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Gemeinschafts- und Sekundarschulen in NRW auf dem Vormarsch

DÜSSELDORF. Der Trend in Nordrhein-Westfalen geht zu Schulen, die Bildungswege möglichst lang offen lassen. Das geht besonders auf Kosten der Hauptschulen. Trotz kleinerer Klassen blieben Hauptschüler außerdem überdurchschnittlich oft sitzen.

Die sinkenden Schülerzahlen haben in Nordrhein-Westfalen noch nicht zu wesentlich kleineren Klassen geführt. Das geht aus neuen Daten hervor, die Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Freitag in Düsseldorf vorgelegt hat. Demnach besuchen, je nach Schulform, im Durchschnitt etwa 22 bis 28 Schüler eine Klasse.

Sylvia Löhrmann bei einer Schulaktion der Grünen Jugend

Durch die Entwicklung bei den neuen Schulformen, werden schon jetzt 139 traditionelle Schulen überflüssig. (Sylvia Löhrmann (3 von links) bei einer Aktion der Grünen Jugend 2009). Foto: patje_de / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Auffällig ist die Entwicklung an Hauptschulen: Hier wurde in den vergangenen Jahren besonders viel investiert und die Klassenfrequenz ist am günstigsten. Dennoch wächst hier aber seit drei Jahren die Quote der Sitzenbleiber. Fünf Prozent aller Hauptschüler blieben im abgelaufenen Schuljahr sitzen. Das sind gut doppelt so viele wie im Durchschnitt aller Schulformen (2,4 Prozent).

Der Hauptschule laufen weiter in rasantem Tempo die Schüler weg, während alle Schulen, die Bildungswege länger offenhalten, sich wachsender Beliebtheit erfreuen. «Das Interesse von Kommunen und Eltern an neuen Schulen des längeren gemeinsamen Lernens ist ungebrochen», stellte Löhrmann fest.

Innerhalb von drei Jahren sei die Zahl der Gemeinschafts-, Gesamt- und Sekundarschulen um 40 Prozent auf rund 380 gewachsen. 139 traditionelle Schulen werden aufgrund dieser Entwicklung schrittweise überflüssig und nehmen in der 5. Klasse keine neuen Schüler mehr auf.

Was bislang fehlt, sind stichhaltige Erhebungen über den landesweiten Unterrichtsausfall. Dazu will das Schulministerium bis zum Jahresende einen Vorschlag vorlegen. Zuletzt hatte es in einer Stichprobe 2009 ermittelt, dass etwa 2,3 Prozent aller Unterrichtsstunden ausgefallen seien. Der Landesrechnungshof war ein Jahr zuvor auf 5,8 Prozent gekommen. Daher soll jetzt eine belastbarere Erfassungsmethode gesucht werden.

Trotz der notwendigen Kürzung der Mittel für den Vertretungsunterricht von 50 auf 35 Millionen Euro, sei ein großer Teil des Budgets für die restlichen Monate des Jahres aber noch verfügbar, sagte Löhrmann. Die CDU nannte die Kürzungen «unverantwortlich». Löhrmann streiche die Mittel zusammen, «obwohl sie noch nicht einmal ansatzweise weiß, wie viel Unterricht in den Schulen in NRW ausfällt».

Extrem niedrig sei in diesem Jahr die Zahl der unbesetzten Lehrerstellen, sagte Löhrmann. Im aktuellen Bewerbungsverfahren seien nur 217 Stellen noch nicht vergeben. Bei einer Gesamtstellenzahl von fast 154 000 liege die Quote damit nur bei 0,14 Prozent. Bislang wurden in diesem Jahr 5400 Lehrer in den Schuldienst eingestellt. Das Land beschäftigt insgesamt rund 200 000.

Für das kommende Schuljahr wird in NRW ein Rückgang der Schülerzahlen um 2,6 Prozent auf 2,6 Millionen prognostiziert. Das sind 69 000 weniger als im abgelaufenen Schuljahr. Überdurchschnittlich fällt die Entwicklungskurve mit einem Minus von 12,5 Prozent weiter bei den Hauptschulen.

Mittelfristig laufe NRW auf ein zweigliedriges Schulsystem zu, stellte der Verband Bildung und Erziehung in einer Mitteilung fest: «Gymnasium und die Schulen des längeren gemeinsamen Lernens.» Der überwiegend Realschullehrer organisierende Verband Lehrer NRW sieht das als «Weichen Richtung Einheitsschule». Die SPD-Fraktion bezeichnete die Entwicklung hingegen als «richtige Antwort auf neue Herausforderungen».

Die Lehrerverbände beklagten, ebenso wie FDP und CDU, Löhrmann lasse offen, wie künftig gemeinsamer Unterricht mit Behinderten an Regelschulen konkret umgesetzt werden könne. (dpa)

Zum Bericht: Primusschule und Islamunterricht – so startet NRW ins Schuljahr

Zum Bericht: In Rheinland-Pfalz hat das Schuljahr begonnen – erstmals ohne Hauptschulen

Ein Kommentar

  1. künftig also Gymnasien, Realschulen und Gemeinschaftsschulen.

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