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Burschenschaften streiten um Abgrenzung nach rechts

EISENACH. In einem offenen Richtungsstreit über den Umgang mit rechtsextremen Tendenzen in den eigenen Reihen ist das Burschenschaftstreffen in Eisenach zu Ende gegangen.

Eine Mensur ist ein traditioneller, streng reglementierter Fechtkampf zwischen zwei männlichen Mitgliedern von Studentenverbindungen mit scharfen Waffen. Illustriation: Wikimedia Commons

Eine Mensur ist ein traditioneller, streng reglementierter Fechtkampf zwischen zwei männlichen Mitgliedern von Studentenverbindungen mit scharfen Waffen. Illustriation: Wikimedia Commons

Der Burschentag als Kernveranstaltung des Treffens wurde nach kontroversen Diskussionen vorzeitig beendet. Die Debatte solle nun auf einem außerordentlichen Burschentag im Winter weitergeführt werden, sagte Christoph Basedow, Sprecher der Deutschen Burschenschaft. Symptom für den tiefen Riss ist der Rücktritt von fünf Vorstandsmitgliedern, die sich der liberalen Strömung zurechnen.

«Inhaltlich zeigte sich, dass die seit über 100 Jahren bestehenden Flügel der Deutschen Burschenschaft einer neuen Bewertung ihres Verhältnisses zueinander bedürfen», erklärte der Dachverband am Sonntag auf seiner Internetseite. Eine ursprünglich für Sonntag angesetzte Pressekonferenz wurde ohne Angaben von Gründen abgesagt. Der Burschentag ist eine Art Parlament der Burschenschaften.

Basedow betonte mehrfach: «Bisher hat noch keine Burschenschaft offiziell ihren Austritt aus dem Verband erklärt.» Er wolle dies aber nicht ausschließen. Mit einer Spaltung rechne er indes nicht, sagte er. Die bereits Ende 2011 gegründete Initiative «Burschenschafter gegen Neonazis» sprach hingegen von bis zu 25 Burschenschaften, die das Treffen in Eisenach und den Dachverband verlassen hätten. Basedow wiederum verwies darauf, dass ein Austritt bestimmten Regeln zu folgen habe. Die Deutsche Burschenschaft vertritt nach eigenen Angaben 10 000 Burschenschafter in mehr als 100 Mitgliedsverbänden.

Zum Eklat war es gekommen, als fünf Vorstandsmitglieder der liberalen Strömung aus Protest gegen rechtsextremistische Tendenzen im Verband ihre Ämter niedergelegt hatten. Anlass war die Bestätigung eines Vorstandsmitglieds, dem Rechtsextremismus vorgeworfen wird, im Amt. Das umstrittene Vorstandsmitglied soll den von den Nationalsozialisten ermordeten Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als «Landesverräter» bezeichnet und dessen Hinrichtung verteidigt haben.

Die Ende 2011 gegründete Initiative «Burschenschafter gegen Neonazis» erklärte, die Bestätigung des als Chefredakteur des Verbandsblatts tätigen Vorstandsmitgliedes sei «für jeden demokratischen Burschenschafter ein Schlag ins Gesicht».

Gegen das Burschenschaftstreffen an historischem Ort – 1817 hatten rund 500 Studenten und Professoren beim Wartburgfest in Eisenach ein Ende der Kleinstaaterei in Deutschland gefordert – protestierten am Samstag nach Polizeiangaben 200 Demonstranten. Das veranstaltende Bündnis gegen den Burschentag, zu dem Gruppen aus Marburg, Göttingen, Jena und dem Wartburgkreis gehören, sprach von 400 Protestierenden. Bis auf drei Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung verlief der Protest friedlich. KATRIN ZEISS, dpa

Zum Bericht: „Burschenschaften rechnen mit kontroverser Neonazi-Debatte“

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