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Missbrauchsstudie: Bischöfe drohen Prof. Pfeiffer jetzt mit Klage

HANNOVER. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) hat angekündigt, eine Untersuchung zum Thema Missbrauch durch Würdenträger der Katholischen Kirche nun ohne Mitwirkung der deutschen Bischöfe erarbeiten zu wollen. Diese drohen dem Leiter des KFN, Prof. Christian Pfeiffer,  nun mit einer Unterlassungsklage, sollte er weiterhin behaupten, dass  „Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche“  zur Kündigung des Forschungsauftrags geführt hätten.

Zeigt sich unbeeindruckt von den Drohungen der Deutschen Bischofskonferenz: Prof. Christian Pfeiffer. Foto: Bischöfliche Pressestelle Hildesheim (bph) / Wikimedia Commons

Zeigt sich unbeeindruckt von den Drohungen der Deutschen Bischofskonferenz: Prof. Christian Pfeiffer. Foto: Bischöfliche Pressestelle Hildesheim (bph) / Wikimedia Commons

Nach Auskunft eines Rechtsbeistandes der Kirche wurde Pfeiffer gestern die Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung mit Strafandrohung zugestellt, wie die „Rheinische Post“ berichtet. Den allerdings ficht das offenbar nicht an: In einer aktuellen Presseerklärung weist er wiederum die Erklärung der Bischöfe, die Zusammenarbeit sei wegen eines Streits um den Datenschutz beendet worden, als unwahr zurück.  Und er kündigte an, die geplante Untersuchung zumindest teilweise nun auf eigene Faust durchführen zu wollen. Das KFN „appelliert an alle kirchlichen Missbrauchsopfer, freiwillig an einer anonymen Fragebogenerhebung des Instituts mitzuwirken“, heißt es. Diese sollten sich per Mail (kfn@kfn.de) oder brieflich (Lützerodestr. 9, 30161 Hannover) an das KFN wenden, damit ihnen ein Fragebogen geschickt werden könne.

Die deutschen Bischöfe wollen nun ihrerseits den Auftrag für eine Studie neu vergeben. „Die Deutsche Bischofskonferenz ist weiterhin überzeugt von der Notwendigkeit einer kriminologischen Erforschung des Themas sexueller Missbrauch Minderjähriger im kirchlichen Bereich. Sie wird daher einen anderen Vertragspartner für die Durchführung eines solchen Projektes suchen“, heißt es in einer Erklärung. Dazu werde es in den kommenden Wochen die nötigen Gespräche geben.

Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, wirft der Katholischen Kirche allerdings vor, sich dem Thema wohl nicht mehr ernsthaft stellen zu wollen. „Ich habe den Verdacht, dass starke Kräfte in der katholischen Kirche jetzt nach der Methode Vergessen-und-Vergeben arbeiten“, sagte Hilgers der „Saarbrücker Zeitung“. „Es gibt derzeit keine Missbrauchsskandale, über die öffentlich berichtet wird, und deshalb glaubt man in Kirchenkreisen jetzt offenbar, den Mantel des Schweigens darüber hängen zu können.“ Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sprach von einem „Schlag ins Gesicht der Opfer“. Es müsse schnell ein neuer Weg für die rückhaltlose Aufklärung gefunden werden, verlangte sie in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. (News4teachers)

10.1.2013

Zur Analyse: „Missbrauch: Die Katholische Kirche hat ein Glaubwürdigkeitsproblem“

Zum Bericht: „Katholische Kirche: Eklat um Forschungsauftrag zum Missbrauch“

 

 

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