Start Praxis „Stabil“ trotz Lehrermangel? BLLV widerspricht Kultusministerin zum Schulstart deutlich

„Stabil“ trotz Lehrermangel? BLLV widerspricht Kultusministerin zum Schulstart deutlich

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MÜNCHEN. Bayerns Schulen starten mit so vielen Schülerinnen und Schülern wie seit 15 Jahren ins neue Schuljahr – und zugleich mit einem Stellenmoratorium. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) sieht die Unterrichtsversorgung dennoch „stabil“ gesichert, räumt aber eine „sehr angespannte“ Personalsituation ein. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hält dagegen: Angesichts steigender Schülerzahlen und erheblicher Förderbedarfe reiche eine bloße Grundversorgung nicht aus. Die Auseinandersetzung um den Lehrkräftemangel dürfte damit auch das Schuljahr 2026/2027 prägen.

„Keine Selbstverständlichkeit“: Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler). Foto: StMUK / Astrid Schmidhuber

In der kommenden Woche enden auch in Bayern die Sommerferien. Rund 1,77 Millionen Schülerinnen und Schüler werden dann nach Angaben von Kultusministerin Anna Stolz die Schulen besuchen – rund 20.000 mehr als im vergangenen Schuljahr und so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr. Unter ihnen sind rund 132.000 Erstklässlerinnen und Erstklässler, knapp 2.500 mehr als im Vorjahr.

Für die Schulen bedeutet der erneute Anstieg eine zusätzliche Herausforderung, denn die Personalsituation bleibt angespannt. Stolz erklärte zum Schuljahresbeginn, die Unterrichtsversorgung sei dennoch „stabil“ gesichert. Dank frühzeitiger Planung sei es gelungen, genügend Lehrkräfte für das kommende Schuljahr bereitzustellen – „und das war keine Selbstverständlichkeit“. Die Ministerin räumte zugleich ein, dass das Stellenmoratorium der Staatsregierung „viel Kraft“ koste. Für das nächste Schuljahr seien allerdings bereits 1.500 zusätzliche Lehrerstellen im Haushalt des Freistaats verankert.

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Rund 4.100 neue Lehrkräfte – aber keine zusätzlichen Stellen

Zum Schuljahr 2026/2027 stellt Bayern rund 4.100 neue Lehrkräfte ein. Dabei handelt es sich allerdings nicht um zusätzlich geschaffene Stellen: Die neu eingestellten Pädagoginnen und Pädagogen rücken auf bereits vorhandene Stellen nach, die frei geworden sind. Stolz zufolge konnten „nahezu“ alle Bewerberinnen und Bewerber eingestellt werden. An einzelnen Schulen gebe es jedoch weiterhin Bewerberengpässe. Zudem beginnen rund 5.000 junge Menschen ihren Vorbereitungsdienst – nach Angaben des Kultusministeriums so viele wie seit Jahren nicht mehr.

Neue Lehrerstellen lässt das von CSU und Freien Wählern beschlossene Stellenmoratorium derzeit nicht zu. Daran entzündet sich die Kritik der Lehrerverbände. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, hält bereits die Beschreibung der Unterrichtsversorgung als „stabil“ für unzureichend.

„Wir haben in Bayern die höchste Zahl von Schülerinnen und Schülern seit 15 Jahren und PISA sagt uns gerade, dass ein Drittel der Kinder die Mindeststandards im Lesen und Rechnen nicht erreicht. In den Naturwissenschaften ist es ein Viertel. Dann kann die Antwort doch bitte nicht nur eine ‚stabile Unterrichtsversorgung‘ sein, von der die Kultusministerin jetzt zum Schuljahresbeginn spricht“, erklärte Fleischmann. Kinder müssten frühzeitig und gezielt unterstützt werden. Dafür brauche es mehr professionelle Pädagoginnen und Pädagogen sowie Fachkräfte in multiprofessionellen Teams.

Das Stellenmoratorium stehe diesem Anspruch entgegen, kritisiert Fleischmann: „Also keine zusätzlichen Lehrkräfte bei mehr Schülern mit akutem Förderbedarf. Da braucht’s schon Fantasie, um das ‚stabil‘ zu nennen. Und es wird dem Anspruch, den wir haben müssen, und den auch die Staatsregierung selbst immer formuliert, einfach nicht gerecht.“

Auch die Grünen im Landtag sehen darin das zentrale Problem zum Schuljahresbeginn. „Die Ministerin macht einen großen Bogen um den Elefanten im Raum: nämlich den gravierenden Lehrkräftemangel an Bayerns Schulen“, erklärte die bildungspolitische Sprecherin Gabriele Triebel. Am Ende würden Kinder, Schulen und Chancengerechtigkeit unter den sich verschlechternden Bedingungen leiden. Mit den steigenden Schülerzahlen verschärfe sich der Lehrkräftemangel weiter.

BLLV fordert Sondervermögen für Bildung

Fleischmann fordert über die bayerische Personalpolitik hinaus eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund und Ländern. Sie begrüßte entsprechende Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (News4teachers berichtete) und verwies darauf, dass zentrale Handlungsfelder aus ihrer Sicht längst bekannt seien. Dazu gehörten insbesondere frühkindliche Bildung und eine datengestützte Schulentwicklung, mit der Fördermaßnahmen stärker auf die Bedürfnisse der jeweiligen Schülerinnen und Schüler ausgerichtet werden könnten.

Solche Konzepte seien allerdings nur umsetzbar, wenn dafür ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung stehe. „Diese schön klingenden Programme mit Leben füllen müssen aber Profis – und die kosten Geld! Denn Geld heißt: Ich habe mehr Möglichkeiten, die Kinder individuell zu fördern, Lehrkräfte anzustellen, Stellen einzurichten“, erklärte Fleischmann.

Der BLLV fordert deshalb ein Sondervermögen für Bildung. Die Probleme des Bildungssystems seien eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, argumentiert Fleischmann. Dabei verweist sie insbesondere auf die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft und fordert deutlich größere Anstrengungen für Kinder aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen.

Neue Prüfungskultur, neue Formate, mehr Flexibilität

Neben der Personalfrage bringt das neue Schuljahr in Bayern eine Reihe konkreter Änderungen für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte. Stolz kündigte den Start einer „zeitgemäßen Prüfungskultur“ an. Neben den bisherigen schriftlichen und mündlichen Leistungsnachweisen sollen Schulen stärker auf Präsentationen, Projekte, Debatten und praxisnahe Aufgaben setzen können. An einigen Stellen wird zudem die Zahl verpflichtender Leistungsnachweise reduziert.

„Leistung hat viele Seiten – und genau die wollen wir sichtbar machen. Deshalb schaffen wir mehr Möglichkeiten für unsere Schülerinnen und Schüler, zu zeigen, was sie können“, sagte Stolz. Auf die insbesondere von Schülerinnen, Schülern und Eltern seit Jahren kritisierten unangekündigten Leistungsnachweise, die sogenannten „Exen“, ging die Ministerin dabei nicht ein. News4teachers / mit Material der dpa

Leistungsbewertungen: Präsentationen, Podcasts, digitale Portfolios – Kultusministerin erlaubt wegen KI neue Prüfungsformate an Schulen

 

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1 Kommentar
Rainer Zufall
22 Stunden zuvor

„Wir haben in Bayern die höchste Zahl von Schülerinnen und Schülern seit 15 Jahren und PISA sagt uns gerade, dass ein Drittel der Kinder die Mindeststandards im Lesen und Rechnen nicht erreicht.“
Vielleicht kann ed die mal trösten, dass man beim Niedergang noch bequem auf andere herabblicken kann? 😛

Sehe aber nicht wirklich einen Dissenz. Die BLLV spricht halt über alle Schulen und die Kultusministerin sieht keinen Mangel – an Schulen, die ihr wichtig sind…?
Nicht, dass ich sowas aus Bawü kennen würde *Hust*