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Lehrer nach Schülerleistungen bezahlen? Die FDP macht Wind mit einer Schnapsidee

Ein Kommentar von ANNA STORCH.

Die FDP möchte sich offenbar in der Bildungspolitik profilieren. Logo: Wikimedia Commons

Die FDP möchte sich offenbar in der Bildungspolitik profilieren. Logo: Wikimedia Commons

Was für eine Schnapsidee. Die FDP will, dass Lehrer nach Leistung bezahlt werden. Und als Grundlage  soll die Messung von Schülerleistungen dienen. Man stelle sich vor: Pubertierende Schüler wüssten, dass der nächste Test für den Lehrer darüber entscheidet, ob er seine Miete bezahlen und seinen Kühlschrank füllen kann. Wie das Ergebnis ausfiele, kann sich jeder lebhaft ausmalen, der solch eine boshafte Brut zuhause hat.

Aber mal im Ernst: Was ist denn eine gute Lehrerleistung nach FDP-Modell? Einem geistig behinderten Kind zu vermitteln, seinen Namen zu schreiben? Einem hochbegabten Schüler Bücher aus der Uni-Bibliothek zu besorgen? Eltern zu veranlassen, ihre Kinder nicht jeden Tag stundenlang vor dem Bildschirm hocken zu lassen, damit überhaupt noch etwas in ihre Köpfe hineinpasst? Oder den sozial unverträglichen Kevin mit einer Opferliste so lang wie sein Jugendstrafenregister dazu zu bringen, im Team mit Mitschülern friedlich und engagiert an einem Theaterprojekt mitzuwirken?

Anders ausgedrückt: Der Bildungs- und Erziehungsauftrag von Lehrern ist viel zu komplex, um ihn in einer eindimensionalen Leistungsskala abzubilden. Darüber hinaus gibt es auch viel zu viele Faktoren, die den Lernerfolg beeinflussen – nicht zuletzt die Lernbereitschaft des Schülers selbst. Sigmund Freud zählte den Lehrerberuf zu den „unmöglichen“ Berufen, weil sich Lehrer ihres  ungenügenden Erfolges sicher sein könnten. Lehrer sind eben nicht alleinverantwortlich für die Lehr-Lernprozesse. Sie haben weder eine Zielkontrolle, noch können sie die Wege dahin allein bestimmen und können deshalb für das Ergebnis keine Garantie übernehmen. Darin unterscheiden sie sich nicht von Ärzten, deren medizinischer Erfolg sich auch immer nur im Rahmen von Wahrscheinlichkeiten bewegt. Kein Mensch käme auf die Idee, Ärzten, die einen Kranken nicht zu heilen vermögen, das Einkommen zu streichen.

Aber die Initiative von Frau Beer kann einen schon dazu bringen, mal einen anderen Vorschlag zu versuchen: Wie wäre es denn mit einer Leistungsbesoldung für Politiker? Kohle gibt’s nur dann, wenn ihre Arbeit nachweislich zu einer Verbesserung des Lebens in Deutschland geführt hat. Wie das gemessen werden soll? Der FDP wird dazu sicher ein Konzept einfallen.

Zum Bericht: FDP will Lehrer nach Leistung bezahlen – dafür sollen Schülerleistungen gemessen werden

 

 

16 Kommentare

  1. Guter Kommentar. Den letzten Absatz könnte man auch auf diverse Aufsichtsratsposten übertragen, die Berufspolitiker während ihrer Mandatszeit „so nebenbei“ oder danach haupt“beruf“lich ausüben.

  2. Bei allem Respekt, aber für diesen selten dämlichen Vorschlag von Frau Beer – immerhin eine ehemalige wenn auch völlig glücklose Kultusministerin – sollte man der Dame ihren daraus resultierenden Pensionsanspruch zusammenstreichen.

  3. „Anders ausgedrückt: Der Bildungs- und Erziehungsauftrag von Lehrern ist viel zu komplex, um ihn in einer eindimensionalen Leistungsskala abzubilden. Darüber hinaus gibt es auch viel zu viele Faktoren, die den Lernerfolg beeinflussen – nicht zuletzt die Lernbereitschaft des Schülers selbst.“

    Jedes Jahr wird ein Preis für die „beste“ Schule und die „beste“ Lehrkraft vergeben.
    Offensichtlich gibt es Leute oder Gremien und sogar Sch, die sich das zutrauen, was die Kommentatorin für eine „Schnapsidee“ hält.

    http://www.news4teachers.de/2015/06/das-geheimnis-von-deutschlands-bester-schule-2015-respekt/

    • Na ja, erstens zeichnet der Deutsche Schulpreis nicht „Deutschlands beste Schule“ aus und der Deutsche Lehrerpreis nicht „Deutschlands besten Lehrer“ – das machen Journalisten daraus. Genauso wenig ist ein Literaturnobelpreisträger „der weltbeste Schriftsteller“. Und zweitens geht es ja dabei nicht nur – wie beim FDP-Vorschlag – um messbare Schülerleistungen, sondern um ein pädagogisches Gesamtpaket. Und das lässt sich m. E. schon insoweit beurteilen, dass besonders innovative Ansätze eben auszeichnungswürdig sind. Da muss man sich als nicht-ausgezeichneter Kollege ja nicht zurückgesetzt fühlen.

      • Das sind aber Auszeichnungen, die mit einem Orden, Pokal, Blumenstrauß o.ä. zu würdigen sind, nicht mit dem regulären Gehalt, und auch nur für Einzelpersonen. Sogar eine Lehrkraft pro Schule und Jahr finde ich zuviel.

      • Was ist „innovativ“ im pädagogischen Bereich? Im technischen signalisiert mir der Begriff etwas Positives, eine Weiterentwicklung und Verbesserung des Produkts. Im Bereich der Bildung erwarte ich dagegen eine neue spinnerte Idee, mit der sich irgendein „Experte“ oder eine Landesregierung schmücken will. Hauptsache etwas Neues, auch wenn es Verschlechterung bedeutet. Schönreden kann man im Bildungswesen ja alles, z. B. irgendwelchen unnachprüfbaren Kompetenzgewinn behaupten trotz weiter sinkender Schülerleistungen bei steigender Belastung der Lehrer.

        • Genauso gut kann man behaupten: Fortschritt in der Medizin ist spinnert, es lebe Sauerbruch. Wenn es keine Innovationen gäbe in der Pädagogik, säßen die Kinderlein heute noch in Reih‘ und Glied in den Schulbänken, lauschten den endlosen Vorträgen von Fräulein Lehrerin, würden Erkenntnisse im Chor nachsprechen und bekämen ein paar auf die Finger oder den Hintern, wenn sie nicht spuren. Man muss nur mal in die Schulen schauen – natürlich hat sich viel Gutes getan. Lehrer heute verfügen in der Regel über ein Repertoire an Methoden. Und die Ergebnisse? Sind natürlich viel besser als bei einem rein repetitiven Unterricht.

          • Tatsächlich???

          • Innovation ist in der Pädagogik leider seit vielen Jahren ideologie- statt sachgesteuert und das hat in der Regel kein glückliches Ende.
            Wäre die Medizin so beherrscht von Ideologie wie die Pädagogik, wäre ihr Weg gesäumt von Geschädigten und Toten. Diese könnten nicht weg- oder schöngeredet werden, sondern wären sichtbare Anklage für ein unverantwortliches Rumexperimentieren am lebenden Objekt.

  4. Gut getroffen, Frau Storch.

  5. So ein Vorschlag kann nur von jemandem kommen, der nie als Lehrer gearbeitet hat. Es ist immer das Gleiche!!! Wozu würde es denn führen, wenn man Lehrer nach Leistung bezahlt ? Alle Zensuren wären schlagartig besser. Weil wir einfach besser zensieren würden. Noten sind nicht objektiv und das ist sogar gut so, denn Noten haben immer auch eine pädagogische Komponente. Ich kann noch die bessere Zensur geben oder schon die schlechtere – aus pädagogischen Gründen. Und nein, vorgebene Bepunktungen helfen da gar nichts ! Ich kann einen Punkt noch geben oder nicht mehr geben, z.B. wenn ein Schüler sich „unklar“ ausdrückt und ich aber weiß, was er meint. Mit einem solchen Leistungsanreiz würden ganz sicher alle Zensuren besser, aber die Leistungen würden bleiben wie sie sind. Und nein, wenn wir das nicht von den Zensuren abhängig machen, sondern von den Leistungen – wie will man denn nachweisen, dass es an den mangelnden Fähigkeiten des Lehrers gelegen hat, wenn jemand etwas nicht versteht oder nicht beherrscht und nicht an den mangelnden Fähigkeiten oder schlichtweg der Faulheit des Schülers ?!?

  6. Bezahlung nach leistung – die Idee ist doch gar nicht schlecht. Zunächst einmal die Frage, warum sollen Klassenlehrer und Fachlehrer das gleiche Gehalt haben? Warum werden Kurse mit 12 Kindern genauso schlecht bezahlt wie solche mit 32 Kindern? Warum werden Korrekturfächer genauso bezahlt wie „andere Fächer“? Warum wird der Einsatz an einer Hauptschule schlechter vergütet und mit geringeren Aufstiegschancen versehen als der an einem Gymnasium? Warum werden tarifbeschäftigte Lehrkräfte auf Basis der Nettoentlohnung wesentlich schlechter vergütet als verbeamtete? Warum werden zeitlich befristet Beschäftigten die Sommerferien nicht vergütet?

    Wenn diese Fragen im Einvernehmen mit den Betroffenen geklärt sind, dann kann man gerne im zweiten Schritt überlegen, wie die „leistung“ von Lehrern zu messen ist.

  7. Ich bin für eine Stechuhr. Nach der 40Stunden-Woche darf man aufhören zu arbeiten und bekommt sein Gehalt. Jede Schulart das gleiche, denn jeder hat mit anderen Aufgaben zu „kämpfen.“

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