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Studie Lehrerberuf: hohes Ansehen, aber geringe Anziehungskraft

BERLIN. Lehrer genießen in der Bevölkerung insgesamt hohes Ansehen für ihre Tätigkeit. Dennoch kann sich weniger als ein Fünftel der Befragten vorstellen, Lehrer zu werden. Das ist das Ergebnis der Repräsentativbefragung „Geeignet für den Lehrerberuf?“ des Instituts für Demoskopie Allensbach.Dafür wurden im April 2012 1.597 mündlich-persönliche Interviews mit Menschen ab 16 Jahren durchgeführt.

Lehrer genießen ein hohes Ansehen bei den meisten Menschen (Foto: Robert Agthe/Flickr CC BY 2.0)

Lehrer genießen ein hohes Ansehen bei den meisten Menschen (Foto: Robert Agthe/Flickr CC BY 2.0)

 

Studien zufolge gehört der Lehrerberuf in Deutschland zu den angesehendsten Berufen. So schätzen beispielsweise 38 Prozent der Bevölkerung diesen Beruf am meisten. Dass die Deutschen mit dem Lehrerberuf insgesamt Positives verbinden, zeigt auch die aktuelle Befragung „Geeignet für den Lehrerberuf?“, die im Auftrag der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG in Zusammenarbeit mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft durchgeführt wurde. So heben in der Untersuchung 78 Prozent die Sicherheit des Arbeitsplatzes hervor, drei Viertel den kontinuierlichen Kontakt zu anderen Menschen, 71 Prozent die langen Ferienzeiten und 68 Prozent die gute Altersabsicherung. Darüber hinaus lässt sich der Lehrerberuf für 59 Prozent der Befragten gut mit dem Familien- und Privatleben vereinbaren und jeder Zweite betont die geregelten Arbeitszeiten.

Gleichzeitig geben laut der Studie 72 Prozent an, dass Lehrer hohen psychischen Belastungen ausgesetzt sind, zwei Drittel sagen, dass sie einen anstrengenden Beruf ausüben, und ebenso viele sehen Lehrer oft in der Kritik stehen. Dass das Image des Lehrerberufs durchaus ambivalent ist, zeigt der Befund, dass 61 Prozent finden, Lehrer würden oft über ihre beruflichen Belastungen klagen.

Nur wenige ziehen Lehrerberuf in Betracht

Der Untersuchung zufolge können sich daher lediglich 18 Prozent der Befragten vorstellen, Lehrer zu werden. Hingegen verneinen 71 Prozent die Frage, ob der Lehrerberuf etwas für sie wäre, entschieden. Als Gründe hierfür werden unter anderem der Stress und die (weniger guten) Aufstiegsmöglichkeiten genannt. Ein wichtiger Faktor für die geringe Anziehungskraft des Lehrerberufs ist laut der Studie, dass sich zwei Drittel aller Berufstätigen wünschen, dass ihnen ihre Arbeit Spaß macht – aber nur 18 Prozent gehen davon aus, dass der Lehrerberuf Freude bereitet. „Es ist wichtig, dass der Lehrerberuf weit mehr als bisher als attraktive Karriereoption mit enormen Gestaltungschancen wahrgenommen wird. In der Schule entscheidet sich in hohem Maße die Zukunft unserer Kinder und damit unserer Gesellschaft. Dies mitgestalten zu können, ist sehr erfüllend“, betont Dr. Arndt Schnöring, Generalsekretär der Stiftung der Deutschen Wirtschaft.

Dass bei den Lehrern die Freude am Beruf eindeutig überwiegt, hat jüngst die Studie „Lehre(r) in Zeiten der Bildungspanik“ der Vodafone Stiftung Deutschland gezeigt. Der zufolge bereitet 71 Prozent der Lehrer ihr Beruf überwiegend Freude, 41 Prozent sagen, dass die Freude deutlich stärker ist. Bei rund jedem fünften Lehrer ist es hingegen der Frust. Demnach ist die Mehrheit der Lehrer insgesamt von der Attraktivität ihres Berufs überzeugt. Carl-August Graf von Kospoth, Geschäftsführender Vorstand der Eberhard von Kuenheim Stiftung, betont: „Ein Großteil der Lehrer bestätigt, dass ihr Beruf ihnen Spaß macht. Diese Botschaft muss in der Gesellschaft noch deutlicher ankommen, um die Geeignetsten für den Lehrerberuf zu gewinnen.“

Lehrerberuf = Frauenberuf?

Dass der Lehrerberuf nur von wenigen angestrebt wird, lässt sich laut den Autoren der Studie nicht darauf zurückführen, dass zu wenige Berufstätige über die entsprechenden Qualitäten für den Lehrerberuf verfügen. So ist die Mehrheit der Berufstätigen nach eigenen Angaben bereit, Verantwortung zu übernehmen, und schätzt sich als durchsetzungsstark ein. Auch an mangelnder Bereitschaft und Freude, immer wieder etwas Neues zu lernen, liegt es nicht. Dazu sind zwei Drittel aller Berufstätigen bereit. Der Untersuchung zufolge geben 58 Prozent an, gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen zu können und fast jeder Zweite kann – ebenfalls nach eigener Einschätzung  – gut erklären. So sind in der Bevölkerung viele der Kernkompetenzen, die Lehrer benötigen, zu finden. Bei Personen, die sich für den Lehrerberuf interessieren, sind diese Eigenschaften noch stärker ausgeprägt: Von ihnen sagen 81 Prozent, dass sie gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen können, zwei Drittel, dass sie gut erklären können, weitere 61 Prozent geben an, dass sie auf andere motivierend und begeisternd wirken.

Kaum Unterschiede zwischen denjenigen, die dem Lehrerberuf aufgeschlossen gegenüberstehen, und denen, die es sich nicht als Beruf vorstellen können, gibt es bei anderen Einstellungen zum Beruf, wie beispielsweise der Stressresistenz oder dem starken beruflichen Engagement. So gab gut ein Drittel der Berufstätigen an, für einen interessanten Beruf vieles im Privatleben zu opfern, von den am Lehrerberuf Interessierten waren es 37 Prozent. Auch beruflicher Erfolg ist beiden Gruppen nahezu gleich wichtig: 26 Prozent der Berufstätigen und 24 Prozent der am Lehrerberuf Interessierten halten die Karriere im Beruf für ein wichtiges Ziel.

Dass der Lehrerberuf zunehmend zu einem Frauenberuf wird, zeigt sich in den Umfrageergebnissen nur andeutungsweise: Der Anteil der Frauen, die sich vorstellen können, Lehrerin zu werden ist mit 19 Prozent zwar etwas höher als bei den Männern (15 Prozent). Allerdings spiegelt sie die „allgemeine Tendenz, dass immer mehr Frauen und immer weniger Männer den Lehrerberuf ausüben, nur bedingt wider“, heißt es in der Studie. (kö)

(14.6.2012)

 

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