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Schule verbietet aufreizende Kleidung – „Aktionsbündnis“ wirft ihr dafür Sexismus vor

WÜRZBURG. Unübersehbar an den Schulen: Die Sommersaison hat begonnen – Mädchen in Mini-Röcken oder Hotpants, dazu weit dekolletierte und/oder den nackten Bauch lediglich betonende Oberteile, Jungs in Jogginghosen, kombiniert mit weit ausgeschnittenen Tanktops. So mancher Schulhof scheint sich dieser Tage bei Sonnenschein in ein Freibad zu verwandeln. Ein Gymnasium in Unterfranken hat jetzt reagiert und (wie andere Schulen auch schon) einen Dresscode erlassen. Darin heißt es, das „Brustwarzen nicht zu sehen sein sollten“, ebenso Unterwäsche und Bauchnabel. Eine Selbstverständlichkeit? Allen Ernstes regt sich Widerstand. Ein Aktionsbündnis „Der Dresscode muss weg!“ hat sich formiert. Der Schule – nicht den Schülern! – wird Sexismus vorgeworfen.

Mit diesem Slogan wirbt das Aktionsbündnis gegen die Kleidungsordnung an einem Würzburger Gymnasium. Foto: Screenshot

Mit diesem Slogan wirbt das Aktionsbündnis gegen die Kleidungsordnung an einem Würzburger Gymnasium. Foto: Screenshot

Die Schulkonferenz des Würzburger Gymnasiums hatte gemeinschaftlich beschlossen, aufreizende Kleidung zu bannen. Auch Sanktionen bei Verstößen wurden verabredet. Wer unangemessen zur Schule komme, müsse ein Schulshirt aus der alten Schulkleidungskollektion überziehen. Was auch nicht behalten werden dürfe, sondern gewaschen und gebügelt wie zurückgebracht werden müsse – offenbar für die nächsten Missetäter. Der Elternbeiratsvorsitzende sah nun sich genötigt, auf der Facebook-Seite des Aktionsbündnisses „Der Dresscode muss weg“ den Beschluss zu begründen: „Freiheit ist nicht nur die Freiheit, tun und lassen zu können, was man möchte, Freiheit ist auch die Freiheit des anderen, der eben nicht durch fremdes Handeln in seinen Gesinnungen, Gefühlen oder seiner eigenen Freiheit diskriminiert werden darf.“

Denn tatsächlich hat sich massiver Widerstand gegen die Vorschriften geregt. Die Jungen Liberalen Würzburgs nennen die Regelung in einer Presserklärung eine „Einschränkung der persönlichen Freiheit“. Der stellvertretende Vorsitzende der „JuLis“ begründet das gegenüber dem „Merkur“ so: „Ein Verbot von gewisser Kleidung ist ebenso sexistisch wie unnütz.“ Der junge Mann meint, dass einem Dresscode eine geradezu gefährliche Denkweise zu Grunde liegt: „Wenn etwas nicht gut läuft oder sich ein paar Leute nicht an den Mainstream halten wollen, dann gibt es eben ein Verbot. In einem freiheitlichen Land wie Deutschland sollte eben so eine Denkweise nicht Schule machen.“ Ist es also eine Art Kleidungsdiktatur, wenn Erwachsene Kinder und Jugendliche nötigen, überhaupt etwas anzuziehen?

Ähnlich argumentiert auch die „Grüne Jugend Bayern“. Ihre frauen- und genderpolitische Sprecherin (sic!) sagt der Zeitung zufolge: „Dieser Dresscode und viele weitere Kleiderordnungen an bayerischen Schulen propagieren letztendlich nichts weiter als ‚Victim-Blaming‘ und Sexismus, da er vor allem jungen Mädchen vorschreibt, wie sie sich zu kleiden haben“. Also: Nicht die Kleidung sei das Problem, sondern der Sexismus, der hinter den Reaktionen auf die Kleidung stehe. Und leicht Bekleidete sind eben die Opfer.

Allerdings: Selbst die Schülervertreter des Gymnasiums stehen zu der getroffenen Vereinbarung. Sie betonen gegenüber der Seite www.wuerzburgerleben.de, dass es sich dabei nicht um eine Kleiderordnung handelt  – vielmehr um eine Orientierungshilfe: „Wir schreiben niemandem vor, wie er sich anzuziehen hat. Jeder kann tragen was er möchte. Wir sind keine Modepolizei.” News4teachers

Zum Bericht: Gegen freizügige Kleidung: Schüler müssen XXL-T-Shirt überziehen

15 Kommentare

  1. So viel zum Thema Benimm-Unterricht an den Schulen. Sobald eine Schule „ordentliche“ Kleidung wünscht (auch ein möglicher Teil von Benimm-Unterricht – in Büros kann man sich auch nicht anziehen wie man will), wird diese Maßnahme sofort in Frage gestellt. Benimm-Unterricht ist damit von Grund auf zum Scheitern verurteilt, da kein allgemeiner Konsens darüber existiert, was man darunter eigentlich versteht.

  2. Die Schule ist für Schülerinnen und Schüler der Arbeitsplatz, und die Kleidung sollte dementsprechend gewählt werden. M.W. gibt es nur ganz wenig seriöse Arbeitsplätze, wo Miniröcke, bauchfreie Tops und tiefe Dekolletes zur normalen Arbeitskleidung gehören.

  3. Ich stimme meinen Vorrednern zu.

  4. mehrnachdenken

    Interessant ist Folgendes:

    Ich vermute mal, dass Leute aus dem Aktionsbündnis „Der Dresscode muss weg“ sich evtl. an allzu freizügigen Fernsehsendungen orientieren, aber nicht zögern würden, eine Lehrkraft hemmungslos zu verfolgen, die ihrer Meinung nach evtl. zu sehr auf einen halb entblößten Busen einer Schülerin gesehen hat.
    Diese Vorwürfe erfolgen oft genug auch dann, wenn die Schülerinnen „normal“ bekleidet sind.

    Ganz übel sind aber die Sportlehrkräfte dran, die sich so anständig wie möglich verhalten können, „Sexismuss“ kann ihnen jederzeit vorgeworfen werden.
    Schon längere Zeit haben auch bereits junge Schülerinnen derartige Beschuldigungen als „Waffe“ gegen unbequeme Lehrkräfte entdeckt.

    Deshalb ist jede Schule gut beraten, auf eine angemessene Kleiderordnung zu achten. Das betrifft natürlich auch und in besonderer Weise den Sportunterricht.

    Ist das jetzt der neue „liberale Geist“ der FDP, mit dem sie bei der nächsten Bundestagswahl erfolgreich sein will?

  5. Meine Güte, sollen die SuS sich doch anziehen oder ausziehen, wie sie wollen. Beschult werden müssen sie trotzdem. Manche Leute haben Probleme …

    Es ist sache des elternhauses, darüber zu entscheiden, was die kinder in der Schule anziehen. Mehr als Empfehlungen, was praktische und angemessene Schulkleidung ist, kann man nicht geben – außer man führt Schuluniformen ein.

    Wer das nicht will, muss eben auch mit falsch verstandener individualität bei der Klamotten-Abwahl leben.

    Den Sexismusvorwurf können Schülerinnen auch erheben, wenn sie in unförmige „Wurstpellen“ gehüllt zum unterricht erscheinen müssten.

    • mehrnachdenken

      Bezüglich des Seximus-Vorwurfes gegenüber Lehrkräften scheinen Sie im Tal der Ahnungslosen zu leben. ich empfehle Ihnen mal, sich in Beratungsstellen der Lehrervebände oder des DBB schlau zu machen. Was Sie da zu hören oder zu lesen bekommen, wird Sie hoffentlich aufrütteln und zu einer anderen Sicht auf die Problematik führen!

      Es ist schlichtweg keiner Lehrkraft zuzumuten, leicht bekleidete pubertierende Jugendliche zu unterrichten. Zudem sollten Sie auch an die Jungen denken, bei denen sich in der Pubertät eh schon fast alles um Sexualität dreht, und die sich sicher beim Anblick ihrer „reizenden“ Mitschülerinnen noch weniger auf den Unterricht konzentrieren können und werden.

      • Sie vergessen, dass junge Mädchen ebenfalls eine Sexualität haben und auch an Swx denken.
        Die jungen Männer müssen außerhalb der Schule mit sexy Frauen klarkommen. Und wer sagt, dass es schlimm sei Männer aufzureizen? Ich rede hier von Situationen außerhalb der Schule. In der Schule sollten BEIDE Geschlecht angemessen gekleidet sein.

        zudem sind Jungs nicht schw#nzgesteuert. Man kann auch trotz „sexy“ Schülerinnen dem Unterricht folgen.
        Wenn man aber zu viele Pornos guckt dann braucht man sich auch nicht zu wundern so viel „Kopfkino“ zu haben.

        LG

  6. Wenn die demokratisch legitimierten Organe der Schule einschließlich der Schülervertretung diesen Dresscode vereinbart haben, verstehe ich nicht, was Außenstehende daran herumzunörgeln haben. Ein wenig Respekt vor unserer Rechtsordnung könnte man schon haben.

    • Gilt im umgekehrten Fall aber auch. Wenn sich die beteiligten nicht auf einen Dresscode einigen können, dann kann jeder anziehen, was er möchte. Notfalls muss im Einzelfall gerichtlich geklärt werden, was tatsächlich den Tatbestand der Erregung öffentlichen Ärgernisses erfüllt. Alles andere ist nämlich grundgesetzlich garantiertes Individualrecht.

  7. Wir Frauen haben auch eine Sexualität und denken öfters an Sex. Wir haben, genau wie die Jungs, sexuelle Fantasie. Das hätte man ja wenigstens erwähnen können. ES heißt nur die Jungs haben „Kopfkino“ beim Anblick 12jähriger Mitschülerinnen. Na wenn kleine Mädchen wegen ne etwas zu kurzen Hotptans derart sexualisiert werden, dann weiß ich auch nicht mehr…das sind doch Kinder.
    Sicherlich sollte niemand halbnackt zur Schule gehen, aber hierbei wird ja nur von „männlicher Sexualität“ gesprochen. Man sollte auf so einer Ebene nicht anfangen. Letztlich mussen die Jungen spätestens am Strand oder in der Stadt mit ihrem „Kopfkinos“ zurecht kommen.

    • Kopfkino ist doch in Ordnung, so lange es dabei bleibt.

      Mir sind doch Schüler und Schülerinnen sowie Kollegen und Kolleginnen mit Phantasie lieber als solche ohne.

      Selbst wenn Schülerinnen oder Schüler nackt zum Unterricht erscheinen würden, ist das noch lange keine Aufforderung zu sexuellen Übergriffen.

      Wenn Schülerinnen „tiefe Einblicke“ gewähren bin ich manns genug zu sagen, dass mich das stört und ich das nicht wünsche. Die Tatsache, dass manche Ausschnitte ein „echter Hingucker“ sind, führt nämlich im schlimmsten Fall dazu, dass der Vorwurf erhoben wird, ich hätte die ganze Zeit dahin gestarrt. Es fällt tlw auch schwer nicht hinzugucken. Lehrer sind nun einmal keine asexuellen Wesen, sie müssen halt nur die vorgegebenen Grenzen einhalten. Und ich persönlich sehe lieber spärlich bekleidete Schülerinnen als solche, die sich mit einer Burka verhüllen.

  8. Jugendliche wollten sich doch schon immer äußerlich abheben. Lassen wir sie doch. Die Mädchen, die so leicht bekleidet erscheinen, rechnen doch damit, dass jemand hinschaut. Also brauchen sie sich nicht irgendwo zu beschweren, wenn es so ist. Wenn sie sich dabei unwohl fühlen, werden sie den Bekleidungsstil selber ändern. Für uns Frauen gibt es natürlich nichts zu sehen, außer scheußlichen Unterhosen, kurz bevor die Jeans runterfällt.

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