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Mehr Unterichtsverpflichtung par ordre du mufti? Referendar*innen protestieren

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DRESDEN/LEIPZIG. Sachsens Referendarinnen sollen künftig mehr selbstständig unterrichten: Die Unterrichtsverpflichtung im Vorbereitungsdienst soll von zwölf auf 14 Wochenstunden steigen. Dagegen wenden sich ehemalige und aktuelle Lehramtsanwärterinnen in einem Offenen Brief an Kultusminister Conrad Clemens (CDU) und den Präsidenten des Landesamts für Schule und Bildung (LaSuB), Patrick Schreiber. Sie kritisieren nicht nur die zusätzliche Belastung, sondern auch das Verfahren: Die Änderung sei kurz vor den Sommerferien angekündigt worden, ohne die Ausbildungsstätten einzubeziehen.

Par ordre du mufti. Karikatur: News4teachers

Der Ton des Offenen Briefs ist scharf. Die Verfasser*innen kritisieren, dass sie künftig 14 statt zwölf Wochenstunden selbstständig unterrichten sollen, ohne dafür mehr Geld zu erhalten. „Zu dieser unerfreulichen Nachricht kommt ein Verhalten, welches einfach nur noch als dreist erscheint.“ Die Ankündigung der Stundenerhöhung sei durch einen Schulleiterbrief eine Woche vor den Sommerferien erfolgt; die Ausbildungsstätten seien in den Prozess nicht eingebunden worden. Dass zu Beginn der Vorbereitungswoche noch die rechtliche Grundlage in Form einer geänderten Lehramtsprüfungsordnung II gefehlt habe, bezeichnen sie als „kommunikatives Desaster“.

Dabei verstehen die Lehramtsanwärterinnen den Vorgang nicht als einmalige Kommunikationspanne. Bereits im Oktober 2025 hätten Referendarinnen in einem Offenen Brief um einen Dialog für mehr Transparenz im Einstellungsverfahren gebeten. Im Februar 2026 sei ein weiteres öffentliches Schreiben gefolgt, in dem die kurzfristige Absage des Anwärtersonderzuschlags kritisiert worden sei. Antworten darauf hätten sie nicht erhalten. „Durch Ihr gekonntes Ignorieren der vorangegangenen Offenen Briefe, wächst eine Generation an Lehrkräften heran, die lernt: Mit Ihnen ist kein Dialog möglich! Wir und unsere Interessen werden nicht einbezogen, wir dürfen nicht partizipieren.“

„Dieses Vorgehen ist ein Armutszeugnis für die Ausbildung unserer künftigen Lehrkräfte“

Die GEW Sachsen stellt sich hinter die Referendar*innen. Landesvorsitzender Burkhard Naumann kritisiert sowohl die Mehrbelastung als auch das Verfahren: „Dieses Vorgehen ist ein Armutszeugnis für die Ausbildung unserer künftigen Lehrkräfte. Wer die Unterrichtsverpflichtung erhöht, ohne die Betroffenen einzubeziehen und ohne die damit verbunden Stressoren zu berücksichtigen, riskiert genau das, was Sachsen sich am wenigsten leisten kann: dass noch mehr junge Menschen dem Lehramt den Rücken kehren.“

Dass die Erhöhung in eine ohnehin anspruchsvolle Ausbildungsphase fällt, ist ein zentraler Einwand von Gewerkschaft und Referendar*innen. Neben dem selbstständigen Unterricht stehen weiterhin Unterrichtsbesuche, ausführliche schriftliche Unterrichtsentwürfe und verpflichtende Praxisaufgaben an. Hinzu kommen nach Angaben der GEW verpflichtende Hospitationsstunden im zweiten Halbjahr. Einen unterrichts- und seminarfreien Tag zur Vorbereitung auf Prüfungen und Unterrichtsbesuche gebe es bislang nicht.

Wie belastend die Ausbildung bereits sein soll, zeigt nach Angaben der Verfasserinnen eine Umfrage unter Lehrkräften in Ausbildung am Standort Leipzig im Schuljahr 2025/26. Demnach fühlen sich zwei Drittel der Befragten „(sehr) gestresst“. Vor diesem Hintergrund beschränken sich die Forderungen der Referendarinnen nicht auf die Rücknahme der Stundenerhöhung. An erster Stelle verlangen sie, bei zwölf Wochenstunden selbstständigen Unterrichts zu bleiben. Sollte das Kultusministerium an 14 Stunden festhalten, fordern sie eine Erhöhung ihrer Bezüge um 200 Euro monatlich.

Diesen Betrag leiten sie aus ihrer eigenen Berechnung der Mehrbelastung ab. Sie absolvieren nach eigener Darstellung eine Vollzeitausbildung und argumentieren, ihre Besoldung liege gemessen an der Arbeitszeit bereits jetzt unter dem Mindestlohn. Die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung entspricht nach ihrer Berechnung einer Mehrbelastung von rund 8,6 Prozent. Daraus ergebe sich ein zusätzliches Entgelt von ungefähr 200 Euro im Monat.

Zugleich verlangen die Referendar*innen, die Anforderungen der Ausbildung zu senken. Verpflichtende Hospitationsstunden sollen ab dem zweiten Halbjahr entfallen, schriftliche Unterrichtsentwürfe deutlich verschlankt und verpflichtende Praxisaufgaben abgeschafft werden. Vor Prüfungen und Unterrichtsbesuchen fordern sie einen unterrichts- und seminarfreien Vorbereitungstag. Unterrichtsfreie Tage sollen außerdem konsequent als ausbildungsfreie Tage anerkannt werden; Brückentage dürften nicht durch verpflichtende Veranstaltungen oder zusätzliche Termine entwertet werden.

Die GEW stellt die sächsische Neuregelung zudem in einen Ländervergleich. Nach Angaben der Gewerkschaft müssen Referendar*innen in Thüringen durchschnittlich acht Wochenstunden selbstständig unterrichten, in Sachsen-Anhalt sechs bis zehn und in Brandenburg zehn bis zwölf Stunden. Mit 14 Wochenstunden würde Sachsen damit über den von der GEW genannten Werten der drei Nachbarländer liegen. Das macht die Frage der Ausbildungsbedingungen aus Sicht der Gewerkschaft auch zu einem Problem der Nachwuchsgewinnung. Wenn angehende Lehrkräfte jenseits der Landesgrenzen günstigere Bedingungen vorfänden, könnte Sachsen im Wettbewerb um den eigenen Lehrkräftenachwuchs ins Hintertreffen geraten.

„Wir dürfen nicht noch mehr angehende Lehrkräfte in die Nachbarbundesländer verlieren. Wir fordern das SMK und das LaSuB auf, umgehend den Dialog mit den Referendar*innen zu suchen und die Forderungen des Offenen Briefs ernsthaft zu prüfen“, erklärt GEW-Landeschef Naumann. News4teachers 

„Das Kultusministerium überspannt den Bogen deutlich“: Tausende von Abordnungen – Lehrerverbände schäumen vor Wut

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22 Kommentare
Fridolin
1 Tag zuvor

Berlin hat es vorgemacht. Die Referendare müssen mehr unterrichten. Nun lobt sich aktuell gerade die Bildungsverwaltung, den Lehrermangel behoben zu haben, weil man dadurch weniger Lehrer braucht.

Maskottchen
22 Stunden zuvor
Antwortet  Fridolin

In der DDR nannte man das „Schönfärberei“, also am Ende in der Wendezeit.

Der Leser
1 Tag zuvor

Zwei Stunden mehr arbeiten ohne zwei Stunden mehr vergütet zu bekommen? Ersatzlos abgelehnt. Was soll passieren, wenn ich die nicht leiste? Will man mir kündigen? Bitte, macht das. Ich wette, der nächste Bewerber wartet schon ganz dringend, der Mangel an Lehrern kommt ja nicht von ungefähr.

Walter Hasenbrot
1 Tag zuvor
Antwortet  Der Leser

Niemand wird die zusätzlichen 2 Stunden verweigern. Die Folgen für den Einzelnen, nämlich die Entlassung aus dem Vorbereitungsdienst, sind gravierender als die Folgen für das Land.

Walter Hasenbrot
1 Tag zuvor

In NRW unterrichten Referendar: innen 18 Stunden selbstständig während ihres Referendariats. Normalerweise jeweils 9 Stunden in zwei Schluhalbjahren.

Fräulein Rottenmeier
1 Tag zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

In NRW unterrichten Refis 14 Stunden und davon 9 Stunden eigenständig, die restlichen 5 Stunden angeleitet.
Bitte nicht übertreiben….

Walter Hasenbrot
1 Tag zuvor

Ein gutes Beispiel dafür, dass man der KI nicht alles glauben darf. Mein Fehler.

Walter Hasenbrot
1 Tag zuvor

Oder hatte die KI doch recht?

In Paragraph 13 der Verordnung über den Vorbereitungsdienst (gültig seit 28.1.2026) steht Folgendes:

„(6) Die Ausbildung umfasst durchschnittlich 14 Wochenstunden. Davon entfallen auf den selbstständigen Unterricht in zwei vollständigen Schulhalbjahren durchschnittlich neun Wochenstunden.
(7) Von den insgesamt im Vorbereitungsdienst zu erteilenden 18 Wochenstunden selbstständigen Unterrichts erhält die Schule für Ausbildungszwecke insgesamt zwei Anrechnungsstunden.“

https://recht.nrw.de/lrgv/rechtsverordnung/28012026-ordnung-des-vorbereitungsdienstes-und-der-staatspruefung-ovp/?suchbegriff=OVP

dickebank
5 Stunden zuvor

2 mal 9 sind insgesamt 18 Stunden BdU.
Verstehen tue ich die Aussage aber auch nicht, da die Angabe des Deputats ja die Anzahl der Unterrichtsstunden je Woche ist.

vhh
1 Tag zuvor

Man kann vieles fordern, wahrscheinlich wenig bis nichts bekommen. Einiges finde ich unpassend, z.B. die unterrichtsfreien Vorbereitungstage: so ein UB wird (am besten) nicht am Vortag vorbereitet, in einigen anderen Lerngruppen würde wieder einmal der kontinuierliche Unterricht unterbrochen… Ja, das ist Stress, aber in einer Woche einen UB zu haben und das bei weitem nicht jede Woche sollte man ohne Schontag aushalten können.
Mangelnde Kommunikation, Gleichgültigkeit, unbezahlte Zusatzarbeit auf Anordnung – nun ja, erkenne deinen zukünftigen AG…

Pikagluma
7 Stunden zuvor
Antwortet  vhh

Hi, bin selber kein Refi. Aber meine Freundin ist gerade fertig geworden und ein großer Teil unseres Freundeskreises sind auch Lehrer. UB im normalen Schulaltag hat für alle die ich kenne bedeutet: Massiver Stress (durch die ganzen Dokumente die zusätzlich eingereicht werden müssen und auch schon durch die Situation an sich), Schlafmangel, (erzwungene) Vernachlässigung des normalen Unterrichts.
Also ich halte freie Vorbereitungstage für absolut notwendig besonders wenn die Belastung auf 14 Wochenstunden steigt (einige machen übrigens sowieso schon mehr als 12 weil es einfach an den Schulen nicht anders geht)

HarneEinrichson
1 Tag zuvor

Diese zum Teil doch sehr großen Unterschiede erschließen sich mir generell nicht so wirklich. 6-8 Stunden ist ja circa die Hälfte von 14?!

Laromir
1 Tag zuvor

Da kann man doch gleich mal in sich gehen und überlegen, ob man nicht vor dem Ref in eine andere Straße abbiegen will. Das ist ja nur der Anfang der „holprigen“ Kommunikation, das geht noch Jahre so weiter.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor

Muss wohl ein Plan sein, den Vorbereitungsdienst in (anderen Bundesländern) attraktiver zu machen -__-

Biene
1 Tag zuvor

Im zweiten Jahr haben die Refis in BY max 17 UE zu unterrichten mit allem drum und dran.
Der Seminarvorstand hat sich am Ende zu einer Umfrage herabgelassen: nur wenige haben ihren Erstwunsch bekommen, Halbzeit für Mütter mit Säuglingen bzw. Kleinkindern wäre nett.

ed840
4 Stunden zuvor
Antwortet  Biene

Nach meinen Informationen wird in BY bei mehr als 11 h je Woche jede zusätzliche Unterrichtsstunde extra vergütet.

Cora
1 Tag zuvor

Sowohl im Titel als auch im Text: Wenn Gendern offensichtlich wichtiger ist als die Rechtschreibung, hat das deutsche Schulsystem noch ganz andere Probleme. Ein Phänomen, über das ich sogar in der Kommunikation des Gymnasiums meiner Tochter immer wieder gestolpert bin.

Walter Hasenbrot
19 Stunden zuvor
Antwortet  Cora

Was hat ein Text, der in einem Online-Medium erscheint, mit der Rechtschreibung an unseren Schulen zu tun?

Und was hat Ihr Kommentar mit dem Inhalt des Artikels zu tun?

Offensichtlich ist Ihnen die Rechtschreibung wichtiger als der Inhalt eines Textes, da Sie darüber kein Wort verlieren.

PS: Die Vorgaben des Rechtschreibrates gelten nur für Behörden und Schulen.Jeder andere darf schreiben, wie er will. Es gibt Verlage und Zeitungen, die die Rechtschreibreform bis heute nicht vollständig umgesetzt haben und also eine „falsche“ Rechtschreibung nutzen. Stört Sie das auch?

Carsten
19 Stunden zuvor

Mal sehen, wieviel Niedergang noch kommen muss, bis es bei den Arbeitsbedingungen wieder aufwärts geht.

Kat
11 Stunden zuvor

Unterichtsverpflichtung? Leeuude! Das Wort Unterricht stammt vom mittelhochdeutschen Verb underrihten (einrichten, anweisen, belehren) ab. Es setzt sich aus „unter“ (im Sinne von „zwischen“) und „richten“ zusammen. Die wörtliche Bedeutung war früher, etwas „zwischen zwei Personen zum Zweck der Erkenntnis darzulegen“

dickebank
3 Stunden zuvor
Antwortet  Kat

Und, steht der Scharfrichter jetzt über dem Unterrichter, so als erstes Beförderungsamt? Ich frag für’n Freund

unverzagte
4 Stunden zuvor

Meiner bescheidenen Erfahrung nach sollten Refis sowie Junglehrende unbedingt lernen „nein“ zu sagen, wenn sich gesundheiltiche Beeindträchtigungen wie Schlaflosigkeit etc. anmelden – obwohl es dann vermutlich schon zu spät ist.