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Schulgärten machen Stadtkindern die Natur schmackhaft

MÜNCHEN. Sie buddeln, sie säen und sie ernten. Im Schulgarten lernen Stadtkinder Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt und woher die Tomate auf der Pizza kommt.

Stolz trägt Xenia einen rechteckigen Holzkasten über die Wiese in Richtung Beet. Er ist gefüllt mit Halmen, Reisig und Laub. «Das ist ein Insektenhotel», erklärt die Elfjährige, «da können Bienen, Hummeln und auch Marienkäfer drin wohnen.» Auch Nuba und Nermin helfen kräftig mit. Die beiden Mädels schnappen sich Setzlinge aus dem Laderaum des Transporters: Bayerische Feige gibt es zur Auswahl, Haselnuss und blühende Osterglocken. Die Jungs dagegen erobern gleich die Gartengeräte und können es kaum erwarten, in der feuchten Erde rumzubuddeln.

Was blüht denn da? – Schulgärten können dazu beitragen, dass Schüler einen Bezug zur Natur und ihrer Ernährung bekommen. Foto: net_efekt / flickr (CC BY 2.0)

Was blüht denn da? – Schulgärten können dazu beitragen, dass Schüler einen Bezug zur Natur und ihrer Ernährung bekommen. Foto: net_efekt / flickr (CC BY 2.0)

Im Garten des Tillmann Kinder- und Jugendhauses geht es geschäftig zu. Denn gleich hinter dem Basketballplatz und neben dem Klettergerüst werden Hochbeete angelegt – und alle Kinder helfen mit. In Zusammenarbeit mit der BayWa-Stiftung soll hier ein Schulgarten entstehen: «Gemüse pflanzen, Gesundheit ernten», so das Motto des Projekts. Die Schüler sollen sich praktisch mit Nahrung und Pflanzen auseinandersetzen.

«Vor allem die Ernährungsgewohnheiten der Kinder zu Hause sind anders», erklärt Alois Buchinger, Direktor des Kinderhauses. «Viele Kinder kommen ohne Frühstück in die Schule oder essen sonst nur Fertigprodukte.» Hier kann ein Schulgarten einen direkteren Bezug zur gesunden Ernährung schaffen.

Die Kinder lernen: Nahrungsmittel sind wertvoll; es muss viel Zeit in Pflege und Ernte investiert werden. Mit dem Jäten der Beete und Gießen der Sträucher übernehmen sie Verantwortung. Für Xenia, Nuba und Nermin gibt es zum Garten auch gleich einen Kalender dazu. Jeden Monat wird eine andere Obst- oder Gemüsesorte erklärt. Und nebenbei wird eingetragen, wer sich wann um die Pflege kümmert. So wird sichergestellt, dass die Beete im Laufe des Schuljahres nicht verkommen. Auch eine wichtige Lektion für die Kinder: Nur bei regelmäßiger Pflege gibt es am Schluss leckeres Obst und Gemüse.

«Schulgärten sind spezielle Lernorte», sagt Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU). «Unsere heimische Natur, die Artenvielfalt und die Kulturlandschaft werden durch sie erlebbar.» Denn vor allem in den Städten sind die Bauernhöfe und Felder weit weg. Dabei ist das Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt eines der obersten Bildungsziele des Freistaates. Allein in München gibt es deswegen 120 Schulgärten, so der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt.

Gegen eine Nahrungsmittelkultur der Gleichförmigkeit und hin zu mehr Naturbewusstsein und gesunder Ernährung: Große Ziele, die ein einfaches Blumenbeet erfüllen soll. Aber vielleicht macht es Kindern ja auch einfach Spaß, mit den Händen in der Erde rumzuwühlen. «Unkraut jäten und mit dem Gartenschlauch spritzen ist toll», freut sich Xenia. Nur einen sehnlichen Wunsch kann auch der größte Schulgarten nicht erfüllen: «Ein Schinkenbaum», sagt sie, «das wäre das Beste.» (Julian Stalter, dpa)

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Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten e.V.

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