Schülerinnen und Schüler protestieren auch gegen marode Schulgebäude – kommunale Bauinvestitionen bieten die Chance auf bessere Lernbedingungen
Anlässlich der angekündigten Schülerproteste wirbt die Heinz Trox-Stiftung dafür, die aktuellen Investitionen in Schulgebäude gezielt für bessere Lernbedingungen zu nutzen. Während der Sanierungsstau bei Bildungseinrichtungen den Handlungsdruck verdeutlicht, bringen viele Städte und Gemeinden bereits Bauvorhaben voran oder planen zusätzliche Investitionen. Dabei sollten Luftqualität, Temperatur, Akustik und Beleuchtung von Anfang an berücksichtigt werden. Ein Projekt an drei Schulen in Neukirchen-Vluyn zeigt, wie bestehende Klassenräume mit kombinierten Maßnahmen während der Ferien modernisiert werden können.

„An maroden Schulgebäuden wird die Bildungskrise für Kinder und Jugendliche jeden Tag sichtbar. Zugleich unternehmen viele Kommunen erhebliche Anstrengungen, um ihre Schulen zu erneuern“, sagt Christine Roßkothen, Vorstand der Heinz Trox-Stiftung. „Diese Investitionen sind eine große Chance. Wir sollten sie nutzen, um auch die Bedingungen in den Klassenräumen spürbar zu verbessern. Gute Luft, verständliche Sprache, angemessene Temperaturen und gutes Licht gehören zu einer zeitgemäßen Schule.“
Hoher Bedarf – und konkrete Investitionsvorhaben
Wie groß die Aufgaben sind, zeigt das KfW-Kommunalpanel 2026: Der von den Kommunen wahrgenommene Investitionsrückstand im Bereich Schulen wird bundesweit auf 68,9 Milliarden Euro hochgerechnet. Eine repräsentative forsa-Befragung unter 1.312 Schulleitungen im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung ergab bereits im August und September 2025, dass rund zwei Drittel Sanierungsmaßnahmen an ihrer Schule für notwendig halten.
Gleichzeitig wird vielerorts gebaut und geplant. Düsseldorf hat für 2026 rund 307,5 Millionen Euro für den Schulbau veranschlagt. Hamburg sieht für das Schuljahr 2026/27 Investitionen von mehr als 500 Millionen Euro in Sanierungen, Erweiterungen und neue Schulen vor. Nach einer Auswertung des KfW-Kommunalpanels planen 48 Prozent der Kommunen, im laufenden Jahr Mittel aus dem Infrastruktursondervermögen für Schulen einzusetzen.
„Die Kommunen müssen zusätzliche Schulplätze schaffen, den Ganztag ausbauen und bestehende Gebäude erhalten. Das sind anspruchsvolle Aufgaben“, betont Christine Roßkothen. „Umso wichtiger ist es, Baumaßnahmen so zu planen, dass sie mehrere Verbesserungen zugleich ermöglichen. Wenn ein Klassenraum modernisiert wird, sollten seine Luftqualität, Temperatur, Akustik und Beleuchtung gemeinsam auf den Prüfstand.“
Raumqualität beeinflusst den Unterricht
Wie dringend gesunde Klassenräume gebraucht werden, haben die Hitzewellen dieses Sommers gezeigt. Bei einer gemeinsamen Dokumentationsaktion der Heinz Trox-Stiftung und des Bildungsmagazins News4teachers gingen mehr als 200 Einsendungen aus Schulen und Bildungseinrichtungen ein. Gemeldet wurden beispielsweise 32 Grad während des Unterrichts an einer hessischen Grundschule und 38,7 Grad an einer Realschule in Baden-Württemberg. Der höchste eingesandte Thermometerwert lag bei 40,3 Grad.
„Solche Temperaturen sind für Kinder und Lehrkräfte unzumutbar. Sommerlicher Hitzeschutz muss deshalb bei Sanierungen und Neubauten von Anfang an mitgeplant werden“, sagt Christine Roßkothen. „Dabei gehören Temperatur, Luftqualität, Akustik und Beleuchtung zusammen: Sonnenschutz verändert die Lichtverhältnisse, offene Fenster können Lärm hereinlassen. Gute Planung berücksichtigt diese Wechselwirkungen und schafft Lösungen, die den Unterricht im Alltag erleichtern.“
Dass mehrere Probleme zusammen auftreten können, zeigte eine Feldstudie der Heinz Trox Wissenschafts gGmbH, der Tochtergesellschaft der Heinz Trox-Stiftung mit Sitz an der RWTH Aachen, in 48 Klassenräumen an 23 Schulen in Aachen und Neukirchen-Vluyn. Die Untersuchungen ergaben häufig unzureichende Luftqualität bei manueller Fensterlüftung, nahezu durchgehend akustische Defizite und vielfach eine zu geringe Beleuchtung an den fensterfernen Sitzplätzen.
Welche gesundheitliche Bedeutung gute Schulräume haben, unterstreicht eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme der schwedischen Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten im Auftrag der Regierung. Luftschadstoffe sowie Feuchtigkeit und Schimmel können demnach das Risiko für Atemwegsbeschwerden, Asthma und Infektionen erhöhen und die Lungenfunktion von Kindern beeinträchtigen. Unzureichende Luftqualität kann zudem Konzentration und Lernen erschweren und krankheitsbedingte Fehlzeiten erhöhen. Die Behörde empfiehlt deshalb, gesundheitsfördernde Maßnahmen in Schulen und Kitas stärker in Planung und Gebäudemanagement zu verankern. Der Verband Reale Bildung (VRB) Saarland hat die Untersuchung aktuell zum Anlass genommen, eine höhere Priorität für die Sanierung von Schulgebäuden und eine stärkere Berücksichtigung der Gesundheit von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften zu fordern.
Verbesserungen sind auch ohne Gesamtsanierung möglich
Wie eine gemeinsame Modernisierung praktisch funktioniert, erprobte die Heinz Trox Wissenschafts gGmbH in vier Räumen an drei Schulen in Neukirchen-Vluyn. Deckenlüftungsgeräte wurden mit akustisch wirksamen Deckenflächen und LED-Beleuchtung kombiniert. Dabei wurden unterschiedliche Ausgangslagen berücksichtigt: von Grundschulräumen mit blanker Betondecke bis zu Fachräumen mit bereits vorhandenen Akustikdecken.
Im untersuchten, unbesetzten Grundschulraum halbierte sich die mittlere Nachhallzeit von 1,2 auf 0,6 Sekunden. Bei der Beleuchtungsmessung ohne Tageslichteinfluss erreichte vor der Sanierung kein Tisch 500 Lux, danach lagen alle darüber. Gleichzeitig sank die installierte elektrische Leistung der Beleuchtung um rund 29 Prozent.
Der Leitfaden „Klassenräume SMART sanieren“ der Heinz Trox-Stiftung enthält dazu eine exemplarische Kostenrechnung: Verteilt auf die angenommenen Nutzungsdauern ergeben sich einschließlich Wartung jährlich rund 1.831 Euro für den betrachteten Raum. Bei 24 Kindern und einer Lehrkraft entspricht das rund 73 Euro pro Person und Jahr. Energiekosten sind darin nicht enthalten; die Rechnung berücksichtigt vereinfachend keine Inflation. Für andere Gebäude sind die örtlichen Voraussetzungen und aktuelle Angebote maßgeblich.
„Spürbar bessere Lernbedingungen müssen nicht auf die umfassende Sanierung eines ganzen Schulgebäudes warten“, sagt Christine Roßkothen. „Die Beispiele zeigen, dass sich vorhandene Räume gezielt aufwerten lassen. Wer die Maßnahmen bündelt und die Kosten über ihre Nutzungsdauer betrachtet, kann auch bei begrenzten Mitteln Handlungsspielräume erkennen.“

Die Stiftung empfiehlt Schulträgern, besonders belastete Räume zu identifizieren und gemeinsam mit Schulen und Fachleuten passende Sanierungsschritte zu entwickeln. Vorhandene Ausstattung sollte dabei möglichst weitergenutzt werden. Die Wissensplattform „Zukunftsraum Schule“ und der Leitfaden „Klassenräume SMART sanieren“ bieten dazu wissenschaftliche Grundlagen und praktische Orientierung.
„Junge Menschen wünschen sich eine Schule, die ihnen gute Zukunftschancen eröffnet. Dazu gehören Räume, in denen sie gesund und konzentriert lernen können“, so Roßkothen. „Die Investitionen, die jetzt geplant und umgesetzt werden, können dafür über viele Jahre bessere Voraussetzungen schaffen.“
Über die Heinz Trox-Stiftung
Die 1991 gegründete Heinz Trox-Stiftung fördert Vorhaben in den Bereichen Bildung, Wissenschaft sowie Soziales und Kultur. Mit der Initiative „Zukunftsraum Schule“ bündelt sie Wissen und praktische Hilfestellungen für gesunde und lernförderliche Schulräume.
Weitere Informationen: www.heinz-trox-stiftung.de · www.zukunftsraum-schule.de
Dies ist eine Pressemitteilung der Heinz Trox-Stiftung.
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Schulbau & Schulausstattung“.
Lehrerverband fordert nach brisanter Studie: Schulgebäude müssen gesünder werden









