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Missbrauchs-Vorwurf gegen Lehrer löst sich in Luft auf

HAMBURG. Der Vorwurf war heftig. Während einer Klassenfahrt nach Sylt soll ein Hamburger Lehrer Fünftklässler missbraucht haben. Doch die Ermittlungen zeigen offenbar: Der Pädagoge ist unschuldig.

Trügerische Idylle: Blick vom Jungenderholungsheim auf Sylt, in dem die Klasse sechs Tage verbrachte, auf die Nordsee. Foto: paulwb / flickr  (CC BY-NC-SA 2.0)

Trügerische Idylle: Blick vom Jungenderholungsheim auf Sylt, in dem die Klasse sechs Tage verbrachte, auf die Nordsee. Foto: paulwb / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Eltern hatten unmittelbar nach der Rückkehr der 5. Klasse eines Gymnasiums von einer Klassenfahrt nach Sylt Anzeige gegen einen der begleitenden Lehrer erstattet. Der Pädagoge soll sich mehreren Jungen unsittlich genähert haben. Das Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen. Die Schulbehörde reagierte sofort und beurlaubte den Mann noch für die letzten beiden Tage vor den Sommerferien. Mittlerweile habe die Stadt gegen ihren Angestellten eine Verdachtskündigung ausgesprochen, so berichtet der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (SHZ). Diese werde automatisch nichtig, sollten die Ermittlungen eingestellt werden.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) sah sich zu einer Stellungnahme genötigt.  „Das ist ein schwieriger Zwischenfall, der sehr bedauerlich ist“, sagte er laut „Hamburger Morgenpost“. Leider sei dies nicht das erste Mal, dass solche Vorwürfe erhoben würden. Bei 21.000 Lehrern und mehr als 240.000 Schülern in der Hansestadt passiere das immer wieder. Tatsächlich wurden laut Bericht in den vergangenen vier Jahren drei Disziplinarverfahren in Hamburg gegen Lehrer wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch eingeleitet.

Diesmal aber offenbar völlig zu unrecht. Die Vorwürfe gegen den Gymnasiallehrer wurden mittlerweile offenbar entkräftet. Zwar gibt es offiziell bislang keine Stellungnahme zu dem Verfahren. Mehrere Zeitungen berichten aber übereinstimmend, dass die bisherigen Zeugenvernehmungen durch Ermittler der Fachdienststelle für Sexualdelikte den Pädagogen entlastet hätten.

Offenbar hat der Lehrer Schüler getröstet

Es gebe derzeit keinerlei Anhaltspunkte, die einen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gegen den 46-Jährigen  geboten erscheinen ließen, verlautete laut SHZ die Hamburger Staatsanwaltschaft. Einzelheiten nannte eine Sprecherin gegenüber der Redaktion mit Hinweis auf weiter laufende Ermittlungen nicht. Noch seien nicht alle der betroffenen Schüler vernommen worden. Formal gelte der Lehrer damit weiterhin als Beschuldigter. Dennoch zeichne sich ab, dass es in dem Ferienheim auf Sylt nicht zu den angezeigten sexuellen Übergriffen gekommen ist.

Was in den sechs Tagen der Klassenreise im Jugenderholungsheim genau dazu geführt hat, dass es zu den Vorwürfen kam, ist unklar. Laut SHZ hatte der Pädagoge offenbar mehrere der Fünftklässler getröstet, die während der Klassenreise unter Heimweh litten. Dabei sei es auch zu Berührungen gekommen, die aber wohl nicht den Tatbestand der sexuellen Missbrauchs oder der sexuellen Nötigung erfüllen. Möglich sei, dass die Kinder auf Suggestivfragen von Eltern die Berührungen fälschlicherweise als Übergriff dargestellt hatten.

„Kinder haben heute nicht mehr die emotionale Bindung zu Lehrern. Sie sind auch nicht unbedingt Vertrauensperson und schon gar nicht Ersatz für Eltern“, so warnt der Kriminologe Wolf-Reinhard Kemper von der Leuphana Universität Lüneburg Lehrer dem „Hamburger Abendblatt“ zufolge. „Was Kinder betroffen machen kann, ist die Verletzung der persönlichen Distanz. Kinder nehmen Situationen anders wahr als Erwachsene.“ Lehrer sollten sich daher hüten, eine gewisse Distanz zu durchbrechen. Das könne von Kindern falsch aufgenommen werden – und zu einer kollektiven Betroffenheit führen.

Am Gymnasium heißt es laut „SHZ“, der Pädagoge sei sowohl im Kollegium als auch unter den Schülern äußerst beliebt. Der Mathe- und Religionslehrer sei nur auf besonderen Wunsch der Schülerschaft überhaupt mit nach Sylt gereist. News4teachers

Zum Bericht: „Jungen bei Klassenfahrt missbraucht? – Lehrer unter Verdacht“

10 Kommentare

  1. mehrnachdenken

    Es freut mich, dass die Redaktion schnell reagiert und ein wenig Licht ins Dunkel gebracht hat.

    Was mich aufregt, ist das mit Verlaub „Geschwafel“ des Kriminologen von der Uni Lüneburg. Was will er uns damit eigentlich sagen?
    Heute darfst du Kinder nicht mehr in den Arm nehmen, um sie zu trösten. Da läufst du Gefahr, des sexuellen Missbrauches bezichtigst zu werden. Anstatt sich darüber zu freuen und dankbar dafür zu sein, dass es dort einen Pädagogen gibt, der seine Aufgabe ernst nimmt und ängstliche, traurige oder verzweifelte Kinder emotional auffängt, lassen einige Eltern offensichtlich ihrer wilden Fantasie freien Lauf, und schon schlägt die Behörde zu.
    Ach ja, die Behörde! Warum fährt sie – ohne offensichtlich den betroffenen Lehrer vorher gehört zu haben, so „schwere Geschütze“ auf und lässt den Lehrer vor den Augen der Schüler wie einen Schwerverbrecher abführen? Ein Telefonat oder Gespräch mit dem Lehrer hätte gereicht, um den Vorgang aufzuklären!

    „Leider sei dies nicht das erste Mal, dass solche Vorwürfe erhoben würden. Bei 21.000 Lehrern und mehr als 240.000 Schülern in der Hansestadt passiere das immer wieder. Tatsächlich wurden laut Bericht in den vergangenen vier Jahren drei Disziplinarverfahren in Hamburg gegen Lehrer wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch eingeleitet.“

    Aha, in den letzten vier Jahren wurden drei Disziplinarverfahren wegen des Verdachtes auf sexuellen Missbrauch eingeleitet. Nun verrät uns der Schulsenator nicht, ob an den Anschuldigungen auch etwas dran war.
    Vielleicht sollte die Behörde den aktuellen Fall einmal nutzen und ihren Maßnahmenkatalog überprüfen, um dann angemessener regagieren zu können. Es wird ganz sicher nicht der erste Fall sein, in dem durch das übereilte Verhalten einer Behörde ein bis dato vollkommen unbescholtener Lehrer in große persönliche Not geraten ist.

    Eltern, die den Lehrer falsch beschuldigt haben, werden – wie immer – keinerlei rechtliche Konsequenzen befürchten müssen. Neben der unangemessenen Reaktion der Behörde ist das für mich der zweite Skandal.

  2. Wer als Lehrer sicher sein will, kann nur noch eins machen: nicht auf Klassenfahrt gehen, Abstand halten, sein Fach vermitteln und nichts weiter.

    • So ist es heute leider. Im Umgang mit Kindern können Männer gar nicht vorsichtig genug sein.
      Im Artikel „Erzieheranteil an Kitas soll sich versechsfachen“ ist u .a. zu lesen:
      „Mit einer Imagekampagne wollen Kita-Träger das verbreitete Bild von der Erzieherin als Basteltante korrigieren und die Männer-Quote unter den Erziehern auf 20 Prozent steigern.
      …Zum schlechten Ruf des Erziehers käme mitunter das Vorurteil hinzu, dass Männer zu sexuellem Missbrauch von Kindern neigen, sagte Kampagnensprecherin Monika Bender.
      Wer Männer in Kitas holen will, muss aber etwas gegen diesen Generalverdacht tun.“

    • hilarus@t-online.de

      Sie irren, „Reinhard“. Wer als Lehrer sicher sein will, sollte den Beruf verlassen! Besser aber nicht Zoten reißender Komiker werden, dann gerät man – padautz – in die nächste Falle.

      „mehrnachdenken“, wo bleibt ihre Standard-Frage: Und was wurde aus dem Fall nun endgültig?
      (Alles muß man selber machen!) 😉

  3. Auch „Scheidungs-Väter“ werden bei einem Sorgerechtsstreit um die Kinder auffallend häufig unter Missbrauchs-Verdacht gestellt. Er ist ein beliebtes Mittel , um ihnen den Umgang mit den Kindern zu verwehren. Hier spielen sich zahlreiche Väter-Tragödien ab, die der Öffentlichkeit verborgen bleiben.
    Ich kann dem allmählich verrückt spielenden Feminismus den Vorwerf nicht ersparen, die Männer leichtfertig als sexistische Ungeheuer abzustempeln.
    Nicht nur im Umgang mit Kindern werden sie unter Generalverdacht gestellt, sondern auch im Umgang mit Frauen. Mit dieser Keule können Frauen gar zu oft ihren Willen durchsetzen und jeden Mann mit üblen Folgen für dessen Existenz aus dem Feld schlagen.

  4. Einer Lehrerin wäre das nie passiert. Das ist gelebter Männerhass im Zeitalter des Feminazitums.

    • Sie sagen es! Die zerstörerische Seite der ohnehin scheußlichen Gender-Ideologie ist die gnadenlose Diffamierung der Männer. Wenn so Frauenrechte „erkämpft“ werden, diskreditieren sie sich von selbst.
      Unverständlich ist mir in diesem Zusammenhang, warum es auch Männer gibt, die fast noch militanter für Frauen“vor“rechte eintreten als die typischen Frauenrechtlerinnen.

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