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Abbau von Lehrerstellen: GEW wirft Kretschmann Wortbruch vor

STUTTGART. Der angekündigte Abbau von 11.600 Lehrerstellen in Baden-Württemberg nimmt Konturen an: Im nächsten Jahr sollen die ersten 1.000 Stellen an den Schulen gestrichen werden. Die GEW sieht darin einen Bruch von Wahlversprechen.

Wahlversprechen gebrochen? Winfried Kretschmann im Wahlkampf. Foto: Grüne Baden-Württemberg / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Wahlversprechen gebrochen? Winfried Kretschmann im Wahlkampf. Foto: Grüne Baden-Württemberg / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den geplanten Abbau von Lehrerstellen in Baden-Württemberg scharf kritisiert und der Landesregierung Wortbruch vorgeworfen. Wenn Lehrerstellen gestrichen würden, könnten die meisten grün-roten Reformen nicht mehr umgesetzt werden, teilte die Landesvorsitzende Doro Moritz mit. «Grün-Rot bricht die Wahlversprechen und den eigenen Koalitionsvertrag, in dem bessere Bildung für alle angekündigt wurde.» Kritik kam auch von FDP und CDU, die die Qualität des Schulunterrichts in Gefahr sehen.

Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) wies Befürchtungen zu Unterrichtsausfällen zurück. «In einem sind wir uns alle einig: dass wir auf jeden Fall die Unterrichtsversorgung sicherstellen werden», sagte sie. Die Pflichtfächer würden abgedeckt, und auch die wichtigsten Bestandteile des Ergänzungsunterrichts würden abgebildet. Wenn eine Grundschule beispielsweise keinen Sprachförderunterricht mehr anbieten könne, sei das für sie ein Ausfall, der nicht hinzunehmen sei. Auch werde es keine Arbeitszeiterhöhungen für die Lehrer geben, sagte die Ministerin.

Die Ministerin bekräftigte aber das Ziel von Grün-Rot, bis 2020 wegen zurückgehender Schülerzahlen insgesamt 11.600 Lehrerstellen abbauen zu wollen. Die Schüler sollten darunter aber nicht leiden. So würden kurzfristig die Mittel für Krankheitsvertretungen von Lehrern aufgestockt. Allerdings gebe es fast 10.000 Lehrerstellen, die nicht direkt der Unterrichtsversorgung dienten – das sind zum Beispiel Lehrer, die in Personalräten arbeiten. Das Ministerium will diese Stellen nach weiteren Sparmöglichkeiten durchforsten.

“Ungereimtheiten und Ungleichheiten”

Die Kultusministerin berichtete, dass sich etwa 100 weitere Schulen dafür interessieren, Gemeinschaftsschulen zu werden. Gerade erst gingen 42 an den Start – die Gemeinschaftsschule ist ein grün-rotes Reformprojekt. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Georg Wacker, forderte die Regierung auf, erst ein Gesamtkonzept vorzulegen und dieses mit allen Beteiligten abzustimmen, bevor die Gemeinschaftsschule ausgebaut wird. Der Bildungsexperte der FDP-Fraktion, Timm Kern, meinte, bereits heute kämpften Schulen nicht selten gegen Personalmangel.

Derzeit laufen die Gespräche für ein Sparpaket den Doppelhaushalt 2013/2014, in dem auch das Kultusministerium seinen Beitrag leisten muss. Die Ministerin sagte: «Wir werden uns sehr genau anschauen, wie Kapazitäten für die Unterrichtsversorgung verteilt werden.» Manche Schulen seien überversorgt, andere – wie die Berufsschulen – hätten zu wenig Lehrer. «Es gibt Ungereimtheiten und Ungleichheiten.» Nach den bisherigen Planungen schlägt sich der Abbau von 1000 Lehrerstellen 2013 mit 23 Millionen Euro im Haushalt zu Buche. Für 2014 ist geplant, weitere 1200 Stellen zu streichen – das entlastet den Haushalt nach Angaben des Ministeriums um 38 Millionen Euro. dpa
(15.9.2012)

3 Kommentare

  1. Enttäuschend ist das schon, dass unter Grün-Rot genauso im Bildungsbereich gespart wird wie unter (fast) allen anderen Regierungskonstellationen auch. Ist es also völlig egal, wer regiert? Gespart werden muss? Oder ist es etwas Systemimmanentes, das zum Sparen zwingt und keine Alternativen bietet (innerhalb des Systems)? Wo ist denn das Geld eigentlich hin, das früher dafür da war?!? (Mir fällt da gerade die große Steuerreform unter Gerhard Schröder ein. Oder?)

  2. Es ist offensichtlich, dass die derzeitige Regierung in BW plan-, kompetenz- und konzeptlos los ist.
    Kein fertiges Konzept bei der Einführung der Gemeinschaftsschule, Lehrerabbau, obwohl z. B. in Berufsschulen nicht einmal aller Pflichtunterricht gehalten werden kann, Kürzung der Eingangsgehälter und weitere Sonderopfer der Beamten, wo man jetzt schon keine Lehrkräfte für z. B. Mathematik mehr findet…eine Kultusministerin, die nicht weiß, dass man an Beruflichen Schulen die allgemeine Hochschulreife erwerben kann und bei der offiziellen Pressekonferenz vor Schulbeginn im Urlaub weilt, Überlegungen die Fremdevaluation zu kürzen, die dafür sorgt, dass Schulentwicklung an den Schulen verbindlich ist und Synergiekräfte erzeugt, Überlegungen Gelder der Qualitätsoffensive Bildung nicht weiterzufinanzieren und und und …einfach peinlich.

    “Mappus weg” war richtig, aber das ist mindestens genau so schlimm!!!
    Nie mehr rot-grün!

  3. Ha, ich stelle oben die Frage und heute kommt in den Medien die Antwort: “Deutsche werden immer reicher”. Nicht alle natürlich, einige. Das ist das Ergebnis der Politik seit Gerhard Schröder. Einige werden immer reichen und die Allgemeinheit immer ärmer. Der Staat hat kein Geld mehr für Gemeinschaftsaufgaben und so verrotten und verkommen eben auch die Schulen. Meiner Meinung nach hat die Politik hier vor Jahren eine falsche Richtung eingeschlagen. Siehe: http://www.focus.de/finanzen/news/vermoegende-oberschicht-arme-republik-trotz-finanzkrise-reiche-deutsche-werden-immer-reicher_aid_821687.html

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