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NRW: Auch an neuen Sekundarschulen kein gleicher Lohn für gleiche Arbeit

DÜSSELDORF. Die 42 neuen Sekundarschulen, die nach den Sommerferien an den Start gehen, bringen nicht nur unterschiedliche Schulformen zusammen. Unter ihrem Dach arbeiten dann auch Haupt-, Realschul- und Gymnasiallehrer gemeinsam. Sie gehören zwar zum selben Kollegium – gleich bezahlt werden sie deshalb aber noch nicht.

Lehrer, die von ihrer Ausbildung her die gymnasiale Oberstufe unterrichten können, werden eine Stufe höher eingruppiert als ihre Kollegen mit Befähigung für Real- oder Hauptschule. Beim Grundgehalt bedeutet das brutto mehrere Hundert Euro Unterschied pro Monat.

Bei getrennten Schulformen müssen Haupt- und Realschullehrer außerdem zehn Prozent mehr unterrichten als ihre Gymnasialkollegen. An der Sekundarschule dagegen gilt die Gymnasial-Stundenzahl für alle. Beides – gleiche Stundenzahl, aber unterschiedliche Gehälter – trifft damit auf die Sekundarschule wie auch auf die Gesamtschule zu.

Dorothea Schäfer, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW, will die ungleiche Bezahlung abschaffen, unabhängig von der Schulform: «Kleine Kinder, kleines Geld und große Kinder, großes Geld – das ist nicht in Ordnung.» Da künftig alle Lehrer einen Master-Abschluss brauchen, müsse dann auch die höhere Gehaltsgruppe für alle gelten. «Das ist eine anspruchsvolle Tätigkeit. Sie ist an den verschiedenen Schulen auf unterschiedliche Weise anspruchsvoll, aber das rechtfertigt keine unterschiedliche Bezahlung.»

Das sieht Brigitte Balbach, Vorsitzende des Verbands Lehrer NRW genauso: «Es ist nicht hinnehmbar, dass es Lehrkräfte erster und zweiter Klasse gibt – erst recht nicht unter einem Schuldach.» Wenn junge Lehrer künftig nicht alle in die höhere Besoldungsgruppe kämen, bestehe außerdem die Gefahr, das sie abwandern.

Auch der Verband Bildung und Erziehung VBE weist auf das künftig gleiche Studium hin und verlangt gleiches Geld für gleiche Arbeit. «Bildungsgerechtigkeit heißt nicht nur, dass Kinder die gleichen Chancen bekommen sollten – mehr Gerechtigkeit muss auch für Lehrer gelten», meint der VBE-NRW-Vorsitzende Udo Beckmann.

Der Philologenverband, der vor allem Gymnasiallehrer vertritt, legt den Schwerpunkt anders: «Dass Lehrer an der gleichen Schule arbeiten, aber mit unterschiedlichen Voraussetzungen und damit auch unterschiedlicher Bezahlung, ist nicht ungewöhnlich», sagt der Vorsitzende der NRW-Philologen, Peter Silbernagel. Selbst bei gleichem Studienabschluss erfüllten Lehrer, die die gymnasiale Oberstufe unterrichteten, auch künftig andere Anforderungen.

Das NRW-Schulministerium sieht das Problem, legt sich aber noch nicht fest: «Durch die Reform der Lehrerausbildung werden wir zukünftig gleich lange Ausbildungszeiten haben.» Nun sei der Landtag gefragt, um in der laufenden Legislaturperiode zu entscheiden, welche Folgen das für die Besoldung habe. dpa

(15.8.2012)

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