahr neu dazukommen, wovon man mehr als die Hälfte nie wieder braucht und sowieso wieder vergisst. Religion wurde ich ganz rausgehen und eher einen Werteunterricht machen. Ein bisschen mehr auf die Basics runterschrauben und mehr Luft zum Anwenden lassen.
Allerdings spielt die Redaktion ja auf die Ergebnisse von damals an.
Daher müsste man sie durchaus vergleichen. Eben unter genau diesen Aspekten? Dass das nicht sonderlich “fair” ist … Ist klar. Die Fokuspunkte sind andere.
Aber dann braucht man auch keine “desaströsen Ergebnisse” erwähnen, wenn damals systemisch anders getestet wurde.
Wenn Kompetenzen getestet werden und nicht primär Wissen … Man aber ggf. wissenstechnischer arbeitete – logischerweise sieht man das dann bei Testungen.
Andersrum genauso.
Schaut man sich Tests und Schulstoff in Mathematik im Asiatischen Bereich an. Oder konkreter China … Wird man auch deutliche Unterschiede feststellen.
Ist halt mal so.
Systemisch muss man überlegen, wo man hin will. Also einen Erwartungshorizont aufstellen.
Dann den Anspruch.
Dann schauen, ob die Ressourcen da sind – wenn nicht, dann müssen diese gemacht werden.
Alles andere ist unlogisch dazu.
Man könnte auch schauen, welche Ressourcen man hat und damit dann eine realistische Erwartungshaltung aufstellen. Über Anspruch brauchen wir dann allerdings an mancher Stelle weniger sprechen.
Man kann auch erst den Anspruch überlegen. Schauen, ob der mit den Rahmenbedingungen möglich ist. Dementsprechend kommt man dann auf eine logische Erwartungshaltung.
Was halt nicht geht ist … Hohe Erwartungshaltung. Kein bis kaum Rahmenbedingungen dafür. Und dazu dann noch hoher Anspruch. Wie soll das denn gehen?
Systemisch haben Kompetenzen durchaus Berechtigungen meiner Meinung nach. Hier sprechen wir dann aber von hohen Ressourcen. Weil das erstmal Wissen voraussetzt. Und dann mit diesem Wissen arbeitet als Kompetenzen. Und das braucht … Zeit und Ressourcen. Also den Rahmen.
Kompetenzen ohne Wissen? Das wird nicht sonderlich klappen. Oder zumindest nur bei einem kleinen Teil der SuS. Die holen sich dann wiederum das Wissen über die Kompetenzen.
Man kann über Kompetenzen ja an Wissen gelangen … Muss man nur wollen. Und machen. Und dann sind wir wiederum bei Kompetenzen + Wissen.
Es muss immer beides sein.
Und dazu ist “unser Schulsystem” schlichtweg oftmals weder ausgestattet, noch ausgebildet.
Aber auch hier wieder … Scheindiskussion:
Es fehlt NICHT am Wissen – es fehlt am HANDELN. Der Rahmenbedingungen.
Die Grundpfeiler sind immer:
– Je kleiner das Deputat – je mehr Zeit pro Einheit
– Je kleiner die Klassen – desto weniger der potentielle Stress, die Zeit je Kind, die Individualisierungswünsche/Differenzierung
– Je mehr Personal …
Usw.
Und was ist das Tolle daran?
Das geht in jedem System/jeder Pädagogik. Schadet nirgends sonderlich.
Das sind Ankerpunkte, welche immer greifen. Zumindest mehr als anderes oft.
Und das gilt für:
– Kompetenzen
– Wissen
– Sozialisierung
Und das Zusammenwirken dessen.
Weiß man nicht? Stimmt nicht.
Dazu kommen dann (eigentliche) “Detail-No-Brainer”… Schule ab 9 Uhr. Das mit “ab 8 Uhr” ist schon seit Jahrzehnten absolut klar, dass das nicht bildungstechnisch sinnvoll ist. Das beruht rein auf “Arbeitszeiten der Eltern” [Wirtschaftsgründe].
Hat man das bisher geändert? Nö.
Was man durchaus machen kann … “Projektschulen” und “Traumkonzepte” für in 10-15 Jahren, wenn wir einen Bildungskollaps potentiell haben werden (als Trend dorthin). Damit man ein Konzept hat dies dann so aufzubauen. Aber auch hier wird man dann massivst investieren können. Und “von Null an” dann … Ist high risk.
Im Übrigen wäre auch bildungstechnisch und -logisch ein “Ethik für alle”/”Werteerziehung” absolut sinnvoll. Nur auch hier … CDU/CSU trägt es schon im Namen. Die Gesetzesverankerung von Religion(en) zudem. Und natürlich auch hier “Angst vor Druck” etc.
Aber rein bildungstechnisch? Klar …braucht man sich nichts vorzumachen meiner Meinung nach.
Ich stimme Ihnen voll zu!
Da kann ich als Englischdrohne nur voll mitgehen – diese tausebden nutzlisen Vokabeln sind doch Quatsch.
Vokabeltests sind auch überflüssiger Druck und autoritärer Mist…sind pro Woche ca. 20 Minuten pro Gruppe = gerundet mit LRS-Klimbim ca. 1,5 Stunden mehr Freizeit für mich.
Daher gibt diese Bildungsdrohne ihnen recht.
Und wenn überhaupt werden die Vokabeltests freiwillig von den Sitznachbarn ohne Note korrigiert.
Moderne Drohne ist modern – erstellen tut DeepSeek, ausdrucken word, korrigieren der Schüler, Noten sind abgeschafft weil böse.
Perfekter Start Richtung ‘Schland 2035.
Da muss man nur Vaters oder Oppas Hauptschulhefte (!) in Mathematik vom Speicher holen und neben die Mathehefte heutiger Gymnasiasten (!!) legen.
Und die Augen aufmachen.
Aber nicht zu sehr – nach langer Blindheit schmerzt Tageslicht erstmal.
Von dem was als “Handschrift” oder “Heftführung” durchgeht garnicht zu sprechen.
Erzählungen aus dem Paulanergarten. Im Strammstehen waren die Schüler früher sicher auch besser.
Wie wenig solche Behauptungen bringen, lässt sich leicht anhand von Abituraufgaben deutlich machen – heute zentral (auch die Kurslehrer kennen die Aufgaben nicht), früher vom Lehrer vorgegeben (der seine Schüler auf den Punkt vorbereiten konnte). Was ist wohl schwerer?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Kann ich aus eigenem Erleben als Lehrkraft sagen:
Früher war schwerer, zumindest für meine Kurse.
Für meine Kurse auch.
In meinen Fächern brauche ich die Abituraufgaben nicht zu kennen. Ich nehme einfach die alten, weil die sich zwar nicht wörtlich, aber von den Lösungswegen, Strategien und Aufgabenstellungen mindestens alle paar Jahre wiederholen. In diesem Sinne sind die zentral gestellten Abituraufgaben einfacher und sowohl für mich als auch meine Schüler vorhersehbarer.
Schüler machen bekanntlich in der Regel nur einmal Abitur und wiederholen es nicht alle paar Jahre. Seien Sie versichert: Aus Schülerperspektive ist das nicht so.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Oh doch, weil ich ihnen zur Abiturvorbereitung die alten Abituraufgaben zur Verfügung stelle. Zusätzlich gibt es noch Lehrwerke mit ähnlichen Aufgaben im Handel zu erwerben.
Es macht doch wohl einen Unterschied, ob Sie auf einen ganzen Strauß von möglichen Aufgaben hinweisen – oder auf genau die Aufgabe hin unterrichten, die Sie selbst konstruiert haben.
Welcher Lehrer wollte sich denn früher die Blöße geben, dass sein Kurs durchfällt? Natürlich wurde auf den Punkt hin vorbereitet, was heute schlicht nicht mehr möglich ist.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Hey, Sie müssen mich nicht überzeugen.
Ich spreche jetzt schon von mir selbst gerne als “Lernbegleiter” und beruhige, dass an der GS ja “ganz ohne Notendruck” Zeit ist, sich zu “entwickeln” bis zur 10.
Sie haben (was mich betrifft) schon lange “gewonnen”, das ganze große Bildungsschlachtfeld ist von den freien Gefühlsrebellen ohne Strammstehen erobert, das böse Lern-Imperium besiegt.
Ich mache hier nur meine Arbeit – und die wird natürlich so deutlich entspannter in absolut jeder Hinsicht.
Natürlich weiß ich trotzdem, was eigentlich richtig wäre.
Aber das ist nicht gefragt, wenn ich auf Schicht bin. Habe ich kein Problem mit.
Ein System ist dafür da, was es tut.
Wir wollen Sie auch gar nicht überzeugen. Wir möchten aber schon in diesem öffentlichen Forum deutlich machen, dass diese dünne “Früher-war-alles-besser-Nummer” (die natürlich meint: Ich war besser als ihr heute seid) davon lebt, dass sie nichts belegt und ihr niemand widerspricht.
Klopft man mal auf den Busch – bleibt davon nichts weiter übrig als von Opas Seemannsgarn von anno dunnemal.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ein schönes Beispiel in dem Zusammenhang ist immer die Feldpost aus dem ersten Weltkrieg. So ein Deutsch, so einen Wortschatz sucht man an den heutigen Gymnasien vergeblich.
Geschichten aus dem Paulanergarten. Gerne mal “Im Westen nichts Neues” lesen – Thema: Analphabetismus unter Soldaten.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Die Engländer machen es anders und sind auch erfolgreich. Mehr Konkretes im Lehrplan, Kompetenzorientierung weg und in PISA wirds besser.
Auch, wenn ich mich wiederhole: es muss nicht schwarz oder weiß geben. Sie könnten parallel in unterschiedlichen Schulen praktiziert werden. Für die Kids, die eine strengere Führung benötigen und vielleicht schlechtere Vorausetzungen von Zuhause, die englische Variante. Für die Freigeister, die vielleicht auch schon von Zuhause bedürfnisorientiert erzogen wurden oder die schon bessere Voraisetzungen haben, die SOL Variante.
Pädagogik war immer schon eine Grauzone und nie schwarz oder weiß richtig.
Ah, gut zu wissen, dass die Kompetenzorientierungen des Übels Wurzel sind…wäre ja geradezu magisch, wenn Leistungen sich allein durch Ihre Beschreibung veränderten.
Schöner Wunsch, aber die Realität steht dem klar entgegen. Woher die (ausgestatteten) Räume nehmen, woher die zusätzlichen Aufsichtskräfte. Ist bekannt, dass Klassen nach wie vor eher zwischen 26-30 SuS groß sind …??! Individualisierung nicht möglich!! Schüler müssen in der 5 min Pause auch toben dürfen. Nein, ich kann nicht parallel dazu – hinter einer nicht isolierenden Tür – kobzentriert weiter unterrichten.
Also, ganz einfach: stellt die Mittel zur Verfügung, dass auf jeden LuL 10-12 SuS kommen, … dann können wir weiterreden!!