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VBE: geplante Mehrstunden für baden-württembergische Realschulen eine Mogelpackung

Zum aktuellen Bericht: VBE und Kultusministerium streiten über Zukunft der Realschule im Ländle

STUTTGART. Der Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg bezeichnet das „Weihnachtspäckchen“ des Kultusministers für die Realschulen – geplante Mehrstunden –  als Mogelpackung. Wie bei einem Trojaner breite sich das getarnte Schadprogramm immer weiter aus, wenn es erst einmal Zugang zum System gefunden habe, so der Verband in einer Pressemitteilung.

„Pünktlich zur Adventszeit hat das Kultusministerium beschlossen, den Realschulen mehr Stunden zuzuweisen.“ Das habe sich zuerst einmal gut angehört und die Realschulen hätten sich über das längst überfällige Präsent für ihre Schüler gefreut: „Mit glänzenden Augen und großer Freude nahmen die Realschulen das Geschenk entgegen“, heißt es in der Mitteilung des baden-württembergischen Verbands Bildung und Erziehung (VBE). „Bedenken kamen den Pädagogen, als sie in dem jüngsten Schreiben einer der Schulpolitik der Landesregierung gewogenen Bildungsgewerkschaft an alle Realschulen folgendes lasen: Nach der beabsichtigten Gesetzesänderung werden die Realschulen abschlussbezogen das grundlegende und das mittlere Bildungsniveau anbieten. Das erweiterte Niveau wird formal durch die Abschlüsse der Realschule nicht angeboten. Das kann die Gemeinschaftsschule für bildungsambitionierte Eltern attraktiver machen.“

Konkret bedeute das neue Konzept des Kultusministeriums für die Realschulen: „kein Sitzenbleiben mehr nach Klasse 5, keine äußere Differenzierung nach Klasse 6, lediglich 500 Stellen für 430 Realschulen sowie die gängelnde Vorschrift, dass Realschulen die Zusatzstunden nur zur teilweisen Binnendifferenzierung im Klassenverband einsetzen dürfen“. Dem Gymnasium und der Werkrealschule stehe es dagegen frei, diese Stunden nach Bedarf zu verwenden.

„Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Realschulen durch diese ‚Mogelpackung‘ quasi von innen heraus zur Gemeinschaftsschule gemacht werden sollen. Wenn der Druck von außen bisher nichts bewirkt hat, dann muss wohl der ‚Zerschlagungsprozess der Realschulen‘ – oder wie es euphemistisch in Politikerdeutsch heißt: die ‚Weiterentwicklungsmöglichkeit‘ systemimmanent betrieben werden.“

Der VBE will noch vor Weihnachten eine Plakataktion starten und fordert, dass es möglich muss sein, an Realschulen in getrennten Niveaustufen zu unterrichten. Heterogene Klassen seien kein Qualitätsmerkmal. Das erweiterte Niveau (E-Niveau) müsse auch an Realschulen angeboten werden. „Schließlich kommen aus den Realschulen die Schüler für die beruflichen Gymnasien. Ein Qualitätsverlust würde die Realschule dauerhaft zur neuen Restschule stigmatisieren. Das darf nicht passieren.“

Die Realschule habe mittlerweile die heterogenste Schülerschaft. „Skeptiker sehen in den 500 zusätzlichen Stellen die ‚Wiedergeburt‘ der in den sterbenden Werkrealschulen wegbrechenden Kollegien, denen man schon längst eine Perspektive hätte aufzeigen müssen“, so der Verband. Diese Stellen würden gerade einmal ausreichen, um Schüler an den Realschulen auf den Hauptschulabschluss vorzubereiten. Der VBE habe nach eigenen Angaben das neue Realschulkonzept der Landesregierung als „klare Mogelpackung“ entlarvt. In dieser Form sei die Unterstützung der Realschulen halbherzig, wenn nicht sogar kontraproduktiv, „und würde die Realschulen durch die Hintertür zu Gemeinschaftsschulen in der Light-Version machen“. Der Verband fordert die Landesregierung auf, das neue Realschulkonzept zu überarbeiten und sich endlich uneingeschränkt hinter die Realschulen zu stellen.

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Titelbild: Willi Heidelbach/ Flickr (CC BY 2.0)

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