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Gewalt an Hamburgs Schulen nimmt drastisch zu

HAMBURG. Ob Körperverletzung, Bedrohung, Raub oder Erpressung: Hamburgs Polizei registriert eine stark gestiegene Zahl von Straftaten  an Schulen. Die CDU warf Bildungssenator Rabe vor, das Problem zu verharmlosen. Der will nun eine Expertenkommission berufen um Lösungen zu finden.

Raub, Erpressung, Sexualdelikte, Prügeleien: Die Zahl der gemeldeten Straftaten an Hamburgs Schulen ist im Schuljahr 2013/2014 massiv gestiegen. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Antwort des SPD-Senats auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion wurden im vergangenen Schuljahr 1908 Fälle gemeldet – 805 mehr als im Schuljahr zuvor. In 317 Fällen drehte es sich um Meldungen der Kategorie I, also schwere Tatvorwürfe (plus 96 zu 2012/2013), in 1591 Fällen handelte es sich um die Kategorie II, also leichterer Delikte wie Diebstahl oder Körperverletzung (plus 709). Schulsenator Ties Rabe (SPD) kündigte an, dass sich eine Expertengruppe des Themas annehmen und Lösungsvorschläge erarbeiten werde.

Vor allem die Grund- (!) und Stadtteilschulen waren von Gewaltdelikten betroffen. Foto: danxoneil / flickr (CC BY 2.0)

Vor allem die Grund- (!) und Stadtteilschulen waren von Gewaltdelikten betroffen. Foto: danxoneil / flickr (CC BY 2.0)

«Es ist eine traurige Wahrheit und längst nicht mehr zu leugnen, dass Körperverletzungen, Bedrohungen und sexuelle Übergriffe längst zum Alltag an Hamburgs Schulen gehören», erklärte der CDU-Familienexperte Christoph de Vries. Er warf der Schulbehörde vor, die Probleme zu verharmlosen. «Statt sich mit den Ursachen ausufernder Gewalt ernsthaft (…) auseinanderzusetzen, führen Innen- und Schulbehörde Gespräche darüber, wie sie Statistik künftig frisieren können, um politisch unangenehme Diskussionen zu vermeiden.»

Hamburgs Schulen sind seit 2009 verpflichtet, Straftaten der Kategorie I der Polizei sofort zu melden. Bei der Kategorie II haben sie einen Ermessensspielraum. Der SPD-Senat erklärte in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage, dass sich der Anteil der Schulen mit Gewaltmeldungen seit 2008 von 32 auf inzwischen 70 Prozent erhöht habe. «Die Schulen haben in den letzten Jahren eine Kultur des Hinschauens entwickelt, sie reagieren sensibler und konsequent», sagte Schulsenator Rabe.

Außerdem weist der Senat darauf hin, dass bei 65 zwischen Januar 2013 und April 2014 gemeldeten gefährlichen Körperverletzungen nur 44 von der Polizei bestätigt worden seien. Insgesamt wurden im gesamten vergangenen Schuljahr 77 Fälle von gefährlicher Körperverletzung gemeldet, aber laut Schulbehörde noch nicht vollständig mit der Polizei abgeglichen. «Der Anstieg der Zahlen kann auf eine Zunahme von Gewalt in Schulen hinweisen», räumte Rabe ein. Er könne aber seine Ursache auch im genaueren Hinschauen oder in unterschiedlichen Maßstäben haben, was nun eine Expertengruppe klären soll.

Für de Vries ist diese Argumentation ein Unding: «Wenn man dieser Logik folgt, müsste die Polizei die Bürger auffordern, Strafanzeigen zu unterlassen, weil sich der Verdacht nicht in allen Fällen bestätigt.» Nicht weniger grotesk sei der Versuch, die Steigerung von Gewaltvorfällen mit dem geänderten Meldeverhalten zu erklären. Schließlich bestehe die Pflicht dazu inzwischen seit fünf Jahren.

Laut Senat wurden im vergangenen Schuljahr in der Kategorie I 36 Sexualdelikte, 120 Fälle von Bedrohung oder Nötigung und 66 Fälle von Raub oder Erpressung gemeldet. Außerdem notierte die Polizei zwölf Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie sechs Waffenverstöße. Die mit Abstand meisten Fälle – nämlich 1480 – betrafen einfache Körperverletzungen der Kategorie II wie Schubsen oder Treten. Nach Schulform aufgegliedert waren sowohl von Delikten der Kategorie I als auch II vor allem die Grund- und Stadtteilschulen betroffen.

Die mutmaßlichen Täter waren zu fast zwei Dritteln Jungen. Von 1620 ermittelten mutmaßlichen Tätern waren den Angaben zufolge in der Kategorie I 227 jünger als 14 Jahre und damit strafunmündig, in der Kategorie II waren es 979. Zu den Opfern gehörten vor allem die Schüler selbst, nämlich 1774 von 1944. Daneben traf es 82 Lehrer, 18 Erzieher und 9 Sozialpädagogen sowie 33 nicht genau zuordenbare Berufsgruppen wie Schulweghelfer. (dpa)

zum Bericht: Gewaltbereite Jugendliche – Forscher widerlegen Klischee des auffälligen Migranten

24 Kommentare

  1. Ein hausgemachtes Problem mit Migrationsverweigerern. Wann wird endlich eingeschritten?

    • Wenn ich nicht blind bin und ich Ihren Kommentar richtig interpretiere, muss ich die Worte „Ausländer“, „Zuwanderung“, „Migrationshintergrund“ u.ä. überlesen haben.

      Wie dem auch sei, hat die Zunahme der Gewalt mehr zu tun mit der fehlenden oder falschen Erziehung seitens der Eltern, Frust der Schüler z.B. wegen Perspektivlosigkeit nach der Schule, fehlender Kritikfähigkeit usw..

      • Sie haben die Worte “Ausländer”, “Zuwanderung”, “Migrationshintergrund” nicht überlesen. Sie tauchen in den Medien kaum mehr auf, um dem Fremdenhass und Rassismus keine Nahrung zu liefern, die der Integration schaden könnte.
        Wenn ich nicht irre, gibt es für die Nicht-Nennung ausländischer Namen und Wurzeln bei kriminellen Handlungen sogar eine relativ neue Verordnung. Vielleicht ist es auch nur eine Selbstverpflichtung.
        So gesehen hat Mokba mit seiner Vermutung vielleicht gar nicht so Unrecht. Jedenfalls ist Hamburg bekannt für seine übermäßigen Probleme mit Migranten.

  2. Der Wetterfrosch hat recht. In den Medien dürfen die Namen der Täter nicht mehr genannt werden, weil dadurch ein „schlechter“ Eindruck entsteht. So kann man die Realität verschleiern.

    • Danke. Allerdings fände ich dann das Wort „Integrationsverweigerer“ besser als „Migrationsverweigerer“. Letztere kann man dann für die Politiker sehen, die die Ausländer nicht mehr als solche nennen wollen.

      In wie fern meine Ursachen vermehrt bei ausländischer Herkunft auftreten, müsste man mal untersuchen. Wobei auch das Wort „Ausland“ geografisch falsch ist, passender wäre wohl Ost- und Südosteuropa.

      • Das ist längst untersucht. Ergebnis: Jugendliche mit Migrationshintergrund sind nicht häufiger gewalttätig und/oder kriminell. Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/kriminalitaet-von-migranten-laut-gutachten-nicht-hoeher-a-983536.html

        Dazu kommt: Dieses platte Gerede von „Ausländern“ hat ohnehin keinen Sinn – schon angesichts der Tatsache nicht, dass mehr als 25 Prozent der Schüler in Deutschland einen Migrationshintergrund haben (oftmals mit deutschem Pass – es sind also Deutsche). Genauso gut könnte man Statistiken darüber erheben, wie viele Blonde gewalttätig werden, und darüber eine politische Debatte führen wollen. Schwachsinn.

        Haben Sie schon Ihre Abstammungslinie untersucht, ob da alles schön Deutsch ist?

        • Das offizielle Ergebnis lautet in der Tat: „Jugendliche mit Migrationshintergrund sind nicht häufiger gewalttätig und/oder kriminell.“
          Mal daran gedacht, dass durch Anweisung auch in den Polizeiakten kein Vermerk mehr stehen soll über die Herkunft von Delinquenten?
          Ob sich das wohl auf die Statistik auswirkt?
          Warum nur werden so viele Anstrengungen unternommen, Fakten immer wieder unter den Tisch zu kehren? Auch Sie befleißigen sich ständig und an den verschiedensten Stellen dieser politisch korrekten Kunst.
          Probleme werden nicht gelöst durch Verleugnen, sondern durch ernst nehmen und über Lösungen nachdenken.

          • Wieso verleugnen? Das war doch gerade die Fragestellung der Studie – und sie ist klar beantwortet. Aber klar, wenn das Ergebnis nicht ins Weltbild passt, dann muss wieder eine Verschwörungstheorie („so viele Anstrengungen, Fakten immer wieder unter den Tisch zu kehren“) her.

        • bei mir ist nicht viel deutsch, aber für mich zum Glück kein land, das man mir äußerlich ansieht.

          ich meinte mit den Ausländern ausdrücklich auch den hintergrund mit deutschem pass und sie sicherlich nicht die nord- und beneluxeuropäer, ostasiaten und den Commonwealth.

        • ih re zitierte studie ist eine befragung und keine Kriminalstatistik.

  3. Wir haben an einem Hamburger Gymnasium innerhalb von wenigen Wochen 6 Gewalttaten der Kategorie I angezeigt. KEINE einzige wurde aufgeklärt und verfolgt. Der Anzeigepflicht wurde von der Schulleitung ebenfalls nicht nachgekommen. Wir schreiben gerade Dienstaufsichtsbeschwerden!

    Noch etwas: Die Gewalttaten wurden von deutschen Kindern ausgeführt, deren Eltern Juristen sind! Wir vermuten, dass die Schule den Konflikt mit diesen „schwierigen“ Eltern vermeiden wolte.

    Das Gymnasium liegt in einem der beleibten Stadtteile, somit kein Brennpunkt. Allerdings hält sich dort jeder zweite (auch Lehrer) für etwas besseres.

    • Danke. Ihr Beitrag rückt die Dinge doch wieder etwas zurecht, vor allem für diejenigen, die immer die „Verantwortlichen“ bereits kennen, ohne Ahnung zu haben.

    • Komischer Zufall: alles Juristenkinder. Das ist ja fast wie ein Sechser im Lotto.
      Mich interessiert der Name des Gymnasiums. Es wäre nett, wenn sie ihn angeben würden.

      • Den Namen des Gymnasium können Sie beim Senator Ties Rabe erfragen, ihm liegen alle Informationen vor.

        • Gibt es gewichtige Gründe, dass Sie das Gymnasium nicht nennen? Denn erstens liegt nahe, dass ich mir diese Auskunftsprozedur gern erspare und zweitens, dass meine Anfrage ins Leere läuft.
          Am einfachsten und sichersten wäre es wirklich, wenn Sie den Namen des Gymnasiums nennen würden.

    • hilarus@t-online.de

      Ich denke auch, daß die Reduzierung des Problem auf „Migrationshintergrund“ der pure Quatsch ist und an den eigentlichen Ursachen vorbeigeht.
      Meine Erfahrungen sind jedenfalls ähnlich. Und wenn Schüler mit entsprechender Familiengeschichte dabei waren, so war dies eher zufällig, aber nicht typisch für die Art des Vorfalles.
      Mal wieder aber paßt ins Bild, wie – ich möchte sagen – „zurückhaltend“ sich Schule und Polizei verhalten. Es muß ja arg schlimm sein, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Schlimmer als die Tatsachen selbst.

  4. @Bernd
    Nun lassen Sie mal endlich Ihr billiges Totschlagsargument „Verschwörungstheorie“ und gehen Sie auf die Fakten ein.
    Die Fragestellung der Studie ist klar und die Antwort auch. Wie steht es aber um die Korrektheit der Antwort, wenn die Polizeiakten, die der Studie zugrunde lagen, gar nicht mehr oder nur noch ungenügend Auskunft darüber geben, welcher Nationalität die Gewalttäter angehören. Keine Angaben bedeuten: deutsch.

    • Glauben Sie ernsthaft, die beteiligten Wissenschaftler sind so doof? Dann müssen sie wohl doch Teil einer Verschwörung sein, die das dunkle Wirken von Ausländern in Deutschland verschleiern will…

      • Wie sollen die Wissenschaftler denn sonst ihre Arbeit verrichten? Sie müssen auf vorhandenes Aktenmaterial zurückgreifen. Mit Verschwörung hat das nichts zu tun, wie Sie selbst wissen.
        Aber Sie können ja mal selbst sagen, wie die Vorgehensweise der beteiligten Wissenschaftler Ihrer Meinung nach war. Einfach nur an Zahlen glauben mit der Begründung, dass Wissenschaftler doch nicht doof seien, genügt nicht.

        • Da Bernd Ihnen ja einen Link zu einem Artikel angeboten hat, der einen Link zur Studie enthält, steht es Ihnen frei, sich kundig zu machen. Ihre Beiträge zeigen vor allem, dass Sie das nicht versucht haben. Das ist erstaunlich, da Sie ja ein erklärtes Interesse an „Fakten“ haben. Vermutlich ist das Interesse am Ende aber doch nicht so groß. Aussagen wie „Wissenschaftler müssen auf vorhandenes Aktenmaterial zurückgreifen“, sind falsch.

  5. @Storb
    Wie kommen Sie darauf, dass ich Bernds Link nicht gefolgt bin? Weil ich nicht sofort umgeschwenkt bin und mich vom Spiegel kundig gemacht und überzeugt gefühlt habe?
    Wenn das so ist, dann lesen Sie mal hier:
    http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/man-darf-die-fakten-nicht-verschweigen-article1223752.html
    Vielleicht gelingt es Ihnen ja, dank eines einzigen Artikels Ihre Meinung, die Sie sich über längere Zeit hinweg gebildet haben, sofort über Bord zu werfen.
    Eine Frage beschäftigt mich allerdings selbstkritisch. Ob ich nämlich angesichts meiner Überzeugung, dass bei uns über den Straftaten von Migranten ein gewisses Verschweige- bzw. Verharmlosungsgebot hängt, diese für mich feststehende Tatsache nicht zu unüberlegt auf die Zunahme von Straftaten an den Schulen und deren Auslegung übertragen habe. Das Dumme ist, dass mein Vertrauen in „Studien“ (besonders im Bildungsbereich) ausgesprochen gering ist.

    • Genau. Und weil Sie Studie nicht vertrauen, basteln Sie sich lieber Ihre eigene Realität – immer schön den eigenen Vorurteilen hinterher.

      • Was sagen Sie zu dieser aktuellen Meldung?

        „Der Ausländeranteil in nordrhein-westfälischen Gefängnissen steigt weiter. Im März hatten 25,2 Prozent der Häftlinge keine deutsche Staatsangehörigkeit. Das sind laut dem statistischen Landesamt 0,9 Prozent mehr als noch 2013. Nordrhein-Westfalen hat einen Ausländeranteil von 9,2 Prozent.“

        Erstaunlich sind nicht die Zahlen selbst, sondern dass sie publik wurden.

    • Generell wird in Schulen viel verharmlost. Besonders Gymnasien mit einem „guten Ruf“ können es sich nicht leisten, in der Polizeistatistik aufzutauchen. Die oben genannten Juristenkinder dürfen erst recht nicht kriminell sein, weil sie die heile Welt zerstören. Aus dem gleichen Grund haben Sozialarbeiter an solchen Gymnasien nichts verloren.

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