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Zwei bis drei Kinder pro Klasse: Viele Grundschüler mit Lese- oder Rechenschwäche

MÜNCHEN. Jeder siebte Grundschüler in Deutschland leidet an einer Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwäche. In jeder Grundschulklasse seien zwei bis drei Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie, sagte der Leiter der Münchner Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Professor Gerd Schulte-Körne, in München. Nach Erhebungen der im Forschungsverbund Schulische Entwicklungsstörung zusammengeschlossenen Wissenschaftler litten etwa 220 000 Kinder aller Schularten an Lese- und Rechtschreibstörung oder an Rechenschwäche. Die Defizite ließen sich schon vor der Schule prognostizieren und durch frühzeitige Maßnahmen verhindern. Das Bundesbildungsministerium fördert den Forschungsschwerpunkt bis 2017.dpa

 

9 Kommentare

  1. Wurde untersucht, ob die 15% der betroffenen Schüler tatsächlich krank sind oder nur eine schwache Lese-, Rechtschreib- und / oder Rechenleistung haben?

    Man könnte sehr einfach die Schüler wieder „gesund“ machen im Sinne von sie werden nicht als krank erkannt. Man muss nur die Methode „Schreiben nach Gehör“ verbindlich vorschreiben …
    (böse, ich weiß)

  2. mir scheint auch, dass eine der Ursachen leicht zu benennen ist …

  3. Also ich kann mir durchaus vorstellen, dass es Kinder gibt, die sehr viel größere Probleme haben als andere. Aber je mehr darüber geschrieben/gesprochen wird, desto mehr Kinder werden es und das liegt sicher nicht daran, dass plötzilch alle eine LRS haben, sondern einfach daran, dass sogenannte Experten aus dem Boden schießen. Gibt es eigentlich einen anerkannten Test, der nur von entsprechend fortgebildeten Ärzten durchgeführt werden kann? Mir scheint, jeder Kinderarzt darf Tests durchführen und auswerten und attestiert dann fröhlich LRS. In meiner Klasse hat 1/3 der Kinder diagnostizierte LRS. Ich selbst finde die Rechtschreibung von zweien von ihnen problematisch (aber bei weitem nicht bodenlos. Ein bisschen mehr Übung und die Rechtschreibung wäre sicherlich zu retten. Ich habe 30 SuS)
    Das Problem liegt aber daran, dass nachdem die Ärzte ihr Geld kasssiert haben, um das zu attestieren, rein gar nichts geschieht. Wir können in der Schule zwar Förderung anbieten, aber diese reicht bei der Masse an Schülern nicht aus. Zu Hause passiert dann gar nichts. Im Gegenteil: WEIL die Kinder in der Schule ja Extrastunden erhalten, finden die Eltern die Hausaufgaben schon für eine Zumutung. Zusätzliche Übungen werden gar nicht gemacht. Außerdem braucht man es ja auch nicht üben, denn Rechtschreibung ist aus der Bewertung raus. (und Vokabeln lernen brauchen die Kinder dann auch nicht, schließlich ist die Rechtschreibung egal) Ich habe auch schon SuS erlebt, die erhielten Förderung und bei denen war zwei Jahre nach der Diagnose kein Unterschied mehr zu erkennen. Sie sagten nur, dass sie zu Hause viel mehr üben müssten. Aber das ist ja vielleicht auch subjektiv. Der Sitznachbar müsste vielleicht mehr Französisch üben, der LRS-Kandidat übt Rechtschreibung.

    • Sicherlich kennen Sie die Hamburger Schreibprobe, die an Schulen gerne praktiziert und als Basis für eine positive LRS-Diagnose dient. Ohne sie genau zu kennen, habe ich Zweifel an ihrer Aussagekraft, sie darf und muss aber Ausgangspunkt weiterer Untersuchungen sein — die aber vom Fachmann und nicht von Lehrern.

      Ihre Schilderung, dass bei 10 von 30 Schülern LRS diagnostiziert und der Nachteilsausgleich veranlasst wurde, gleichzeitig aber nur 2 der 10 eine wirklich problematische, jedoch aus Ihrer Sicht nicht krankhafte Rechtschreibschwäche besitzen, halte ich für sehr erschreckend. Wie in der Medizin schafft sich auch hier eine neu (ge/er)fundene Krankheit ihre Erkrankten selbst.

      • Ja die Hamburger Schreibprobe kenne ich. Allerdings fallen dort bei weitem nicht so viele Kinder auf, wie uns die Eltern durch Bescheinigungen weißmachen wollen. Und diese Bescheinigungen werden von Kinderärzten ausgestellt, die m.M.n. keine ausreichende Ausbildung haben, um Schreibprobleme zu kategorisiseren. (Das gleiche Phänomen gibt es aber auch bei ADHS/ADS, wo Eltern mit Bescheinigungen von irgendeinem Arzt – im Zweifel bescheinigt das auch mal die Ergotherapeutin- daherkommen.)
        Es gibt viele sehr gewissenhafte Eltern und die Panikmache vor diesen Erkrankungen/Defiziten führt dazu, dass gerade diese Eltern verunsichert werden und bei ihrem Nachwuchs irgendwas diagnostiziert haben wollen. Und wenn es dann -von wem auch immer – diagnostiziert ist, hoffen sie darauf, dass in der Schule darauf eingegangen werden kann. Das aggressive Verhalten liegt am ADHS, die fünf in Deutsch liegt am LRS und in Mathe, das war Dyskalkulie. Das Kind braucht nicht an sich zu arbeiten, wir Lehrer sollten uns ändern und auf die Defizite feinfühliger eingehen.
        Die Kinder unterdessen wissen, dass sie es eh nicht einfach haben und lehnen sich zurück: „Ich kann sowieso nicht gut schreiben, aber das wird bei mir ja auch nicht bewertet“
        Es gibt sicherlich auch Kinder, die tatsächlich Schwierigkeiten haben und Anstrengungsbereitschaft zeigen und es gibt ja auch die Mehrheit der Kinder, die keine Diagnose haben, aber ich stehe den diagnostizierten Kindern, die mir im Unterricht nicht dauerhaft durch Rechtschreibprobleme auffallen, aber von mir zusätzliche Aufmerksamkeit/Förderung/Benotung fordern sehr kritisch gegenüber.
        Die Lösung kann nur sein, dass der Zugang zu derartigen Diagnosen erschwert wird. Die Früherkennung beim Arzt, ok. Wer auffällt wird zu weiteren Tests gebeten. Dann wird das System auch aufgeräumter und es erhalten nicht nur die Kinder der Eltern mit Geld Förderung.
        Dyskalkulieförderung geht richtig ins Geld. Wenn es denn nun so anerkannt ist, dass Lehrer in der schule drauf achten müssen, dann muss man den Kindern auch den Zugang zu Therapien ermöglichen. Entweder in jeder Schule gibt es ein Stundenkontingent für LRS Förderung und für Dyskalkulieförderung in jeder Jahrgangsstufe – mit den entsprechenden Fortbildungen für die Kollegen- oder es gibt halt Geld für die entsprechenden Therapien bei ausgebildeten Fachkräften.

        • Ja, wo kommen wir denn dahin?

          Individuelle Förderung ist Sache der Lehrkräfte und nicht Sache der Schulorganisation, nicht die des zusätzlichen Personalaufwandes und erst recht nicht die entsprechender räumlicher Ressourcen. Sie können doch nicht einfach Forderungen an das Land (innere Schule) und die Kommune (äußere Schule) stellen, nur um von ihren fehlenden Kompetenzen abzulenken:(

          Falls Sie Ironie entdecken, behalten Sie diese.

        • Ein Nachteilsausgleich ist für Kinder, Eltern und Lehrer der bequemste Weg:

          Die Kinder bekommen die Noten, die sie haben wollen und deren Eltern sind beruhigt. Natürlich rächt sich das früher oder später. Der Lehrer weiß das alles natürlich, jede für das Kind angemessene Förderung führt häufig zu nervenden Eltern, beleidigten Kindern und viel Stress, was sich durch den „einfachen“ Nachteilsausgleich alles vermeiden lässt.

  4. „Die Defizite ließen sich schon vor der Schule prognostizieren und durch frühzeitige Maßnahmen verhindern.“

    Ich bin mit meiner 1. Klasse in der 2. Schulwoche und kann jetzt schon frühzeitig sagen, welche Kinder erheblich schwächer sein werden. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man vieles und alles beeinflusst das Lernen: akustische und visuelle Wahrnehmung, Konzentration und Merkfähigkeit, Motorik und Visuomotorik etc.

    FRÜHzeitig fördern hieße VOR der Einschulung oder in der 1. und 2. Klasse.
    Und damit sind keine Nachhilfeinstitute gemeint, sondern Förderstunden, die von Lehrkräften abgehalten werden, die Ahnung haben, z.B. FörderschullehrerInnen.
    Dann müssten diese aber erheblich mehr Stunden haben, damit möglichst früh aufgearbeitet wird, was den Kindern (noch) nicht gelingt, weil zu wenig Anreize da waren. Das würde vielen sicher helfen.

    Es gibt aber auch Kinder, deren Defizite nicht in mangelnden Anreizen und Erfahrungen begründet sind, sondern durch Beeinträchtigung in der Wahrnehmung. Das würde ich inzwischen wie eine Behinderung einstufen. Man muss lernen, damit umzugehen und Wege finden, diese Beeinträchtigung zu überbrücken.

    • Darf ich fragen, wie die Kindergärten in Ihrem Einzugsbereich arbeiten? In den meisten Fällen hat das Personal dort doch mindestens drei Jahre Zeit für die notwendigen Unterstützungsprogamme.

      Dann gibt’s bestimmt auch bei Ihnen die Schul-Eingangsuntersuchungen. Wie verhält es sich bei Kindern mit massiven Auffälligkeiten? Werden die einfach „durchgewunken“ oder auch zurückgestellt?

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