Start Nachrichten In nur einem Bundesland: Über 2.000 Kinder müssen erste Klasse wiederholen

In nur einem Bundesland: Über 2.000 Kinder müssen erste Klasse wiederholen

6
Anzeige

HANNOVER. Mehr als 2.000 Mädchen und Jungen in Niedersachsen müssen einem Zeitungsbericht zufolge im neuen Schuljahr die erste Klasse wiederholen. Das geht nach einem Bericht der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» aus Erhebungen des niedersächsischen Kultusministeriums hervor. Schulleiter bemängelten demnach, Kinder hätten zunehmend weder die sprachlichen noch die motorischen Fähigkeiten für einen normalen Unterricht, sie könnten sich in vielen Fällen nicht lange konzentrieren.

Schwieriger Start. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

«Das ist der furchtbarste Anfang einer Schullaufbahn, den man sich vorstellen kann», sagte der Vorsitzende des Schulleitungsverbandes Niedersachsen, Matthias Aschern, der Zeitung. Dem Bericht zufolge geht die Zahl der Wiederholer je nach Schule weit auseinander: In rund 660 der landesweit über 1.600 Grundschulen habe es keinen einzigen Wiederholer gegeben, in anderen Schulen dagegen eine zweistellige Zahl.

«Die Lehrkräfte scheitern an ihrem Anspruch, allen Kindern gerecht zu werden», sagte der Vorsitzende des Verbands Leitungen Niedersächsische Grundschulen, Jörg Bratz. «Das System Schule ist am Anschlag. Der Lehrkräftemangel verschärft das Problem noch.» Im neuen Schuljahr nach den Sommerferien, das heute in Niedersachsen beginnt, werden Prognosen zufolge rund 80.000 Erstklässlerinnen und Erstklässler erwartet. Diese werden traditionell erst am Samstag eingeschult. News4teachers / mit Material der dpa

Mehr als fünfzig Erstklässler bleiben sitzen: Duisburger Grundschule meldet neuen Negativrekord

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
6 Kommentare
blau
1 Tag zuvor

Endlich wieder Schulkita einführen

ed840
1 Tag zuvor

Was sagt die Bildungswissenschaft dazu?

Sind Klassenwiederholungen aus pädagogischer und wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und erfolgreich?

Hansjoachim
22 Stunden zuvor
Antwortet  ed840

Die wichtigere Frage wäre ja wohl, warum das hier stimmt, besonders das „zunehmend“, und was man dagegen tun könnte:

„Schulleiter bemängelten demnach, Kinder hätten zunehmend weder die sprachlichen noch die motorischen Fähigkeiten für einen normalen Unterricht, sie könnten sich in vielen Fällen nicht lange konzentrieren.“

Sepp
4 Stunden zuvor
Antwortet  ed840

Die Frage ist doch eher:

Ist es aus pädagogischer und wirtschaftlicher Sicht sinnvoll und erfolgreich, Kinder mit fehlenden Basiskompetenzen einfach mitzuziehen, damit sie irgendwann gar keine Chance mehr haben, die Defizite aufzuholen und völlig demotiviert sind?

Nur wiederholen zu lassen, wird es vermutlich nicht richten, sondern es muss regelmäßige Elterngespräche („Was können Sie tun?“) und zusätzliche Fördermaßnahmen für die Kinder geben.

Rainer Zufall
17 Stunden zuvor

Ich hin ja schon beinahe dankbar, dass solche Zahlen zumindest nicht (mehr) unter den Teppich gekehrt werden.
Naja, Tor auf für Distanzierung, Leugnung und lausige Solidarität

Palim
14 Stunden zuvor

In NDS ist nur ein Freiwilliges Zurücktreten möglich, es gibt gar keine Versetzung und entsprechend auch kein „Sitzenbleiben“ am Ende der 1. Klasse,
die 1.+2. Klasse wird zudem als Lerneinheit betrachtet.

Es ist möglich, das Zurücktreten Ende 1 umzusetzen, ebenso ist es möglich, ein Zurücktreten im laufenden Schuljahr vorzunehmen, sodass das Kind im Herbst oder Winter der 2. Klasse in die 1. Klasse wechselt.

Bedenken muss man auch, dass es keinerlei Förderstunden für D und Ma gibt, sie sind nirgendwo vorgesehen, wenngleich es jetzt mit dem „Fach Sichere Bildung“ in Klasse 1 eine zusätzliche Unterrichtsstunde für alle gibt, um grundlegende Kompetenzen zu stärken, bei einer insgesamt geringeren Pflichtstundentafel als in anderen Bundesländern.

Die sonderpädagogische Grundversorgung beträgt max. 2 Stunden pro Woche pro Klasse, die jedoch nicht den Klassen zugeordnet sind, sondern innerhalb der Schule auch in Schwerpunkten verteilt sein können. Aus dieser Grundversorgung erfolgt die Prävention, die Überprüfung für Gutachten und die Förderung – also alles, was so nicht möglich ist.

Mögliche DaZ-Stunden müssen umfangreich beantragt werden, werden dann gekürzt bewilligt und beim ersten längeren Ausfall einer Lehrkraft an der Schule nicht ersetzt , sondern ersatzlos gestrichen werden, um den Pflichtunterricht zu besetzen – für die Dauer des Schuljahres.
Hinzu kommen über 400 unbesetzte Stellen, davon gut 230 an Grundschulen, also 230 unbesetzte Klassenlehrerstellen und doppelte Klassenführungen in Schulen, in denen Vertretungskräfte früher oder später einspringen (Qualifizierung Lehramts-Bachelor) und auch die DaZ-Förderung gestrichen werden muss und für die Dauer der Unterversorgung gestrichen bleibt.