HEIDELBERG/DÜSSELDORF. Schule ist für Jugendliche der mit Abstand größte Stressfaktor im Alltag: Ein Drittel der 14- bis 17-Jährigen fühlt sich dadurch stark beeinträchtigt. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern – 42 Prozent der Mädchen, aber nur 25 Prozent der Jungen berichten von einer starken Belastung durch Schulstress. Die neuen Daten der Sinus-Jugendstudie zeigen allerdings, dass sich diese Differenz keineswegs auf die Schule beschränkt. Mädchen berichten bei sämtlichen untersuchten Belastungsfaktoren häufiger von starken Beeinträchtigungen – und sind zugleich mit ihrem Leben seltener zufrieden als Jungen. Was steckt hinter dieser Belastungslücke?

Schulstress steht mit deutlichem Abstand an der Spitze der Belastungen, die Jugendliche in Deutschland in ihrem persönlichen Leben wahrnehmen. 33 Prozent der Befragten geben auf einer Skala von eins bis zehn Werte zwischen acht und zehn an – fühlen sich also stark beeinträchtigt. Weitere 46 Prozent bewegen sich im mittleren Bereich. Lediglich 22 Prozent erklären, Schulstress beeinträchtige sie nicht oder kaum. Befragt wurden für die Sinus-Jugendstudie im Auftrag der Barmer bundesweit 2.000 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren.
Kein anderer untersuchter Faktor kommt auch nur annähernd auf dieses Belastungsniveau. Stress in der Familie beeinträchtigt 16 Prozent der Jugendlichen stark, Einsamkeit zwölf Prozent. Jeweils elf Prozent berichten von starken Beeinträchtigungen durch psychische Erkrankungen beziehungsweise Stress im Freundeskreis. Es folgen Süchte nach Substanzen, Medien oder Verhaltensweisen mit neun Prozent, Mobbing mit acht Prozent, chronische körperliche Krankheiten mit sieben Prozent und Stress in der Partnerschaft mit sechs Prozent.
Gerade beim Schulstress fällt jedoch eine Differenz ins Auge: Während 42 Prozent der Mädchen von einer starken Beeinträchtigung berichten, sind es unter den Jungen 25 Prozent. Umgekehrt geben 28 Prozent der Jungen an, sich durch Schulstress gar nicht oder kaum beeinträchtigt zu fühlen. Bei den Mädchen sind es lediglich 15 Prozent.
Die Studienautoren warnen allerdings selbst vor vorschnellen Erklärungen. Ob Schule weniger passend für Mädchen gestaltet sei, Jungen tatsächlich stressresistenter seien, Mädchen Belastungen sensibler wahrnähmen oder Jungen sie lediglich seltener zugäben, seien „hypothetische Fragen“, die mit den vorliegenden Daten nicht beantwortet werden könnten.
„Jungen fliegen da eher schon mal unter dem Radar und ihre Leistungen stehen dann nicht so im Fokus“
Dass sich der Geschlechterunterschied nicht auf die Schule beschränkt, zeigt ein anderer Befund: Mädchen berichten bei allen neun untersuchten Belastungsfaktoren häufiger als Jungen von starken Beeinträchtigungen. Beim Stress in der Familie beträgt das Verhältnis 20 zu zwölf Prozent, bei Einsamkeit 15 zu neun Prozent. Besonders groß ist die Differenz bei psychischen Erkrankungen: 17 Prozent der Mädchen, aber nur sechs Prozent der Jungen geben an, dadurch stark beeinträchtigt zu sein. Beim Stress im Freundeskreis beträgt das Verhältnis 16 zu sechs Prozent.
Auch bei Süchten liegen Mädchen mit elf gegenüber sieben Prozent vorn, beim Mobbing mit neun gegenüber sieben Prozent, bei chronischen körperlichen Erkrankungen mit acht gegenüber fünf Prozent und beim Partnerschaftsstress mit acht gegenüber vier Prozent. Die Studie hält entsprechend fest, Mädchen fühlten sich „in allen abgefragten Bereichen beeinträchtigter als Jungen“.
In Nordrhein-Westfalen hat der Befund eine Diskussion darüber ausgelöst, wie die Geschlechterunterschiede zu erklären sind. Der Landesverband Schulpsychologie NRW verweist gegenüber der Rheinischen Post zunächst auf einen möglicherweise stärkeren sozialen Anpassungsdruck bei Mädchen. „Sie haben häufig ein höheres soziales Anschlussmotiv, wollen beliebt sein“, erklärt eine Sprecherin. Zudem hätten Mädchen eine stärker ausgeprägte Neigung, sich sozial erwünscht zu verhalten. „Dadurch geraten sie im Kontext Schule stärker unter Druck, da dort eine Vielzahl von sozialen Erwartungen lauert.“ Dazu gehörten etwa die Erwartungen von Eltern und Lehrkräften, gute Noten zu erzielen.
Hinzu komme, dass Mädchen im Jugendalter häufig erfolgreicher in der Schule seien – was den Erwartungsdruck zusätzlich erhöhen könne. „Jungen fliegen da eher schon mal unter dem Radar und ihre Leistungen stehen dann nicht so im Fokus“, erklärt der Landesverband laut Bericht.
„Es scheinen keine schulspezifischen, sondern übergreifende Faktoren zu sein, die dieses erhöhte Belastungserleben von Mädchen beeinflussen“
Die Schulpsychologen warnen allerdings davor, den auffälligen Unterschied allein mit schulischen Bedingungen zu erklären. Schließlich berichten Mädchen auch bei familiärem Stress, Einsamkeit, psychischen Erkrankungen und Problemen im Freundeskreis deutlich häufiger von starken Beeinträchtigungen. „Es scheinen also keine schulspezifischen, sondern übergreifende Faktoren zu sein, die dieses erhöhte Belastungserleben von Mädchen beeinflussen“, erklärt der Landesverband.
Zugleich könnte ein Teil der Differenz darauf beruhen, dass Jungen Belastungen anders wahrnehmen oder zumindest anders darüber Auskunft geben. Auch darauf weist der Landesverband Schulpsychologie NRW gegenüber der „Rheinischen Post“ hin: „Stress und Ängste passen nicht in das Rollenbild von männlichen Jugendlichen.“ Deshalb sei denkbar, dass Jungen entsprechende Belastungen in Befragungen seltener eingestehen.
Wie weit die Geschlechterunterschiede reichen, zeigt sich auch jenseits der unmittelbar abgefragten Belastungsfaktoren. In der gesonderten Untersuchung zu Zukunftsoptimismus und Lebenszufriedenheit sind 85 Prozent der Jungen mit ihrem Leben zufrieden, aber nur 78 Prozent der Mädchen. Dieser Abstand besteht nicht erst seit der aktuellen Erhebung: 2024 lag das Verhältnis bei 84 zu 75 Prozent, 2023 bei 85 zu 79 Prozent, 2022 bei 81 zu 74 Prozent und 2021 bei 84 zu 74 Prozent.
Bemerkenswert ist zugleich, dass Mädchen ihre persönliche Zukunft keineswegs pessimistischer beurteilen. Jeweils 80 Prozent der weiblichen und männlichen Befragten blicken sehr oder eher optimistisch auf die eigene Zukunft. Die geringere Lebenszufriedenheit der Mädchen geht also nicht mit einem entsprechend geringeren Vertrauen in die eigene Zukunft einher.
Anders sieht es aus, sobald der Blick über das eigene Leben hinausgeht. Die Zukunft Deutschlands beurteilen 40 Prozent der Mädchen optimistisch, unter den Jungen sind es 49 Prozent. Bei der Zukunft der Welt sind es 33 gegenüber 38 Prozent. Insgesamt sind nur noch 44 Prozent der Jugendlichen optimistisch, was Deutschlands Zukunft betrifft; hinsichtlich der Welt sind es sogar nur 36 Prozent. Die persönliche Zukunft beurteilen dagegen 80 Prozent positiv.
Auch bei vielen Zukunftssorgen sind Mädchen stärker belastet. Große Sorgen wegen Kriegen äußern 66 Prozent der Mädchen gegenüber 60 Prozent der Jungen. Beim Klimawandel beträgt das Verhältnis 49 zu 39 Prozent, bei Umweltverschmutzung 47 zu 39 Prozent. Über die untersuchten Themen hinweg berichten Mädchen überwiegend häufiger von großen Sorgen als Jungen. Eine auffällige Ausnahme bildet die Migration: Hier liegen die Jungen mit 34 gegenüber 28 Prozent vorn. News4teachers
Angststörungen (wie soziale Phobien) auf dem Vormarsch: Teenie-Mädchen leiden besonders










33%, das ist ein Drittel, fühlt sich stark belastet durch eine tägliche Aufgabe, in der sie (da passt das Drittel ziemlich gut) immer wieder Überforderung und Misserfolge erleben. Klingt nicht mehr so erschreckend, klingt fast logisch? Fühlen sich jemand im Beruf gestresst, wenn man das Gefühl hat, die Anforderungen nicht erfüllen zu können? Es wäre interessant, die Prozente bei allen AN zu dieser Frage zu kennen.
Eine Altersbetrachtung wäre interessant. 14-17 Jahre, in diesem Bereich sind viele Jungen dabei, für die Schule extrem nebensächlich ist, die sich über anti-Schule und Rebellion definieren. Zwei Jahre später sieht das anders aus, aber da sind die Mädchen meistens früher angekommen, also auch mehr Stress.
Das passt auch zum Trend bei allgemeinen Zukunftssorgen, sogar zur Umkehrung bei Migration: mehr nachdenken – mehr Skepsis. Durchgehend fröhlich-optimistische Jugendliche, würden die mit Blick auf die Realität nicht einigen Zielen im Bereich Reflexios- und Selbstkompetenz widersprechen? Wenn wir diese neue ‚Lücke‘ schließen wollen, müssen wir wohl die Realität verbessern (bestimmt, alles wird gut…) oder das eigene Denken nicht mehr fördern.
Seltsam! Gibt man in die n4t Suchleiste folgende Begriffe ein: „Bildungsverlierer Jungen“ erscheinen zahlreiche Artikel, die zeigen, dass die Schule die Jungen kaputt macht. Die Mädchen werden aber wohl auch durch die Schule geschädig (siehe obigen Artikel)t. Lehrer und Erzieher ebenso, wenn man die Krankenzahlen ansieht und auch diverse Artikel und Kommentare bei n4t liest….
Also scheint es so, dass die Schule generell alle, die sich dort aufhalten, psychisch und/oder physisch schädigt. Was folgt jetzt daraus? Gibt es irgend eine Gruppe, die nicht durch die Schule Schaden davon trägt? Ich glaube nicht einmal die Reinigungskräfte überstehen längere Zeit ohne Traumata (siehe Schultoiletten).
„zahlreiche Artikel, die zeigen, dass die Schule die Jungen kaputt macht. Die Mädchen werden aber wohl auch durch die Schule geschädig.“
Leider nicht wirklich überraschend.
„Was folgt jetzt daraus?“
Dass es bei Mädchen andere Rahmenbedingungen geben dürfte als bei Jungen – wie Sie das ja in Artikeln zu diesen gelesen haben.
Da aber in unseren Schulen alle, also Jungen wie Mädchen, Lehrer und Erzieher, Reinigungspersonal und sonstige Menschen, die sich dort dauerhaft aufhalten (müssen), alle die gleichen Rahmenbedingungen haben, bleibt doch nur das Fazit: Schule macht zu viele aus allen Gruppen psychisch und/ oder physisch krank!
Also, was wollen Sie mir sagen? Was sehen Sie da anders? Wie würden Sie die schulische Situation für die jeweiligen Gruppen zum Positiven verändern? Ich bin auf Ihre konkreten, umsetzbaren Ideen gespannt!
„Also, was wollen Sie mir sagen?“
Weichen Sie nicht allgemein auf alle aus, wenn es konkret um Mädchen geht.
Können gerne über andere Gruppen sprechen, wenn es konkret um diese geht, aber in jeglichem Fall zu verallgemeinern halte ich für unangebracht und nicht für zielführend
Was nützt es, über jede Gruppe immer wieder einzeln zu reden, zu diskutieren …. wenn, wie ich schrieb: alle vom Schulsystem und den dortigen Rahmenbedingungen betroffen sind. Da scheint dann doch generell in diesem System so einiges schief zu laufen, scheint mir. Da hilft es nicht, nur für eine Gruppe etwas zu ändern. Sehen Sie sich doch die Artikel der letzten Jahre hier bei n4t an. In regelmäßigen Abständen ist mal die eine Gruppe Thema, dann die nächste ….mal die Mädchen, mal die Jungs, mal die Migranten ohne D-Kenntnisse, mal die Lehrer, mal die Erzieher, mal Kita, mal die verschiedenen Schulformen und ständig wieder von vorn! Und? Was hat sich verbessert für irgendeine dieser Gruppen? Immer wieder neue Forderungen an die Lehrer und Erzieher, aber an den Rahmenbedingungen hat sich nach meinen Beobachtungen kaum etwas verbessert.
Was würden Sie denn gezielt für die Mädchen verbessern? Und was für die Jungs? Geschlechtergetrennten Unterricht wieder einführen? Welche Maßnahmen könnten stattdessen, der einen Gruppe helfen ohne im Gegenzug die andere zu benachteiligen? Sie haben doch sicher ein paar Ideen!
„Was hat sich verbessert für irgendeine dieser Gruppen?“
Immer wieder: einiges. „PISA-Sonderauswertung: Migrantenkinder, die in Deutschland geboren wurden, zeigen gute Leistungen im internationalen Vergleich.“ Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2024/07/pisa-sonderauswertung-migrantenkinder-die-in-deutschland-geboren-wurden-zeigen-gute-leistungen-im-internationalen-vergleich/
Man muss aber, erstens, gewillt sein, auch mal genauer hinzuschauen und, zweitens, auch mal einen unverklärten Vergleich mit früher zu ziehen – denn früher war mitnichten alles besser. Beispiel Mädchen: Die historische Benachteiligung von Mädchen im Bildungssystem war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein strukturell und gesellschaftlich tief verankert. Das bekannteste soziologische Sinnbild dafür ist das „katholische Arbeitermädchen vom Land“, das Ende der 1960er Jahre als die am stärksten abgehängte Bevölkerungsgruppe identifiziert wurde. Heute hat sich das Blatt gewendet.
Aber logisch: Wenn heute Mädchen besser performen als Jungen – haben wir eine neue Problemgruppe.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Okay, ich wollte nicht bis in die 2. Hälfte des 20. JH im Westen Deutschlands zurückgehen, was die Mädchen betrifft. 🙂
Ich meinte mehr die letzten 20 bis 30 Jahre.
Für die in DE geborenen Migrantenkinder freut es mich natürlich. Interessant wäre aber auch da der nationale Vergleich zu anderen Schülergruppen und natürlich besonders zu den nicht in DE geborenen Migrantenkindern.
Um zum Ausgangsartikel zurück zu kehren: wie sieht eigentlich der empfundene Schulstress der Mädchen im Vergleich aus (ohne Mig-Hintergrund bzw. Mig-Hintergrund und in DE oder nicht geboren)? Gibt es da Unterschiede?
„Wenn heute Mädchen besser performen als Jungen – haben wir eine neue Problemgruppe.“
Das hat jetzt weder etwas mit dem Ausgangsartikel, noch mit meinem Kommentar zu tun. Aber, wenn Sie das schon erwähnen – ist der Schulstress, die zunehmende psychische Bealstung der Mädchen dann der Preis dafür? Scheint also auch irgendwie nicht gut zu laufen, oder?
Da haben Sie Recht. Könnte am tradierten System Schule liegen, dessen Ansprüche und die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen immer weiter auseinanderklaffen. Herzliche Grüße Die Redaktion
Ja und was könnte da getan werden? Ich bin auf Rainers Antworten auf meine Fragen gespannt. Die Redaktion und andere Leser hier, dürfen auch gern Ideen einbringen, denn die vielen verschiedenen Forderungen, was Schule ändern soll und die Reformen bzw. Reförmchen scheinen bisher nicht allzu viel verbessert zu haben.
Neue Ideen braucht das Land! Und zwar für alle, nicht nur für einzelne Gruppen und Grüppchen. Wir brauchen einen Dreifach-Wumms, von mir aus auch mit Rambo-Zambo! 🙂
Wir haben dem Thema Gesunde Schule im Mai einen ganzen Themenmonat gewidmet. Gerne hier nachlesen: http://www.news4teachers.de/bildung/themenmonate/gesunde-schule/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Bildungspflicht, statt Schul-/Präsenzpflicht.
Wäre eine Maßnahme mit tatsächlichen Potential zumindest.
Ansonsten ist klar, dass das Bildungssystem ja schon „schräg aufgebaut ist“. Muss man das tatsächlich genauer formulieren? Und wo hört man dann auf?
Sollte „man“ also gar nicht erst anfangen, die Bedingungen genauer zu analysieren und zu formulieren ( Ist- Zustand und konkrete Ziele?
Das ist doch etwas „naiv gedacht“ inzwischen?
Ja sollte man – macht „man“ ja auch ständig. Wir machen das sogar so oft und so viel, dass man im Prinzip eine „ewige Liste“ ja auch hat … Ansonsten „könnte“ N4T hier doch nicht ständig und umfangreich die Mangelbereiche thematisieren.
Gefühlt „forschen“ und „erheben“ wir mehr, als wir „lösen“/“anwenden“.
Schon alleine, weil die Ziele unterschiedlich sind. Will man „gute Rahmenbedingungen“ und „Qualität“ – muss man sowohl konzeptionell systemisch ran, als auch ressourcenmäßig und kostentechnisch.
Das steht allerdings dem Ziel von „Kostensparen“ und „Abdeckung/Betreuung/Aufsicht“ als Primärfaktoren entgegen.
Grundbedingungen für Entlastung generell sind IMMER:
– Kleinere Klassen
– Geringeres Deputat
– Räumlichkeiten
– Personaleinsatz [genug Personal, tatsächlich Multiprofessionelle Teams]
Dazu
– Arbeitsmaterialien
– Fortbildungen/Wissen
– Konzeptanpassung/Lehrplan
– Regelungen [Handeln und „Konsequenzen]
IMMER. Weil das die absoluten Grundfaktoren von und für Qualität sind. Daher wird man als Ergebnis und Qualitätsziel IMMER hier auch landen. Geht im Prinzip kaum anders.
Jedoch sind das auch die Faktoren, welche mitunter „am teuersten“ sind. Also zugleich „wieder angepasst/gehalten/eingespart usw. werden“.
Die Gleichung hat keine Lösung.
Wenn etwas 100 Euro kostet und ich nur 20 Euro bezahlen will, dann kann sich das normalerweise nicht „legal“ aufgehen.
Geht rein rechnerisch nicht. Das sind aber die Vorstellungen … Ergebnis: Funktioniert nicht. Außer ggf. der Kompromiss: Ich nehme ein kaputtes Gerät für 20 Euro (und verwende Arbeitszeit, um das ggf. zumindest zu versuchen zu reparieren … Geht nur meistens auch eher schief … Vor allem, wenn dann Teile fehlen, Haftungsrisiko … Keine Garantie … Evtl. Brandgefahr … Usw.).
Und da kann man in „jeden Problembereich“ sogar reingehen … Schlagen Sie einen vor gerne …
Bspw.
– Inklusion
-> Räumlichkeiten [kleinere Klassen, Räumlichkeit]
-> Inklusionsressourcen, wo nötig (!!) [Arbeitsmaterial]
-> Zeit [Deputat, Personal, kleinere Klassen]
-> Möglichkeit/Konzept [LP, Konzept, Personal, „Haltung zu Noten“, „Sinnfrage zu Hausaufgaben“]
-> Wissen [Wissen/Fobi/Ausbildung/Personal/Multiprofessionalles Team]
-> Regelungen [Erwartungshorizonte, Fördermöglichkeiten, LP-Anpassung usw.]
Und auf diese bzw. ähnliche Ergebnisse werden Sie IMMER auch kommen. Bei ALLEN „Problemen“, „Themen“, „Herausforderungen“, „Zielen“.
Daher kommen auch sämtliche (!) Experten, egal „woher“ auf diese Ergebnisse …
Das ist bekannt. Das weiß man. Kostet aber „zu viel“ – Geld und Aufwand [Konzept]. Wird halt einfach schlichtweg nicht gemacht.
Da kann man noch so oft die Ziele benennen und „neue Ergebnisse“ [welche IMMER aus den Grundfaktoren/-bedingungen kommen] bekommen … Ne, die sind nicht neu.
Bei „Personaleinsatz/-suche“ ist es etwas komplizierter. Frauen ergreifen eben eher Berufe mit Kinder – insb. im jüngeren Alter. Also Kita/Grundschule. Wenn jedoch Bezahlungen und Attraktivitäten [Rahmenbedingungen] besser sind, nimmt der „männliche Anteil“ potentiell (auch) zu.
Das wäre die Herausforderung „weiblich geprägte Bildungszeit“. Hier kommt halt der Sozi-Gesellschaftlich + Arbeitsbereich suchende Aspekt dazu. Hier schaden die Grundbedingungen jedoch ebenfalls in keinster Weise, sondern entgegnen zumindest „etwas“ bestenfalls.
Wie will man dem anders überhaupt „entgegnen“? Kann man so oder so wahrscheinlich kaum bis nicht. Daher muss man hier weiterhin dann auf „Potential“ gehen. Und grundlegende Rahmenbedingungen für alle eben attraktiver machen.
Wer glaubt, dass nicht absolut klar ist, was so „sinnvolle Ziele“ wären und man das nicht wüsste bei den „tragenden/verantwortlichen Instanzen“ ist absolut naiv denke ich. Man scheitert schon bei den Grundvoraussetzungen.
Von „wirklich gute Rahmenbedingungen/erweiterte Rahmenbedingungen“ sprechen „wir“ teilweise … Ohne dass überhaupt der Grundstock da ist. Das ist eines der Teilprobleme bereits.
Lösung: Herstellung der „Basics“, auf welche ALLE Sachen beruhen. Das wäre schon mal ein gewaltiger Schritt.
Und dann kann man über/an „Spezifische Faktoren“ gehen …
Jedes Schulkind [und Eltern/Lehrkräfte] profitiert von kleineren Klassen normalerweise. Von mehr Zeit [geringeres Deputat]. Von Räumlichkeiten [mehr Platz, Arbeitsmöglichkeiten]. Alle. Immer.
Die Anpassungen gehen dann auch individuell nämlich logischerweise besser. Habe ich „generell 4 Stunden ‚mehr Zeit‘ „, dann kann ich es auf: Inklusion, DaZ/DAF, Förderungen usw. angepasst auch lenken.
Fehlt die Zeit? Tjo … Dann ist diese Möglichkeit erst gar nicht da (oder man repariert wieder mehr …).
„Immer wieder: einiges.“
Ein Missverständnis, Sie nehmen fälschlicherweise an, Sie will ihre Fragen beantwortet haben ^^
„Was nützt es, über jede Gruppe immer wieder einzeln zu reden, zu diskutieren“
Weil Sie sich unterscheiden, egal was Sie schreiben
Also sind Sie für Geschlechtertrennung an den Schulen?
Was ist denn das für ein schräge Ableitung ? Nirgendwo ist das dem vorherigen Beitrag zu entnehmen…
Okay, ich versuche meine Gedankengänge noch einmal zu erklären:
Es wird wohl keiner, auch Sie nicht, bestreiten, dass fast alle an Schule beteiligten Gruppen psychisch und/oder psychisch stark belastet/ gestresst sind. Dazu braucht man nur diverse Artikel hier bei n4t der letzten Jahre lesen.
Ich bin der Meinung dass, wenn dem so ist, es nicht hilft, jede Gruppe einzeln zu betrachten und für einzelne Gruppen Anpassungen im Schulsystem und bei den Rahmenbedingungen vorzunehmen. Besser wäre es, herauszufinden, welche der derzeitigen Bedingungen evtl. alle Gruppen gleichermaßen belastet und dort zuerst gegenzusteuern. Kümmert man sich isoliert um eine Gruppe, in diesem Fall die Mädchen, könnte es ja durchaus passieren, dass man damit die Jungs noch mehr stresst. Rainer schrieb ja, sinngemäß, man solle jede Gruppe isoliert betrachten, weil sie sich unterscheiden.
Daraus zog ich dann für mich die Schlussfolgerung: unterschiedliche Gruppen sollte man unterschiedlich (getrennt) beschulen, da es eben Unterschiede gibt, die im gemeinsamen Schulbetrieb wohl nicht für alle gleich gut zu berücksichtigen sind.
Aber vielleicht können Rainer und Sie mir Beispiele/ Ideen für Rahmenbedingungen nennen, die ganz speziell den Stress der Mädchen verringern, ohne andere Gruppen evtl. zu benachteiligen. Ich würde meine Skepsis gern abbauen.
Da auch die Lehrkräfte zu den belasteten Gruppen zählen (wie wir aus zahllosen Studien wissen) – müssten diese dann auch getrennt in eigenen Einrichtungen beschult werden.
Oder wir versuchen’s doch mal mit einem insgesamt menschlicheren System.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das ist doch genau das, was ich sagen will: es hilft nicht, jede Gruppe einzeln zu betrachten und einzelne gruppenspezifische Änderungen vorzunehmen. Es muss zuerst einmal ein kleinster gemeinsamer Nenner für alle gefunden und geschaffen werden. Aber stattdessen spielt man die verschiedenen Gruppen gegeneinander aus: wer ist am bedürftigsten, wer leidet mehr, wem muss zuerst geholfen werden …, anstatt herauszufinden, was sind die Dinge, die alle gleichermaßen belasten und stressen. Würde man diese Dinge dann zuerst verändern, wäre schon den meisten geholfen! Warum also nicht mal alle Studien, Befragungen … der einzelnen Gruppen zusammenführen und wissenschaftlich analysieren?
Stattdessen wiederholen sich in regelmäßigen Abständen die Berichte, dass entweder die Mädchen, oder die Jungen, oder die Schulleitungen, oder die Lehrer, oder die Eltern, oder die Erzieher, …. von der Schule gestresst sind.
Es ist doch mittlerweile wohl jedem klar, dass alle Probleme mit dem jetzigen Schulsystem haben
„Aber stattdessen spielt man die verschiedenen Gruppen gegeneinander aus.“
Wer ist denn „man“? – Sollen wir Probleme nicht mehr benennen?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Immer nur Probleme, und dann auch noch isoliert voneinander, zu benennen, löst diese nicht! Wie oft wurden die Probleme der Mädchen, der Jungen, der Lehrer … in den letzten Jahren schon hier thematisiert? Lösungen dafür gab es kaum, immer nur Versprechungen oder kleine Änderungen, die aber wohl nicht viel brachten, bisher, sonst würden ja nicht immer wieder ähnliche Artikel in schöner Regelmäßigkeit erscheinen. Papier ist eben geduldig und das Interesse an echten Lösungen sehr gering. Hauptsache man hat darüber gesprochen!
Wie kommen Sie darauf? Zig-Tausende von Fachkräften, von Eltern, von Verbandsvertretern und Engangierten, auch von Politikerinnen und Politikern, beschäftigen sich tagtäglich damit, die Lebenssituation von (jungen) Menschen zu verbessern – und selbstverständlich haben sie damit Erfolg. Um Probleme lösen zu können, muss man sie allerdings erst einmal beschreiben.
In einer Demokratie wachsen Probleme nach – weil sie nicht unter den Teppich gekehrt werden (und Probleme nun mal zum Leben gehören). Deshalb werden sie von uns immer wieder neu beschrieben, aus unterschiedlichen Perspektiven, mit immer neuen Erkenntnissen.
Und, ja, es gibt auch grundsätzliche Probleme, die sich nicht so einfach lösen lassen. Eins hilft aber sicher nicht dagegen: die Augen zu verschließen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Es gab hier auch schon wenige Artikel, in der die Schule eher als wichtiger Lebensanker für die Kids beschrieben wird, ist immerhin ein Lichtblick für uns böse Lehrer.
Komisch, als Schule wirklich noch Angst einflößte und autoritär handelte, waren die Beschwerden nicht so häufig und groß. Ich finde es auch sehr unprofessionell, den Schulen permanent die Schuld am Leiden der Schüler aufzuerlegen, ohne tatsächlich zu differenzieren. Vielleicht, möglicherweise, könnte man etwas beherzter diese Sucht nach und Manipulation durch die omnipotenten Social Media angehen, denn mit dieser Entwicklung werden wir einen großen Teil unserer Kinder und Jugendlichen verlieren.
Ja, genau, die Belastungsfaktoren sind auch außerhalb der Schule zu suchen. Wie sollen Kinder und Jugendliche gesund aufwachsen, wenn sie jeden Tag ungefiltert alle Probleme, Krisen und Kriege der Welt bei Tiktok vorgeführt bekommen? Wenn ihnen suggeriert wird, dass sie nicht schön, schlank oder sportlich genug sind (Wangenknochen zertrümmern bei Jungs, Beautymasken schon in Klasse 5 …)?
Oder dass Migranten oder Frauen Schuld an allem sind?
Ist ja überhaupt nicht überraschend. Wenn man sich die Bettenverteilungen in den Jugendpsychiatrien anschaut, sind ja Mädchen deutlich in der Überzahl. Auf manchen Stationen (Essstörungen, Störungen der Geschlechtsidentität, Angststörungen) sind fast ausschließlich Mädchen untergebracht.
Schule ist da nicht so das Problemthema. Eher Familie, soziale Beziehungen und soziale Medien. Auffällig finde ich immer früheres stark sexualisiertes Verhalten bei minderjährigen Mädchen. Partnerschaften zu deutlich älteren Jungs/Männern scheinen sehr verbreitet zu sein.
Jungs sind in dieser Hinsicht viel robuster. Das hat natürlich zu einem großen Teil auch hormonelle Ursachen. Bei den erkrankten Mädchen sieht man deutlich die monatlichen Schwankungen in der psychischen Verfassung. Das ist zwar bekannt und akzeptiert, nimmt aber in der Therapie keinen so großen Stellenwert ein.
Ich habe nur im Grundschulbereich gearbeitet, aber meine Erfahrung auch mit den jüngeren Kindern war ganz oft: Mädchen musste ich ermutigen, Jungen etwas dämpfen. Tatsächliche Leistung und Selbstbewusstsein sind nicht kohärent. Ich denke, das liegt immer noch an der Erziehung. Kleine Paschas hat da nichts mit der Nationalität zu tun; ich sage auch lieber “ kleine Kromprinzen“ Und über Mädchen habe ich von Kollegen oft gehört, sie sind “ sozialer Kitt“ Diese Aufgabe stresst Mädchen vermutlich sehr, ist eben nicht genetisch verankert, sondern wird ihnen abverlangt.
Ich stimme Ihnen, Susanne, und Schotti absolut zu! Das die Probleme von den (V-)Erziehenden kommt, in der Schule ballt es sich dann einfach und so wir die Schule ganz natürlich zur Streßursache erklärt.
Tja, Kinder wachsen heutzutage ja im Prinzip in Einrichtungen auf (das Gruppenleben an sich belastet schon hoch, wohlmöglich noch im Ganztag), es fehlt die sehr umfangreiche Begleitung der Kinder durch ihre Eltern, im Kleinstkindalter besonders durch die Mutter (die Mutter ist Absicherung des Lebens und Schutz durch ihre Anwesenheit/ Forschung Neuro-Psychologie), danach Vater oder Mutter. Die intensive Begleitung durch die Eltern schafft Selbstsicherheit, macht dadurch stark und bildet Abwehrkräfte gegen Auswirkungen von schwierigen Situationen. Diese Zusammenhänge müssen der Öffentlichkeit durch Zuständige und Wissenschaft mal wieder dringend deutlich gemacht werden. Auch zum heutigen Frauenbild sollte es gehören, dass Kinderbetreuung in jüngsten Jahren dazu gehört und so wichtig ist. Das Elternbild und Berufstätigkeit sollte sich so entwickeln, dass beide maximal 25-30 Std. arbeiten, damit abwechselnd ab mittags immer einer Zuhause ist und die Kinder empfängt. Kinder entwickeln sich umfasst bei den Eltern nicht in Einrichtungen.
Fritze sagt wir haben alle viel zu viel Freizeit und sollen mehr malochen. Weniger wirtschaftsfeindliche lifestyle Freizeit und so. Ich glaube dem.
Zudem gibt es ja wohl nicht befreienderes und erfüllendes als zu arbeiten. Das sagen mir alle möglichen Serien und Filme.
Beziehung? Geht nicht, muss Arbeiten!
Kinder? Sorry Arbeit geht vor!
Sehe ich nicht so. Ich halte beides für wichtig, spätestens ab dem Schulalter werden die Gleichaltrigen nun mal besonders wichtig im Leben von Kindern, und zwar vor allem außerhalb des Unterrichts. Das heißt natürlich nicht, dass sie täglich 10 Stunden weg von zu Hause verbringen sollen, sondern dass beides Hand in Hand geht und sich gegenseitig ergänzt. Hat bei unseren Kindern sehr gut funktioniert; ich würde beide als sehr resilient bezeichnen. Sie haben sowohl vom Familienleben als auch von den Betreuungseinrichtungen sehr profitiert.
Kinder haben nunmal in der Schule Kontakt zu Gleichaltrigen. Das lief schon früher nicht immer reibungslos, wird aber mit zunehmender Digitalität des Alltags schlimmer:
Mädchen vergleichen sich mit Influencerinnen, die dank Foto- und Video-Bearbeitung perfekt aussehen. Jungen machen das teilweise auch, sehen die Sixpacks der Sport-Influencer, aber sind etwas weniger darauf gedrillt, angepasst zu sein und gefallen zu wollen.
Dazu kommt, dass Kinder allen möglichen gesellschaftlichen Themen aus Social Media ungefiltert ausgeliefert sind, die Algorithmen überfluten die Kinder mit Krieg, Kindern in Gaza, Klimakrise usw. Je krasser die Videos, desto mehr werden sie in die Timeline gespült.
Die Kinder sitzen mehr am Bildschirm, treffen sich immer weniger, und wenn, dann hängen sie gemeinsam vor Bildschirmen und vereinsamen. Eltern sind zunehmenend immer weniger Eltern, sie wollen beste Freunde ihrer Kinder sein, statt auch unliebsame Erziehung zu übernehmen. Nervende Kinder kann man wunderbar mit Bildschirmen ruhigstellen.
Durch systematischen Konsum von vielen kleinen Häppchen, schnellen Kurznachrichten und Mini-Videos trainieren sich Kinder immer mehr die Konzentrationsfähigkeit ab – und können immer weniger im Unterricht leisten. Unterricht wird immer mehr zu Stress.
Letztendlich wird jede Reiberei, jedes Ärgern, in digitale Kanäle getrieben. Der Streit vom Vormittag wird als Cybermobbing weiterführt – auch das eigene Zimmer ist kein sicherer Ort mehr, so lange das Handy am Kind ist.
Und bei all diesen Entwicklungen wundern wir uns noch, dass die Kinder zunehmend gestesst sind?
… und dann noch die Ganztagsschule, die zusätzlich stressen kann (vielleicht nicht muss).
100%
Mich würde mal interessieren, was genau an der Schule stresst.
So ist mir das zu pauschal.
Klingt ja sehr entspannt: Waren Sie noch nie in der Schule gestresst ?
Die Frage von Tigrib lautete: „ was genau an der Schule stresst.“
Da Menschen generell ein unterschiedliches Stressempfinden haben und auch jeweils auf jeweils andere Bedingungen gestresst reagieren, finde ich die Frage berechtigt.
Man müsste also zuerst die Hauptstressoren herausfinden und diese ggf. beseitigen.
Für jeden einzelnen Schüler, äh sorry es geht ja „nur“ um Schülerinnen….
Also für jede einzelne Schülerin, jeden einzelnen, Stress auslösenden, Punkt zu beseitigen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Oder wie sehen Sie das?
Welche Stressoren und Stressauslöser gibt es? | BARMER
Innerer Stress, der in der Schule zu finden ist: Perfektionismus, Unsicherheit, Prüfungsangst, soziale Phobie, Einsamkeit, sensorische Überforderung, Desinteresse
Krach, Gewalt, Sexismus, sexuelle Belästigungen, Rassismus, Antisemitismus, Gestank, Kälte, Hitze, Enge, Dreck, kaputte Toiletten
…Leistungsdruck, Noten, fremde und eigene überhöhte Erwartungen…