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Studienbedingungen immer schlechter! Immer mehr Studenten müssen sich einen Professor teilen

BERLIN. Das Studium liegt im Trend, die Anzahl der Erstsemester ist zuletzt sprunghaft gestiegen. Eine neue Studie zeigt nun auch die Kehrseite der Medaille.

Immer mehr Studenten gibt es in Deutschland: Fassade der Berliner Humboldt-Universität. Foto: Rolf Handke / pixelio.de

Immer mehr Studenten gibt es in Deutschland: Fassade der Berliner Humboldt-Universität. Foto: Rolf Handke / pixelio.de

An deutschen Hochschulen müssen sich einer neuen Studie zufolge etwa 63 Studenten einen Professor teilen – vor zehn Jahren waren es nur 54. Diese zunehmend problematische Betreuungsrelation sei eine Folge des enormen Booms bei den Studienanfängern, teilte das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zu seiner Auswertung mit. Nach den CHE-Daten begannen 2005 rund 350.000 Menschen in Deutschland ein Studium, 2013 waren es bereits mehr als eine halbe Million.

Die ‎Bundesländer hätten zwischen 2005 und 2013 «überwiegend in zusätzliches Personal im akademischen ‎Mittelbau» investiert, teure und langfristig bindende Professorenstellen seien dagegen seltener geschaffen worden. CHE-Geschäftsführer Jörg Dräger warnte deswegen am Mittwoch: «Das Wachsen ‎des Hochschulsystems darf nicht zu „Wachstumsschmerzen“ auf Kosten der Studierenden ‎führen. Eine gute Betreuung und Zugang zu Professoren müssen weiterhin gewährleistet ‎bleiben.»

Das Wachstum von 43 Prozent bei den ‎Erstsemestern eines Jahres habe der 2007 geschlossene Hochschulpakt begünstigt, hieß es. Die CHE-Untersuchung «Und wo studieren die jetzt alle?» zeigt, dass vier von ‎fünf der neu hinzugekommenen Studierenden in einem westdeutschen Flächenland starteten, ‎zusammen rund 60 Prozent allein in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Von den Stadtstaaten habe vor allem Berlin auf Wachstum gesetzt, aber auch Hamburg und ‎Bremen konnten ihre Kapazitäten ausbauen.

Wie im Hochschulpakt gefordert, hätten die ‎ostdeutschen Länder ihre Studienanfänger-Zahlen stabil gehalten, ermittelte das CHE. «Der dortige starke ‎Bevölkerungsrückgang von Personen im studierfähigen Alter konnte durch Studierende aus ‎anderen Bundesländern ausgeglichen werden. So hat sich der Anteil westdeutscher ‎Abiturienten an ostdeutschen Hochschulen von 2005 bis 2013 verdoppelt.» Hinzu kam ein ‎deutlicher Anstieg ausländischer Studienanfänger in ganz Deutschland – ihre Zahl stieg ‎parallel zur Entwicklung bei den deutschen Erstsemestern.

Die Hochschultypen profitierten laut der Analyse des CHE, das der Bertelsmann-Stiftung zugeordnet ist, unterschiedlich stark von dem Boom. «Beim Ausbau der ‎Studienplätze gehören die Fachhochschulen zu den Gewinnern der Entwicklung.» Ihr Anteil an ‎den Studienanfängern eines Jahres stieg von 32 (2005) auf 40 Prozent (2013). ‎Auch private Fachhochschulen konnten ihre Studentenzahlen erheblich steigern. Bei den Studienfächern dominierten die Rechts-, Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften: 40 Prozent ‎der zusätzlichen Erstsemester entschieden sich für ein Fach aus dieser Gruppe, auf Platz zwei folgten die Ingenieurwissenschaften. Von Werner Herpell, dpa

Zum Bericht: So viele Studenten wie noch nie: Deutschland im „Akademisierungswahn“?

Ein Kommentar

  1. Das war aber von vorne herein klar: Schulzeitverkürzung, Abschaffung der Wehrpflicht und Abschmelzen der Leistungsanforderungen bis zum Abitur führen zwangsläufig zu höheren Studentenzahlen. Bei den „harten“ Naturwissenschaften (Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Elektrotechnik, Maschinenbau und Verwandte) sind die Studienbedingungen verglichen mit den überlaufenen Geisteswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften, Medizin nach wie vor paradiesisch. Das Studium ist allerdings auch deutlich anspruchsvoller.

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