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Wanka warnt vor Schwächung des Deutsch-Unterrichts in Frankreich

BERLIN. Die französische Regierung reformiert ihre Schul-Lehrpläne und tastet dabei auch den Deutsch-Unterricht an. Die Bundesbildungsministerin appelliert an Paris, bei den Plänen für bilingualen Unterricht nicht zu überziehen.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka warnt vor einer Schwächung des Deutsch-Unterrichts an französischen Schulen. «Ich fände das Aus für die bilingualen Klassen in Frankreich bedauerlich und habe der französischen Bildungsministerin unsere Befürchtungen geschildert», sagte die CDU-Politikerin am Freitag in Berlin. «Wir brauchen einen starken Deutsch-Unterricht in Frankreich und einen guten Französisch-Unterricht in Deutschland.»

Die sozialistische Regierung in Paris hatte ihre Reformpläne diese Woche vorangetrieben. Einen Tag nach Protesten französischer Lehrer wurde am Mittwoch eine Verordnung zum Umbau des Lehrplans der Mittelstufe im Amtsblatt veröffentlicht. Damit bleibt Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem bei der Abschaffung der sogenannten Zweisprachen-Klassen, in denen Schüler schon von Beginn der Sekundarstufe an neben Englisch auch Deutsch lernen.

"Die Kluft schließt sich": Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Foto: Axel Hindemith / Wikimedia Commons Creative Commons (CC-by-sa-3.0)

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka findet den Deutschunterricht in Frankreich sehr wichtig. Foto: Axel Hindemith / Wikimedia Commons Creative Commons (CC-by-sa-3.0)

Die Bundesregierung und deutsch-französische Verbände fürchten, dass sich dadurch künftig weniger junge Franzosen für Deutsch als Fremdsprache entscheiden. Paris hält dagegen, dass bislang nur wenige Schüler von dieser besonderen Förderung profitieren. Künftig solle stattdessen die zweite Fremdsprache für alle ein Jahr früher starten und der Sprachunterricht insgesamt ausgebaut werden.

Wanka wies auf die Bedeutung des Deutsch-Unterrichts für das Verhältnis beider Länder hin: «Das Lernen der anderen Sprache gerade in der Schule sichert die Zukunft der deutsch-französischen Freundschaft. In Europa und in der Welt verbindet uns das Interesse, die beiden nicht leicht zu erlernenden Kultursprachen Französisch und Deutsch gegenseitig wertzuschätzen, hochzuhalten und zu pflegen.» Deutschland und Frankreich hatten sich 1963 im Élysée-Vertrag dazu verpflichtet, die Sprache des jeweiligen Partners zu fördern.

Bei einem Besuch in Berlin hatte Präsident François Hollande am Dienstag nach einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf verwiesen, «dass zum neuen Schuljahr jetzt schon mehr Deutsch-Lehrer eingestellt werden, als es in der Vergangenheit der Fall war. Mehrere hundert Deutsch-Lehrer mehr werden eingestellt.» Die Reformpläne würden umgesetzt, «und über die Reform hinaus – 2016 – wird es mehr junge Menschen geben, die Deutsch lernen als heute».

Zugleich spielte Hollande den Ball zurück: «Ich wünsche mir, dass mehr Deutsche auch Französisch lernen – eine schöne Sprache im übrigen. Auch das gehört in den Verantwortungsbereich der Länder. Ich kann also nicht die Kanzlerin bitten, dafür zu sorgen», sagte der Präsident mit Blick auf den deutschen Bildungs-Föderalismus. «Ich kann mich aber an alle Länder-Verantwortlichen wenden und sie bitten, mehr Französisch-Lehrer einzustellen, damit mehr deutsche Kinder Französisch lernen können.» dpa

Verordnung zur Reform des Collège-Lehrplans, Frz.

Dekret zur Reform des Collège-Lehrplans, Frz.

Informationen der französischen Regierung zur Collège-Reform, Frz.

Kritik der Gesellschaft zur Entwicklung des Deutschunterrichts in Frankreich zur Reform, Frz.

Mitteilung der Lehrergewerkschaft SNES, Frz.

Mitteilung der Lehrergewerkschaft Snalc zum Dekret, Frz.

Élysée-Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit von 1963

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