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Lehrermangel: Unterrichtsausfall in Sachsen-Anhalt stark gestiegen

MAGDEBURG. Spart Sachsen-Anhalt zu stark am Personal? Fast eine ganze Unterrichtswoche ist an den Schulen im Schuljahr 2013/2014 durchschnittlich ausgefallen. Auch das Bildungsministerium führt das letztlich auf das Personalentwicklungskonzept des Landes zurück. Für dieses Jahr sieht Kultusminister Dorgerloh die Versorgung aber als gesichert.

Statistisch gesehen ist im Schuljahr 2013/2014 an Sachsen-Anhalts Schulen mehr als jede 50. Unterrichtsstunde ausgefallen. Die Ausfallquote an den allgemeinbildenden Schulen habe 2,3 Prozent betragen, teilte das Kultusministerium mit. Sie ist damit in den vergangenen Jahren um mehr als 50 Prozentpunkte angestiegen. Im Schuljahr 2009/2010 betrug die Quote noch 1,5 Prozent.

Die Ausfallquote an den allgemeinbildenden Schulen in Sachsen-Anhalt ist in den letzten fünf Jahren um mehr als 50 Prozentpunkte gestiegen. Foto: hpeguk / flickr (CC BY 2.0)

Die Ausfallquote an den allgemeinbildenden Schulen in Sachsen-Anhalt ist in den letzten fünf Jahren um mehr als 50 Prozentpunkte gestiegen. Foto: hpeguk / flickr (CC BY 2.0)

Als wesentliche Ursache nannte das Ministerium den Lehrermangel. Der Anstieg sei vor allem auf die «Anpassung des Personalbestandes entsprechend des Personalentwicklungskonzeptes (PEK)» zurückzuführen. Zudem sei der Altersdurchschnitt der Lehrkräfte besonders hoch.

Für das derzeit laufende Schuljahr sind nach früheren Angaben von Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) ausreichend Pädagogen verfügbar. Für die rund 237 000 Schüler – darunter 186 000 Kinder und Jugendliche an allgemeinbildenden Schulen – stünden rund 14 500 Lehrer im aktiven Dienst bereit, hatte Dorgerloh zu Beginn des Schuljahres im vergangenen August erklärt.

Zum neuen Schuljahr waren 370 neue Lehrerstellen ausgeschrieben worden. Zudem hatte das Ministerium im Frühjahr 2014 bestätigt, dass mehr Anträge von Pädagogen auf Teilzeitarbeit abgelehnt würden.

Der Chef der Lehrer-Gewerkschaft GEW, Thomas Lippmann, kritisierte den Unterrichtsausfall. «Damit nähern wir uns in großen Schritten dem Ausfall einer ganzen Unterrichtswoche pro Schuljahr – im Durchschnitt.»

Diese hohe Quote sei jedoch nur die Spitze des Eisberges, da der Totalausfall das letzte Mittel sei, um auf Lehrkräftemangel zu reagieren. «Bezieht man den nicht regulär erteilten Unterricht – etwa durch Klassenzusammenlegungen, Aufgabenerteilung oder Aufsicht über mehrere Klassen – mit ein, liegen wir in manchen Schulen des Landes wohl bei einer Versorgung von unter 90 Prozent.»

«Wer sich einen Blick in die Koalitionsvereinbarungen von Brandenburg, Thüringen oder Sachsen gönnt, der sieht, dass dort in Größenordnung eingestellt wird», erklärte die Vize-Chefin der FDP, Lydia Hüskens. «GEW, Teile der Opposition im Landtag und FDP drängen die Regierung seit Jahren, hier nachzuziehen.»

Auch die Linksfraktion in Sachsen-Anhalt forderte die Einstellung von mehr Lehrern. Die Personalabbauziele im Personalentwicklungskonzept des Landes müssten im Lehrerbereich aufgegeben werden, erklärte der Bildungsexperte der Fraktion, Matthias Höhn. «Eine stabile Unterrichtsversorgung braucht auch eine gewisse Vertretungsreserve, die wenigstens auf dem Niveau des Krankenstandes liegen sollte», forderte Höhn.

Mit dem Problem ist das Land nicht allein. An Brandenburgs Schulen fallen nach Angaben des Bildungsministeriums wöchentlich im Schnitt etwa zwei Prozent des Unterrichts (rund 6000 Stunden) ersatzlos aus. Bei rund acht Prozent der insgesamt etwa 300 000 Stunden pro Woche müssen Vertretungslehrer einspringen. Dies ist laut Ministerium insbesondere in ländlichen Regionen oft schwierig.

Aktuelle Zahlen zum Unterrichtsausfall im ersten Halbjahr 2014/2015 will Bildungsminster Günter Baaske (SPD) am 5. März im Bildungsausschuss des Landtages vorstellen. Doch schon in den vorliegenden Zahlen registriert der Baaske einen Aufwärtstrend. Zwar führte der Unterrichtsausfall dazu, dass etwa 1500 der insgesamt etwa 243 000 Schüler an öffentlichen Schulen in diesem Jahr keine kompletten Halbjahreszeugnisse bekommen haben. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Betroffenen jedoch um die Hälfte reduziert worden.

An den Berliner Schulen fielen 2013/2014 laut Schulverwaltung 2,1 Prozent der wöchentlichen Stunden aus – etwa so viel wie im Jahr zuvor. In Sachsen konnte der Unterrichtsausfall an den Schulen nach eigenen Angaben gesenkt werden: Während 2012/2013 über alle Schularten hinweg 4,8 Prozent der Stunden ausfielen, waren es im Schuljahr 2013/2014 noch 3,3 Prozent. (Rochus Görgen, dpa)

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