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Schüler sollen keine Karikaturen sehen: Moscheenverband protestiert gegen Kölner Gymnasium

KÖLN. Der Dachverband der türkisch-islamischen Moscheegemeinden in Deutschland, DITIB, hat eine schulinterne Karikaturen-Ausstellung in einem Kölner Gymnasium, bei der auch ein umstrittenes Titelbild der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ gezeigt wurde, scharf kritisiert. Die Präsentation sei „nicht förderlich für Menschen, die ihre geistige Reife noch nicht erreicht haben“, sagte DITIP-Vorsitzender Nevzat Yasar Asikoglu. Gegenwind bekommt Asikoglu von der SPD-Politikerin Lale Akgün – und von der Kurdischen Gemeinde Deutschland.

Ist dieses Titelbild von "Charlie Hebdo" für Schüler ungeeignet? Screenshot

Ist dieses Titelbild von „Charlie Hebdo“ für Schüler ungeeignet? Screenshot

Asikoglu, islamischer Theologe, hatte zuvor die Angriffe auf „Charlie Hebdo“ aufs Schärfste verurteilt. „Es ist nicht möglich, diese Tat mit dem Islam zu rechtfertigen. Nach dem islamischen Glauben darf kein Gläubiger sich an dem Leben eines anderen vergehen“, so meinte Asikoglu. Dann übte er laut „Kölnischer Rundschau“ Kritik an dem Gymnasium im Kölner Stadtteil Deutz, wo Karikaturen ausgestellt worden waren – darunter der Titel der „Charlie Hebdo“-Ausgabe, die eine Woche nach dem Anschlag erschien. „Wir finden diese Vorgehensweise nicht förderlich für Menschen, die eine gewisse Reife noch nicht erreicht haben. Ich finde es nicht richtig, dass solche Karikaturen in Schulen ausgestellt werden“, erklärte Asikoglu auf einer Pressekonferenz und hielt Journalisten Fotos von der Schau entgegen.

Der Schulleiter erklärte auf Nachfrage der „Rundschau“, dass zum Thema „Pegida und Zuwanderung“ in einer der Klassen 9 die kleine schulinterne Ausstellung mit Karikaturen anlässlich des Anschlages in Paris stattgefunden hatte. Als Schulleiter sehe er nichts, was dem im Wege stehen sollte. Der Rektor meinte gegenüber dem Blatt: „Vornehmste Aufgabe des Gymnasiums ist neben der Vermittlung allgemeiner Bildung das Vermitteln von sowie das Eintreten für die Menschen- und Bürgerrechte. Es gilt den freien Ausdruck einer anderen Meinung zu ertragen, auch wenn sie weh tun sollte. “

„Wir sind alle Charlie, nicht Alzheimer“, postete die SPD-Politikerin Lale Akgün auf Facebook. „Moment mal… hatten die Jungs von DITIB nicht vor einigen Tagen vor Verlagshäusern eine Art ‚Mahnwache für die Meinungsfreiheit‘ gehalten? Ach, wie dünn ist denn der Lack der Zivilisation, dass er jetzt schon abgefallen ist? Ich hätte wenigstens eine Anstandsfrist von einem Monat gehalten. Es werden sich ja noch mehr Leute an dieses Schmierentheater erinnern als ich!“

Die Kurdische Gemeinde Deutschland stieß ins gleiche Horn:  Die Kritik der DITIB sei der Versuch, einer staatlichen Schule die Meinungsfreiheit zu verbieten. Dies sei „das eigentliche Problem. Gerade damit schürt man Ressentiments und schränkt unsere in der Verfassung garantierten Rechte ein“, hieß es dort laut „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Die DITIB untersteht dem staatlichen Präsidium für Religiöse Angelegenheiten der Türkei in Ankara, welches dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert ist. Ein Gericht in der Türkei hatte unlängst die Sperrung von Internetseiten angeordnet, die das Titelbild von „Charlie Hebdo“ mit der vermeintlichen Karikatur des Propheten Mohammed zeigen – ein Mann mit Turban auf dem Kopf mit Träne im Auge und dem Anstecker „Je suis Charlie“ (darüber die Aufschrift: „Alles ist vergeben“). Gegen Redakteure der  türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, die vier Seiten des Satiremagazins nachgedruckt hatte, nahm die Staatsanwaltschaft in Ankara Ermittlungen auf. News4teachers

Zum Bericht: Karikatur in deutschem Schulbuch bringt Erdogan in Rage – Streit um Entschuldigung

Ein Kommentar

  1. Karikaturen gehören zur poltischen Bildung sowie zur kulturellen Auseinandersetzung unserer aufgeklärten Kultur. Dies zu verbieten steht niemandem an, stattdessen müssen Kritiker dessen offensiv darauf hingewiesen werden, sich dieser gesellschaftlichen Haltung anzupassen, zumindest sie zu tolerieren.

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